Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 37 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Sette 731 Nr. 37 Dr. Vloch's Wochrnkchrifl- Ja, diese Demokraten stören den Schlaf des braven Bürgers und machen den hohen Herren am grünen Tische viele Sorgen. Hans von B ü l o w verlangte eines Tages, man solle den bösen Enge n aus Berlin verbannen, sonst müsse er für immer die Reichshauptstadt meiden. Es wird eine Zeit kommen, wo die Minister es zur Bedingung machen, daß man die unausstehliche Demokratie mit der Wurzel ansrotte. Preußen würde schon längst sein höchstes Ziel erreicht haben und ein echter und rechter Militärstaat geworden sein, wenn diese Volkselemente nicht da wären. Jeder Bürger in einer Uniform strahlend, aus jedem Knopfloch ein Band glänzend und ans jedem Munde ein „Ja, Amen!" schallend — uns schwindelt vor dieser gewaltigen Culturhöhe, vor diesem verführerischen Zukunftsbilde, das uns winkt. F. S. Vorerst sind 1300 Sitzplätze im Tempel angebracht, obwohl das Gebäude bei gänzlicher Ausnützung des Raumes eine weitaus größere Personenanzahl zu fassen im Stande ist. Zur Einweihungsfeierlichkeit hatte sich ein zahlreiches, den besten Gesellschaftskreisen angehörendes Publicum, welches alle Räume bis zum letzten Plätzchen füllte, eingefunden. Es waren erschienen: Als Vertreter der Regierung: Hofrath Wolf mit dem Cultusreferenten, Statthaltereirath Stadler v. Wolfersg r ü n, ferner Hofrath und Polizeidirector D ö r fl, Bezirkshauptmann P r o ch a s k a, Bezirksrichter S p e s ch n y, Bezirks commissär S m i t k a, Bürgermeister Wischet, ^Vicebürgermeister B u r e s ch mit der gesummten Weinberger Stadtvertretung; die Beamten der Bezirks Hauptmannschaft und der anderen Behörden, Mitglieder des Bezirksschulrathes und des Ortsschulrathes, Vertreter der Cultusgemeinden zu Prag, Karolinenthal, Schmichow, Gablonz und anderer israelitischen Ge- Einweihung der neuen Synagoge in Königliche Weinberge. Am 3. d. M. hat mit großen Feierlichkeiten die Schlußsteinlegung und sodann die Einweihung des neuerbauten Tempels in den Köikiglichen Weinbergen stattgefunden. Das nach den Plänen des k. k. Baurathes Herrn Wilhelm S t i a ß n y aus Wien im Style der italienischen Frührenaissance aufgeführte Gotteshaus präsentirt sich als ein monumentaler Prachtbau. Er umfaßt summt den an dem Tempel sich anschließeudeu Amtsgebäuden und Gartenanlagen eine gesummte Baufläche von 2550 Quadratmeter. Der Bau, wiewohl einheitlich und symmetrisch durchgeführt besteht seinem Wesen nach aus drei Theilen, von welchen der mittlere hochaufragende die eigentliche Synagoge umfaßt, während sich zu beiden Seiten Flügelbauten, Amtslvcalitäteu und Repräsentatiousräume umfassend, angliedern. Der Eingang wird durch zwei säulengeschmückte Portale vermittelt, die zu breilen und hohen Arcaden führen, welche sich an die Längsseite des Gotteshauses anschließen. Die Favade öes Hauptgebäudes selbst ist dreifach gegliedert, und zwar durch die beiden kräftig vorspringenden und bis zu einer Höhe von 60 Metern austagenden Thürme, die sich von der Basis bis zum Hauptgesimse in quadratischer, darüber hinaus aber in 8-eckiger Anordnung entwickeln. Die Bekrönung der Thürme wird durch Kuppeln gebildet, die einen vom Davidschilde überragten laternenförmigen Aufbau tragen. Der mittlere Theil der Synagoge wird durch den Giebel als Hauptschiff charakterisirt; der Giebel trägt als Abschluß die Gesetzestafeln, während sich im Giebelfelde eine Reliefabbildung des siebenarmigen Leuchters befindet. Das Innere des Tempels stellt sich als dreischiffige Basilika dar, so daß das Mittelschiff eine bedeutend größere Höhe, 22 Meter, gegenüber den beiden Seitenschiffen besitzt, welch letztere die Galerien aufnehmen. Der Raum des Altars wird von dem eigentlichen Tempelraume durch einen von zwei mächtigen, 10 Meter hohen Marmorsäulen getragenen Bogen getrennt und von einer cassettirten mit Polychromie und Vergoldung geschmückten Tonne überwölbt. ' Die Galerien werden von achteckigen Pfeilern getragen, auf welchen sich wieder durch Bogen verbundene