Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 35 (28.8.1896)
- Date
- 1896-08-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 702 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 35 Nagy-Bittse. Wie jedes Jahr so ist auch Heuer der Religionsprofessor an Mittelschulen in Wien, Herr Aron P o l l a k, zu seiner Erholung in unserem Orte, einem einladenden Städtchen im Trencsiner Comitate. Wir freuen uns immer seiner Anwesenheit, denn wir wissen ihm ewigen Dank für seine hervorragenden Leistungen an unserer Schule, deren Glanz und Segen er über ein Decennium hinaus gewesen. Dieser brave, achtenswertste Schulmann feiert am 5. September d. I. hier mit seiner biederen Gattin seine silberne Hochzeit, und wir wünschen dem jubilirenden Paare allen Segen Gottes zu diesem beglückenden Feste. Kanitz (Mähren). Aus Anlaß des Geburtsfestes des Kaisers fand in unserem Gotteshause eine hochsinnige Feier statt. Herr Rabbiner Dr. H. F l e s ch hielt eine sehr gediegene Festrede, die auf di; Hörer den tiefsten Eindruck machte. Mit einem Gebete für Kaiser und Vaterland fand die herzerhebende Feier ihren Abschluß. I. Marieubad, 21. August. Dienstag den 18. d. M. wurde auf dem Wiener Centralfriedhofe ein Mann zur Erde bestattet, dessen viel zu frühes Hinscheiden eine vielverzweigte Familie, deren Mitglieder sich in Wien, Prag, Brünn und I g l a u in sehr geachteten Lebensstellungen befinden, in Schmerz und Trauer versetzt hat. Es ist dies der Jglauer Großkaufmann Herr Ludwig S u b a k s. A., der in B a d- Wildungen, auf dessen Heilquellen er seine letzte Hoffnung setzte, seinem tückischen Leiden erlegen ist. Ein Kaufmann von feiner Bildung, gediegener Fachkenntniß und wahrhaftem Bienenfleiße, arbeitete der Verblichene in Gesellschaft seines kaufmännisch geschulten und nicht minder emsigen jüngeren Bruders Herrn Sigmund S u b a k, auf der soliden Geschästsbasis, die von dem ehemaligen Firma-Chef, dem in Wien domicilirenden Nestor der Familie, Herrn Emanuel S u b a k, in Jglau und Brünn geschaffen wurde, mit zielbewußter Energie und unentwegter Coulance fast zwei Decennien hindurch und brachte das wohlrenommirte Geschäftshaus zu einer Blüthe, die in Jglau kaum ihresgleichen haben dürfte, und mit der sich nur die Zwillingsfirma in Brünn zu messen vermochte. Die überaus zahlreichen commerciellen Beziehungen und Verbiirdungen, welche die Jglauer Firma in allen Kronländern der österreichisch-ungarischen Monarchie unterhalten hat, werden sicherlich nicht verfehlen, der schwergeprüften Familie, insbesondere der in's Herz getroffenen Gattin und dem greisen Vater jene warmen Sympathien im reichsten Maße zuzuwenden, die geeignet sind, Trost und Aufrichtung zu gewähren. Möge dem früh Dahingeschiedenen die Erde leicht sein! U. Brüx, 20. August. Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers fand am 17. August Abends im hiesigen Tempel ein solenner Festgottesdienst statt, welchem die Spitzen der Behörden, die Honoratioren der Stadt und Deputationen zahlreicher Vereine beiwohnten. Nach dem unter der bewährten Leitung des Obercantors Jacob Lamm trefflich ausgeftihrten gesanglichen Theile hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Bi ach eine zündende patriotische Festrede. Beim Verlassen des Gotteshauses sagte der Bürgermeister zum Cultusvorsteher: „Es war eine erhebende Feier." Belgrad, 10. August. Nach dem ersten Berichte des serbischen statistischen Amtes leben im Königreich Serbien unter 261.961 Seelen 4510 Juden, davon 4493 in den Städten, 17 auf den Dörfern; 2261 sind männlich, 2249 weiblich. Die Juden bilden 0-26 Perzent der Bevölkerung. Lissa, 15. August. Herr Theod. Potsdamer, Mitglied des Gemeinde-Vorstandes, ist zum königlichen Commiffionsrath ernannt worden. Zürich. Samuel Levy, einer der größten Schneider in Zürich, ist ermordet worden, während seine Frau und seine Tochter sich gerade auf einer Erholungsreise befanden. Die Leiche wurde in einem entsetzlich verstümmelten Zustande aufgefunden. Es scheint ein Raubmord vorzuliegen. Ein des Verbrechens Verdächtiger wurde bereits festgenommen, doch ist es noch nicht erwiesen, daß er der Thäter war. London. Lord Rothschild hat auf seiner Dacht eine Fahrt nach den norwegischen Fjörds angetreten. London. An der Spitze der Liste mit Beiträgen für ein Augustus Harris-Denkmal stehen N. W. Rothschild LSons mit 105 Pfund Sterling. London. (Hochherzige Schenkung