Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 35 (28.8.1896)
- Date
- 1896-08-28
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 700 Dr. VLmtz's WachenzchrM Nr. 35 Plane locken Hunderte von neugierigen Badegästen herbei. „Was geht hier vor?" Das jüdische Knabenregiment lagert im Freien, und Jedermann hat Gelegenheit, sich von ihren militärischen Leistungen zu überzeugen. Der Aufenthalt an der See hat einen doppelten Zweck: erstens wird durch die Manöver den militärischen Forderungen Genüge geleistet und dann wird den armen Burschen aus dem überbevölkerten Osten von London eine unentgeltliche, überaus kräftige Ferienerholung gewährt. London. Bei dem Feste, das die Handelskammer Li Hung Chang in der Fishmonger's Hall gab, waren als Gäste anwesend die Herren: Heuser aus Rotterdam, Löwe ans Berlin und Hermann Stuck, Adolf Tuck, Ludwig Benjamin, Felix Wunderlich, Gustav Schlesinger, Birnbaum. Bei dem Banket, das zu Ehren Li Hung Chaüg's vergangenen Montag im Krystallpalaste gegeben wurde, befand sich unter den Gästen auch Sir Joseph Sebag Moutefivre, welcher nach dem Diner Seiner Excellenz vorgestellt wurde. London. Eines der vier Mitglieder der Deputation der Friedensfteunde (British and Foreism Arbitration Foeiet.y), welche am Dienstag von Li Hung Chang empfangen wurde, war unser Glaubensgenosse I. D^ Jchenhauser. Die Zünfte der «stadt London sind bereits aufgefordert worden, sich am 29. September in der Guildhall zu versammeln, um den Bürgermeister für das folgende Jahr zu wählen. Rathsherr (Alderman) George Fände! Phillips, der Präsident der „Irish Society" ist der zukünftige Bürgermeister von London. New-Aork. (Die Juden und der Weltfriede n.) Gelegentlich des in Saratoga (Amerika) tagenden Congresses für schiedsrichterliche Beilegung von internationalen Streitfällen hahen die jüdischen Bürger von New-Iork und anderen Städten eine Kundgebung für die Bestrebungen des Congresses in großem Maßstabe erlasten. Bon besonderem Interesse ist es, daß die Seelsorger nicht nur der amerikanischen, sondern auch der englischen Gemeinden von Canada mit ihrem ganzen Einflüsse für den Cvngreß eintreten. Die Kundgebung schließt mit den Worten: „Wir Seelsorger verpstichten uns, von der Kanzel uird der Tribüne, durch die Presse und durch Vereine die heilige Sache des Friedens zu fördern und bei jeder Gelegenheit die öffentliche Meinung zu belehren, daß die schiedsrichterliche Entscheidung der einzige Weg zur Beilegung internationaler Differenzen ist, der der Vernunft, der Menschenliebe, der Gerechtigkeit und Frömmigkeit entspricht." New Jork, 1. August. Die Ackerbau-Col onie in Woodbi ne, New-Jersy, zwischen New-Iork und Philadelphia gelegen, wurde vorige Woche von den Curatoren d->s Baron Hirsch- Fonds inspicirt und in sehr gutem Zustande befunden. Die dort befindlichen Männerkleiderfabrik Prosperirt und die Ackerbauschule ist gut besucht. —Der bekannte Clavierfabrikant William Steinway, ein Christ, hat auf sein Gehalt als Mitglied einer Eisenbahn-Enquete- Commiss on verzichtet und die ihm zugesprochenen 5000 Dollars an Wohlthätigkeitsgesellschaften verlheilt. Bon jüdischen Wohllhätigkeitsgesellschaften erhielten die Allgemeine Wohlthätigkeitsgesellschast 500, das Mount-Sinai-Hospital und das Montefiore-Heim für unheilbale Kranke je 250 Dollars. — Der jüdische Arbeiterführer Abraham Cahan bat unter den Titel „Dekl" eine interessante Erzählung aus dem New-Aorker Ghetto vei off ntlicht. — In der Hauptstadt von Mexiko soll sich eine Loge des B:ne Berith-Ordens gebildet haben. Das wäre die erste jüdische Organisation in dem spanisch redenden Amerika, wo trotz der in den Verfassungen proclamirten Gewissensfreiheit die Juden noch nicht gewagt habe», den Fanatismus der katholischen Bevölkerung durch eine Gemeindeorganisation zu reizen. — Höchst erfreulich ist das Gedeihen des jüngsten New-Uorker Wohlthätigkeits-Jnflitutes, des Hebrew Jnfant Asylnm, welches der Erziehung von elternlosen oder verlassenen Kindern gewidmet ist, die noch nicht das nothige Alter für die Waisenhäuser haben. Das Institut trug bei einem Kostenaufwand von etwa 6000 Dollars für 42 Kinder Sorge. — Das von dem Bene Berith-Orden gegründete Waisenhaus in Cleveland versendet seinen Jahresbericht. Es verpflegte etwa 500 Kinder bei einem Aufwande von 36.000 Dollars. Bombav. Wir haben öfter Gelegenheit, von Auszeichnungen unserer interessanten Glaubensgenossen, welche unter dem Namen Beni Israel bekannt sind (die jüdischen Bewohner der Stadt Bombay) zu berichten; was wir Ihnen aber heute