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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-09-04 · 36 (4.9.1896) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
36 (4.9.1896)
Date
1896-09-04
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Vlvch's Wochenschrift Seite 719 aller Einwohner unserer Stadt erwerben, wenn Sie die Güte hätten, nachstehenden Fall der Oeffentlichkeit mitzutheilen. Seit jeher ist es hier Sitte, am 18. August, als am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers, zu illuminiren, indem an sämmtlichen Fenstern Lichter angezündet werden. Nun ging am 17. d. M. der Gemeindediener Stefan Surakvwski im Aufträge des Bürgermeisters Dr. Leon Jaklinski von Hans zu Hans und schärfte jedem Einwohner ein, diese Illumination zu unterlassen. Da man sich diesen Ukas unmöglich erklären konnte, zogen die Einwohner des Ortes es vor, lieber ihrem patriotischen Gefühle, als den Wünschen des Bürgermeisters Rechnung zu tragen und die ganze Stadt wurde wie immer illuminirt. Nur die Fenster des Gemeindehauses, der Schube und des Hauses des Bürgermeisters blieben dunkel. Es ist unmöglich, die Worte wiederzugeben, mit welchen ein Finanzwachaufseher am nächsten Tage die Widerspenstigkeit gegen den Willen des Bürgermeisters strafte. Sein Vorgesetzter hat auch die Anzeige gegen ihn erstattet. Bezeichnend für unseren Bürgermeister ist auch noch der Umstand, daß er die Anzeige machte, in Komarnv herrsche Flecktyphus, so daß jede Ansammlung auf der Straße verboten werden mußte. Eine ärztliche Visitation seitens des Physikus ergab, daß hier diese Krankheit keineswegs grassire. E. B. Proo. (R e ch t s s ch u tz f ü r H a u s i r e r.) Wie wir schon gemeldet, wurde Herr Adolf Schiller, Gründer und derzeit Cassier des Rechtsschntzvereines für Hansirer in Böhmen zmn Ehrenmitgliede dieses Vereines ernannt. In der letzten Generalversammlung dieses Vereines wurde nun Herrn Schiller vom Vereiusobmanne mit einer ehrenden Ansprache das Ehrenbürgerdiplom überreicht. Zn erwähnen ist noch der Umstand, daß dem Vereine zu Zweidritttheilen Christen angehören. Bedauerlich ist, daß sich noch immer viele jüdische Hansirer dem Rechtsfchntzvereine fernhalten, während im Hinblick auf das schon mit Neujahr in Wirksamkeit tretende Häusirverbot in deren Interesse läge, diesem Vereine a u s n a h m s l o s beizntreten, wozu diese Zeilen hoffentlich beitragen werden. 8. B. Pilgram. (C o n f e s s i o n e l l e r Fried e.) Zn der vorige Woche stattgefnndenen Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestandes des hiesigell Staatsgymnasiums wurden auch die Herren Hermann B e n e d i e t und I. I. K o h n als Vertreter der israelitischen Cnltnsgemeinde, ferner Herr Lehrer S p i e l m a it n geladen, wovon als neuerlichen Ausdruck des hrer bestehenden evnfessivnellen Friedens Erwähnung geschieht, um dessen Pflege sich unter Anderem auch der vorzügliche Schulmann Gymnasial-Director Herr Petr u verdient macht. Herr Director P e t r u spricht stets mit Achtung und Liebe von seinen jüdischen Schülern, von welchen jährlich regelmäßig von 15 bis 20 das Gymnasium besuchenden 6 bis 8 mit Vorzug abitnriren. Der hiesigen Mittelschule sind so manche Kräfte entsprossen, welche sich in angesehenen Stellungen befinden und dem Judenthum zur Ehre gereichen, so Med. Dr. I. Glaser in Jglau, Dr. R o u b i e e k in Prag u. s. w. Möge weiters Eintracht und Friede hier zwischen den Confessionen herrschen, zum Wohle der Stadt Pilgram und im Interesse des Staates. Czernotvitz irnd BudlveiA. Man schreibt uns aus Czernowitz: „Ein hiesiger jüdischer Bürger fuhr vom Bahnhofe in die Stadt. Zeit halb 11 Uhr Abends. Langsam rollte das Wagerl die steile Straße hinauf; für den armen Juden, der hinter sich drei Leute sah, die nicht Gutes im Schilde führten, unendlich lang. Einer der drei machte sich den Spaß und hieb rückwärts auf das Gepäck des Wageninsassen ein. Einer gegen drei — der Jude ließ sich das gefallen. Es ist das ja ein dummer, aber zahmer Spaß. Dümmer, aber weniger zahm war es schon, als man den Juden auf die Finger schlug. Warum schlagen sie mich? wagte der Jude zu fragen „Halt's Maul, Du schäbiger Saujud!" war die Antwort. Man kam in die Nähe einer Lampe. Der Jude sprang ab. „Herr, Sie haben mich beleidigt. Sagen Sie mir Ihren Namen!" Eine Auslese ekelerregender Schimpfworte war wieder die Antwort. Aber diesmal waren es nicht trockene Worte, die sich der Jude mußte gefallen lassen, sondern einige derbe Stockstreiche. Und jubelnd zogen die drei Helden weiter. Endlich kam ein Pvlizeimann in Sicht. „Guter Freund, die Leute haben mich geschlagen." „Was geht das mich an; hättest Dich an den Polizeimann jenes Rayons wenden sollen, wo Du geschlagen wurdest." In der Höhe der Springbrunnengasse