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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-08-28 · 35 (28.8.1896) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
35 (28.8.1896)
Date
1896-08-28
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Gelte 704 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 35 Der Professor war nicht wenig erstaunt über die außerordentlichen Ehrenbezeugungen, die ihm in einem ihm völlig fremden Hause erwiesen werden. Nach beendeter Tafel, die in animirtester Stimmung verlief, führte der Hausherr feinen Gast ins anstoßende Comptoir. Hier reichte er ihm feine Hand und frug ihn, ob er ihn nicht wieder erkenne. Der Professor verneinte. „Aber ich", sprach der Hausherr, „erkenne Sie wohl und so lange ein Athemhauch in mir ist, werden Ihre Gesichtszüge aus meinem Gedächtnisse nicht schwinden. Sie haben mich vom Tode errettet! Erinnern Sie sich der Flucht aus Halle? Ich bin dieser Flüchtling. Als ich mich damals von Ihnen trennte, trachtete ich, nach Holland zu kommen; da ich schreiben und rechnen konnte, erhielt ich eine Anstellung bei einem hiesigen Kausmanne. Durch meinen ehrlichen Fleiß erwarb ich mir das Wohlwollen meines Herrn und — die Liebe seiner Tochter. Mein Herr war nicht mehr jung und deshalb übergab er mir sein ganzes, großes Vermögen zur Verwaltung und seine Tochter zur Frau. So bin ich heute, wie Sie sehen, einer der geachtetsten Kausleute. Ohne Ihre Hilfe, mein Herr, ohne Ihre grenzenlose Wohlthat, wäre ich zu solchem Reichthum und zu solchem Glücke nicht gelangt. Und nun, mein Wohlthäter, betrachten Sie Alles, was Sie hier sehen, mich und mein Vermögen als Ihr Eigenthum, denn von Ihnen habe ich es bekommen, Sie haben es mir gegeben!" Tief ergriffen stand Professor Junker da, ein Thränenstrom ergoß sich über seine Wangen und mit bebenden Lippen sprach er die Worte: „Gut und gerecht ist die Gottesfügung!" Mteratuil. Zwei Jugenddramen von Alexander Weil, Zürich 1896, Verlagsmagazin I. Schabelitz. Ein 84jähriger bekannter französischer Schriftsteller und Publicist in Paris, der als geborener Elsässer in seiner Jugend deutsch schrieb, fühlt am Ende seiner Tage den unwiderstehlichen Drang, seine deutschgeschriebenen Jugendarbeiten, die als Manuscripte in einem Dachwinkel seines Hauses modern, hervorzusucheu und zu veröffentlichen, wie man sich in der Todesstunde des Glaubens der Väter erinnert, den man so lange schon verlassen und vergessen zu haben wähnte. Eine solche Pietät kann nur der deutsche Jude für das Deutschthum haben, und Alexander Weil ist Jude. Er fühlt sich auf dem Sterbebette dock als Deutscher, obwohl er, in seiner Jugend in Frankfurt am Main lebend, dort den Judenhaß der Deutschen kennen gelernt hatte und von dessen Wiederausbruch jetzt auf seinem Siechenlager hört, aber sein Deutschthum ist ihm so ans Herz gewachsen, daß er mit seinen letzten Schlägen seiner gedenkt. Diese Erscheinung wollen wir mit der Besprechung dieses Buches festhalten, gegenüber dem deutschnationalen Antisemitismus, der den deutschen Juden das Deutschthum abspricht. Die kritische Beleuchtung des Buches gehört nicht in den Rahmen unseres Blattes, nachdem keines der beiden Dramen einen jüdischen Stoff behandelt. Nur die allgemeine Bemerkung wollen wir darüber machen, daß der Verfasser in diesen