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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-08-28 · 35 (28.8.1896) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
35 (28.8.1896)
Date
1896-08-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 698 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 35 Wir stehen vor den Gemeindewahlen und ein starker Wahlkampf zwischen der liberalen und antisemitischen Partei ist in Aussicht. Die liberale Partei rechnet hiebei auf die Mitwirkung der Juden, die für sie um so werthvoller ist, weil dieselben wie ein Mann stimmen und für ihr Eintreten nichts als ein Mandat für den Cultusvorsteher fordern. Wir fragen uns, was kann eure antisemitische Majorität in der Gemeindevertretung uns mehr noch anhaben, nachdem die liberale Majorität so vorgeht und empfehlen unseren Glaubensgenossen vollständige Wahleuthaltung. Nicht gar zu lange wird es mehr dauern, daß zwischen Deutschen und Czechen die Juden das Zünglein an der Wage bilden werden, dann erst wird es Zeit sein, zu entscheiden, mit wem man wählt. Jetzt sollen sich die Herren nur ihre Känrpse allein ansfechten. Brnx, 23. August. (Ein verurtheilter Bürgermeister.) In der letzten Nummer Ihres werthen Blattes brachten Sie aus Brüx die Mittheilung, daß der antisemitische Redacteur Pummer der „Saazer Nationalzeitung", welcher den Kaufmann K o h n aus Komotau in seinem Blatte beschuldigte, er hätte sich ausgeglichen und strebe neuerdings einen Ausgleich an, mit 8 gegen 4 Stimmen freigesprochen wurde. Erwähnt -muß aber werden, daß selbst der Bertheidiger des P u m in e r in seiner Rede zugeben mußte, daß ein Wahrheitsbeweis nicht erbracht wurde. Interessant ist, daß der Obmann der Geschwornen einer dritten Person vjg-a-vis sich äußerte, er wäre entsetzt gewesen über das Verdict und habe sich geschämt, dasselbe zur Verlesung zu bringen. Dieser Tage fand hier eine Berufungsverhandlung statt. Ein antisemitischer Lehrer hatte den Bürgermeister von Jechnitz wegen Ehrenbeleidigung geklagt auf Grund eines Berichtes, den der Bürgermeister als Vorsitzender des Ortsschulrathes an den Landesschulrath gemacht hatte. Der Bürgermeister wurde vom Bezirksgerichte Jechnitz zu vierzehn Tageil Arrest verurthcilt. Bei der Berusungsverhandlung, bei welcher Dr. B e n d i n e r aus Prag den Bürgermeister vertrat, wurde das Urtheil ausgehoben. Der Vertreter des Klägers, der bekannte antisemitische Agitator Dr. Herold, welcher schreiend sein Plaidoyer begann, wurde vom Vorsitzenden des Vierrichtercvllegiums unterbrochen mit den Worten: „Schreien Sie nicht so, Herr Doctor, das kann vielleicht in anderen Localitäten, vielleicht auf Geschworne wirken, auf uns macht das keine Wirkung." Kozlow. (Antisemitismus in G a lizien.) Wir erhalten folgende Zuschrift: Einem Kranken, der bereits eine längere Zeit von einer schleppenden Krankheit geplagt wird, wird es wohl nicht sehr angenehm sein, mit dem ihn behandelnden Arzte, welcher ihm trotz seiner Schmerzen jede Krankheit absprechen und ihn als vollkommen gesund erklären will, in einen längeren Disput einzugehen, um ihm die Existenz einer Krankheit in seinem morschen Körper zu beweisen. Genau so wird mir zu Muthe. da ich im Begriffe stehe, Herrn Dr. Isidor Daniel, der sich ernstlich Mühe gibt, den bereits seit Langem in Galizien tief eingewurzelten Antisemitismus als einen schlechten Traum darznstellen, das Gegentheil zu beweisen. Zwar brauchte ich mir nicht viel Mühe zu geben, um Spuren von Antisemitismus in Galizien ausfindig zu machen, denn wir stoßen an ihn aus Schritt und Tritt. Ich setze voraus, daß dies auch Dr. Daniel, wenn derselbe in Galizien wohnt oder wenigstens mit den galizischen Verhältnissen vertraut ist, wohl bekannt ist, allein er traut sich nicht, das Kind beim rechten Namen zu nennen und bezeichnet den in Galizien verheerenden und Unheil stiftenden Judenhaß nur als „eine gewisse Abneigung gegen Religion und Bolksthum der Juden". Dieser Titel ist zwar ein wenig länger und milder als der kurzgefaßte „Antisemitismus", die Begriffe jedoch sind dieselben. Denn was ist denn der Antisemitismus der Deutschen anders als eine Abneigung gegen Religion und Volksthum der Juden. Hat die gewisse Abneigung eines Nebukadnezar, eines Antiochus Epiphanes, Nero, Titus, Hadrian re., hat sie wenig jüdisches Blut gekostet? Zugegeben, auch die Polen hegen nur eine „gewisse Abneigung gegen uns; fühlen wir aber dieselbe nicht so schmerzlich wie den Antisemitismus? Herr Dr. Daniel behauptet, die Köika rolnicze hätten mit dem Antisemitismns gar nichts zu schaffen, dieselben wären nur dazu gegründet worden, um den Handelsgeist im