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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-11 · 37 (11.9.1896) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
37 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 740 Vr. Vlortz's WochrnptzrM. Nr. 37 Wir haben letzthin berichtet, daß der in dieser Angelegenheit seitens des Sadagoraer Cultusvorstandes überreichte Protest vom Landesschulrathe in seiner letzten Sitzung abschlägig beschieden wurde. Als Begründung für diesen ablehnenden Bescheid wurde nicht eine etwaige Jncompetenz des Cultusvorstandes geltend gemacht, sondern darauf hingewiesen, daß keine Confession die absolute Majorität in der Sadagoraer Volksschule habe. Auf das wichtige Moment des erforderlichen fünfjährigen Durchschnittes ließen sich die Herren im Landesschulrathe nicht ein. Das geltend gemachte Bedenken, daß die überwiegende Majorität der Kinder in der Mädchenschule jüdisch sei und daß schon dadurch die uothwendige Majorität hergestellt sei, that man in der Begründung des Protestes damit ab, daß man erklärte, man werde dereinst die Mädchenschule von der Knabenschule trennen. Da also keine absolute Majorität jüdischer Kinder nicht vorhanden sei, so habe man den Concurs ohne das Erforderuiß der Angabe der Confession ausgeschrieben. Bewerben kann sich also Jeder, aber angestellt wird selbstverständlich jeder Andere, nur nicht ein Jude. Daß es so der Fall sein wird, beweist wieder der Umstand, daß der Czernowitzer Bezirksschulrath seinen Vorschlag, betreffend die Besetzung der Oberlehrerstelle bereits erstattet hat, welcher Vorschlag entgegen der sonstigen Gewohnheit kein Ternasondern ein Solovorschlag ist. Und dieser Solomann ist der gegenwärtige provisorische Schulleiter Karl Schorsch. So erlebt man es, daß einer bestimmten Classe von Staatsbürgern ihr Recht gekürzt wird, ohne daß sich auch die höheren controlirenden Behörden dazu aufraffen thäten, um an Stelle des Unrechtes das Recht zu setzen. Dem armen jüdischen Lehrer, der doch auch das Streben hat, vorwärts zu kommen, um es zu etwas zu bringen, wird durch eine solche Handhabung der Gesetze jede Aussicht auf ein Avancement zum Oberlehrer benommen, so daß man wahrlich jenen unglücklichen jüdischen Candidaten, die hoffnungsfreudig die Lehrerlaufbahn betreten, mit dem Dichter zurufen kann: „Laßt, die ihr da eingeht, jede Hoffnung schwinden!" Lemberg, 2. September. (Eine aufgelöste Jsraeliten-Gemeinde.) Wie dem „Dziennik Polski" aus Tarnow . berichtet wird, hat die Statthalterei die Verfügung der Bezirkshauptmannschaft, wonach Bezirkscommisiär Baron Battaglia mit der provisorischen Besorgung der Agenden .des aufgelösten israelitischen Cultusgemeinde-Borstandes in Tarnow betraut wurde, nicht genehmigt, und zwar mit der Motivirung, daß es nicht angehe, einem Andersgläubigen die Leitung der israelitischen Eultus-Angelegenheilen zu übertragen. In Folge deffen wurde zum provisorischen Leiter der aufgelösten Gemeinde das Mitglied derselben, Maschler, bestellt. Krakau. Die k. k. Statthalterei hat mit der Erledigung der Statuten für die Cultusgemeinden Galizien innehaltend, die galizischen Cultusgemeinden aufgeforvert, sich noch über die Höhe der durch die Cultusgemeinden einzuhebenden Schlachtgebühr zu äußern. Zu diesem Zwecke fand hier unter Vorsitz des Vicepräsidenten der hiesigen Cultusgemeinde, Gemeinderathes Herrn Hirsch Landau, eine Sitzung der Cultusrepräsentanz in Anwesenheit der Vertrauenspersonen der orthodoxen Partei statt. Bei derselben erstattete Herr Hirsch Landau einen eingehenden Bericht über den betreffenden Erlaß der k. k. Statthalterei, erläuterte den Sachverhalt und stellte den Antrag, man möge um Gewährung eines öOpercentigen Zuschlages zur Consumsteuer petitioniren. Hierüber entspann sich eine lebhafte Debatte, an der sich der Vorsitzende, die Herren I. Heidenfeld, Dr. Isidor Jurowicz und Dr. Frankel betheiligten, worauf der Antrag des Vorsitzenden mit allen gegen eine Stimme angenommen wurde. Der diesbezügliche Beschluß ist bereits an die k. k. Statthalterei abgegangen, und hofft man allgemein, daß die Bestätigung der Statuten in der allernächsten Zeit erfolgen wird. Aus Kroatien. Aus Agram wird uns geschrieben: Seit einigen Wochen bringt das hiesige socialisüsche Blatt „Sloboda" gegen die hiesigen Kleiderhändler Bandy, Arnstein und Straßberger, Jacob und M. Neumann antisemitische Hetzartikel, welchem rohen Vorgehen sich der clericale „Obzor" mit jauchzender Schadenfreude anschließt. Wieweit diese Gemeinheiten gehen, beweist der hiesige Geist und Sinn der Arbeiterschaft und deren Presse, welche am Sonntag den 6. d. M. Pamphlete auf dem Wochenmarkte und vor den Kirchen und in den Kaffeehäusern durch unreife Jungens vertheilen ließen, welche von der Polizei verhaftet und dem Bezirksgerichte übergeben wurden. Der Grund dieses