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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-08-28 · 35 (28.8.1896) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
35 (28.8.1896)
Date
1896-08-28
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 35 Vr. VLoch's Wochenichrifl Seite 6&9 Frankfurt a. M, 9. August. Das Centralcomite für den Bau eines israelitischen Hospitals in I e r u s a l e m hat einen überaus erfreulichen Bericht über beit Gang und den Stand der baulichen Vorarbeiten erhalten, welcher die Ausgaben für Arbeitslöhne, Werkzeuge, Vorbereitungen aller Art in übersichtlicher Weise darstellt. Danach ist schon seit deni achtzehnten Jjar mit den Fundamentirungsarbeiten begonnen, welche an Sprengungen, Steinhauer- und anderen Arbeiten einen Betrag von Piaster 24.279’20 erforderten. Die baulichen Arbeiten und die finanzielle Beaufsichtigung ist einem Comite von Vertrauensmännern in Jerusalem übertragen, das allmonatlich dem Centralcomite detaillirte Mittheilungen erstattet. Ein solcher Bericht der uns vorliegt, rechtfertigt in der That die warmen Sympathien, welche dem großartigen Unternehmen von allen Seiten entgegengebracht werden. Paris, 10. August. Ein russisches Journal enthält interessante Mittheilungen eines Herrn K r e w i tz t u i, welcher Amerika bereist und aus Dacota seiner Zeitung Folgendes berichtet : Mitten in den Steppen dieses Staates begegnete ich einigen Gruppen von russischen Juden. Zwei Familien, die ursprünglichen Besitzer des Territoriums, haben hier eine ganze Anzahl jener Auswanderer angesiedelt, die die Steppen urbar machen und hier verschiedene Feldfrüchte eultiviren. Es sollen in drei Gruppen circa 190 jüdische Familien in Nord-Dacota leben, von denen die ersten schon 1882 kamen, die weitaus größte Zahl aber erst in letzter Zeit sich niedergelassen hat. Die Colonisten erklärten, sehr zufrieden zu sein, ihre Kinder besuchen die öffentlichen Schulen und lernen schnell englisch sprechen. Die russischen Reisenden können nicht Worte genug finden, um den Unterschied zwischen den gebückten russischen Juden und diesen kräftigen, frischen, muthigen Bauern zu schildern, die demselben Stamme angehören wie jene Ersteren und mit ihnen noch vor wenigen Jahren zusammen wohnten. London, 31. Juli. Die größte Schule der Welt befindet sich im Herzen Londons. 3500 jüdische Kinder erhalten dort ihren Unterricht, und ein Pair des Reiches — Lord Rothschild — ist ihr Begründer. Ohne ihn könnte die Schule nicht bestehen, denn die Kinder sind arm. Im April, um die Zeit des Pessachfeftes erhält jeder Schüler einen vollständigen Anzug, jede Schülerin desgleichen. Im October, wenn die Schuhe, die die Kinder im Frühjahre bekommen haben, schon abgetragen sind, erneuert Lord Ro t h s ch i l d dieselben. — Unter den für P r i n z e s s in M a u d und ihren zukünftigen Gemahl bereits eingelangten Hochzeitsgescheuken befindet sich auch eine Diamautenaigrette vom verstorbenen Baron H i r s ch, ein silbernes Kaffee- und Theeservice von Lord Rothschild, ein Oelgemülde von dem Mitgliede der königlichen Akademie, Mr. Sau l. Paris, 12. August. Ein hübsches Malheur ist unserem antisemitischen Bandensührer Monsieur D r u m o n t bei seiner neuesten Enthüllung : Marquis Mores — ein Opfer jüdischer Rachsucht, passirt. Diese Entdeckung hat Drumont, der Herausgeber der „Libre Parole", gemacht, In einem offenen Briefe zeigt nun der „Univers Israßlite“, was Monsieur Drumont Alles zu leisten im Stande ist. Der Brief lautet: „Der Tod des Marquis Mores bietet Ihnen wiederum Gelegenheit, die Juden der niederträchtigsten Absichten zu beschuldigen. Die Judensollen Mores ermordet. haben, wie sie einst den Oberst Flatters und seine Begleiter ermordet haben, (in dieser seiner Begleitung befand sich auch der Sergeant Demery, ein notorischer Jude). Aber das Gedächtniß ist eine schöne Sache und die Logik gleichfalls. Ihnen fehlt beides, und unter diesen Umständen ist es zum Theil schmeichelhaft für Sie, daß Ihr Judenhaß Sie jede Erinnerung verlieren läßt für das, was Sie früher geschrieben haben. In „La France juivett, Band I, Seite 42, schreiben Sie nämlich: „Flatters war ein Jude von Geburt und starb unzweifelhaft als Opfer einer religiösen Idee wie seiner eifrigen Hingabe an die Wissenschaft!" Und heute ist Flatters ein ,.Opfer der Juden" geworden. Difes Citat aus dem Evangelium des Boulevard Montmartre genügt, um an den Fingern herzählen zu können, welche Fortschritte Sie bereits gemacht haben. Man weiß wahrhaftig nicht, was man mehr bewundern soll: die Verblendung Ihrer Leser oder die Unverfrorenheit, mit der Sie denselben blauen Dunst vermachen." Paris. Der ehemalige Präfect Eugene See und Oberlieutenant F r e b o u r g sind zu