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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-04 · 36 (4.9.1896) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
36 (4.9.1896)
Date
1896-09-04
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 36 Dr Vloch's WochrnfchrM Sette 723 zu beschweren. Aber ich faßte von selbst den Vorsatz, von nun an meine Eitelkeit abzulegen, und ich hielt ihn. Nie habe ich! seitdem mehr ein anderes als das billigste und unmodernste Kleidungsstück getragen. Selbst in meinem Hochzeitsanzug sah ich aus wie ein Schulmeister vom vorigen Jahrhundert. Aber auch meine Mutter mußte erkannt haben, daß ihr Mittel nicht das rechte sei, um den bösen Geist der Krankheit eines Kindes durch die Engel der Barmherzigkeit zu bannen,! sondern daß beim Schenken oft der Hochmuthstenfel sein Spiel habe und das Blut des Beschenkten vergossen wird, das zum Himmel schreit. Sie hat seitdem niemals mehr in Krankheitsfällen die Kleider verschenkt. Der arme Junge, der durch das Geschenk meines Gewandes von mir so beschämt wurde, ist ein reicher Mann geworden und ich bin aus dem Kampfe um's Dasein nicht heransgekommen. Literatuy. Eine Auseinandersetzung. In der Nummer 33 der „Oesterreichischen Wochenschrift" ist eine kurze Besprechung meines hebräischen Lesebuches für Kinder („Eden Haj'ladim“) enthalten, die geeignet ist, ungenaue Vorstellungen von Zweck und Inhalt desselben bei Denjenigen hervorzurufen, die das Buch nicht mit eigenen Augen gesehen haben, und deswegen sei es mir gestaltet, hier eine kurze Auseinandersetzung mit dem Herrn Recenserten folgen zu lassen. Der Herr Recensent meint, daß ich mich beim Verfolgen des löblichen Zweckes, der moder n e n Jugend das Erlernen der hebräischen Sprache zu erleichtern, in einem Jrrthume befinde: denn an der Vernachlässigung des Hebräisch-Unterrichtes bei der m o dern en Jugend, sei nicht die (von mir perhorrescirte) „alte" Methode, mit dem Chumesch als Unterlage, Schuld, sondern die Antipathie der „gebildeten" Eltern, die sich des Judenthums ihrer Kinder schämen u. s. w. Folglich wäre es vergebliche Liebesmühe, für die „moderne" Jugend erleichternde Lehrmethoden zu schaffen. Darauf erlaube ich mir Folgendes zu antworten: Unter „Modernen jüdischen Kindern" habe ich durchaus nicht solche verstanden, deren Eltern sich so weit curopäisirt haben, daß sie das Judenthum nicht blos als Unglück, sondern sogar als Schande, und das Erlernen der hebräischen Sprache als Verbrechen gegen die europäische Cultur betrachten. An die Kinder solcher aristokrätzigen Jüdchen habe ich beim Verfassen des Lesebuches ebensowenig gedacht wie etwa an die Kinder deutschvolklicher Studenten. Die „modernen" Kinder die ich im Auge hatte, sind solche, deren Eltern trotz ihrer Bildung echte, warme Juden sind, und die, selbst Kenner und Pfleger der hebräischen Sprache, es sehnlichst wünschen, daß auch ihre Kinder ebenso gute Juden und ebenso gute Kenner unserer alten, ewig jungen Schriftsprache sein sollen, wie sie selbst. Solche Ellern (deren Zahl bei uns in Rußland, eine ganz enorme ist, und in jüngster Zeit mehr und mehr zunimmt) finden aber keinen Gefallen an der, in den glorreichen Chedarim, und auch außerhalb derselben, so beliebten, althergebrachten Methode (nämlich, vom Alphabet direct zum Chumesch überzügehen), eine Methode, die vor ein paar tausend Jahren, als die hebräische Sprache die Muttersprache der jüdischen Kinder war, eine sehr rationelle genannt werden konnte, in unserer Zeit aber, wo die