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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-11 · 37 (11.9.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
37 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 37 Vr. Vloch's WochenkÄrrNr Seite 735 „Der vierte allgemeine österreichische Katholikentag trug noch mehr wie die früheren Katholikentage ein feudales Gepräge. Nicht nnr das Präsidium selbst, sondern auch die Vorsitzenden in den Sectionen waren Adelige. Dabei wurden die Dinge so einfach gemacht, daß man nicht weiß, was man mehr bewundern soll, das Raffinement auf der einen, oder die stumme Ergebenheit auf der anderen Seite. Wahlen gibt es auf den Katholikentagen nicht, Alles wird nur ernannt. Der Commisfär ernennt den Vorsitzenden und der Vorsitzende ernennt wieder die Vorsitzenden der Sectionen. Da der Commissär em Adeliger ist, so ist es nur selbstverständlich, daß auch der Vorsitzende vom Adel ist. Ist aber der Vorsitzende vom Adel, so müssen es auch die Vorsitzenden der Sectionen sein. So kommt man zu einem feudalen Parteitag, auf welchem die katholische Kirche und der Clerus die Rolle der Statisten spielen. Nur jenen gewissen geistlichen Herren, die wissen, wer bei uns die Bischöfe macht, bieten die Katholikentage die Gelegenheit, ihr Licht leuchten zu lassen und ihre Fähigkeiten zum Bischof erbringen zu können. So ist der Katholikentag nicht nur ein Parademarsch der katholischen Armee unter feudaler Führung, sondern auch eine Prüfungs- Commission der Bischofs-Caadidaten. Da kann es Niemanden Wunder nehmen, wenn sich Alles um die adelige Protection bewirbt und vor Fürsten und Grafen in die Knie sinkt. Bei uns ist nicht katholisch „Trumvf", wie auf den deutschen Katholikentagen, sondern hier ist feudal Trumpf. Der katholische Glaube und die katholische Kirche sind nur die Mittel, um das Volk unter dem feudalen Joche zu halten. Niemand von diesen Feudalen glaubt ernstlich an einen lebendigen Gott und schon gar nicht au die Lehren der Evangelien. Für sie gilt, was sie den Socialdemokraten vorwerfeu: sie wollen nur hier auf Erden gut leben und überlassen den Himmel gerne Anderen. Und in unsinniger Verblendung trottet ein Theil des Clerus den öden Weg in das Verderben mit". Antisemitische Presse. Wenn man wissen will, was von der antisemitischen Presse zu halten sei, muß man nur Herrn Schönerer fragen. In der jüngsten Nummer der „U. d. W." wird einem Leser folgende ebenso liebenswürdige als erschöpfende Auskunft ertheilt: „So viel und ekelhaft ist nicht gelogen und geschimpft worden, als jetzt in der Blüthezeit der „christlichen" Presse in dem „Deutschen (!) Volksblatt" des Ehreu-Vergani, der fro mmen „Reicbspost" und all den anderen christlich-sociat-clericalen Sudelblättern. Heute muß auf allen gut deutschen Linien auch dieser christlichen Lügenpresse der Krieg erklärt werden. Heute muß es heißen: Hinaus mit den christlich-social-clericalen Schundblättern aus allen öffentlichen Localen und Familien. Jeder Gesinnungsgenosse thue da seine Pflicht." Daß nebenbei in dem Schönerer'schen Blatte auch von den „jüdischen" Blättern nicht gerade Gutes gesagt wird, kann den getroffenen antisemitischen Organen kaum zum Tröste gereichen. Eine neue Rolle Vergani s. Der Herausgeber des „Deutschen Volksblatt", Herr Vergani, ist lange, lange Zeit in Vers und Prosa von Schönerer, Hauck rc. als Pumpgenie ersten Ranges verherrlicht worden. Dem „zaubergewaltigen Mann" wurde jahraus, jahrein in allen Tonarten vorgesungen, daß es zu den unwürdigsten Dingen auf Gottes Erdboden gehöre, S ch u l d e n n i ch t z u zahlen, bis daß er es selbst einsah, und nun debutirt der Mann, der zu dem schönen Liede Anlaß gab: „Polonski, wann bezahlst Du Deine Schulden?" in der Rolle des Cato, der Anderen diesbezügliche Lehren ertheilt. Herr Vergani hält dem Director des Raimnndtheaters seine Schulden vor. Er schreibt z. B. in einer Polemik gegen den genannten Theaterdirector Folgendes: „Es muß also ein empfindlicher Pnnkt gewesen sein, an den wir den Finger gelegt haben . . . Diese Schulden, die nicht wir zu zahlen haben, sind uns ja höchst gleichgiltig. Sie interessiren uns blos von der humoristischen Seite . . . Also, wohlgemerkt, Herr Getrke, nicht das tragische Motiv, daß sie Schulden haben, interessirte uns, sondern lediglich der überwältigende Humor dieser Schulden . . . Oho! Oho! .. . Am 1. Mai waren schon sieben Klagen gegen Sie eingelaufen! Sollen wir Ihnen sagen, von wein und auf welche Summen? Nein, uns interessirt ja blos die von Ihnen geleugnete