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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-11 · 37 (11.9.1896) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
37 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 730 Dr. VLoch's Wochenschrift Nr. 37 zeichnen sich durch eine solch' liebenswürdige Naivetät der Dummheit, durch solch' ungeziertes Hanswurstthum aus, daß man diesen grünen Jüngelchens wirklich nicht gram sein kann. Diese Max und Moriz der antisemitischen Bewegung verdienten einen Wilhelm Busch, der ihre Streiche besänge. Nicht etwa, daß wir dagegen Protestiren würden, sie von Zeit zu Zeit über einen Stuhl zu legen und einen unverfälschten Haslinger an ihrem Rücken zu probiren. Nein, das ist gewiß sehr angezeigt, aber im Uebrigen darf man ein Auge zudrücken, und ihren lustig-täppischen Streichen jene wohlwollende Beachtung schenken, die ja auch den jungen Bären auf den Jahrmärkten zutheil wird. In der „Ostdeutschen Rundschau" finden wir ein Feuilleton: „Schmock auf der Jagd", worin irgend ein fingirter Jude verspottet wird, der seine Jagdabenteuer literarisch darstellte und sich darüber allerhand Sprachsünden gegen das Wörterbuch des heiligen Hubertus zu schulden kommen ließ. Und der heilige Hubertus steht bei den Heilobrüdern in einem gewissen Ansehen. Zwar ist er ein christlicher Heiliger, der mit Wotan, Donar und Aegir nichts zu thun hat. Aber er ist der Beschützer der Jagd, und als solcher wird er von den Unverfälschten ebenso anerkannt, wie gewisse Deutschnationale die Approbation der Porzer, der Max Löws und anderer „Christlich-Socialer" erlangt haben. In den Mittelschulen wird eben die Culturgeschichte nicht docirt und darum wissen die Deutschnationalen nicht, auf welchem Grade der Culturentwickluug die nomadisirenden Jägervölker stehen, und wüßten sie, daß dazumal, als die Germanen thatsächlich noch zu beiden Seiten des Rheines lagerten und die stammverwandten Auerochsen jagten, die Juden bereits zu den höchstentwickelten Culturvölkern zählten, so würden sie die Culturgeschlchte als jüdisches Machwerk verdammen. Nun behaupten die Heilobrüder, daß die modernen Juden nach Jägerehre, dem sogenannten edlen Waidwerk, geizen, und das citirte Feuilleton, welches die sonderbare Inschrift „Waldmann" trägt, schließt mit dem inbrünstigen Stoßgebet: „An dich, heiliger Hubertus, richte ich und alle meine waidgerechten Brüder die heiße Bitte, vergräme doch ein für allemal das fremde Raubvolk aus unseren Revieren und laß das hohe, edle, deutsche Waidwerk nicht auch vermauscheln!" Der heilige Hubertus wird sich sicherlich das „vergrämen" angelegen sein lassen und der heilige Wotan wird hoffentlich das wälsche Fremdwort „Revier" verzeihen, aber es lohnt sich doch der Mühe, nachzuforschen, welch' „semitisches Mauschel" Waldmann im Auge hatte, wer jener literarische Jude ist, den er als Sami Pulverbestandtheil verspottet. Und da sind wir ans eine merkwürdige Entdeckung gestoßen. Jener„Sami Pulverbestandtheil", der ein Feuilleton über eineJagd schrieb und von dem Waldmann in sechs Spalten nachweist, daß „er ganz einzig dastehe in der ganzen Erbärmlichkeit seiner Ignoranz", ist Niemand Anderer, als der kürzlich verstorbene bekannte Jagdschriftsteller Raoul Dombrowski. Und der Mann war sowenig ein Mansche!, daß er ganze Feuilletonserien in antisemitischen Blättern veröffentlichte. Ueber diesen Schriftsteller wird in einer Weise hergesallen, die ihres gleichen sucht. Bon' diesem Mann sagt Waldmann: Mauschel weiß Alles, kann Alles und schreibt über Alles. Ueberall steckt er seine Krummnase hinein, er ist Hippologe und wirft mit allen möglichen und unmöglichen Fachwörtern herum, er versteht sie natürlich nicht aber das macht nichts, es gibt außer ihm noch so Viele, die es auch nicht verstehen, denen aber flößt er damit gehörigen Respect ein und die, die es verstehen, lesen seinen Schmarrn nicht oder lachen sich krank dabei. Da schreibt ein solcher Hebräer, der nie noch auf eines edlen Rosses Rücken das Wonnegefühl des echten, rechten Reiters durchgekostet, daß „das Pferd schäumend in die Kinnkette biß", er verwechselt die Sprunggelenke mit den Knien, kurz, er kennt das ganze Pferd nicht, aber schreiben muß er doch und besonders jetzt, wo die