der Baronin Hirsch in London.) Zur Erinnerung an ihren verstorbenen Gemahl haben von Baronin Clara Hirsch folgende Anstalten größere Beträge erhalten: Jewish Board of Guardians 2000 Pfund Sterling; Jewish Convalescent Home 1000 Pfund Sterling; North West London Hospital 1000 Pfund Sterling; Middlejese Hospital, St. Mary's Hospital und St. George's Hospital je 500 Pfund Sterling; außerdem erhielt noch eine ganze Anzahl Spitäler und Wohlthätigkeitsanstalten Schenkungen von 200 bis 1000 Pfund Sterling. Conftantinopel. Die Frau des Augenarztes Sr. Majestät des Sultans, Dr. Elias Pascha, hat in Anerkennung ihrer großen Wvhlthätigkeit, die sie erst kürzlich durch eine bedeutende Schenkung an das Allgemeine Spital bekundete, den Chefkat-Orden erster Classe erhalten. Constantinopel. Der Sultan hat Dr. Jacques Nissim Bey, den Oberarzt des dritten Armeecorps, dessen Hauptsitz in Salonica ist, den Rang eines Pascha verliehen. Dr. Nissim Bey bekleidet seinen Posten schon seit 16 Jahren. Belgien. Vergangene Woche hat die Königin von Belgien mit Prinzessin Clementine Herrn und Frau Montefiore-L«vi auf deren schönen Landsitz Rond Cheme mit ihrem Besuche beehrt. Nachdem sie in dem Schlosse gefrühstückt hatten, besichtigten die hohen Herrschaften das von dem Ehepaare Montesiore-Lövi errichtete und in der Näye des Gutes befindliche Heim für erholungsbedürftige Kinder. Rarrrsgate (East Cliff). Der italienische Gesandte ist einige Tage der Gast des Sir Joseph Sebag M o n t e fi o r e, des Generalconsuls für Italien, gewesen. Schottland. Der Herzog von Dort hat die Einladung des Herrn Arthur D. Saffoon, im Herbste einige Zeit sein Gast in Tulchan Lodge in Schottland zu sein, angenommen. London. Der englische Besitz des verstorbenen Baron Hirsch ist amtlich auf 1,372.163 Pfund, also ungefähr auf 17 Millionen Gulden geschätzt worden. Jerusalem, 29. Juli. Der Vorsitzende der „Wissenschaftlichen Gesellschaft" zu Kairo, Herr E. H o n o r 6, ein geborener Brasilianer, welcher für wissenschaftliche und gemeinnützige Unternehmungen im Orient bereits sehr hohe Summen geopfert hat, beabsichtigt, in Jerusalem eine allgemeineAusstellung der landwirthschaftlichen und gewerblichen Erzeugnisse Palästinas in's Leben zu rufen. Das Zustandekommen des Projekts gilt als gesichert, und die Vorarbeiten befinden sich bereits in vollem Gange. In das provisorische Comite wurde als Vertreter der jüdischen Gemeinden Herr Nissim B e h a r gewählt. Die armen jüdischen Handwerker unserer Stadt freuen sich ungemein über die in Aussicht stehende reiche Arbeitsgelegenheit. Reading (Amerika).. Hier starb im Mer von 72 Jahren Rabbiner Morris W e r t h e i m e r. Er wurde in Baden geboren und studierte inHeidelberg. Er verstand außer Englisch und Hebräisch vortrefflich Deutsch und Französisch, hatte sechs Jahre Kriegsdienst geleistet. New-Aork. Miß Marie Melanie S i m p k i n s ist zum Judenthume übergetreten und mit Hauptmann Eugene H. L e v y getraut worden. Port Elizabeth. Harry L. B u r m a n ist zum Meister seiner Loge „Gute Hoffnung" (Good Hope) Nr. 863 ernannt worden, der bedeutertdsten und einflußreichsten Loge Siidaftikas. Burman, der Präsident der jüdisch?n Cultüsgemeinde, ist der erste Jude, dem diese Ehre widerfahren ist. Singapore. Die ftanzösische Regierung hat dem höllländischen Kaufmanne E. Ali C o h e n den Titel eines Schulrathes verliehen. Kimberley. Mr. B a r n a t o hat dem Baucomitö der jüdischen Gemeinde einen Beitrag zur Erbauung einer neuen Synagoge versagt, weil seiner Ueberzeugung nach ein neuer Tempel absolut überflüssig wäre, da der jetzige einer großen und reichen Gemeinde jahrelang groß genug gewesen sei,während dieselbe jetzt bedeutend zusammengeschrumpft sei. Doch ist er gerne zu einem Beitrage für die Wiederherstellung der Synagoge bereit. Coolgardie (Westaustralien). Die Regierung hat der hiesigen jüdischen Gemeinde ein Stück Land behufs Baues einer Synagoge geschenkt. Unter dem Vorsitze des Rathes L e v i n s o n fand nun eine Versammlung statt, welche den sofortigen Bau eines Tempels beschloß. Das Gebäude soll 200 Personen fassen und 600 Pfund Sterling (ungefähr 7000 fl.) kosten. Die Herren Levinson und Lipmann zeichneten je 25 Pfund und nach Schluß der Sitzung waren bereits 120 Pfund erreicht. Es fanden gleichzeitig die Wahlen für ein Jahr statt. Gewählt wurden: Rath Levinson, Präsident; Herr Juda Lipmann, Cassier; Herr