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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-11 · 37 (11.9.1896) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
37 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 734 Dr. Vlortz's Wochenschrift. Nr. 37 Die Achtung vor dem Kinde, auf die ich bereits hinwies, erhielt eine weitere Steigerung, als der Knabe in die Schule ging. „Die Kinder des Hauses des Lehrers (— der Schule)" ist eine stetig wiederkehrende Redeweise in der jüdischen Literatur. Von ihrem reinen Athem, ihren reinen Sitten hängt die Existenz der Welt ab, und ihr Verdienst berechtigt uns, das Erbarmen Gottes anzurusen. Worte der Schrift, ganz unschuldig von ihnen kundgegeben, galten als Orakelsprüche; und mancher Rabbi gab aus Grund eines Verses, den ein Schulknabe kaum mit dem rechten Verständniß für dessen Sinn und Bedeutung äußerte, ein Vorhaben oder Unternehmen aus. Nehmen wir nun ein Beispiel heraus: R. Jochanan hatte die Sehnsucht, seinen Freund 'Mar Samuel in Babylon zu besuchen. Nach mancherlei Störungen und Hinhaltungen ging er endlich an die Reise. Unterwegs ging er an einer Schule vorbei, wo die Knaben den Vers aus l Samuel XXVill, 3: „Und Samuel starb" recitirten. Das deutete er als einen Fingerzeig der Vorsehung, daß es mit seinem Freund vorbei wäre. Besonders berühmt durch ihr Wissen und ihren Scharfsinn waren die Kinder Jerusalems. Wollen wir von den vielen als Erläuterung hiefür im Midrasch zu den Klageliedern gegebenen Erzählungen an der folgenden uns genügen lassen: I. Joschna ritt einst aus seinem Maulesel auf der Hauptstraße. Als er an einem Brunnen vorbeikam, sah er ein kleines Mädchen daselbst und bat es um etwas Wasser, worauf sie sogleich ihm und seinem Thiere Wasser gab. Der Rabbi dankte ihr mit den Worten: „Du handeltest gleich der Rebekka, meine Tochter". „Freilich", gab sie zur Antwort, „handelte ich wie Rebekka, Du jedoch verhielst Dich nicht wie Eleazar". Ich muß noch hinzusügen, daß es in der jüdischen Literatur Stellen gibt, aus denen mit einigem Scharfsinn entnommen werden kann, daß die jüdischen Babies die schönsten ihrer Art sind. Die von einem Mönche gemachte Behauptung, daß die jüdischen Kinder inferiorer sind als die christlichen, ist eine furchtbare Schmähung. Der Autor von “ep pnn („alter Sieg", ein von Wagenseil herausgegebenes Controversenwerk), in dessen Gegenwart diese Behauptung gemacht wurde, war wohl kinderlos, sonst hätte er dem boshaften Mönche die Augen ausgekratzt, statt eine mystische Erklärung der überlegenen Schönheit anderer at§ seiner eigenen Kinder zu geben. Ein anderer nachdrücklich zu betonender Punkt ist, daß man die Knaben nicht den ganzen Tag in der gesperrten Luft des Schulzimmers eingeschlossen hielt; sie hatten auch ihre Erholungsstunden. Diese Erholung bestand hauptsächlich, wie leicht zu denken, im Spielvergnügen. Ihr Lieblingsspiel war das Ballwerfen, das Knaben und Mädchen gleich gerne hatten und sogar an Festtagen sich nicht versagen mochten. Auch spielten sie gerne mit papierenen Drachen und mit Nüssen, woran auch ihre Mütter theilnahmen. Buchstabenspiele und Räthsel waren gleichfalls in den Erholungsstunden beliebt. Der Engel Sandalphon, in der Kabbalah auch „Knabe" genannt, wurde von den Kindern als ihr Specialpatron angesehen und bei ihren Spielen von ihnen mit den Worten angerufen: „Sandalphon, Herr der Wälder, schütze uns vor Leiden." Im Allgemeinen bemerkt, gibt es sehr wenige, eigentlich jüdische Spiele. Aus den Untersuchungen Zunzens, Güdemann's und Löw's über diesen Gegenstand kann es nicht zweifelhaft sein, warum die Inden den Zeitvertreib der Völker, unter denen sie wohnten, bevorzugten. (Fortsetzung folgt.) Vom Jahrmarkt des Lebens. Antisemitische Raee. Die Mutter und Berufsgenossin des in München abgesaßten internationalen Gauners Schneider, bis zu ihrer kürzlich erfolgten Festnahme, Wien, VII., (Neubau), Neubaugasse Nr. 77 wohnhaft, betrieb ein Putzgeschäst und war eine enragirte Antisemitin. In ihrer Wohnstube neben dem Geschäftslocale hängt ein Luegerbildniß und darunter ein sogenanntes ewiges Licht, das stets brennend erhalten wurde. Die Frau bekundete eine so heftige Lnegerschwärmerei, daß sie offen erklärte, sie nehme nur mit Widerwillen von Juden Wäsche zum Putzen an. Ad voeem „Hundetreue". Sehr geehrter H e r r M e b a c t e u r! Gestatten Sie, daß ich im Hinblicke aus den ausgezeichneten Artikel „Nur keine