Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 37 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 37 Dr. Bloch's Wortzrnphrist. Seite 737 kommen rein erhaltenen Religion, die sie strengstens befolgen, Trost. Solche Leute rauben und morden nicht. Ganz im Gegentheil ist es nachgewiesen, daß zahllose Armenier — es wohnen deren inmitten von Haskeuy ungefähr etwa fünftausend — von den Juden gerettet wurden. Schreiber dieses kann einen spaniolischen kleinen Händler ans Haskeuy nennen, der allein nicht weniger als zehn, ihm namentlich bekannte Armenier rettete mrd durch fünf Tage iit seinem Heim versteckte. An der ganzen Nachricht über die Spaniolen, die auch hier Verbreitung, aber keinen Glauben fand, ist nur das Eine wahr : Eine Anzahl spaniolischer Lastträger wurde von verschiedenem Raubgesindel dazu gemiethet, um das erbeutete Gut in Sicherheit zu bringen; solche Spaniolen werden jetzt auch von der Polizei vielfach dazu verwendet, um die geraubten Effecten wieder zu entdecken und den ursprünglichen Besitzern zurückzustellen. Thatsache ist, daß in Haskeuy fast alle fünf- bis sechshundert armenische Häuser geplündert lvurden; aber auch nicht ein einziger Armenier wurde daselbst getödtet, sie waren alle versteckt. Wo? Zumeist bei den spaniolischen Juden. Haskeuy ist so arm, daß die englische Missionsgesellschaft hier den geeignetsten Punkt gefunden zu haben glaubte, um durch Geld oder Verbesserung der Stellung einige arme jüdische Seelen dem Fegefeuer zu entreißen, sie in den Schoß der anglikanischen Kirche aufnehmend. Die genannte Missionsgesellschaft hat hier eine ihrer bestarbeitenden Filialen; das bittere Elend treibt ihr manche Kinder in die Arme, die deren Mütter, statt sie verhungern zu sehen, doch lieber der Missionsanstalt übergeben." Bon der Herzogin von Piacenza, der Gattin des Mitconsuls Napolevn's I. Bonaparte erzählt Ludwig August Frankl: „Ihre äußere Erscheinung unterschied sich von allen Bewohnerinnen der griechischen Hauptstadt. Sie trug ein weißes, weites Kleid. Ein weißer Schleier hielt ihre flatternden grauen Haare nur lose zusammen. Sie baute mehrere Häuser, und als sie einmal mit dem Architekten in einen Streit gerieth und vor Gericht einen Eid zu leisten hatte^ erklärte sie, e i n e I ü d i n z u s e i n, und sprach den Eid öffentlich mit der vorgeschriebenen hebräischen Formel. Der Pentelikon, aus dem der Marmor für den Akropolis gebrocben wurde, war ihr Lieblingsaufenthalt. Hier ließ sie, wie sie es erklärte, einen „Misbeach" (Altar) aus dem herrschen, weiß schimmernden Material bauen, „für den einzigen undunsichtbaren Gott". In Alhen berief sie die daselbst ansäßigen Juden zu sich und versprach ihnen, eine Synagoge zu bauen und den Grund zu einem Gottesacker zu schenken. Als M o n t e f i o r e rrnd C r e m i e u x, von ihrer Orientreise zurückkehrend, nach Athen kamen, bat sie den Letzteren, als ihren Landes¬ und Glaubensgenossen, ihr Testament zu verfassen. Sie starb hochbetagt im Jahre 1854 und wurde am Pentelikon begraben, wo ihr ein Denkmal errichtet ist. In ihrem Nachlasse fand sich eine reiche Sammlung aller Religionslehren, die hebräische in einem besonderen Prachtbande. Auch aus der österreichischen Gegenwart können wir von dem lebhaften Interesse einer hohen Dame für das Judenthum und seine Schriftwerke berichten. Es ist die verewigte Erzherzogin Henriette, Mutter der derzeit regierenden belgischen Königin, die als Witwe des Erzherzog-Palatinus von Ungarn im Augarten zu Wien lebte. Sie berief den ehemaligen Professor der hebräischen Schule H o r o w i tz, denselben, der sich auch als Romandichter bekannt gemacht hatte, und nahm solange Unterricht in der hebräischen Sprache, bis sie die Bibel und die Psalmen in der Ursprache lesen und verstehen konnte. Horowitz pflegte von dem besonderen Interesse zu berichten, das die Erzherzogin, die eine proiestanrisch getaufte, geborene Herzogin von Nassau war, an Allem, was das Judenthum betraf, nahm, indem sie sich selbst alle jüdischen, religiösen und rituellen Gebräuche erklären ließ. Und in neuester Zeit hat eine, ei »er altmagyarischen Adelsfamilie entstammende katholische Dame, freilich um die Gattin eines Millionärs werden^ zu können, sich zum Judenthum bekehrt, was ihr aber selbst jene Salons verschloß, in denen sonst dem Judenthum angehörende, demselben treu gebliebene Damen als Gäste willkommen geheißen werden." Correspondenzen. E. B. Wien (Gegen die Abschaffung des Hansirhandels.) Namens des am letzten Gewerbe-Genossenschaftstage gewählten Actionscomites zur Abschaffung des Hausirhandels wurde vor Kurzem die Wiener Bäckergenossenschaft angegangen, eine energische Agitation zur Abschaffung des Hausirhandels mit Gebäck zu unternehmen. Behufs Stellungnahme