hebräische Sprache nicht mehr gesprochen wird, als höchst unvernünftig bezeichnet werden muß. Kinder solcher Eltern können ja nicht zehn Jahre im Cheder sitzen, nnd vom Morgen bis spät Abends Chumesch und Bibel ochsen, wie es in der guten alten Zeit Brauch war und wie es noch jetzt in ungebildeten Kreisen gang und gäbe ist. Die obbezeichneien gebildeten Juden wollen, daß ihre Kinder, zuerst die nothwendigen grammatikalischen Kenntnisse der hebräischen Sprache sich aneignen (was bei einer rationellen Unterrichtsmethode, bei einer Unterrichtsstunde täglich, in spätestens einem Jahre erreicht werden kann), um dann durch eine regelmäßige, vom Leichteren bis zum Schweren fortschreitende Lectüre, die durchaus dem Kindesalter und dem kindlichen Gemüthe angepaßt sein muß, ihre Kenntnisse der Syntaxis und hauptsächlich ihren Vvcabelnschatz so weit zu bereichern, daß sie später (etwa um das zehnte Lebensjahr) im Stande sind die Bibel (natürlich i m A u s z u g e) in der Ursprache nicht nur verständnlßlos zu ochsen, sondern auch wirklich zu verstehen. Mit anderen Worten, die intelligenten Eltern wollen nicht den Hebräisch-Unterrichtmit dem Religionsunterricht verquicken (eine Verquickung, die, unter den modernen Verhältnissen, das traurige Resultat ergibt, daß sogar die religiös exogene Jugend in Westeuropa, äußerst mangelhafte oder auch gar keine Kenntniffe der hebräischin Sprache besitzt), sondern die hebräische Sprache als selbstständiges Lehrfach, und zwar nach allen Regeln eines systematischen Sprachunterrichtes, das heißt wie eine nichtgesprochene Sprache unterrichtet wird, bei ihren Kindern einsühren. Und in der Absicht, zur Realisirung dieses berechtigten Wunsches mitznwirken, habe ich den „Ecktzn Haj’ladim“ verfaßt, der eben jene Lectüre bieren soll, welche auf der Mittelstufe zwischen der hebräischen Elementargrammatik und dem „Chumesch" erforderlich ist und mithin für die bezeichneten „modernen Kinder" im Alter von acht bis zehn Jahren bestimmt ist. Dies zur Aufklärung über den Zweck des neuen Lesebuches. Und wenn Zahlen beweisen, bin ich berechtigt, aus der Thatsache, daß das Buch innerhalb zwei Monate zwei Auflagen erlebt hat, den Schluß zu ziehen, daß es einem wirklichen Bedürfnisse entspricht. Ferner meint der Herr Recensent, daß man mit Fabeln und Märchen die Jugend an Aderglauben oder Unglauben und Lügen gewöhne u. s. w. und daß ich mich also wieder in einem Jrrthum befinde, wenn ich anstatt den Chumesch, Fabeln und Märchen den Kindern als Lectüre biete. Nun kann ich aber nicht begreifen, wozu der Herr Recensent m i ch von der Schädlichkeit der Märchen belehrt, während ich selbst in der Vorrede des Lesebuches ungefähr dasselbe sage, und ausdrücklich erkläre, daß ich keine Nothwendigkeit und keinen Nutzen darin sehe, das Gehirn und die Phantasie de? Kindes mit Zauberern, Geistern und dergleichen blödsinnigem Zeug zu füttern, und daß ich deshalb kein einziges Märchen, im gewöhnlichen Sinne des Wortes, in meinem Lesebuche ausgenommen habe. Ich bitte den Herrn Recensenten, mir doch ein einziges Leseslück aus dem „Eden Haj’ladim“ zu nennen, das der von ihm und mir perhorrescirten Märchengattung gehörte, die an Aberglauben rc. gewöhnen. Das Buch enthält viele Erzählungen aus der Kinderwelt, viele Geschichten aus dem Leben der Thiere und Pflanzen, einige Fabeln die entweder eine leicht zu findende witzige Pointe oder einen moralischen Gedanken enthalten, und ein paar sinnige, humorvolle, vollständig „koschere" Märchen, in welchen kein Zauberer