polnischen Volke zu wecken. Ich will den Handel keineswegs für die Juden monopolisiren; au contraire, wir wären zufrieden, wenn der Handel in christliche Hände überginge, vorausgesetzt, daß man uns irgend welchen Ersatz hiefür bieten würde. Man hat aber Kölka rolnicze in jedem galizischen Städtchen gegründet, und fast in jedem Dorfe existiren bereits solche Kölka welche, vom Adel und der Geistlichkeit unterstützt, auf Kosten der armen jüdischen Krämer sehr wohl gedeihen. Man mußte also den Handel den Juden entreißen; was bietet man jedoch dem Juden für seinen Handel? Antworten S i e, Herr Dr. Daniel? Finden wir vielleicht mehr jüdische Postmeister, Bezirksrichter, Notars, Adjuncten rc. in Galizien, seitdem die Kölka existiren? Finden wir etwa mehr Juden in den Bezirkshauptmannschaften, bei der Gendarmerie, der Finanzwache rc., seitdem die Christen auch das Feld des Handels zu occupiren begannen? Natürlich werden Sie mir Ausnahmen nennen; aber sind diese Ausnahmen auch so zahlreich wie die Kölka. Was den Zionismus anbetrifft, ist er eben der schlagendste Beweis für d i e E x i st e n z des Antisemitismus in Galizien; denn wenn nicht dieser, so könnte auch jener in der sonst so indolenten galizischen Judenschaft keine Wurzel fassen. Druck erwidert Druck! Ob der Rath des Herrn Eibenschitz zum Auswandern gerade gut ist oder nicht, darüber will ich jetzt nicht streiten; soviel muß jedoch zugegeben werden, daß uns die Luft hier viel zu schwül ist, um sie noch lange einathmen zu können, und sollen sich die Verhältnisse nicht ändern, so wird es immer ärger werden, bis wir schließlich früher oder später zur Auswanderung gezwungen fein werden. Joachim Neiger. Lemberg. Am 17. d. M., als dem Todestage des unvergeßlichen ersten Predigers unserer Gemeinde Abraham K o h n, der als Märtyrer für Licht und Fortschritt gefallen, fand im hiesigen Tempel eine feierliche Trauerandacht statt. Nach dem vollendeten Vortrage der Trauergesänge durch Obercantor Halpern unter Assistenz des Tempelchores hielt der seit mehreren Jahren von Lemberg fern gewesene Rabbiner Dr. Josef Kodak eine in jeder Hinsicht meisterhafte Gedenkrede, die in dem Punkte gipfelte, daß es heilige Pflicht der Gemeinde sei, das große, geistige Erbe dieses seltenen Gottesmannes zu erhalten und zu vervollkommnen und ihm in der edlen Bethätigung der jüdischen Grundlehren nachzueifern. Der ehrwürdige Redner, der schon vor langer Zeit glänzende Proben seiner tiefen Gelehrsamkeit geliefert, war erst kurz vor Begum der Feier zur Abhaltung der Predigt eingeladen worden und löste dennoch seine Aufgabe in einer Weise, die bei allen Anwesenden den Wunsch rege machte, daß es uns vergönnt sei, in Zukunft noch oft von ihm das Gotteswort verkünden zu hören. Tagsdarauf fand eine würdevolle Kaiser fei er statt, bei der Rabbiner Dr. Taubeles aus Tarnopol eine gediegene Festpredigt in deutscher Sprache hielt. Beidemalc stillte ein zahlreiches Publicum das Gotteshaus. I. B. Bern, 20. August. Die Durchführung des in der Bundesverfassung ausgesprochenen Schächtverbotes bereitet Schwierigkeiten. Der betreffende Verfassungsartikel, die Frucht einerunter dem Mantel des Thierschutzes entfachten antisemitischen Volksbewegung, lautet: „Das Schlachten der Thiere ohne vorherige Betäubung vor dem Blutentzuge ist bei jeder Schlachtart und Viehgattung ausnahmslos untersagt." Der schweizerische Thierschutzverein, der ein Hauptverdienst an dem wenig decorativen Schlachtartikel der Bundesverfassung hat, erfuhr, es werde in der Stadt Genf ohne vorgängige Betäubung der Thiere weiter geschlichtet. Der Verein erhob Beschwerde beim Bundesrath, der seinerseits die Regierung von Genf zum Bericht einlud. Aus dem Genfer Antwortschreiben ergab sich, daß zwei Metzger in Genf in der Woche durchschnittlich fünf Ochsen nach jüdischem Ritus schlachteten, jedoch unter Anwendung des sogenannten „Enervement“. Dieses Verfahren wenden die Metzger seit einiger Zeit beim Schlachten von Hammeln an, da bei denselben eine Betäubung unmöglich ist. Nach Angabe der Genfer Metzger ist dieses Verfahren ebenso rationell wie die in der Bundesverfassung vorgeschriebene Betäubung. Zum Ueberflusse hat der Genfer Chirurg R i v e r d i n festgestellt, bei diesem Verfahren trete der Tod sofort ein. Der Thierschutzverein hat dessenungeachtet nochmals gegen dieses Verfahren protestirt, so daß die hohe schweizerische Bundesregierung sich weiterhin damit befassen muß. Daß es nicht möglich sein werde, den Schächtartikel. dnrchzuführen, wurde vorausgesehen; es ist ja auch keine j eidgenössische Controle vorhanden.

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