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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-08-21 · 34 (21.8.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
34 (21.8.1896)
Date
1896-08-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Vloch's Wochenschrift Seite 677 geradezu ein Unglück, ein rechtgläubiger Russe zu sein und ein jüdisches Aeußere zu haben, eine semitische Nase und ein pechschwarzes Kraushaar. Zudem radrebrecht noch der Unglückliche ein entsetzlich haarstrüub'ndes Deutsch, welches ein Unerfahrener gar leicht für „Mauscheln" oder jüdischen Jargon halten dürfte. Dieses prononcirte semitische Exterieur des Mitarbeiters des antisemitischen Blattes hatte ihm bereits in Petersburg mancherlei Ungelegenheiten zugezvgen. In Budapest im Gegeutheil war es eine Empfehlung nnd hatte meinem russischen Collegen seitens mehrerer jüdischer Notabilitäten ein ganz besonderes freundliches Entgegenkommen eingebracht, welches der Unglückliche als ihm mit Recht gebührenden Tribut eutgegennahm, ohne zu ahnen, welcher Quelle derselbe entstammte. In Wien hingegen wäre das jüdische Aenßere für ihn fast verhängnißvoll geworden, denn während wir an einem Tische im Grünen saßen und einen für Wien höchst problematischen Mokka schlürften, wurden am Nebentische mehrere hämische Bemerkungen über unseren nichts ahnenden Collegen laut, der mit verschiedenen verschämten Anspielungen begrüßt wurde, z. B. wie angenehm es wäre, mit seinem Rücken Bekanntschaft zu machen, ob er nicht wisse, wo der Zimmermann das Loch gelassen, er möge doch hübsch die Thüre von Außen zumachen, man sei vor Moses und seinen Propheten nirgendwo sicher und dergleichen schmeichelhafte Andeutungen mehr, die jedoch machtlos an dem Panzer der Gleichgiltigkeit des Betreffenden abprallten, da er kein Wort von diesen zarten Anspielungen verstand. Da jedoch die Anderen bemerkten, daß die Luft auf dem Kahlenberg für uitä schwül zu werden beginne, so erhoben rvir uns und höhnisches Gelächter unserer Nachbarn gab uns das Geleite. Es ging noch ziemlich friedlich ab, freilich für Wiener Verhältnisse. In der Zahnradbahn bei der Rückkehr kam es jedoch zu einem förmlichen Radau. Ein paar angeheiterte Jünglinge konnten die Nähe unseres rechtgläubigen Collegen mit dem semitischen Aenßern nicht verdauen. Anfangs hänselten sie ihn, dann wurden sie handgreiflich, so daß sich der arme Mitarbeiter der „Nowoje Wremja" seiner Haut erwehren mußte. Dank dem Einschreiten mehrerer anderer Passagiere wurde der Conflict, der bald in eine förmliche Rauferei er sgeartet wäre, im Keime erstickt. Mein russischer Confrater hatte hiebei Gelegenheit, zu erfahren, wie angenehm es ist, in der Haut eines Juden zu stecken und vom Wiener Niob angerempelt zu werden, der in den Glaubeusdogmen von Lueger und S ch n e i d e r erzogen ist. Ich machte mir das Vergnügen, den Herrn, der über die ihn gewordene Behandlung ganz empört war, die Situation klar zu machen, daß blos der Verdacht, er könne ein Jude sein, ihm eine so liebenswürdige Behandlung seitens der Wiener verschafft habe. Meine Worte schienen auf den Mann einen gewissen Eindruck gemacht zu haben Leider war dieser Eindruck kein bleibender, denn das Erste was dieser verlotterte Scribler (ch bitte um Entschuldigung für diesen etwas zu kräftigen Ausdruck, aber ich finde momentan keinen anderen) bei der Rückkehr in die Heimat that, war, daß er die ungarischen Juden schniähte und die österreichischen Antisemiten verhimmelte, obwohl er seitens der Erstereu nur liebevolles Entgegenkommen gefunden, während die Letzteren ihn beschimpt und fast durchgebläut hatten LV. Das Ende des Moskauer Hamans. Der Cavallerieoberst Wlassewski, oberster Polizeichef der Kremelstadt (von den Juden der „Moskauische Haman" genannt), ist von seinem Schicksal erreicht worden. Er ist Knall und Fall aus dem Dienste gejagt worden, und zwar durch einen Kaiserbefehl, wodurch diese Strafe noch verschärft wird. Der allmächtige Großinquisitor darf von nun ab nicht mehr in den Staatsdienst treten, seine Carnöre ist