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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-11 · 37 (11.9.1896) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
37 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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. Nr. 37 Vr. Vloch's Wochenschrift Sette 739 erklärte. Erst der Sicherheitswache gelang es, den Saal zu räumen. Der Socialdemokrat Jaroslav S m o c k a trug eine bedeutende Verletzung davon. Ein Llntisemit hatte seinen Schirm am Kopfe des S m o c k a zerschlagen. Außerdem wurden noch zwei Socialdemokraten verletzt. Die Polizei leitete sofort eine Untersuchung ein. S m o c k a, dessen Kleider mit Blut bedeckt waren, und mehrere andere Theilnehmer der Versammlung wurden einvernommen. Gegen einen Schneider, einen Schlosser und einen Fleischhauer, alle --Drei Antisemiten, wurde die strafgerichtliche -Untersuchung eingeleitet. Prag. (Zum Fortschritt der Iud en cz echisi ru n g i u Bö h m en.) Sticht nur in der Miniaturgemeinde Königsstadtl, sondern auch in etwas größeren Gemeinden macht die Judenczechisirung riesige Fortschritte. Io z. B. hat es Heuer der Cnltnsgemeinde T. Anstrengungen gekostet, die daselbst seit vielen Decennien bestehende deutsche Schule, für deren Auflösung die jüdischen Jungczechen plaidirten, zu erhalten. In der Gemeinde X.f die vor drei Jahren ans Anregung einiger Herren czechisirt wurde, hat der Cnltusvorstand vor Kurzem an sämmtliche Gemeindemitglieder ein Circular erlassen, in welchem dieselben dringend ersucht wurden, auf der Straß? ja nicht in der Sprache Schiller's und Goethe's zu cvnseriren, um nicht das Nationalgefühl der Czechen zu verletzen. Das Sonderbare dabei ist, daß die enragirtesten Czechen dieser Stadt ihren Kindern in der deutschen Sprache Unterricht ertheilen lassen und daß man nicht selten czechische Herren und Damen auf öffentlichen Plätzen ein schönes Deutsch sprechen hört. Ob dieser jüdisch-czechische Chauvinismus für die Inden Böhmens günstige Folgen haben und der Antisemitismus hiedurch unterdrückt werden wird, wird die Z u k n n f t lehren. So viel ist gewiß, daß es heute schon in vielen solchen Gemeinden genug junge Leute gibt, die, wenn sie nach Absolvirnng der Mittelschulen in die Welt hinanstreten und vom Hause keine Unterstützung zu erwarteil haben, sich u n m ö g l i ch fortbringen können, weil sie eben der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Und da wagt man es noch, zu behaupten, daß die Juden keine opferwilligen czechischen Patrioten seien? Wir glauben, daß inan ein ganz guter Czeche sein kann, selbst wenn man auch Deutsch cvrrect zu sprechen versteht. Die wackeren Czechen sind durchaus nicht so intolerant, daß sie von den jüdischen G e s ch ä f t s l e u t e n verlangen würden, die deutsche Sprache, deren Kenntniß in Oesterreich noch immerhin erforderlich ist, zu verlernen. Wozu also diese Aengstlichkeit, über die selbst die Urczechen sonderbare Glossen machen? Wenn nur nicht die führenden Herren nationaler sein wollten, als die Nationalen! Ein Prager Czechenfrennd. Olrnütz. Von verläßlicher Seite habe ich iu Erfahrung gebracht, daß Herr Prvmber in letzter Zeit mit verschiedenen einflußreichen Juden vom Lande unterhandelt hat und denselben allerlei Versprechungen für den Fall gemacht hat, als die Juden bei den nächsten Wahlen wieder mit den Deutschen gehen, trotzdein die Führer der sogenannten „Deutschliberalen" iit Hohenstadt unter das caudinische Joch gegangen sind. Sollte es unter den mährischen Juden immer noch Gimpel geben, die Herrn Promber auf den Leim gehen? Nikolsburg. Die Herren Mitglieder des Mährisch-Schlesischen israelitischen Lehrervereines mache ich ans meinen Domicilwechsel aufmerksam und bitte die dienstunfähigen Lehrer resp. ihre Witwen und Waisen, die Gesuche um Unterstützung pro 1896 nicht wie bisher an mich nach Nikolsburg, sondern vom 1. October d. I. angefangen an mich nach Troppau, Rossigasse, zu adressiren. Ferner bitte ich jenen unbekannt sein wollenden Menschenfreund und Wohlthäter, der seit mehr als 2 Decennien mich mit seinem Zutrauen beehrt und mir Gelder zur Gewährung unverzinslicher Darlehen überschickte, nlich gefälligst wissen zu lassen, wem ich bei meiner Uebersiedlung Geld und Pfänder übergeben soll. Dr. Moriz Eisler. Brünn. Samstag den 5. d. M. fand der erste Bereinsabend des jüdischen Vereines in Brünn statt, an welchem eure rege Discussion über die Lage der Juden speciell in Brünn sich entwickelte. Die Ausführungen des Referenten sowie des Ingenieurs T i n t n e r, Herrn Dr. Carl P o l l a k aus Wien und des Herrn Alfred S t r a ß e r fanden stürmischen Beifall. Die Vereinsleitnng versendet nachstehenden Aufruf: An die jüdische Bevölkerung Brünns! Samstag den 29. August 1896 hat der „Jüdische V e re i n i n B r ü u n" seine Thätigkeit eröffnet. Er hat es sich zur Aufgabe gestellt, der Jnteressen-Mittelpunkt