Hundetreue" in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes aus eine Stelle in Roßmaßler's „Der Mensch im Spiegel der Natur" (2. Auflage, 4. Band, Seite 34 und 95) aufmerksam mache, die geeignet sein dürfte, die mährischen Juden über das Hundegefühl näher zu. belehren, und deren Nutzanwendung auf der Hand liegt. Dieselbe lautet: „Nicht weit von dem Thore steigt der Weg eine Anhöhe empor. Als wir links einbogen, um diese Anhöhe hinanzugehen, tönte uns das herzzerschneidende Gewinsel eines Hundes in die Ohren und bald sahen wir einen empörenden Austritt. Vor uns stand aus dem ansteigenden Wege ein kleiner Wagen, der mit Leder beladen war. Obenauf saß der Fuhrmann, der eben mit unbarmherzigen Schlägen ans seinen Hund losschlug, der aber nicht im Stande war, die Last den Berg hinanzuziehen. Das arme Thier lag am Boden und krümmte sich unter den Schlägen des Knüppels, dessen sich sein grausamer Herr bediente. Es war ein starker, schöner Hund, dem es ein Leichtes gewesen sein würde, seinen Peiniger zu Boden zu werfen. Unser Blut erstarrte zu Eis über diese scheußliche Behandlung des Thieres. Lina, vor Zorn todtenblaß, lief nach dem Wagen hin und rief dem Manne zu: „Schämen Sie sich nicht, Sie grausamer Mann, Ihren Hund so abscheulich zu schlagen? So steigen Sie doch ab, um dem armen Thiere die Last zu erleichtern!" Der Mann hielt inne mit seinen Schlägen und sah sich nach Lina um und sagte mit entmenschter Ruhe: „Was geht Sie mein Hund an, naseweise Jungfer! Der Hund ist mein Hund!" Und damit setzte er seine unmenschlichen Bemühungen fort, den Hund zu dem seine Kräfte Uebersteigenden anzutreiben. Wir waren indes auch hinzugetreten, und ich sagte zu dem Manne: „So thun Sie es wenigstens aus Klugheit! Wenn nun Ihr Hund endlich der furchtbaren Behandlung müde ist und sich auf seine Stärke besinnt, so sind Sie verloren." Ein verächtliches Lachen war seine Antwort. „Da kennen Sie die Hundenatur nicht, mein Herr!" sagte er. Der Hund weiß, daß er mir gehorchen muß, das will ich Ihnen gleich beweisen." Damit sprang er von dem Wagen und hielt seinem Hunde die Hand hin. „Lecke mir die Hand!" rief er dem Hunde zu. — Der Hund stieg auf und — leckte die grausame Hand. „Ja, du bist ein gutes Thier", sagte der Mann schmeichelnd zu seinem Hunde und klopfte ihn sanft auf den Kopf, „Du thust deinem Herrn nichts." Und damit schwang er sich wieder aus seinen hohen Sitz und neue Flüche und Schläge trieben das geschmeichelte Hundeehrgefühl dergestalt an, daß dieser seine ganzen Kräfte aufbot und vor Freude laut bellend die Last weiter schleppte. X. Der „christliche Soeialismus" kam recht schlecht weg aus dem Salzburger Katholikentage. Herr Hans Beruth, der es wagte, den Herren Bischöfen und Grafen in Erinnerung zu bringen, daß die katholische Kirche das Zinsnehmen verbiete, wurde gröblich behandelt, und als der naive Mann, in der Meinung, die Arrangeure des Katholikentages nähmen das Evangelium ernst, gar gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung sprach und ihren ewigen Fortbestand bezweifelte, wurde er einfach hinausgeworfen. Von allen ihren Heiligthümern nehmen sie nämlich die Heiligkeit des Eigenthums am ernstesten, und man wird es begreiflich finden, daß dem durchschlagenden Argument gegenüber, daß der heilige Vater selbst seine Capitalien gegen Zinsen ausleihe, alle Mahnungen an die Lehren der Kirche und des Evangeliums wirkungslos bleiben mußten. Der Capitalismus ist vom Papst selbst längst in der berühmten Bulle .de novarum rerum“ heiliggesprochen worden, und wenn der Ketzer gegen das Dogma von der Ewigkeit des Capitalismus hinausfliegt, geschieht ihm nur sein Recht. Falkenhayn, der christliche Mann, gab das Zeichen dazu in dem Augenblicke, in dem Herr B e r u t b es wagte, auf einem Katholikentage die Forderung zu stellen, die heutige Gesellschaft und der Staat „m ü s s e n den Arbeitern e n t g e g e n k o m m e lt". In der That, das ruhig anzuhören, konnte man doch einer Versammlung nicht zumutheu, in der die schamlosesten Ausbeuter, die Kohlengrafen und Zuckerfürsten, die vornehmste Rolle spielten, und der Falkenhayn, hätte er geschwiegen, wäre in Widerspruch gerathen mit seiner ganzen Vergangenheit als Ackerbauminister und Vertreter der „christlich-socialen" Partei in drei Ministerien. Die „Politischen Fragmente" zeichnen den Salzburger Katholikentag mit folgenden Strichen:

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