Vorgehens gegen obige, im besten Rufe stehenden Kaufleute ist, weil dieselben die besseren Kleider in Wien Herrichten lassen, wo dieselben feiner, eleganter und billiger hergestellt werden. Gegen die Urheber, welche zur Verbreitung dieses Pamphlets beigetragen haben, wurde die Strafanzeige erstattet und wird mit Interesse dem Ausgange dieser Affaire entgegcngesehen. Aber Wunder nimmt es jeden der hiesigen Kaufleute, daß die hiesige Polizei erst durch Intervention der betheiligten Firmen sich bewogen fand, einzuschreiten. Ja, es ist halt der eine Fehler, wir s i n d I u d e n, welche nur zu s o g e n a n n t e n liberalen Zwecken genommen werden und dann kommt der gewöhnliche Fußtritt. Die Strömung ist leider heutzutage eine solche — warnt uns Juden aber, dem zu dienen, der uns behandelt, wie wir es verdienen! Argus. Raab. Die hiesige Cultusgemeinde hat in Raabsziget einen Tempel, der ungefähr vor hundert Jahren erbaut wurde. Die Stürme der Zeit haben das sonst schöne Gebäude in seinen Grundfesten erschütteri, doch ließ es die Umsicht und Opferwilligkeit unserer Gemeinde nicht verfallen, sondern ließ es verbessern, verputzen und übergab es neuerdings seinem hohen, heiligen Ziele. Dieser Tage wurde der Tempel wieder eingeweiht. Die Einweihung gestaltete sich zu einer erhebenden Feierlichkeit, bei der die Spitzen unseres Magistrates, viele Christen und die hervorragendsten Männer unserer hiesigen Glaubensgenossen anwesend waren. Die Choralgesänge leitete unser Obercantor Adolf S z a n t o, die Festrede hielt Oberrabbiner Dr. Julius Fischer, der bei dieser Gelegenheit eine seiner schönsten Reden hielt. Besonders ergreifend war der historische Rückblick, mit welchem der brillante Redner die politische und sociale Stellung der hiesigen Juden — vor hundert Jahren — schilderte. So durfte in der Stadt Raab damals kein Jude wohnen, sie wurden in das- Dörfchen Sziget, gleichsam in ein Ghetto gedrängt, von wo sie sich in die Stadt nur zur Zeit der Märkte und auch da mit specieller Bewilligung der Behörde auf 2 bis 3 Tage begeben konnten. Um die Renovirung des Tempels hat sich Herr David Sonnenfeld besondere Verdienste erworben. Venedig. In der Ruhmeshalle des Dogenpalastes ist jüngst ein Denkmal fiir den Geschichtsschreiber Samuel R o m a n i n feierlich enthüllt worden. Als Sohn armer jüdischer Eltern 1808 in Triest geboren, übersiedelte er bald nach Venedigs wo er sich literarischer Thätigkeit widmete und historische Werke übersetzte. Als im Jahre 1847 in Venedig ein wissenschaftlicher Congreß abgehalten wurde, erhielt er dadurch die Anregung zu dem Entschlüsse, eine ausführliche und gründliche Geschichte Venedigs zu schreiben. Die letzten dreizehn Jahre seines Lebens hat nun Romanin mit dem größten Eifer seinem großen Geschichtswerke gewidmet. Im Jahre 1853 erschien das erste Heft der Geschichte Venedigs, und als Romanin am 9. September 1861 starb, war der bis zum Jahre 1796 reichende neunte Band gerade fertig gedruckt worden, während das Manuscript des zehnten Bandes, welcher das Ende der Republik im Jahre 1797 und das erste Jahr der österreichischen Herrschaft (1798) sammt Urkunden und Regesten umfaßte, druckfertig in seinem Nachlasse gefunden wurde. Romanin war der erste gewesen, der die Geschichte Venedigs auf Grund urkundlicher Forschungen in den venetianischen Archiven geschrieben hatte, und der wissenschaftliche Werth seiner Arbeit ist von Forschern wie Gregorvius und Reumont anerkannt worden. Holland. (C e n t e nn a r i u m der j ü d i s ch e n E m an - cipation in Holland.) Der vergangene Mittwoch bildet einen Markstein in der Geschichte der Juden in Holland, denn an diesem Tage sind es hundert Jahre gewesen, seit die religiöse Freiheit in den Niederlanden proclamirt wurde. Obgleich es den Juden gleich bei ihrer Ansiedlung in Holland gestattet war, ihre religiösen Pflichten zu erfüllen, so waren ihnen doch bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts bürgerliche Rechte versagt. Erst die französische Resolution gab den ersten Anstoß zu einer Bewegung unter vorurtheilslosen, aufgeklärten, holländischen Bürgern, welche zur Folge hatte, daß die' dem Volke gewährten Rechte auch auf die Juden ausgedehnt wurden. Im Mai 1796 wurde in den Generalstaaten die vollkommene Gleichberechtigung aller Religionen zum Staatsgrundgesetze erhoben, und am 2. September desselben Jahres wurde die Emancipation der Juden als vollzogene Thatsache proclamirt. Die Geschichte unserer holländischen Glaubensgenossen im abgelaufenen Jahrhundert und ihre Treue nnd Vaterlandsliebe beweisen zur Genüge, daß sie von den ihnen gewährten Rechten stets den edelsten Gebrauch gemacht haben. Paris. (Jüdische Wohlthätigkeit in Paris.) Wie in London, wendet sich auch hier die allgemeine jüdische Wohlthätig-

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