Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 34 (21.8.1896)
- Date
- 1896-08-21
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite,680 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 34 erwiderte die an ihn gerichteten Ansprachen in ungarischer und deutscher Sprache, und die eigentliche von der Kanzel aus gehaltene Antrittsrede war ein Meisterwerk der Rhetorik und wurde allseitig mit uugetheiltem Beifall aufgeuommeu. Die hiesigen Confessionen und insbesondere die Stadtbehörde waren ziemlich vertreten, und wurde Se. Ehrwürden mit herzlichen Worten allgemein beglückwünscht. An dieser Feier nahmen auch sehr viele Rabbiner theil, namentlich die ehrwürdigen Rabbiner aus Karczag, Török-Szt. Miklos, Aszüd, Trencssn und Szenicz und noch zahlreiche illustre Gäste und Deputationen der Nachbargemeinden. Die Gemeinde Török-Szt. Miklos, wo Se. Ehrwürden bisher amtirte, geleitete ihren geliebten Seelsorger durch eine aus neun Mitgliedern bestehende Deputation nach Tyrnau und wurde hier auf das Freundlichste empfangen. Die besonders schöne und gelungene Jnstallationsseier schloß mit einem von: Vorstande veranstalteten Festbankette, bei welcher Gelegenheit die zahlreichen Begrüßungsdepeschen verlesen wurden. Das Festmahl wurde auch durch zahlreiche Toaste verschönt, deren erster auf Se. Majestät ausgebracht wurde. Hamaskir. Hohenelbe, 18. August. Zur Illustration der antisemitischen Bewegung in Hohenelbe berichteten wir in der Nr. 32 vorliegenden Blattes an dieser Stelle,, daß der Aufruf zur Gründung, beziehungsweise die Einladung zur constituirenden Versammlung des neuen „Deutschen Volksvereines" von einem exliberalen Stadtrathe und Schnupftüchel-Erzeuger, einem antisemitischen Bleicher, einem ' Wurstsabrikanten „außer Dienst", einem Advocaten und schließlich auch von einem Sattlermeister gefertigt war. Nachdem wir damals zugleich den ersten obgenannter Einberufer den geehrten Lesern unseres Blattes ungeschminkt vorgeführt und ihnen auch zugleich in Aussicht gestellt haben, die anderen Führer der HohenelberVolkspartei recht bald gebührend auf's Korn zu nehmen, wir ferner, um eventuellen Beleidigungen vorzubeugen, keinem dieser gleich ehrenwerthen Männer den Vorzug geben können, so werden wir die Reihenfolge, in welcher ihre Namen auf dem seinerzeit affichirten Programme geglänzt haben, nicht stören und wollen uns heute ad Nr. 2 mit besagtem antisemitischen Bleicher ein wenig befassen. Wie bereits unzählige Male erörtert wurde, candidirte der Herausgeber der „Ostdeutschen Rundschau", Karl Hermann Wolf, für das Landtagsabgeordneten-Mandat von Hohenelbe und hielt aus diesem Anlasse hierorts seine Programmrede, deren Inhalt aus unserem vorigen Berichte bekannt ist. Dieselbe übte aus unseren antisemitischen Bleicher A. E h i n g e r, Chef der Firma A. E h i n g e r und C l a y iit Langenau bei Hohenelbe, einen so günstigen Eindruck aus, daß er durch stürmische Beifallsrufe und unermüdliches Händeklatschen seiner Sympathie für Wolf nicht genügend Ausdruck verleihen konnte. Um den Effect, welchen diese stürmische Beifallskuirdgebung Hervorrufen sollte, zu vergrößern, begleiteten ihn in die Wählerversammlung seine Söhne, deren er ein Dritteldutzend besitzt, und diese führten die ihnen zugetheilten Aufgaben meisterhaft aus. Einer von diesen jungen Leuten war von W o l s's Vortrag so enthusiasmirt, daß er einen kleinen Carton hervorbrachte, welcher das Antisemitenemblem, eine weiße Nelke, barg, die er siegesbewußt im Knopfloche befestigte. Kaum hatte Wolf seine Hetzrede beendet, ging schon Herr A. E h i n g e r auf ihn zu, um ihn zu beglückwünschen und besiegelte seine Huldigung mit einem warmen Händedruck. Dieser auf antisemitische Gesinnung klar hinweisende Vorgang veranlaßte einen hier lebenden Juden, in diesem Blatte eine kurze Notiz zu veröffentlichen, welche den jüdischen Webwaarenfirmen, die im Kundenregister der Firma A. Ehinger und Clay so zahlreich vertreten sind, die Augen öffnen sollte. Der Wiener Vertreter dieser Firma dürfte bald Lunte gerochen und die Wirkung dieser Notiz verspürt haben und hielt es somit für angezeigt, sein Haus auf die nachtheiligen Folgen dieser Handlungsweise im Geschäftsinteresse aufmerksam zu machen. „Da gingen die Augen des Herrn E h i n g e r auf und er erkannte", daß — es angezeigt wäre, das Gefehlte gut zu machen. Er verlangte daher eine Richtigstellung des veröffentlichten Berichtes, welche ihm auch schon in der