zu dieser Angelegenheit hielten gestern Nachmittags die Gebäckshausirer eine von mehreren hundert Personen besuchte Versammlung im Lannersaale ab. Der Referent H a ck l führte aus, daß in dieser Frage sich der c r a s s e Egoismus der antisemitischen Kleingewerbe treibenden unwiderleglich documentire. Im Bäckergewerbe könnman keineswegs gegen den „j ü d i s ch e n Hausirer losgehen wollen, denn die Mehrzahl der Gebäckshausirer bestehe aus ganz unverfälschten A r i e r n. Allein, nachdem der Antisemitismus am Ruder ist, gehe man nun offen nicht gegen die Juden, sondern gegen die Hausirer vor, nachdem gewiß kein derckender Mensch es glauben kann, daß durch Beseitigung der Hausirer eine Verbesserung der Lage des Gewerbestandes erzielbar ist. Die ganze Bevölkerung habe ein Interesse daran, daß im Bückergewerbe der Hausirhandel fortbestehe. Diese von mehreren Rednern unterstützten Ausführungen fanden allgemeinen Beifall und wurde über Antrag des Referenten einhellig die Gründung eines Vereines beschlossen, welcher öffentlich die Interessen dieser Branche vertreten soll. — Endlich wird man auch in arischen Kreisen gewahr, welche schädliche Wirkung die Hetze gegen die Hausirer im Gefolge hat, nicht nur auf die Juden in diesem bemitleidenswerthen Gewerbe, sondern auch auf die Arier, die die Mehrzahl in demselben bilden. Zu spät dürfte man zur Erkenntniß gelangen, daß man in die Grube, die man für die Inden gräbt, selbst fallen und daß man von den Nachthellen, die man den Juden zufügen will, auch nicht verschont bleiben wird. Wien. 16. August. (Statistik der Unterrichtsa n st a l t e n.) Das Bureau der statistischen Centralcommission versendet soeben die Statistik der Unterrichtsanstalten in den im Reichsrathe vertretenen Königreichen und Ländern für das Jahr 1892/93. Wir entnehmen dem umfangreichen Werke folgende Hauptziffern: Im Ganzen wurden für das Berichtsjahr 546 Lehranstalten mehr verzeichnet, als im Vorjahr. Der Zuwachs entfällt vor Allem auf die Volksschulen, dann auf die mittleren und niederen Fachschulen. An den acht Universitäten lehrten 385 ordentliche und 171 außerordentliche Professoren, 20 honvrirte Docenten, 20 Supplenten, 265 Privatdocenten, 265 Ädjuncten und 47 Lehrer, zusammen 1176 Lehrpersonen. Die Frequenz der Schüler stieg im Wintersemester von 15.507 auf 15.622 Hörer. Der Confession nach waren 11.363 Katholiken, 490 orientalische Griechen, 583 Evangelische, 3047 Juden und 139 Angehörige anderer Confessionen. An den sechs technischen Hochschulen wirkten in diesem Jahre 106 ordentliche und 29 außerordentliche Professoren, 3,6 honvrirte Docenten, 6 Supplenten, 57 Privatdocenten, 101 Assistenten und 25 Lehrer, im Ganzen 360 Lehrkräfte. Die Frequenz stieg im Wintersemester von 2055 Hörern des Vorjahres auf 2269. Der Confession nach zählte man 1660 Katholiken, 64 Griechen, 154 Evangelische, 382 Juden, 9 Angehörige anderer Confessionen. Was die Mittelschulen betrifft, so zählte man 180 Gymnasien und Realgymnasien, darunter 99 deutsche, 42 czechische, 24 polnische, 1 ruthenisches, 4 italienische, 3 serbo-croatische und 7 Anstalten mit zweifacher Unterrichtssprache; 129 dieser Anstalten waren Staatsgymnasien, 9 Landesgymnasien, 19 Communalgymnasien, 17 geistliche Gymnasien und 6 Privatgymnasien. Die Zahl sämmtlicher Lehrkräfte an diesen Anstalten betrug 3699, die Zahl der Schüler 57.431. Der Confession nach zählte man 44.508 Katholiken, 584 Griechen, 1405 Evangelische, 7805 Juden und 71 Angehörige anderer Confessionen. An Realschulen bestanden 79, davon der Unterrichtssprache nach 56 deutsche, 12 czechische, 4 polnische, 3 italienische, 1 serbo-croatischer. 50 Anstalten waren Staatsrealschulen, 16 Landesrealschulen, 5 Communalreälschulen und 5 Privatrealschulen. Das Lehrpersonal belief sich auf 1479 Lehrkräfte, die Zahl der Schüler auf 22.554, was eme Steigerung gegen das Vorjahr um 1169 bedeutet. Der Confession nach 17.365 Katholiken, 99 Griechen, 917 Evangelische, 2938 Juden, 33 Angehörige anderer Confessionen. Lehrer-Bildungsanstalten gab es 49 für Lehrer^und 32 für Lehrerinnen mit 1182 Lehrkräften und 11.051 Schülern. Der Confession nach zählte man 6599 Katholiken, 184 Griechen, 172 Evangelische, 97 Juden. An Handels-Lehranstalten zählte man 149, darunter 13 höhere Handelsschulen, 31 commercielle Tagesschulen und 105 kaufmännische Fortbildungsschulen. Das Lehrpersonal bestand aus 864 Lehrkräften, die Zahl der Schüler betrug 14.637, darunter der Confession nach 11.766 Katholiken, 139 Griechen, 552 Evangelische, 3323 Juden und 22 Angehörige anderer Confessionen. Gewerbeschulen zählte man 16 vom Staate erhaltene, 3 Kunstgewerbeschulen und die'Lehranstalt für Photographie. Die Zahl sämmtlicher Lehrkräfte betrug 483 an den Staats-Gewerbe-