Officieren der Ehrenlegion ernannt worden. Das ehemalige Mitglied der Deputirtenkammer, M. Ferdinand D r e y f u s und M. F i n k e l h a u s, der Herausgeber der „Revue des Eevues“, sind zu Rittern der Ehrenlegion ernannt worden. Das Mitglied des Centralcomites der „Alliance Israelite Universelle“, Eugene Manuel, ist zum Comthur der Ehrenlegion ernannt worden. Sylvain L e v y und Jules O p p e r t, beide Professoren an dem College de France, sind zu Schulräthen ernannt worden. Der berühmte Chemiker, Professor an der Akademie der Wissenschaften und Mitglied des Institute de France, M. Lepman war einer der Vicepräsidenten des hier abgehaltenen Congresses für Chemie. Andere Vicepräsidenten waren H e r z f e l d aus Berlin und Liebermann aus Budapest. Eugene H e y m a n n hat die Stelle des Stenographen in der Deputirtenkammer erhalten. Auch der Stenograph im Senat. Edmond L a z a r d, ist ein Jude. Madame Edmond Leon ist hier gestorben. Ihr erster Gatte war Michel L e v y, der Gründer der weltbekannten Berlagsfirma. Madame Leon hat ein großes Vermögen hinterlassen, von dem sie einen beträchtlichen Theil jüdischen Wohlthättgkeitsanstalten in ihrer Vaterstadt in Bordeaux hinterlassen hat. Auch Pariser Rabbiner und solche im Departement der Gironde (von welchem Bordeaux die Hauptstadt ist), wurden in ihrem Testamente bedacht. RheimS. Zwei junge Leute, die dabei überrascht wurden, daß sie Zettel mit der Inschrift „Kauft nichts von Juden" in den Straßen aufklebten, wurden bestraft, desgleichen der Drucker, dessen Name auf den Placaten ersichtlich war. Besanyon. Als der Unterrichts- und Cultusminister Frankreichs, R a m b a u d. auf seiner Reise Besanoon passirte, wurde er unter Anderem auch vom Grand-Rabbin begrüßt, welcher in seinem Gespräche mit dem Minister auf die Verleumdungen antisemitischer Journale zu reden kam. Nachdem der Minister von der seiner Ueberzeugung und persönlichen Erfahrung nach seltenen Vaterlandsliebe der Juden gesprochen, sagte er wörtlich Folgendes: „Was jenen Theil der Presse betrifft, dessen Sie eben Erwähnung gethan haben, so ist die einzige Behandlung, die man ihr zutheil werden lassen muß, die Verachtung ihrer Angriffe". — Dies ist das erstemal, daß ein Mitglied der Regierung öffentlich die antisemitische Presse gerügt hat, und da es der Unterrichts- und Cultusminister gethan hat, ist es von desto größerer Bedeutung. Florenz. Ein höchst interessanter alter Pfandschein ist hier in einem Curiositätenladen aufgestöbert worden. Er fand sich in einer Mappe, die mit alten Briefen und Skizzen gefüllt war und trägt das Dattrm 1570. Die Unterschrift — man höre und staune! — ist die des Torquato Tasso und der Schein enthält die Worte; „Ich, der Unterzeichnete, bestätige hiemit den Empfang von 25 Lire von Signor Abraham Levi, wofür er als Pfand erhalten hat: ein Schwert meines Vaters, 4 Leintücher und zwei Tischdecken. — Am 2. März 1570. Torquato Tasso". London. (Militärische Erziehung d e r j ü d is ch e n Jugend in Eng l an d.) Die ältere Generation erinnert sich sicher mit Wehmuth des schönen Psalms mit der schönen Melodie, welcher am Sabbathausgang im Tempel gesungen wurde. Wir danken dem Herrn dafür, daß er „unsere Hände kriegsttichttg machte!" Wie ein leerer Anachronismus klang vor Jahrzehnten der herrliche Psalm — heute scheint er wieder lebendige actuelle Bedeutung zu erlangen. Die Londoner Maccabäer, die Blüthe der englischen Judenheit, Künstler, Gelehrte, Dichter, Rechtsgelehrte von hervorragender Bedeutung haben es sich zur Aufgabe gemacht, die jüdische englische Jugend im Sinne des Psalmisten kriegstüchtig zu machen, sie auch physisch für den Kampf vorzubereiten, den das Leben jedem einzelnen Bekenner des Judenthums und der Gesammtheit auferlegt. Nach englischer Manier wurde den jungen Leuten eine militärische Organisation und ein martialisch klingender Name gegeben: „Jüdisches Knabenregiment" heißt die Schaar, welche unter dem Schutze und durch die Mittel der „Maccabäer" vollständige militärische Ausbildung genießt. Uns dürfte es etwas übertrieben erscheinen, wenn von den Londonern dem Knabenregimente eine große Bedeutung für die Zukunft prophezeit wird; aber wir dürfen nicht vergessen, daß England keine allgemeine Militärpflicht hat, wie wir und daß der Dienst in der Miliz eine kostspielige Angelegenheit ist, die sich nicht Jeder gestatten kann. Und das ist gerade das Verdienst der „Maccabäer", daß sie die ärmsten unter den armen Jungen Londons, die Kinder der russischpolnischen Einwanderer, zur militärischen Ausbildung heranziehen. Das Seebad Deal, in nächster Nähe von Dover, bietet gegenwärttg ein interessantes Schauspiel. Weiße Zelte auf grünem

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