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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-08-28 · 35 (28.8.1896) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
35 (28.8.1896)
Date
1896-08-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 690 Dr. VLortz's Wochensttzrifl Nr. 35 liberalen, alle die verschiedenen Vereine und Casinos waren oberflächlicher Aufputz ohne Wurzel, der bei allem künstlichen Auffrischen abwelken mußte, aber keine volksthümliche nationale Saat, welche sich einwurzeln, sprossen und lebende Blüthen und Früchte treiben konnte. Daneben und darunter konnte das Slaventhum leicht emporsprießen und aufwuchern." Weiter heißt es: „In demselben Maße, als sich die Deutschen zurückzogen, traten die Juden in den Vordergrund, so daß die Czechen nicht mit Unrecht das Deutschthum mit Israel für identisch betrachteten und damit ein wichtiges Agitationsmittel gewannen, das sie rücksichtslos ausnützten." Bekanntlich haben die Juden in Proßnitz durch ihr „wackeres" Eintreten bei der letzten Reichsrathswahl für den deutschen Candidaten den Ausschlag gegeben; auch sie erhalten dafür den Dank : „ . . . ist Proßnitz, die viertgrößte Stadt des Landes, die wichtigste Handelsstadt der Hanna, für das Deutschthum endgiltig verloren. Nur Czechen und Juden steht man da und zwar verkehren auch die Juden öffentlich in czechischer Sprache und sprechen nur unter sich — aus Gewohnheit und weil sie die deutsche Sprache hinter Mödritz wieder brauchen — ihr mährisches Judendeutsch, den denkbar abscheulichsten Jargon. Ein Proßnitz in kleinem Maßstabe ist Wisch au, früher eine deutsche, jetzt eine Judenstadt." Auch der deutsche Schulverein bekommt einen Wink, dem er gewiß verständnisvoll begegnen wird: „Hier wären Kindergärten und reich bedachte Schulen nothwendig, nicht in den verjndeten Wochen mar ktn e ste r it." Wie die Herren über einen etwaigen Abfall der Juden denken, zeigt folgender Satz: „ . . . unter solchen Umständen muß die Fahnenflucht der Halbdeutschen und selbstverständlich der Abfall der Juden willkommen erscheinen, denn der wahrhaft deutschfühlende Rest wird widerstandsfähiger und kampftüchtiger sein, als das große liberale Heer, von dem zwei Drittel Marodeure sind." Man sieht, wie dankbar die Herren für die Bundesgenossenschaft der Juden sind. Nun, hoffentlich warten die Juden nicht, bis ihnen noch stärkerer Tabak verabreicht wird und geben jetzt schon der Stimme der Vernunft Gehör. Und es ist wahrlich höchste Zeit! Denn verpaffen die mährischen Juden den jetzigen Moment, dann bleiben die Czechen, welche schon in wenigen Jahren zweifellos die Majorität erlangen werden, ihnen dauernd feindlich gesinnt, für die Deutschen aber werden sie der Prügelknabe sein, dem allein die Schuld an dem Rückgang des Deutschthums in Mähren zugeschoben werden wird. Arische Nächstenliebe. Ein Leser schreibt uns: NB Ich will nur einen kleinen Vorfall in Erwähnung bringen, der von Bauern nacherzählt wurde. In der Nähe von Zistersdorf (Jnzersdorf) ist ein Pfarrer, der während der Predigt folgendes Beispiel christlicher Duldung erzählte: „Ein Capitän, der viele Sünden begangen, hat sich als einzig Geretteter eines Schiffbruchs auf ein Boot geflüchtet. Da klammerte sich ein Ertrinkender an sein Boot und bat ihn um Gottes Willen, ihn aufzunehmen, er habe Weib und Kind zu Hause, die auf ihn angewiesen sind. Der Capitän ftagte: „Bist Du Jud' oder Christ?" und da er sich als Jude bekannte, stieß er ihn in die Wellen. Kurze Zeit darauf wurde der Capitän krank und da er sein Ende herannahen fühlte, beichtete er seine Sünden und auch obigen Vorfall, der sein Gewissen bedrückte. Der Beichtiger sagte ihm: „Um dieser einen guten That willen sind Dir Deine Sünden verziehen". ßKin Verhaftungsantrag. Im Blatte des Herrn Vergani („Deutsches Volksblatt") finden wir heute folgende, gewiß nicht gewöhnliche Notiz: „(In eigener Sache.) Der Rechtsanwalt des Abgeordneten Vergani, Dr. Pu p ov a c, hat gestern wegen fortgesetzter Schmähung seines Clienten gegen Schönerer, Scharf, dessen verantwortlichen Redacteur M a y e r, A rn oscht und Wolfs einen B e r h a f t u n g s a n t r a g (!) beim Laudesgerichte überreicht." Jules Berne ein polnischer Jude? Daß die Zahl derjenigen Leute, die jüdischer Abstammung sind, diese jedoch aus irgend einem Grunde zu verleugnen