mitzutheilen haben, stellt alles bisher Vorgekommene irr den Schatten. Im Janjira-Staate ist der Ministerpräsident — ein Beni Israel, und das Land befindet sich ausgezeichnet unter seiner weisen Führung und hat schon manchen Fortschritt auf dem Pfade westlicher Civilisation und Bildung gemacht. Die Frau des Ministers, Shaloam Bapuji, nimmt besonders thätigen Antheil an der Erziehung der weiblichen Jugend und hat — bisher etwas Unerhörtes im Staate Janjira — eine öffentliche Preisvertheilung in der Mädchenschule eingeführt. Das Fest wurde von der Fürstill mit ihrer Anlveseicheit beehrt, und sie pries in einer Rede die mannigfachen Verdienste der Frau Bapuji, die auch eine Beni Israel ist. — Sämmtliche Beni Israel könn-n aus dieses Ereigniß stolz sein. Bis vor Kurzem haben sich dieselben nur als Soldaten ausgezeichnet, nun beginnen sie auch auf andern Gebieten in den Vordergrund zu treten, in Kunst und Wissenschaft, im öffentlichen Dienste. Es ist zweifellos, daß die kommende Generation sich auch darin auszeichnen wird. Haben doch schon viele Schüler der von der Anglo-Jewish-Association gegründeten Schule in Bombay Auszeichnungen an der Universität erhalten! — Es ist jammerschade, daß die anderen Bombayer Juden, welche zumeist Einwanderer aus Bagdad oder die Kinder solcher Einwanderer sind, sich von jeder Verbindung mit der Beni Israel fernhalten. Diese sind Juden im eigentlichen und in jedem Sinne des Wortes. Sie beobachten das Ritual der spanischen Jilden in England. Vor vielen hundert Jahren sollen die ersten jüdischen Ansiedler in Indien indische, d. h. hindustanische Franeir geheiratet haben. Es wäre doch unsinnig, wenn diese Thatsache der Grund sein sollte, daß man gegen die Nachkommen dieser Ansiedler aus dem erwähnten Grunde noch heute ein sociales Vorurtheil haben sollte. San Francisco. Die „New-Iorker Abendpost" bringt einen interessanten Artikel. Belvidere ist eine kleine Insel, eine Art Vorstadt von San Francisco. Die Einwohner sind Judeir und Christen, doch ist keine der beiden Gemeinden groß genug, um ein Gotteshaus zu bauen. Nun hat die Gesellschaft, welcher der größere Theil der Insel gehört, ein hübsches, kleines Gebäude ans Stein errichtet, das sie sämmtlichen Bewohnern der Insel zu dem Zwecke zur Verfügung gestellt hat, daß sie dort ihren jeweiligen Gottesdienst abhalten. Es ist sowohl Pastoren als Rabbinern g stattet, dort zu predigen, doch wird Niemand fix angestellt. Vermischtes. Wien, 13. August. Der gefeierte Philologe Prof. Ä s c o l i in Mailand ist zum Ehrenmitglied der hiesigen Akademie der Wissenschaften ernannt worden. Wien. (V e r l o b u n g e u.) Frl. Sophie K v h n, Tochter des Obmannes und Cultusvorstandes für den XVJ. und XVII Bezirk, Herrn Samuel K o h u, hat sich mit Herrn Ignaz B r o d, Professor in Brünn verlobt. St. Herr Dr. Wilhelm Graf, I.. Wipplingerstraße 12, hat sich mit Frl. Bertha R u 2 i c k a, der Tochter des Herrn Adolf R u Z i c! a, Wien, VII., Schottenfeldgasse 15, verlobt. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 30. August um 3 Uhr Nachmittags findet im Seitenstettentempel die Trauung des Herrn Emil Koch mit Frl. Gabriele, der Tochter des kaiserlichen Rathes Herrn Dr. Sigmund L i n d n e r, statt. Wien. (S p e n d e.) Herr Alexander Haas in St. Paolo (Brasilien) hat für die Familie Nathan Rosenfeld hier 10 fl. gespendet. Namens dieser armen Familie sei. hier dem edlen Spender, der aus weiter Ferne an seinen armen Glaubensgenossen Wohlthätigkeit übt, der Dank ausgesprochen. 8. B. Wien. (Ans d em Kunstleben.) Das Deutsche Volkstheater wird an Premieren bringen: Das Schauspiel „Mütter" von Georg Hirschfeld; „Robinson's Eiland", Comödie von Ludwig Fulda; „Nachruhm", Schwank von Robert Misch und „Masken", Dramolet, von Bracco, bearbeitet von Otto E i s e n s ch i tz. — Weiters wird das Burgtheater Triesch's „Nixe" als Reprise bringen. — Ein von Moriz von G u t m a n n mit A. Freitag bearbeitetes vieractiges Schauspiel „Sünde" wird in der diesjährigen Saison in Wien zur Aufführung gelangen. Bei dein anläßlich der Anwesenheit des russischen Kaiserpaares stattfindenden Hofconcerte gelangen unter Anderem zur Aufführung: Papillons, Lied von D. Popper und Zwischenactmusik aus „Das Heimchen am Herd" von Gold mark. Wien. (Antisemitische G efü h l s r o h h eit en.) Ein Augenzeuge berichtet uns nachstehenden Vorfall. Auf der Fahrt von Budweis nach Wien befand sich in einem Coupe ein alter kranker Jude, und bat die Fenster desselben cmf einer Seite geschlossen zu lassen, wie es Vorschrift ist. Dafür wurde