Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 36 (4.9.1896)
- Date
- 1896-09-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seile 718 Nr. 36 Dr. Vloch's Wachenichrtsl tiefes talmudisches Wissen den dortigen Oberrabbiner tu Verlegenheit gebracht habe. Da der Rabbi eine siebenjährige Tochter hatte, war der Scharfsinn, den der Knabe entwickelte, schließlich nicht ohne die ernstesten Folgen für sein ganzes Leben. (Forschung folgt.) Correspondenzen. Wien, 3t. Angust 1896. (H o f p i t a l b a n i n I e r nf a l e m.) Ans eingezogene Erknndignrlgen hiil erfahren wir mit Freude und Genugthuung, das; die begonnenen Sammlungen für den neuen Hvspitalbau schon in der Kürze der Zeit recht hübsche Resultate ergeben, da sich alle Juden ohne Unterschied der religiösen Richtungen daran bctheiligen und keine jüdische Gemeinde bei diesem philantrvpischen Werke fehlen will. So sind bis jetzt schon unter Anderem eine Spende ä 15.000, eine ä 8000, eine ä 6000, zwei ä 500<), acht ä 2000 und fünfundzwanzig a 1000 Mark und eine große Anzahl Spenden ä 500 Mark und viele kleinere eingcgangen. Unter den Spenden h 2000 Mark und 1000 Mark befind?n sich auch schon erste Wiener Firmen. Eine genaue Veröffentlichung wird demnächst seitens des Central-Comit^s stattfiuden. Wien. Unter dem Titel „Arische Humanitas" brachten Sie in Ihrem geschätzten Blatte vom 14. a. c. eine Mittheilung, welche vollständig in ihrem wesentlichen Inhalte der Wahrheit entspricht, trotzdem aber ans Grund § 19 eine Berichtigung erfahren hat. Ich schildere Ihnen daher das Factum nochmals : „Der Frau Chomet wurde von ihren Hausärzten Dr. Braun und Dr. Kestenbaum behufs gründlicher Heilung ihres Frauenleidens empfohlen, ein Spital auszusuchen und ihr von den Benannten das Rudvlssspital besonders in Vorschlag gebracht. Frau Chomet befolgte den Rath ihrer beiden Herren Doctoren und ging, da sie zu Hause keine genügende Pflege hat, ihr der Aufenthalt in einem Spital nicht neu ist, da sie bereits 5 Monate im R u d o l f i n u m lag, mit Empfehlung des Herrn Dr. Braun am 15. Juli in's Rndolssspital. Sie erhielt nach ihrer Aufnahme dort Vormittags ihr Mittagsessen, aber keine ärztliche Visite, wurde aber nicht ans der Abtheilung für Frauenkrankheiten, sondern auf der chirurgischen angewiesen. Nachmittags sah sie, wie den anderen Patientinnen Kaffee und Milch verabreicht wurde und hatte auch Verlangen darnach, d a i h r v o m A r z t weder Kaffee noch Milch verboten wurde. Sie wandte sich an die Barmherzige Schwester mit dem Ersuchen, ihr auch einen Kaffee oder Milch zu geben, woraus sie die Antwort erhielt: Ja, da müssen Sie zeitlich Früh gegen 6 Uhr aufstehen und sich die Milch bei einer immer des Morgens kommenden Milchbäuerin holen und den Kaffee sich dann in der Anstaltsküche dazu versorgen. Dies war der armen Frau neu, daß eine Kranke sich selbst die Zuthaten zu einer Jause eventuell Frühstück holen muß, und sie ergab sich resignirt in ihr Schicksal. Aber am 16. Juli Mittags wurde sie untersucht. Nach dieser Untersuchung wurde ihr nichts ordinirt und kam Nachmittags ihr Mann, gegen dessen Willen und ohne dessen Wissen sie in's Spital ging und erzählte ihm dies und ersuchte ihn gleichzeitig, sie abzumelden, da sie in einem Spitale, wo sie der ärztlichen Hilfe entbehrt, das doch der Zweck ihres Hinkvmmens, nicht bleiben will und entsprach ihr Mann diesen ihrem Ersuchen sofort und meldete seine Frau bei der Bar m herzigen Schwester ab. Nächsten Morgen erhielt die Frau von einem Herrn Dvctvr etwas, was besagt, daß die Frau ernstlich krank ist, für den Weg ordinirt, und ging in die Kanzlei, um sich abzumelden. -- Der amtirende Beamte fragte sie, warum sie schon sortgche, woraus die Frau ihre Beschwerden der mange haften ärztlichen Hilfe und des Essens vorbrachte. Nun kam jener Heldentenor zur Besinnung seiner Stellung und Amt und rief, die Documente der Frau lesend: „Ja, Sie heißen Rebecca Lea und sind aus Galizien, ja, Sie gehören in's Rothschildspital, dort, wo der Herr Baron Hirschleben was gibt und nicht zu uns, wir geben nichts". Die arme Frau sagte ihm, daß sie nicht hier sei, um sich verspotten zu lassen, sondern um ärztliche Hilfe zu haben und zahle sie ja dafür, was beifolgende Quittung bezeugt, nwrauf sie ging. Ich muß noch bemerken, daß die Frau in täglich zweimaliger Behandlung steht und sehr oft untersucht! werden muß, sich denr gerne fügt, um gesund werden zu können, I aber sich jetzt sehr leidend fühlt. Dr. Kestenbaum