Säulenstellungen befinden, welch letztere die Längswände des Mittelschiffes tragen; Pfeiler und Säulen sind aus geschliffenem Marmor angefertigt. Auf einer gegen Westen gelegenen zweiten Galerie befindet sich die Orgel. Als Material für die mit Bildhauerarbeiten geschmückte Faoade wurde zum Theil böhmischer Sandstein, zum Theil Putz, ferner Terracotteu- und Majolicaoruamente verwendet. Auch im Innern ist edelstes Material vielfach in Anwendung gekommen. Der Altar ist aus natürlichem und künstlichem Marmor in verschiedenen Farben erbaut, Balustrade und Brüstungen vor demselben sind aus geschliffenem und polirten, rothen Sliocnitzer Marmor hergestellt und gewährt die ganze Anlage einen geradezu imponirenden Anblick. Wände und Decken des Altarraumes sind mit Stuckmarmor und stuoeo ln->tro bedeckt, reich polychromirt und vergoldet. Die Beleuchtung erfolgt durch nahezu tausend elektrische Lumpen. meinden. Als die Vertreter der Regierung das Gotteshaus betraten, ertönten von der Orgelgalerie in mächtigen Accorden die Klänge der Volkshymme. Nachdem der Tempel-Gesangsverein unter Begleitung von Orgel und Orchester einen Psalm zum Vortrag gebracht hatte, begann die eigentliche Feier mit einer deutschen und böhmischen Ansprache des Präses der Weinberger Cultusgenreinde, Herrn Dr. Alfred Hamburger, in welcher derselbe der Statthalterei, der Bezirkshauptmannschaft, der Stadtgemeinde Weinberge und dem Baurathe Stiaßny den Tank für die Förderung des Baues und die Unterstützung der Cultusgemeinde aussprach und schließlich ein dreifaches "Hoch und Slava auf Seine Majestät den Kaiser ausbrachte, welches von den Versammelten in begeisterter Weise erwidert wurde. Baurath Stiaßny brachte sodann die Schlußstein-Urkunde in deutscher, Baumeister Horak in böhmischer Sprache zur Verlesung. Der Erstere verschloß sodann die Urkunde in eine Metallkapsel, welche in die an der rechten Seite des Allerheiligsten befindliche Maueröffnung gelegt und mit dem Schlußstein, einer Marmorplatte, auf der das Datum der Tempelweihe in deutscher, czechischer und hebräischer Sprache verzeichnet ist, geschlossen wurde. Baurath Stiaßny hielt sodann eine Ansprache an die Versammlung, in welcher er auf das harmonische Zusammenwirken aller Bauleute ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubensbekenntnisses, sowie auf die Unterstützung hinwies, welche dem Weril durch die Regierungs- und städtischen Behörden zu Theil geworden war; er schloß mit seinem Meisterspruche: „Wer den wahren Sinn der Dinge will erschauen, muß den Stein mit eigener Hand behauen", und richtete sodann an die Vertreter der Regierung, an den Bürgermeister und an den Cultusvorsteher die Einladung, die üblichen Hammerschläge vorzunehmen. Nachdem diese Ceremonie von den sämmtlichen Würdenträgern und dem Rabbiner Dr. Stark vorgenommen worden war, erfolgte das Anzünden des ewigen Lichtes durch den genannten Seelsorger und hierauf der Einzug der Thorarollen. 22 weiß gekleidete Mädchen eröffneten, Blumen auf den Weg streuend, den Zug; hierauf folgten die Rabbiner und sechs zu diesem Ehrenamte berufene Herren mit den Thorarollen. Cantor Gruschka sang bei diesem feierlichen Umzuge unter Chor- und Orgelbegleitung in erhebender Weise einen Psalm. Nach Einstellung der Gesetzesrollen in die Bundeslade hielt Rabbiner Dr. Stark die Festpredigt in deutscher und Rabbiner Dr. Karl Kvhn aus Leitomischl eine solche in czechischer Sprache. Mit dem von der Versammlung bei geöffneter Bundeslade stehend angehörten Gebete für den Kaiser und das Kaiserhaus, sowie mit der Absingung der Volkshymme fand die erhebende Feier ihren Abschluß. Der Vorsteher der Weinberger Cultusgemeinde, Herr Dr. Hamburger, und der Erbauer des Hauses, Baurath Stiaßny, empfingen sodann die herzlichsten Glückwünsche der erschienenen Würdenträger und der sämmtlichen Gäste. Um das Zustandekommen des Baues und die Durchführung desselben haben sich außer dem Vorsteher Tr. Hamburger noch die Vorstandsmitglieder Otto Goldschmidt und Leo Popper, sowie der unermüdliche Gemeinde-Secretär JUDr. Karl Weiß hervorragende Dienste erworben.