Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 34 (21.8.1896)
- Date
- 1896-08-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021115-3021150--05915-3030173- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 34 Dr Vloch's Wochenschrift Seite 679 Hofer in Maria-Taferl und in Marbach abgehalten, seien sehr schwach besucht gewesen, da die Mehrzahl der Wähler von einer neuerlichen Candidatur Bergani's nichts wissen wolle. „Bergani", schreibt die „Ostdeutsche Rundschau", „denkt: Hilf, was helfen kann, und es ist ein Bild, wiirdig des Griffels Schließmann's, wenn man die wohlgemästete, „zanbergewaltige Erscheinung" von Pfarre zu Pfarre fahren sieht, zuweilen an der Seite seiner Gattin; wenn man ihn demüthig grüßend an den Thürschwellen jener „hochwürdigen Herreil" stehen sieht, für welche er noch vor ein paar Jahren nur das Wort „Pfaffe" hatte. Die Psarrhöfe sind die letzte Zufluchtsstätte Bergani's geworden. Die Clericalen oder, was dasselbe ist, Christlich- Socialen sind an der Arbeit, dem „Christen" Bergani da Mandat zu retten. Wo ein Pfister ausgezeichnet lvird, kann ein Bergani nicht unbetohnt bleiben". Petrau im August 1806. Zur Zeit befindet sich die zweite Serie der Ferien-Colonie, bestehend aus 52 Mädchen, in dem von Straßnitz 3 Kilometer entfernten, schönen, waldigen und günstig gelegenen „Ferienheim Petrau". Donnerstag den 13. d. M. verzeichneten sich die kleinen Colonisten als einen ereignißfrendigen Tag, da sie an demselben niit den: Besuche des ehrwürdigen Rabbiners in Straßnitz, Dr. Friedmanu, beehrt wurden. Herr Rabbiner Dr. Friedmann, welcher mit lebhaftem Interesse die segensvolle Entwicklung dieser alle lobende Anerkeunttng und Prosperirung verdienenden Institution verfolgt, den Colonisteu alljährlich erhebende Jugendgottesdienste zu veranstalten pflegt, gab seiner besonderen Befriedigung beredten Ausdruck, als er sich wieder von dem körperlichen und geistigen Wohlbehagen der arnien Kinder überzeugte, welche unter der vortrefflichen Leitung der Erzieherin Frl. Wilhelmine Unger und Dank der sorgsamen Pflege und gesunden und nahrhaften Kost, die ihnen da geboten wird, nicht zum Geringsten, aber auch in Folge der geräumigen, gesunden, lustigen, ozonhaltigen und lichtvollen Säle, in welchen das Ferienheim in Petrau, mit seinen comfortablen Einrichtungen und geeigneten Ausstattungen untergebracht ist, besonders gut gedeihen. In einer dem kindlichen Gemüthe ansprechenden, fesselnden Rede, anknüpsend an den Satz des Wochen-Abschnittes Deuter. 20. lih „Der Mensch ist ein Bauer des Feldes", welchen Bergleich .Herr Rabbiner Dr. Friedmann in leichtfaßlicher Redeweise sehr sinnvoll ausflihrte, wies er die Kleinen auf die ihnen im schönen Ferienheim gebotenen Wohlthaten hin, welche dieselbe» dein wohlthätigeu Vereine, an deren Spitze die verdienstreiche, rühmliche Präsidentin Frau Dr. Sofie Grünseld steht, zu verdanken haben, aus welche der 52gliedrige kleine Damenchor ans Anregung des Herrn Rabbiners zum Schluffe ein herzliches, dreimaliges Hoch ausbrachte. Der Herr Rabbiner Dr. Friedmann gedachte in seinerschönen Rede auch lobend der Munificenz des Reichsraths- Abgeordneten und Großindustriellen Herrn Rudolf Auspitz, welcher dem Ferienheim die Lveäliläten zur Aufnahme der Ferieu- Colvnisten alljährlich zur freien Verfügung stellt. Aus Anregung des Herrn Rabbiners brachten die Kleinen auch diesem großen Wohlthäter zum Zeichen des Dankes ein donnerndes dreimaliges Hoch aus. Nachdem dann noch die schmucken Mädchen schöne Gesangsstücke und sinnige Declamationen vortrugen, nahm der Herr Rabbiner, der Leiterin Frl. Unger und dem Wirthe Herrn Schmitz seine volle Anerkennung aussprechend, von den Kleinen herzlichen Abschied, sie zur Frömmigkeit, Folgsamkeit und Tugendhaftigkeit ermahnend. M. S. Straßnitz, 18. August. Anläßlich des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät unseres allverehrten Kaisers wurde heute wieder wie alljährlich an diesem für uns wahrhaften Freudentag in dem hellbeleuchteten und entsprechend geschmückten Gotteshanseein solenner Gottesdienst abgehalten. Zu demselben waren nebst ver Elite brr politischen Stadt- und Cultusgemeinde die Schuljugend unter Leitung des Oberlehrers Herrn Samuel Binder und die Colonisten aus dem nahen Ferienheim Petrau unter Leitung der Erzieherin Frl. Wilhelmine Unger und sonstige zahlreiche Gäste und Tempelbesucher erschienen. Den Glanzpunkt dieser im Ganzen sehr schönen gottesdienstlichen Feier bildete die geistvolle, tiefdurchdachte, begeisterte und zu patriotischer Begeisterung hinreißende Festrede unseres ehrwürdigen Herrn Rabbiners Dr. Friedmann, welche auf Groß und Klein des Auditoriums den erhebendsten Eindruck nicht verfehlte. Mit