zwei Dramen, von denen er das eine „Haß und Liebe" in seinem 19. Lebensjahre und das andere, „Alexander der Große", mit 22 Jahren schrieb, viel dramatisches Talent bekundet, aber wie der Verfasser in seiner Vorrede erzählt, sagte ihm ein gelehrter Freund in Frankfurt, dem er sein Erstlingswerk vorlas: „Ich beneide und bedauere Dich zugleich. Ein deutscher Dichter und Jude! Das ist genug, um nicht zu sterben und nicht genug, um zu leben — Du müßtest Dich denn laufen laffen." Und das dürfte ihn von einer Laufbahn als Dramatiker abgeschreckt haben. Wie viele Morde an Talenten hat nicht schon der deutsche Judenhaß auf seinem Gewissen! Zirm Fortschritt der Judenczechisirung inBöhmen. Recht bezeichnend für den zunehmenden Fortschritt der Judenczechisirung in Böhmen ist ein soeben erschienenes Schriftchen, das den Rabbiner Joses Kraus in Königstadtl als Verfasser und die Buchhandlung Sainuel W. P a s ch e l e s in Prag als Verleger nennt. Das Schriftchen „krlleLirostue real pro üo-iüoLiävvskß feazatele4- (Gelegenheitsreden für czechisch-jüdische Prediger) betitelt, enthält 30 verschiedene Reden für die wichtigsten Anlässe des jüdischen Gottesdienstes in czechischer Sprache. Der Umstand, daß das Werkchen blos für den geringen Ladenpreis von 80 kr. zu haben ist, läßt daraus schließen, daß die Unternehmer bereits auf ein hinreichend weites Absatzgebiet zählen. Tabellen zur Geschichte der Juden und ihrer Literatur. Bearbeitet von Dr. M. Stern. Jsiel 1896. Die vorliegenden Tabellen werden sicherlich ihren Zweck, das Wissenswerthe aus der Geschichte und Literatur der Juden dem Gedächtnisse leicht eknzuprägen, erfüllen. Sie werden auch so manchem Lehrer, der keine Muße findet, aus irgend einer beliebigen Geschichte der Juden selbst Tabellen zusammenzustellen, dienen können. Der Herausgeber hat — was lobensimrth ist — in seiner für die noch unreife Jugend bestimmten Arbeit keine Rücksicht genommen auf die neuesten Offenbarungen des kritischen Geistes, um kein religiöses Gefühl zu verletzen; indessen hätte er doch in den nachbiblischen Perioden an deuten können, in welchen Punkten die Meinungen anseinandergehen — so z. B. in Bezug auf die Zeit der Sammlung des Talmud Jeruschalmi oder bezüglich der Person Jehuda ha-Chaßids. Zu bemängeln ist ferner, daß Dr. Stern die Anfänge des Christenthums, die sicherlich mit dem Judenthume t in Zusammenhänge stehen, ganz außer Acht läßt. In unserer Zeit des Alles bestreitenden Antisemitismus ist man umso mehr verpflichtet. in Arbeiten, die nur dem Tage gelten, auf die Beziehungen zwischen Christenthum und Judenthum hinzuweisen. Es fehlen ferner nn Abschnitt VII, der die neueste Zeit behandelt, Heine und Börne, die nach Grätz, den allein Dr. Stern gelten läßt, da er Jost nicht erwähnt, der Geschichte der Juden angehören. Unbegreiflich ist es wir endlich, weshalb der großen n e u hebräischen Dichter keine Erwähnung gethan wird. Dr. Stern hätte sie nennen dürfen — selbst wenn das Geschichtsbuch, nach dem er gearbeitet, sie nicht genannt hat. Trotz dieser Mängel kann man das Büchlein empfehlen. _ Dr. I. Niemirow. Briefkasten. E. R, Brünn. Für unser Blatt ungeeignet. F. in N. Dr. Bräner bleibt Rabbiner in Frankfurt a. M. Resten Gruß. A. K. Sie haben vollkommen Recht, Bibel und Talmud athmen einen socialistischen und anticapitalistischen