aller Inden Brünns zu werden, und er w e n d e t s i ch daher an Euch, jüdische Mitbürger, mit der eindringlichen Bitte, seine Z tv e ck e nach jeder Richtung hin auf das Nachdrückli ch st e zu fördern. Jüdisches Bewußtsein in seinem edelsten Sinne zu heben und zu kräftigen, Schmälerungen unserer Rechte und unserer Ehre mit allen zu Gebote stehenden Mitteln e n t g e g e n z u t r e t e n, für Errungenschaften j ü d i s ch e n G e i st e s, jüdischen Fleißes sich einzusetzen, jüdisches Elend, in welcher Form immer es auch austreten möge, zu l i nd e r n u n d z u beheben, der gesellschaftlichen Zerfahrenheit, die die Juden gegen einander in feindliche Lager treibt, ein E n d e zu bereiten, kurzum der erhabenen Idee gerecht zu werden, das ganze jüdische Volk durch unzerreißbare Bande an einander zu ketten, das ist in großen Zügen das Programm unseres Vereines. Also nicht dem Bedürfnisse entsprungen, zu kämpfen und Zwietracht zu säen, sonoern nur von dem Bestreben geleitet, zurückzuerobern, was durch falsche Führung im Laufe der Jahre verloren ging, und es in Zukunft zu wahren und für immer zu erhalten, — damit glaubt sich oer „Jüdische Verein" das beste Leitmotiv für seine Bewegung geschaffen zu haben. Nachdem die Durchführung dieser Ideen sowohl des persönlichen Eintretens, als auch mannigfacher materieller Mittel bedarf, damit das Ziel, das wir uns vorgesteckt, würdig erreicht werde, wenden wir uns an Euch, jüdische Mitbürger, mit dem dringenden Wunsche, durch zahlreichen Beitritt zu beweisen, daß Ihr der jüdischen Sache b e g e i st e r t e s Interesse entgegenbringt. Dann wird es uns ein Leichtes sein, Euren Ansprüchen in jeder Beziehung gerecht zu werden. Denn wir wollen der jüdischen Bevölkerung die Gelegenheit geben, durch Errichtung von Bibliotheken und Lesezimmern, durch Anschaffung wahrhaft jüdischer Zeitschriften, durch Abhaltung öffentlicher D i s c u s s i o n s- und Vortragsabend e, durch Veranstaltung von Unterhalt unfl e n und Festlichkeiten an erinnerungsreichen Tagen der jüdischen Geschichte sich das volle Verständniß für diese großartige Bewegung zu erwerben. Und dann kann es nicht au sbleiben, daß auch Ihr in Zukunft mit all Eurer Sympathie Euch der großen Sache an schließen und ihre unerschütterlichen Anhänger bleiben werdet. — Brünn, im September 1896. Für den Ausschuß: Dr. Sigmund S t r a ch, Obmann; Arthur T i ntn er, vaucl. Ing., 1. Schriftführer; Berthold F e i w e l, Cand. Jur., 2. Schriftführer. — Mitgliederanmeldungen sind zu richten an den Obmann des Vereines, Dr. Strack, F e r d i n a n d g a s j e 9. — Der Mitgliedsbeitrag beträgt für das Halbjahr 3 fl. — 6 Kronen, die Einschreibegebühr 1 fl. ----- 2 Kronen. Brünn. Die czechischen Zeitungen berichten, daß das Zusammengehen der Inden mit den Deutschen auch für die diesjährigen Landtagswahlen gesichert sei. Wiewohl diese Nachricht noch der Bestätigung bedarf — denn es ist ganz unbekannt, wer das Recht sich anmaßt, die Stimmen der Gesammtheit der mährischen Juden in Bausch tcnd Bogen au die Deutschen zu verschachert! — so ist es doch eine leider nicht wegzuleugnende, wenn auch tief beschämende Thatsache, daß wie bei früheren Wahlen in jüdischen Kreisen Wahlagitationsgelder für die Deutschen gesammelt werden und daß die aus früheren Wahlperioden bekannten jüdischen Wahlagitatoren tvieder ihre Thätigkeit zu Gunsten der Deutschen zu entfalten beginnen. So lange es in Mähren, wenn auch nur den Namen nach, Liberale gab, konnte man für ein derartiges Vorgehen noch einen Schein von Berechtigung retten, heute aber, nachdem die Unterwerfung der ehemaligen sogenannten „Liberalen" unter die bösartigsten aller Antisemiten, die Dentschnationalen, vollzogen und Thatsache ist, kann ein derartiges ehrvergessenes Vorgehen nirgends gutgeheißen werden. Es gibt hoffentlich in den breiten Schichten des Mittelstandes in der mährischen Jndenschaft Männer genug, deren Ehrgefühl gegen solche Polemik sich ausbäumt. Hoffentlich raffen sich diese Männer zu einer energischen Kundgebung gegen die der mährischen Jndenschaft zugedachte Schmach ani! Czernowitr. (Von der Sadagoraer Volksschule.) Es scheint, als sollte die Sadagoraer Bvlksschulaffaire noch lange das öffentliche Interesse beschäftigen. Denn noch immer ist sie nicht zum Abschlüsse gelangt und wird es so rasch nicht dazu bringen. Unsere Leser wissen bereits zur Genüge, um was es sich hier handelt und es ist auch das lebhafte Interesse, das der Entwicklung dieser Affaire entgegengebracht wird, dadurch erklärlich, daß es sich hier nicht um eine Personenfrage, sondern um eine Principiensrage handelt, daß es hier darauf ankonnnt, unsere Schulbehörden ans die Probe zu stellen, ob sie auch willens sind, das reactionäre Gesetz betreffs der Confession des Schulleiters auch einmal, wenn die Voraussetzungen zutreffen, zu Gunsten der Inden anzuwenden.

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