haust, kein Geist spukt und keine Prinzen und Prinzessinnen sich kriegen oder nicht kriegen. Als Beweis dafür, wie sehr vorsichtig ich bei der Auswahl des Lesestoffes zu Werke ging und wie sehr ablehnend ich mich den bekannten Märchensammlungen gegenüber verhielt, mag die Thalsache dienen, daß die Hauptlieferanten der meisten Chrestomathien, die Gebrüder Grimm, in dem über kl>0 Seiten starken „Eden Hsj'ladim“ nur durch e ine Thiergefchichte („Macht der Einigkeit") und ein wesentlich uuigeorbeitetes Märchen („Der Reiche und der Arme") vertreten sind. Denn ich habe mich bemüht, ans der außerordentlich reichen Kinder literatur (nicht Jugend schriften) aller dieser Volker nur dasjenige für meine kleinen Leser zu wählen, was mehr zu ihrem Herzen und Gemütbe spricht als zu ihrer Phantasie. Daß manche biblische Geschichten von heilsamerem Einflnsse auf das Kinderherz und Gemüth sind, als etwa „Schneewittchen', „Dornröschen und sonstige Märchen von bösen Stiefmüttern, verwunschenen Schlössern, blutdürstigen Hexe», frauenmordenden Ehemännern rc. — das wird ja kein vernünftiger Pädagoge bestreiten. Aber ebenso unbestreitbar ist es, daß der gewissenhafte Verfasser eines Lesebuches (in jeder Sprache) für Kinder von acht bis zehn Jahren, den Lesestoff nur aus solchen Büchern entnehmen darf, die von berufenen, herz- und gemüthvollen Jugendschriftstellern, speciell für das gesummte Kindesalter geschrieben wurden, und nicht ans dem göttlichen Buche der Bücher, das dazu bestimmt ist, Ine Menschheit zu belehren und zu veredeln, aber keineswegs als passende Kinderlectüre bezeichnet werden kann. Unsere Kinder sollen schon im frühesten Kindesalter wissen, daß sie Juden sind und was Juden sind (natürlich nach ihre m Fassungsvermögen). — Das Bibelstudium wird aber ftder intelligente Jude, dem die Kindlichkeit seiner Kinder kostbar ist, vor dem zehnten Lebensjahre entschieden nicht gestatten. I. T a w j e w. Briefkasten. B G. Die Nachricht, daß Feichtinger eine Wochenschrift zur Bekämpfung der Corruption gründen will, muß selbst Hypochonder ärgsten Schlages zur Heiterkeit zwingen. L. B Der Meineid-Canonicus schweigt. Er dürfte das für das Klügste halttn. Dr. P. H. Man muß den Herrschaften immer wieder auf die Finger klopfen, sonst schreien sie nächstens: „Es wurde ja gar nicht bestritten, was wir sagten". Jg. G—z. An Budweis wird Dr. Lueger wohl längere Zeit denken. Ein Agitator wie er darf sich nicht wundern, wenn auch die Anderen vergessen, daß er Bicebürgermeister von Wien ist. I. B- Der Bürgermeister von Wien erscheint bei jedem derartigen Empfange. L. K. In der That wurde niemals dort, wo der Kaiser erscheint, eine andere Person durch „Hoch"rufe gefeiert. Freilich hat Wien noch niemals eine solche Größe auf dem Bürgermeisterstuhle sitzen gehabt, als dermalen. M M. in A. Abonnement bis 30. September a. e. beglichen. Beritas 22: Ihren Wunsch, zum Judenthume überzutreten, können w>r nicht gut heißen nnd darum auch nicht fördern. Sie können auch als Katholik ein braver Mensch sein und» einen gottgefälligen Lebenswandel führen. Ihren Eltern einen solchen Schmerz bereiten, kann Gott unmöglich billigen. A. B. Der Artikel scheint mir vorläufig verfrüht und noch nicht opportun. Dr. F. H. Ja wohl! Man wende sich an Herrn Josef Jellinek, Wien,!., Seitenstettengasse, unter Vorlage des Matriculirungs- Zengnisses. Moritz Lang, Wien. Wenden Sie sich an den Bethaus- Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde.

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