Geist. A. Wir werden Ihren Hinweis auf das Wort des Engländers beherzigen, wenngleich Sie durch Ihre Zuschrift vas Gegentheil desselben beweisen. Dr. B—NN. Die Wiener müssen viel Spott im Auslande erdulden, Dank den großen Geistern, die jetzt bte communalen Herren Wiens sind. Leetor. Natürlich war das ein Druckfehler. Wir werden doch die Wiener Hausmeister nicht so beleidigen. Es sollte heißen: Schneider müßte entweder die Zwangsjacke des Narren oder die Mütze des — Hanswurstes tragen. 91. Vergani wirft jetzt mit 20.000 fl. herum. Früher bestätigte er in seinem Blatte die Spenden von 20 kr. Ja, der Mann wird stein — reich. v in. Diese Berichtiaungsassaire hate in allen juristischen Kreisen begreifliche Sensation erregt. C—0. Für Geßmann ist es gewiß keine Schande, mit Juden verwandt zu sein. N—n. Vergani kann sich jetzt schon den Luxus gönnen und sich einen — Abschreiber halten. Falkenau. Danken bestens, paßt aber nicht für unser Blatt. B- B. & Co, Wien. In orthodoxen Gemeinden ist der Trauerflor überhaupt verpönt. — In Großstädten trägt man auch nach Geschwistern und nahen Verwandten den Flor — gegen die Religion verstößt es keinesfalls — Kadisch wird nach Geschwistern das ganze Jahr gesagt, wenn der Vater nicht mehr am Leben ist — ebenso wird Jahrzeit gehalten. Nach einem Kinde sagt man das ganze Jahr Kadisch. G. W. in Wien. Auch bei anderen Kalendern fehlt das jüdische Kalendarium, nicht blos bei dem „Löschblatt-Unterlags-Kalender" von Emil M. Engel, der wahrscheinlich an seine frühere Confession nicht erinnert sein will. Sache der Käufer ist es, sich einen zweckentsprechenden Kalender anzuschaffen, und dieses fällt nicht schwer. Herm. Pollak, Jungbunzlau. Sehr gut, für uns aber nicht geeignet. S. R. Prag Gehört in ein theologisches Fachblatt. 9llcxander Deutsch, Amstetten. Der Bericht kam für diese Nummer zu spät und in der nächsten Woche bereits veraltet. Heinrich L. Es ist selbverständlich für Juden unpassend und unsinnig, in Todesanzeigenden Passus „selig im Herrn" anzuwenden. Emil Jellinek, Wien. Die Einsendung kam für diese Nummer zu spät und für die nächste Woche bereits zwecklos.' Dr. C. Fournier für diese Woche zu spät. — C. Daß die Stieftochter Nather's, Frl. Porges, wie früher schon ihr Bruder, zum Katholicismus übergetreten ist, kommt nicht auf unser Berlust-Conto, da die Geschwister confessionslos erzogen sind. Wohl aber liegt darin eine gewisse Felonie gegen ihren Stiefvater, der ihrer Mutter und ihretwegen manche Anfeindung hat erdulden müssen. L. Die persönliche Anfeindung der Gegner ist angeblich jüdische Taktik, in Wahrheit kommen die „Enthüllungen" über unsere Gegner (siehe vorige Nr. Dr. Ebenhoch, Pfarrer Döller) regelmäßig von antisemitischer Seite. Dort ist man augenscheinlich viel besser unterrichtet, als bei Juden und Liberalen, es ist aber allerdings nicht hübsch, daß die Herren von der Nersonalkenntniß, die sie besitzen, nur bei bevorstehenden Wahlen — oder persönlichen Differenzen rc. Gebrauch machen. Druckfehler-Berichtigung. Das im Berlage von Sam. W. Pascheles in Prag erschienene Kauders'sche Kochbuch kostet nicht 45! r. sondern 75 kr. Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. Druck v. L. Beck & Sohn, Wien. VIII,, Lerchenfelderstr. 46.

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