Thatsache. Und diese Thatsache wurde. durch die in den Ferien eingelaufenen neuen Klagen noch verstärkt . . . Warum berichtigen Sie also eine Thatsache von theatergeschichtlichem Humor? Schulden zu haben ist ja keine Schande, n u r d a s Nichtbezah len ist eine! Und das werden Sie doch nicht thun wollen? Von Ihren Schulden zn erfahren, hat uns gar nicht so unangenehm berührt, als sie davon berührt wurden, daß wir darum wissen ..." Das ist doch köstlich. Vergani sagt, das Nichtbezahleu sei eine Schande! Das Allerschöuste aber an der Geschichte ist wohl der Umstand: Vergani revanchirt sich dafür, daß s eine Gläubiger ihn mahnten damit, daß er Leute zum Zahlen auf fordert, die Anderen Geld schuldig sind. Gegenüber einer Zuschrift des Herrn M. Gans in Budweis, der einige Unwahrheiten des Dr. B. berichtigt, gestattet sich Pan Berganiv die Bemerkung: „Ob es Gans ebenso leicht fällt, seine Schneider- und Schusterrechnungen zn berichtigen?" Von Herrn Berganiv weiß man, daß er zwar grundsätzlich Alles berichtigt, dafür aber nichts bezahlt! Eine alte Anekdote mit neuer Nutzanwendung. Man schreibt uns aus Budweis: „Kennen Sie die alte Anekdote? A. kommt jammernd zu seinem Freunde: „Du, der B. hat mir gestern in's Gesicht gespuckt! Was soll ich thun: Darauf der Freund: „Waren Zeugen dabei?" „Nein", sagt A. „S o f r e u e D i ch! D a n n k a n n st e s j a a b l e u g n e n!" ruft aufathmend der Freund! ,,Der kleine Duckmäuser." (Aufgeführt in — Budwei s.) Die Budweiser Ausführung ging sogar der Wiener Premiere im Carltheater voraus. Und der Lacherfolg in Budweis war ein ungleich größerer; freilich waren es keine Frischlinge, keine Debütanten, die in Budweis austraten, sondern speciell die Rolle des kleinen Duckmäusers spielte ein aller, ein erprobter Comödiant, dem kein Mätzchen der Schmiere fremd geblieben ist. Der kleine Duckmäuser, Dr. Lueger, leidet aber an einer unangenehmen Eigenschaft, die man bei vielen Schauspielern im;uuehmendeu Alter wahrnehmen kann, besonders wenn sie viele und sehr auseinander liegende, vielleicht auch ihrer Natur widersprechende Rollen zu spielen haben. Nämlich das schlechte Gedächtniß Doctor L u e g e r's hat bereits vergessen, daß er geprügelt worden ist, er kann sich nicht mehr daran erinnern, daß man ihm in's Gesicht gespuckt und daß nian ihn mit Schimpfworten überschüttet hat. In einem Berichtigungsrnndschreiben, das der kleine Duckmäuser an fast sämmtliche Wiener Blätter gerichtet hat, stellt er fest, daß die Budweiser Prügelsceneu nichts weiter seien, wie eine Ausgeburt der Phantasie, eine I'ara morgana, die das Idyll des geprügelten und angespuckten Lueger vorspiegelte. Wieder hört man den Coupletresrain: „Und es is Alles net wahr, und es is Alles net wahr!" Wenig fehlt und Dr. Lueger erzählt in seinen Berichtigungen von festlichen Empfängen, von einer Ehreucompagnie und theilt mit. der Journalist Kraus habe statt eines Regenschirmes das antisemitische Banner über das vicebürgermeisterliche Haupt geschwenkt. Dr. Lueger macht in seinen Berichtigungen einen kleinen, feinen Unterschied zwischen dem „Beleidigen" und dem „Beleidigen wollen". Herr Kraus wollte Herrn Lueger nur beleidigen. „Herr Richter", sagte der Kläger, „mein Gegner wollte mich ohrfeigen!" „Das ist nichts Strafbares", erwiderte der Mann des Rechtes „woher wissen Sie denn, daß Jener seine Absicht auch ausgeführt hätte?" „Aber er hat mir die Ohrfeige ja gegeben!" versetzte der Kläger. Das ist der Fall des kleinen Duckmäusers! Der Herr Bicebürgermeister scheint keinen Werth auf die Budweiser Prügel zu legen und auf den nassen Empfang, den er daselbst gefunden hat. Es gibt Liebkosungen, deren sich am Ende auch die eisernste Stirne schämt. Gut und schön! Aber selbst in den Operetten darf man heutzutage die Wahrheit und den gesunden Menschenverstand nicht allzu handgreiflich maßregeln .... Ebensowenig, wie den Herrn Tr. Lueger! i Das soll sich der kleine Duckmäuser gesagt sein lassen!! Antisemitische Socialpolitik. Nichts kennzeichnet das j frevelhafte Spiel, das jeyr im Nachhause mir den vitalsten Jn- ] teressen der Bevölkerung getrieben wird, drastischer, als der Vorgang j in der Frage der E r r i ch r u u g von Fleisch st ände n in den j einzelnen Bezirken. 5 Die Aufstellung dieser Stände zur Förderung einer billigen i Fleischversorgung ist den Herrschaften im Rathhause ein Dorn mr? Auge.* Die jetzige Majorität hat aber den Murh nicht, die von ' Dr. F r i e b e i s getroffene Verfügung offen zn annulliren, weil st-

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