Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 35 (28.8.1896)
- Date
- 1896-08-28
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 35 Seite 701 Br. Oloch's Wochenschrift. er von einem Mitreisenden in rohester Weise beschimpst und mit dem Epitheton „Hauts den Juden" u. s. w. tractirt. Der mitfahrende Conducteur lehnte die vorschriftsmäßige Intervention ab. Die widerliche Scene machte auf die besonnenen Mitreisenden den peinlichsten Eindruck. Lvien. - Montag, den 31. August l. I., als am Jahrestage der Thronbesteigung Sr. Majestät des Sultans Abdul Hamid H., findet im türkisch-israelitischen Tempel l!. Circusgasse 22, im Anschlüsse an den Morgeugottesdienst, Vormittags 8 Uhr eine Gedenkfeier statt. Lvien. Der Betsitzkartenverkauf im Bethause „Liwias Che n", H., Obere Donaustraße 89, nächst der Stephaniebrücke, findet täglich statt, und zwar Morgens von 7 bis 9 Uhr, Abends von 6 bis 8 Uhr. Todesfälle. In Bad Ems verschied am 20. d. M. der ehemalige Vertheidiger in Strafsachen und derzeitige Director der Oesterreichischen Disconto-Gesellschafr Herr Dr. Jaqnes Fischer, ein Neffe Weiland Ad'llf Fischhof's. Dr. Fischer, ein Sohn des unvergeßlichen Cantors Fischer, zählte in jungen Jahren zu den tüchtigsten Berufsgenossen, hatte ein warmes Herz für das Judenthum, für welches er wiederholt s e i n L e b e n e i n s e tz t e. Lvien. (Obercantor Josef Gold st ein.) Die Mittbeilung von der schweren Erkrankung des Obercantors Herrn Josef G v l d st e i n hat eine so innige Theilnahme erweckt, daß wir uns aufrichtig freuen, heute mittheilen zu können, daß die uns zugekvmmene Nachricht etwas übertrieben war, und sind wir überzeugt, daß es die zahlreichen Freunde und Verehrer des Herrn Obercantors mit aufrichtiger Freude begrüßen werden, daß Herr Obercantor Goldstein wieder vollkommen hergestellt ist. Evieu. Der langjährige und verdienstvolle Obercantor der Währinger israelitischen Gemeinde, Herr Petersilka, begeht am 5. September l. I. das Fest der silbernen Hochzeit und feiert zugleich sein 25-jähriges Amtsjubiläum. Mehr als 20 Jahre fungirt der Jubilar in seiner hochachtbaren Gemeinde als Cantor und Secretär, bezw. als Matrikelführer und erfreut sich allseitiger Beliebtheit und Werthschätzung. 2r>ien. (Todesfall.) Am 20. d. M. verschied in Kammer am Attersee Fräulein Nelly Schwa r z, Tochter des Herrn Max Schwarz in Wien, im zarten Alter von dreizehn Jahren. Die ganze Bevölkerung des lieblichen Seestädtchens wetteiferte darin, die tiefbetrübten Eltern zu trösten. Prag, 24. August. Der Großindustrielle, Herr Samuel F i s ch l, Chef der riihmlichst bekannten Spiritus-Engros- und Export-Firma M. Fischl's Söhne in Prag und Wien, Besitzer der goldenen Verdienstmedaille mit der Krone, Ehrenpräsident und Vorsteher des Vereines fiir geregelten Gottesdienst der Israeliten in Prag, feierte dieser Tage sein 80. Geburtssest im engsten Familienkreise. Ohne daß dem Jubilar zu Ehren — über eigenen dringenden Wunsch — eine officielle Feier veranstaltet worden wäre, langten dennoch an demselben zahlreiche Beglückwünschungen von Nah und Fern, insbesondere von den Repräsentanzen der größeren jüdischen Gemeinden Oesterreich-Ungarns und Deutschlands, ferner von zahlreichen Predigern und Rabbinern ein. Herr Fischl hat sich sowohl auf dem Gebiete der Industrie, wie auch als Privatmann um die Pflege des Judenthums unschätzbare Verdienste erworben. Schon Anfangs der Fünfziger-Jahre, als man von einer Spiritus-Ausfuhr in Böhmen keine blasse Ahnung hatte, war Herr Fischl bemüht und scheute keine Opfer, seiner gereinigten Waare auf dem Weltmärkte Geltung zu verschaffen, und er war derjenige, welcher unserer Spiritusausfuhr nach Spanien, Italien und nach der Schweiz den Weg bahnte, und diesem ftir die Landwirthschaft so wichtigen Industriezweige zu einem nie geahnten Aufschwung verhalf. Für diese seine hervorragende Thätigkeit wurde er von Sr. Majestät dem Kaiser durch die Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet. Als Vorsteher des neuen israelitischen Tempels in Prag setzte er sich stets für eine möglichst weihevolle Ausgestaltung des Gottesdienstes ein, und er war der Erste, der in dem Gotteshause, den er Vorstand, den „Jugendgottesdienst" einfiihrte. Er ist unermüdlich, in fortschrittlichem Sinne zu wirken und ist gegenwärtig bemüht, auch die Mädchen-Confirmation einzuführen. Der