traf unser Jude endlich einen Polizeicorporal. Inzwischen hatten sich die drei lustigen Vögel in die Judengasse geschlagen, wahrscheinlich um weitere Schaudthaten zu verüben. Ter Corporal hatte infolge seines höheren Amles eine etwas größere Portion Einsicht und machte sich mit dem Inden ans die Suche nach den Dreien. Man traf sie noch. Der Corporal hatte wahrscheinlich mit dem einen noch ein Hühnchen zu pflücken, denn er erkannte seinen Mann. Die anderen hatten das Weite gesucht. Am Eommissariate wurde endlich das Jncvguito des Braven gelüftet. Das ist etwa kein Tagdieb, sondern ein den besseren Ständen ungehöriger Mann. Er nennt sich Nicolaus Penteleicznk und ist Beamter in der Sparcasse. Soweit die Thatsache, die protokollarisch festgestellt wurde. Eines Commentars bedarf sie eigentlich nicht. Herr Lueger kam nach Bndweis, um zu hetzen, die Bevölkerung gegen Bürger anfzureizen, die ihm nie was zu Leide gethan, und er darf sich nicht beklagen, daß man ihn mit der antisemitischen Münze in der Art seiner eigenen Parteigenossen bezahlt hat. Diakovar, den 27. August. Beweis für das brüderliche Einvernehmen, welches hierzulande zwischen Inden und Christen herrscht, und als beredte Widerlegung der Verdächtigung, als ob der einflußreiche Bischof von Diakovar und die Obzorpartei antisemitische Allüren hätten, mag die Unterredung dienen, welche jüngst unser neuerwählter Rabbiner, Herr Tr. Marcus Ehrenpreis, mit Sr. Excellenz dem Bischof Josef Georg S t r o ß m a y e r hatte und im Verlaufe welcher der greise Kirchenfürst sich in sehr wohlwollenden Worten über die Bedentung des jüdischen Volkes und insbesondere über das jüdische Nativualgefühl äußerte: „Es ist mir eine Genugthuung, zu cvnstatiren", sagte der hohe kirchliche Würdenträger beiläufig unter Anderem, „daß im jüdischen Volke trotz tausendjähriger Verfolgung und Bedrückung noch heute das nativuale Bewußtsein lebt und daß es heute eine große Anzahl von Inden gibt, die sich offen zur jüdischen Nation bekennen. Das jüdische Volk hat allezeit eine edle und ehrliche Rolle in der Geschichte der Menschheit gespielt und jeder Einzelne kann mit Recht auf sein Judenthum stolz sein". Der weitere Inhalt der sehr interessanten Unterredung entzieht sich vorläufig der Oeffentlichkeit. Se. Excellenz verabschiedete unseren jungen uttb gelehrten Rabbiner in der herzlichsten und wohlwollendsten Weise, indem er ihm seinen Segen für die Thütigkeit in seiner Gemeinde ertbeilte. In ebenso liebenswürdiger Weise wurde Herr Rabbiner Dr. Marcus Ehrenpreis vom Obergespan des Veröczer Comitates, Sr. Excellenz dem Herrn Grafen Dr. Theodor P e j a ö e v i ö empfangen. London, 24. August. Ein Fall einer in England ganz ungewöhnlichen V e r n r t h e i l n n g eines Jude n, weil er fein religiöses Gesetz beobachtet habe, macht sehr viel Allfsehen. Im Ostend von London sind circa 00 jüdische Bäcker, welche etwa 170 durchweg jüdische Arbeiter beschäftigen. Dieselben haben am Sabbathfest geschlossen. Dagegen backen sie nur Sonntags. Einer derselben ist nun denuncirt worden, weil er die gesetzlichen Vorschriften über die Sonntagsheiligung übertreten, und er wurde in der That zu 12 Mark Strafe verurtheilt. Der Richter bedauerte selbst den Vorfall, er erklärte aber, nach dem bestehenden Gesetze nicht anders entscheiden zu können, denn in dem Gesetze von 1878, betreffend die Sonntagsruhe ist zwar für die Inden, welche am Sonnabend feiern, die Sonntagsarbeit erlaubt, dieses Gesetz besteht jedoch nicht für die Bäckereien, welche nach einem alten Gesetze Georgs Ul. zu behandeln seien. In diesem ist keine Ausnahme für Inden gemacht, und daher dürfen jüdische Bäcker auch heute noch am Sonntag nicht arbeiten, während andere jüdische Handwerker es thun dürfen, wenn sie nur am Sonnabend feiern. —~ Ebenso ruft es Aufsehen hervor, daß neuerdings mehrere Verurtheilungen gegen Excedenten im O st e n d nöthig wurden, welche nach dem Ausspruche des Richters sich noch nicht daran gewöhnen konnten, daß die „Jewa-baiting-* (Judenhetzen» nicht mehr zum erlaubten Sport gehören. — Die durch die Initiative von Rev. Dr. Josei Krauskopf geschaffene Ackerbau schnle für die Juden in Philadelphia veröffentlicht ihren Lehrplan für das erste Jahr, der demjenigen der Hirschschnle in Odessa nachgebildet ist. Der Cursus ist fünfjährig, im Unterricht werden neben der Theorie der Landwirthschaft auch die allgemeinen Fächer, Geschichte, Algebra :c., berücksichtigt; praktische Arbeiten nehmen aber natürlich den weitesten Raum ein. Die Schule besitzt einen Bestand von 12 Kühen, vollständig und reichlich eingerichteten Geflügelhof und drei Treibhäuser, von denen das eine für Obst, das zweite für Gemüse, das dritte für Blumen ein-

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