der Absingung des Kaiserliedes von der Schuljugend und den mehr denn 50 anwesenden Feriencoloniften, worin auch die Erwachsenen einstimmten, schloß die schöne, erhebende Festfeier im Gotteshause. M. S. Budweis. Dr. Lueger ist unernlüdlich. Vor wenigen Tagen war er erst aus einer politischen Gastspieltournöe in München und in Borarlberg, und schon rüstet er sich wieder zu einer neuen Agitationsreise. Diesmal ist es Böhmen, das der Wiener erste Bicebürgermeister und christlich-social-clericale „Führer" mit seinem Besuche zu beehren gedenkt. Wie nämlich das „Budweiser Bolksblatt", das Organ der dortigen Christlich-Socialen, meldet, lvird Dr. Lue g e r demnächst nach Budweis kommen, um dort über die politische Situation zu sprechen. Prag, den 13. August 1896. In der außerordentlichen Generalversammlung des 1. Rechtsschutz Vereines der Hausirerfür das Königreich Böhmen, welche am 8. d. M. abgehalten wurde, wurde beschlossen, nachdem die ersten Schritte behufs Hausirverbot erfolglos waren, nochmals bittlich zu lverden, um den vielen alten Hausirern wenigstens die Erlaubniß zu erwirken, bis zu ihrem Tode hausiren zu dürfen. Der alte, verdienstliche Gründer und Cassier des Vereines, der sich so viele Verdienste erworben, Herr Adolf Schiller, wurde zum Ehrenmitglied des genannten Vereines ernannt. In den Vorstand wurden die Herren Moritz Reim a n n, Joses Stein, Karl W r a b e tz gewählt. Schließlich lvurden noch verschiedene Beschlüsse betreffs des Unfugs des Hausirens, Sonntagsruhe und der Antrag betreffs Errichtung einer concessionirteil Genossenschaft der Hausirer für Prag und Vororte angenommen. Prag. (Israelitische Feriencolonie in Golö- Jenikau.) Wenn auch Fortuna den Kleinen diesmals nicht so freundlich zugelächelt hat, wie im vorigen Jahre, so waren ihnen die vier Wochen ihres Aufenthaltes aus dem Laude nicht minder eine Zeit der kräftigsten Erholung und der mannigfaltigsten Vergnügungen. Fast scheint das Schicksal dafür vorgesorgt zu haben, daß ihnen der Abschied von den duftreichen Wäldern und anmuthigen Fluren nicht allzu schwer falle, darum trübte es ihren Landaufenthalt durch eine Reihe von bewölkten und regnerischen Tagen; ja noch zum Abschied schien es bittere Thränen zu vergießen um beit Verlust seiner kleinen Schützlinge. Der Colonieleiter stand beinahe im steten Kampfe mit der Witterung und suchte derselben so viel Zeit als möglich abzugewinnen, um seine Zöglinge die Gesundheit der Lust, der schönen Wälder und Gefilde möglichst viel genießen zu lassen und schöne Ausflüge in die benachbarten Dörfer und Städtchen zu unternehmen. Die Verpflegung der Colonisten hat Herr I. P i ck auch diesmal, wie alljährlich mit Gewissenhaftigkeit besorgt, wovon die rothen Wangen der Kleinen das beste Zeugniß abgeben. Aber auch der ehrwürdige Rabbiner und k. k. Feldprediger Herr Dr. Alexander Kisch aus Prag hat seine vollste Zufriedenheit und Anerkennung der „gutherzigen Wirthin" — wie er sich ausgedrückt -- ausgesprochen. Welche Wvhlthat dieser Verein ausübt, kann nur Derjenige ermessen, der bei der Abreise der Colonie am 14. d. M. zugegen war und zuhörte, mit welch' dankerfülltem Herzen die heimkehrenden Colonisten die Strophen der Kaiserhymne absangen, und dann zusah, mit welcher Wehmüthigkeit sie den Ort verließen, der ihnen während 4 Wochen zum Paradiese diente. Ich werde es daher gewiß im Namen aller zartfühlenden, von Liebe und Dank gegen Vaterland und Nebenmenschen erfüllten Kinder thirn, wenn ich ihrem dankbaren Gefühle gegen alle Vorsteher und Betheiligten an diesem Werke der Nächstenliebe in Worten Ausdruck verleihe und dem Vereine ein glückliches Gedeihen und Aufblühen wünsche, damit er noch zahlreicher die Wohlthätigkeit an der Kräftigung und Erholung bedürftiger Jugend ansüben kann. Tyrnan, 10. August. In der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde fand gestern die feierliche Installation Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Maximilian Stein aus Török-Szt. Miklos statt. Eine Ehrendeputativu fuhr Sr. Ehrwürden bis zur Station Galantha entgegen. Eine zweite Deputation mit dem Gemeindepräses Herrn Hermann Messinger an der Spitze und ein zahlreiches festlich gekleidetes Publicum empfing denselben mit herzlichster Begrüßung am hiesigen Bahnhose. In einer langen Wagenreihe bewegte sich der schöne und imposante Festzug durch die Stadt zum Cultustempel, wo die Begrüßungsansprachen gehalten wurden. Ter Cultustempel war der Feier entsprechend sowohl von Außen als in seinen inneren Räumen festlich geschmückt und illuminirt, und trotzdem derselbe in allen seinen Räumen von Zuhörern überfüllt war, herrschte dennoch j eine musterhafte Ordnung und feierliche Stille. Se. Ehrwürden