nächsten Nummer dieses Blattes gewährt wurde. In dieser bestritt er ganz energisch seine antijüdische Gesinnung und führte zur Begründung seiner Aussagen die stichhältige Thatsache an, daß. er anläßlich der Landtags-Abgeordnetenwahl nicht antisemitisch wählte, weil er — verreist war. Aber auch diese Berichtigung hatte die gewünschte Wirkung nicht zur Folge und so mußte der mehrerwähnte Vertreterin Wien zum letzten Mittel greifen, indem er an seinen Chef das Ersuchen stellte, sofort nach Wien zu kommen, welcher Aufforderung, der so bald liberal gewordene, antisemitische Bleicher auch Folge leistete. Um seinen jüdischen Kunden in Wien das Gegentheil der ihm zugemutheten Gesinnung zu beweisen, ließ er sich vor seiner Abreise von einem hiesigen Advocaten jüdischer Confession die schriftliche Bestätigung geben, daß dieser sein (Ehinger's) Rechtsfreund ist. Selbstredend verfehlte diese wahrheitsgetreue Beglaubigung, unterstützt von den B'thenerungen Ehinger's, nicht ihr Ziel und die Wiener jüdischen Kunden ließen ihrem bisherigen Lieferanten ihre Ordres nach wie vor ungeschmälert zugehen. Bald stach jedoch diesen wieder das gute Futter, er vergaß, daß er seine antiliberale Gesinnung ostentativ in Abrede gestellt hat und ließ, ohne die Folgen seiner ersten Verirrung zu bedenken, auf die Einladungen zur constituirendeu Versammlung des „Deutschen Volksvereines" seinen Namen, dem er das imponirende Prädicat „Fabrikant" beifügte, abermals drucken. Wir machen auf diesen Umstand aus dem Grunde aufmerksam, um gedachten Herrn die eventuelle Rückzugslinie abzuschneiden, wenn es ihm einfallen sollte, im Interesse des Geschäftes, die übernommene Rolle eines Einberufers der deutschen Volkspartei seinem gleichnamigen Sohne in die Schuhe zu schieben, der jedoch weder Bevollmächtigter, noch Theilhaber der Firma A. Ehinger & Clay in Langenau ist. Wir setzen voraus, daß sich diesmal die Web- und Manufacturwaaren-Firmen am Quai in Wien nicht wieder durch Berichtigungen und Beglaubigungsschreiben werden beeinflussen lassen und empfehlen ihnen, dem Tropus: „Man soll die Schlange nicht am eigenen Busen nähren", treu zu bleiben, Berlin, 4. August. Die „Jüdische Presse" schreibt: Sein fünfzigjähriges Doctorjubiläum begeht am heutigen Tage iit stiller Zurückgezogenheit, fern von dem Geräusche der Weltstadt, der Stätte seiner unermüdlichen Wirksamkeit im Dienste der Religion und der Wvhlthätigkeit, Herr Rabbiner und Rector des Rabbinerseminars, Dr. Israel Hildesheimer Die Dissertation, mit welcher der Sechsundzwanzigjährige vor einem halben Jahrhundert die „höchsten Ehren der Philosophie" sich errang, und in die Wissenschaft, welcher er seitdem, ein selbstlos strebender Arbeiter, treu blieb, sich einführte, bezeichnet bereits deutlich den Weg,welchen Israel Hildesheimer von damals an durch ein volles Menschenalter ohne Wanken und ohne Schwanken, in Wort und Schrift, in Lehren und Wirken innehielt; sie ist betitelt: ,.vs vetsre ^estsweato reots interpretanda" („Ueber die Methode der richtigen Auslegung des Alten Testaments"). Die philosophische Facultät der Universität Halle hat aus Anlaß der fünfzigsten Wiederkehr dieses Tages das Diplom ihres ehemaligen Schülers erneuert und bezeugt in dem neuausgefertigten Doctorbrief, daß derselbe „durch ein halbes Jahrhundert die Pflege der wissenschaftlichen Arbeit nie unterbrochen und nicht nur selbst daraus herzerfreuende Früchte gewonnen, sondern seine ganze reiche Geistes- und Leistenskraft in den Dienst der edelsten Sache des Jugendunterrichts, gestellt habe." Dem Glückwunsch, den „ex animi sententia“ die altehrwürdige Universität ihrem früheren Schüler durch den Decan ihrer philosophischen Facultät, Prof. Kirchhof f, ausspricht, schließen auch wir aus vollem Herzen uns an, überzeugt, damit der Dolmetsch der Empfindungen unserer Leser und des weiten Verehrerkreises des Gefeierten zu sein. Vermischtes. Wien. Den bekannten Pnblicisten Herrn L. H erzb erg-Frankl ist seitens der Redaction des kronprinzlichen Werkes: „Oesterreich-Ungarn in Wort und Bild" die in sehrschmeichelhafter Anerkennung seiner literarischen Leistungen abgefaßte Einladung zugekommen, für den Band „Galizien" die; historische und ethnographische Schilderung der polnischen Be- I völkerung zu übernehmen. Herr Herzberg-Fränkel hat diesen ihn! ehrenden Auftrag acceptirt und auch schon mit der Arbeit, die in einen historischen und volksthümlichen Abschnitt zerfallell wird, begonnen.