jüdische Presse, um ihren täglich mehr zusammenschrumpfenden Einzelnverschleiß ein wenig noch zu retten, sich förmliche Sportbeilagen leistet. Solche Jrrthümer sind überaus erheiternd. Man könnte freilich darüber lachen und das Blatt dann dem entsprechenden Zwecke zuführen. Aber vielleicht schadet es nichts, solche Waidmänner gelegentlich an den Ohren zu nehmen. Wir wissen wirklich .im Augenblick nicht, ob man nicht richtiger „bei den Löffeln" sagt. O, diese „Iudendemokratenr* (Bericht aus Deutschland.) Im preußischen Ministerium hat es wieder eimnal gekracht und der schneidigste aller Kriegsministlr, Herr von S ch e l l e n d o r f, ist in die Luft geflogen. So behaupten die Ewigunzufriedenen. Das ist natürlich eine schändliche Verleumdung. Selbstredend ist der Herr mit den vornehmen Stiefelspitzen, der einen so schmeichelhaften Scheidebrief erhalten hat, nur aus Gesundheitsrücksichten gegangen. Wer daran zu zweifeln wagt, ist ein unverbesserlicher Demokrat. Warum sollen nicht auch Minister krank werden dürfen? Und daß sie gerade dann müde und krank werden, wenn die Etikette des Hofes und die geheimnißvollcn Mächte es gebieten, darin sollte jeder echte Patriot nur den Beweis erblicken, wie göttlich unser Staat eingerichtet ist. Da tobt das Heer der Zeitungsschreiber, die Wogen der Aufregung gehen hoch, man thut, als wenn man diese Verhältnisse nicht begreifen könnte als wenn ein Ereigniß von gewaltiger Tragweite geschehen wäre. Wie komisch! Wenn inan nicht weiß, warum ein Minister gekommen ist, so muß man auch nicht neugierig sein, warum er geht. Das Kommen ist meistens wunderlicher als das Scheiden. Und die Ursachen? Die gehen dem beschränkten Unterthanenverstand gar nichts an. Die Ministerkrisen gehören auch bei uns in Preußen zu den häufigsten Erscheinungen. Sie wiederholen sich regelmäßig wie Ebbe und Flut und sie kommen ebenfalls von den Einwirkungen des Mondes. Freilich so häufig wie in Frankreich, wo jährlich einige Dutzend Minister verronsumirt werden, sind die Regierungskrisen bei uns nicht, wir leben ja in einem feingeregelten Ordnungsstaat, aber doch noch häufig genug, um den hungrigen Zeitungm ein dankbares Thema für eine Anzahl von sympathischen oder entrüsteten Leitartikeln zu geben. Ein oder zwei neue Minister im Jahre, es ist wenig genug, aber immerhin etwas. In Frankreich, ja, das ist ein schreckliches Land, da muß ein Minister vom öffentlichen Schauplatze weichen, wenn er die Majorität des Volkes nicht mehr für sich hat, und vor offenen Gardinen spielt sich die ganze politische Tragikomödie ab. Bei uns steht der Minister über den Parteien und kümmert sich wenig um so unbedeutende Dinge wie Volkswille und öffentliche Meinung. Er lacht über die Majorität des Parlamentes und bleibt, so lange es — feine Gesundheit gestattet. Und sein säuberlich wie in der Puppenstube geht bei uns Alles zu, ohne Aufregung und Scandal. Um die Kinder nicht zu erschrecken, werden die eigentlichen heiklen Verhandlungen hinter den Couliffm abgeschlossen, und wenn der Vorhang aufgeht, da sehen wir zu unserem Ergötzen den alten Minister in stolzer Haltung mit decorirter Brust friedlich scheiden und der Dank der Krone und des Volkes begleitet ihn. Dann begrüßen wir einen neuen, selbstredend großen Mann, der gekommen ist, um dem Volke und dem Wohle des Staates mit seiner Weisheit zu dienen. Das ist auch so in der Ordnung, und jeder sittsame Bürger sieht ein, daß es so sein muß. Er thut seine Pflicht, zahlt seine Steuern und schläft den Schlaf des Gerechten. Leider gibt es im Staate eine neugierige Elaste, die sich um Alles bekümmert, das sind die Anhänger der „Judendemokratie" und in ihrer Dreistigkeit zweifeln diese Nörgler sogar an der Echtheit der ärztlich attestirten Ministerkrankheit. Die „Schlesische Zeitung," die tapfere Kämpferin für Ordnung und Sitte, die Staatserhalterin pai° excellenee, ist empört über diesen „semitischen Cynismus" und kann sich kaum beruhigen. Mein Gott! warum müssen denn auch diese Judendemokraten überall dabei sein? Sie haben sich um das Kriegsministerium nur dann zu kümmern, wenn sie Militärdienste leisten, sonst aber sollen sie die vornehmste Bürgertugend bethätigen und den Mund halten.

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