sich veranlaßt sehen, größer ist, als man gemeiniglich annimmt, ist wohl unbestritten. Wohl recht wenig bekannt dürfte es sein, daß der phantasievolle Verfasser naturwissenschaftlicher Romane, Jules Verne, ein polnischer Jude ist. In jedem Lexikon wird nach seiner eigenen, falschen Angabe sein Geburtsort mit Nantes angegeben. Verne heißt eigentlich : Julian Olschewitz und ist zu Plotzk in Polen gebürtig. Er leitet den Namen Olschewitz von dem russischen Otecha Erle ab und hat das Wort, ins Französische übertragen, als Familiennamen angenommen. Meine Quelle, eine bejahrte ältere Dame, erinnert sich noch lebhaft, wie dem jungen Olschewitz bei seinem Abschied von ihrer Schwägerin die Seitenlocken (?eies) abgeschnitten wurden: er war übrigens als junger Mann ein recht guter Talmudist. Patriotische That eines jüdischen Arbeiters. Gelegentlich des dieser Tage in der südungarischen Stadt Werschetz stattgefundenen Einzuges des neuen serbischen Bischofs Zmoyanowicz haben einige serbische Hitzköpfe — das Gros der Bevölkerung besteht nämlich aus Serben — ein Attentat auf den für diese Gelegenheit errichteten Triumphbogen verübt, indem sie denselben in Brand steckten, weil er mit ungarischen Fahnen decorirt war. Aus Werschetz wird nun den ungarischen Blättern berichtet, daß der jüdische Arbeiter Simon L a tz k o die Hälfte der den Triumphbogen schmückenden Fahnen unter Lebensgefahr den Flammen entrissen hat. Darf ein Rabbiner — Trichinen haben? Diese inhaltsschwere Frage ist vor einigen Tagen der Censurbehörde Vorgelegen und von dieser Instanz verneinend entschieden worden. In dem vom Theater an der Wien zur Aufführung bestimmten Ausstattungsstücke,, DerHun ge r leider" behandelt eine Coupletstrophe den eingangs, erwähnten Gegenstand. Die Censur fand jedoch daran keinen Gefallen und strich die betreffende Strophe. Auch ein Passus des Dialogs, in welchem A e p fe l vom B au m e d e r Erk enn t n i ß verlangt werden, fiel dem Rothstift zum. Opfer. Die Büste Heiners im Lainzer Schlosse. Den Schilderungen der Gemächer de.r Kaiserin Elisabeth in ihrem Tusculunl in Lainz, welches anläßlich des Besuches des russischen Kaiserpaares zu besonderer Bedeutung gelangt, ist zu entnehmen, daß der Salon der Kaiserin mit der Büste Hein e's, dem Lieblingsdichter Ihrer Majestät, geschmückt ist. — Bekanntlich ist Heine seitens der Unverfälschten und Urteutonen in Acht und Bann gelegt. Bestätigung einer Beschlagnahme. Im Amtsblatte der „Wiener Zeitung" wird heute folgendes preßgerichtliche Erkenntnis veröffentlicht: „Das k. k. Kreisgericht Krems hat auf Antrag der k. k. Staatsanwaltschaft erkannt: Der Inhalt der periodischen Druckschrift „Unverfälschte deutsche Worte" Nr. 16 vom 16. August 1866 begründe in deni unter der Rubrik „Briefkasten" enthaltenen Artikel mit der Spitzmarke „Gotteslästerer?" in der Stelle: „Ich glaube an Dr. Lueger" bis „ewiges Leben, Amen", den Thatbestand des Vergehens nach tz 24 Pr.-G., deshalb wird die von der k. k. Staatsanwaltschaft Wien verfügte Beschlagnahme obiger Druckschrift bestätigt und das Verbot der weiteren Verbreitung der bezeichneten Stelle ausgesprochen". Settrag zur Geschichte der russischen Juden. LVI. Nicolai I. und Nicolai II. Eine dem gegenwärtigen russischen Selbstherrscher (während er noch Cäsarewitsch-Thronfolger war) ziemlich nahe stehende Persönlichkeit, ein General und Mathematiker, der gleichzeitig sich einen sehr geachteten Namen in den Sphären der Harmonie erworben und mehrere talentvolle Tondichtungen geschaffen (die auch im Auslande Anerkennung gefunden), sagte mir vor einiger Zeit, daß Kaiser Nicolai ll. eine frappante Aehnlichkeit mit seinem Urgroßvater Kaiser Nicolai I. bekunde und bestrebt sei, in die Fußtapfen dieses chevaleresken Monarchen zu treten, der selbst in seinen Verirrungen groß war und durchaus keinen Anstand nahm, seine Jrrthümer einzugestehen und sich bemühte, dieselben wieder gut zu machen. Diese Behauptung meines Gewährmannes wurde mir auch anderseits bestätigt und wird übrigens durch den Cultus bekräftigt, den der junge russische Monarch seinen Ahnen widmet. Fast ein Jahrhundert liegt zwischen der Epoche, in welcher Nicolai I. das Licht der Welt erblickte und dem Zeitpunkte, an welchem Nicolai II. den Thron seiner Väter bestieg. Es wäre

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