wollte I selbst die Anzeige von diesen! Vorfälle machen und unterließ es nur auf besonderes Bitten der Frau. Wien. (Eine E h r e n b e l e i d i g u n g s k l a g e des Jakob Münzer.) Der unseren Lesern hinlänglich bekannte Sensenmann Jakob Münzer klagte den Kaufmann Karl Richard Weiß vor dem Bezirksgerichte Wieden, weil Weiß ihn im Terrassencafe im 5. Bezirk einen g e w o h n h ei t smäßigen Betrüger genannt hatte. Die erste Verhandlung wurde vertagt, weil Herr Weiß sich zur Erbringung des Wahrheitsbeweises crbötig gemacht halte. Gegen den über diese Verhandlung im „Wiener Tagblatt" erschienenen Bericht^schickte Herr Weiß dem genannten Blatte eine Berichtigung zu. In dieser Berichtigung führte Weiß unter, Anderem an, daß er nicht die dreijährige, von Jakob Münzer bereits verbüßte Strafe, sondern eine gegen diesen beim Landesgerichte in Wien.wegen Verbrechens des Betruges anhängige Untersuchung im'Auge hatte, als er sich zuui Wahrheitsbeweis anbot. Jakob Münzer strengte nun wegen dieser Berichtigung gegen Herrn Karl Richard Weiß die Ehrenbeleidigungsklage an, weil ihm darin der Vorwurf einer bereits verbüßten Strafe gemacht lvird. Dienstag fand hierüber vor dem Jnjurienrichter des Bezirksgerichtes Innere Stadt, Adjuncten Dr. v. Schreyber, die Verhandlung'statt. Der Angeklagte verantwortete sich dahin, daß er nicht die Absicht hatte, zu beleidigen, sondern lediglich die Worte wiedergab, wie er sie vor Gericht gebrauchte. Der Richter fand die Verantwortung des Angeklagten stichhältig und sprach ihn frei. Wien. Ueber die Heldenthat eines Wachm a n n e s ' beklagt sich der Hausierer Schmelm Schwa r zb a ch bitter in einem Schreiben an uns. Freitag Abends kam er in das Gasthaus des Herrn Roderich B i t t e r m a n n, IX. Bezirk, Roßauerlände Nr. 47, um dort seine Waare feilzubreten. An einem Tisch saß ein Wachmann ohne R i n g k r a g e n, also außer Dienst oder widerrechtlich im G a sth aus e und „schnapste". Als er den Hausierer sah, regte sich der Diensteifer in ihm, und er frug diesen, ob er einen Hausierschein habe. S ch w a r z b a ch gab zur Antwort, daß er einem. W a ch m a n n außer D i e n st nicht Rechenschaft schuldig sei. Daraufhin zog der Wachmann, der Z i m m e r m a n n heißen soll, einen Ringkragen mit der Nummer 1735 ans der Tasche und jetzt präsentirte Schwarzbach auch seinen Hausierpaß, der erst am 21. August in Wien vidirt worden war. Dies genügte aber dem strammen Wachmann nun nicht mehr, er packte den Hausierer, wie dieser uns mittheilt, am Halse, würgte ihn und brachte ihm eine Schramme bei. Selbstverständlich erklärte er ihn auch für arretirt. Außerdem schien der Held große Lust zu haben, sich den Hosenriemen abznschnallen, um danrit den Hausierer zu tractiren. Der tapfere 1735er unterließ dies aber und führte den Hausierer ans die gegenüberliegende Wachstube, wo Schwarzbach von dem diensthabenden Jnspector in nicht gerade liebenswürdiger Weise empfangen wurde. Als S ch w a r z b a ch das Local verließ, ries der geistreiche Jnspector ihm nach, daß er „obacht geben solle, daß er nichts Polnisches zurücklasse". Wien. (Enquete über die W a a r e n u m s a tzsteuer.) Am 1. September ist die einmal bereits verschobene Enquete in Angelegenheit der Einfichrung einer Waarenumsatzsteuer eröffnet worden. Die wichtigste Frage des Questionnärs bezieht sich bekanntlich darauf, ob die Besteuerung auf den Terminhandel zu beschränken oder auch aus das Promptgeschäft anszudehnen sei. Den Vorsitz in der Enquete führte Sectionschef Frosch au er, außerdem war das Finanz- und das Ackerbauministerium vertreten und der landessürstliche Commissär an der Productenbörse, Ministerialrath An d er Lan erschienen. An der Enquete nahmen theil: Für die Wiener H a n d e l s k a m m e r die Kammerrüthe P o l l a k und Vogl; für die Wiener Productenbörse Bicepräsident Weil, die Börsenräthe Dr. W e i ß v. W e l l e n st e i n, eventuell Generalsecretär L e i n k a u f. Die Prager Handelskammer war vertreten, durch die Kammerräthe Kann, Grünbaum, Lederer und F i s ch l; die Prager W a a r e n b ö r s e durch die Herren K o h n, P r o ch a s k a und Secretär Dr. L e i p e n. Die L e m b e r g e r Handelskammer war vertreten durch den Vicepräsidenten Piepes und Kammerrath G o n a s z. Persönlich wurde der volkswirthschaftliche Schriftsteller Adolph de Schütz in die Enquete berufen. Komarno, 20. August. Wir erhalten folgende Zuschrift: Geehrter Herr R e d a c t e u r! Sie würden sich den Dank