Jubilar ist Grlinder und Obmann der jüdischen Knaben-Waisensttftung, Obmann des israelittschen Freitisch- Vereines und des israelitischen Fortbildungsvereines für Mädchen. Vor 5 Jahren feierte Herr Fischl mit seiner Gattin Anna — gleichfalls im engsten Familienkreise — das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Möge es dem Jubelgreise noch lange Jahre zur Freude seiner Gattin und der ganzen Familie, wie zum Wohle des Judenthums gegönnt sein, sich seinem humanen und wohlthätigen Wirken in vollster, geistiger und körperlicher Frische widmen zu können. Kgl. BZeiuverge. Die feierliche Einweihung des neuerbauten israelit. Tempels findet am Donnerstag den 3. September, präcise 2 Uhr Nachmittags, statt. Eß. Proßn»tz. Am 30. d. M. findet im hiesigen Tempel die Trauung des Herrn Eduard Blau mit Frl. Regina Heilig statt. Die Braut ist eine Enkelin des jüngst verschiedenen Großindustriellen Herrn Joachim P o l l a k seligen Andenkens, dessen Herzenswunsch diese eheliche Verbinvung war und die er gerne erlebt und gesegnet hätte. Das Familienfest, an welchem die ganze Gemeinde herzlichen Antheil nimmt, wird dieser Erinnerung daher ein Wermuthstropfen sein, der die Festesfreude tangiren dürfte. E. B. Protznitz. (L e i ch en b e g ä n g n i ß.) Der schmerzliche Verlust, welchen unsere Gemeinde durch das Hinscheiden eines seiner ehrenwerthesten Bürger, des verewigten Großindustriellen Herrn Joachim P o l l a k erlitten, kam bei der Leichenfeier zum imposanten Ausdrucke, an welcher sich nicht nur — Kol Kehilekedoschim — die ganze Judengemeinde, sondern auch eine zahlreiche Bürgerschaft der Christenstadt einschließlich vieler Honoratioren betheiligten. Auch die Arbeiterschaft nahm lebhaften Antheil, und in fo manchem Auge der Letzteren bemerkte man eine stille Thrüne des Andenkens. Von tiefergreifender Wirkung war die Grabrede unseres verehrten Rabbiners Dr. H o f f, welcher, an das 6 iriculum vuae des Verewigten anknüpfend, den Dahingeschiedenen den Epigonen der Gemeinde als Muster empfahl und einen Appell an die Geineinde richtete, in dessen Fnßtapfen zu wandeln und gleich demselben zur Stütze und Ehre des Judenthums im Allgemeinen und der Gemeinde insbesonders beizutragen. Kojerer«. Am 18. August d. I. wurde im hiesigen Tempel zu Ehren Sr. Majestät ein Festgottesdienst abgehalten, der von zweifacher großer Bedeutung mar. Se. Ehrwürden Herr Dr. M. Steinhardt hielt seine Anttittsrede. Mit großer Begeisterung und doch mit Ernst gedachte der junge Prediger, dem ein prachtvolles Organ gegeben ist, seiner Pflichten als Seelsorger, Lehrer und Patriot, zahlreiche tiefsinnige Betrachtungen und Gedanken daran knüpfend. Es war ein erhebendes Moment, als nach dem seelischerklingenden „Amen" die Häupter der Gemeinde und die Vorbeter der Nachbargemeinden dem jungen Manne Glück wünschten und er mit Thränen in den Augen dankte. Möge er in dieser Gemeinde seine vollste Zuftiedenheit und sein Glück finden. A. D. Budapest. (T raun n g.) Sonntag den 30. August findet im israelittschen Cultustempel (Tabakgasse) die Trauung des Herrn Helmann Pfeiffer mit Frl. Gisela Taub um '/r 1 Uhr statt. Budapest, 24. August. In der Versammlung der Volkspartei zu Kovacs-Haza konnte der Vorsitzende, Graf Nicolaus Moriz Esterhazy, -in Folge der stürmischen P r o t e st rufe der anwesenden Liberalen nicht zu Worte kommen. Die Reden dreier Capläne, die gegen die Verfassung und gegen die Juden gerichtet waren, wurden mit Rufen: „Abzug! Meder mit ihnen! Nieder mit den Raffenfreunden!" unterbrochen. Es entstand ein fürchterlicher Lärm, und nur dem Einschreiten des Ober-Stuhlrichters war es zu danken, daß der Exceß nicht vollends zur Schlägerei ausartete. Steinamauaer. Die Steinamanger Advvcatenkammer hat bei der Wahl ihres Vorstandes auf die nachfolgenden 3 Jahre unseren Glc^lbensgenossen, den Advocaten Dr. Lorenz Singer gegen den bisherigen Cassier Sandor I st ü c z y, Bruder des berüchtigten Jstöczy, mit überwiegender Majorität zum Cassier erwählt. Krakau, 17. August. In dem galizischeu Curvrt K r n » i c a machte sich im vorigen Jahre der Antisemitismus so lebhaft bemerkbar, daß mehrere jüdische Curgäste sich beschwerdeführend an die Statthalterei wandten, welche eine Untersuchungscommisfion entsandte, um Wandel zu schaffen. In dieser Saison ist die Zahl der Curgäste gegen das Borjahr um 150V Personen zurückgegangen.