vernichtet und kann er sich nur damit trösten, daß er während seiner vierjährigen ersprießlichen Thütigkeit genug „erspart", (d. h. zusammengestohlen und zusammengeraubt) um auch „fern von Madrid" am Gestade des Dnjepr, wo er mit seinen „Ersparnissen" ein Besitzthmn erworben, sorgenlos sein Leben zu beschließen und über die Vergänglichkeit alles Irdischen nachzudenken. „Glück und Glas, wie bald bricht das" kann nun der Expolizeichef von sich sagen. _ Und was das Urkomische an diesem tragischen Geschicke des moskowitischen Extorquemada ist, daß er völlig unschuldig verurtheilt worden, daß er zum Sündenbock für Vergehen und Unterlassungen anderer Hvchgestellter ward. Ebenso wie Wlassewski unschuldige Juden peinigte und folterte, so wurde er, der an der Chvdinskoja Katastrophe ganz Unschuldige, gepeinigt und verurtheilt. Ihn hat dasselbe Geschick erreicht, daß er vielen Tausenden unserer Glaubensgenossen bereitet. Die schreiendste Ungerechtigkeit wurde durch eine unerhörte Grausamkeit gesühnt. „Die Rache ist mein", sagt der Herr und rächte an dem Henker die Leiden Tausender schuldloser Opfer. Als vor vier Jahren auf Forderung einer sehr hochgestellten Person in Moskau es im höchsten Rath von Petersburg beschlossen wurde, die Kremel-, Krämer- und Krönungsstadt von den sich daselbst illoyal eingenistet habenden jüdischen Wucherpflauzen ganz zu säubern, so war man auf der Suche nach einem Manne, dem man diese Rolle des erbarmungslosen „Ausjütens von Schmarotzern und Parasyten" übertragen sollte. Es mußte ein Mann nicht nur von eiserner Energie, erbarmungsloser Härte sein, sondern auch ein Judenfresser reinsten Wassers. Wie seltsam es auch klingen möge, weder in Petersburg, noch in Moskau fand man Jemand, der diese Eigenschaften in sich vereinte und — was noch befremdender klingen niag — mehrere Fnnctionäre, bei denen man die Vereinigung dieser Qualitäten voraussetzen zu dürfen glaubte, lehnten resolut diese höchst zweifelhafte Ehre ab. Mau sah sich gezwungen, sich in der Provinz nach einem Besen umzusehen, der mit dem jüdischen Kehricht in Moskau Kehraus machen sollte. Und man fand dieses Juwel in Wilna in dem Pvlizeibeamten Wlassewski, der sich als Judenfresser seinerzeit bereits in Riga hervorgethan und der nachher noch in verschiedenen Städten des Nordwestlichen Ghettos als Henker fuuctionirte und sich daselbst ein bleibendes Denkmal errichtete. Das war ein höchst lasterhaftes und verrufenes Menschenkind, allem Schlechten zugänglich, die gierige Hand stets nach Bakschisch ausstreckend, nnd „bist Dil nicht willig, so brauch' ich Gewalt" war seine Devise. Kein Geldbeutel und kein Weib war vor diesem abgefeimten Polizeispitzel sicher, der von seiner Umgebung, seinen Chefs und Untergebenen herzlich verachtet wurde, den man aber beibehielt, weil man ihn eben brauchte, um den ckouckrtz-ckoaleur, den gehetzten Juden, noch mehr empfindliche Schläge zu versetzen. Wlassewski kannte sehr wohl die schwächste Stelle des Judenthumes, wußte, wo dasselbe am sichersten und schmerzhaftesten zu treffen sei. Und diesen Mann, der im Pfuhl seiner eigenen Laster und Sünden wühlte, holte man nach Moskau, um die große Mission der Judenaustreibung zu vollziehen. Um dem Lumpen ein gewisses Relief zu geben, machte man ihn, den Civil- Subalternbeamten, zum Cavallerieobersten und dann begann er das große Werk des Maffenexodus, den er mit barbarischer Rücksichtslosigkeit, die seinerzeit nach Gebühr gewürdigt wurde, vollzog. Seltsamer Weise ward dem so energischen Polizeichef, der das in ihn gesetzte Vertrauen so sehr gerechtfertigt hat, nicht die geringste Belohnung zu Theil. Es schien, als ob man sich schämte, einen Henker zu belohnen, der das schändliche Metier des Nachrichters mit solchem Eifer vollzogen. Man benützte das Werkzeug, aber man verachtete Den, der dasselbe geführt. Oberst W l a s s e w s k i erhielt während seines mehrjährigen Dienstes keine einzige Auszeichnung, was sehr charakteristisch und bei uns geradezu unerhört ist und als

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