Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 34 (21.8.1896)
- Date
- 1896-08-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 34 Dr. Vwrtz's Wortzenlrtzrifl Seite 675 Mann widerfahren. Er hat sich von einer jüdischen Fran das Leben retten lassen müssen. Besagter Teutschmann hatte sich beim Aalfang in der Nähe der Corow'schen Mühle ut einer Reusen verstrickt und war so ins Wasser gerathen. Schon war er dem Ertrinken nahe, als eine jüdische Frau des Weges gefahren kam, kurz entschlossen ans User eilte und den Antisemiten durch Zuwersen einer Leine aufs Trockene brachte. Ein Triumph des Judenthums. Warschau. Hier befindet sich nämlich seit Anfang dieses Sommers eine hygienische Ausstellung/ in welcher zur Erläuterung von den tüchtigsten Fachmännern vor einem zahlreichen Auditorium Vorträge gehalten werden. Ueber „Das Fleisch und die Schlachtmethoden" reserirte Herr Dr. Tchorzniczki, ein Pole, welcher als hervorragende Capacität aus diesem Gebiete gilt. Derselbe war früher ausgesprochener erbitterter Gegner der jüdischen Schächtmethode; umso erfreulicher für uns und um so ehrender für ihn selbst ist es daher, daß er jetzt, durch die Arbeiten des Herrn Dr. D e m b o eines Besseren belehrt, dieser seiner Ueberzengung in großer 0 eff entlief» feit Ausdruck verleiht. Sowie er in seinem Bortrage auf die Schlachtmethoden zu sprechen kommt, ist er ganz Begeisterung für das jüdische Schächten und macht gar kein Hehl daraus, daß die überzeugenden wissenschaftlichen Arbeiten des Dr. Dembo es gewesen sind, welche in dieser Frage die Jrrthümer zerstreut und der Wahrheit zum Siege verholsen haben. Mit Recht bemerkt die „Hazefirah", daß dieser Erfolg des wackeren Gelehrten als ein Kiddusch Haschern bezeichnet werden muß, wie wir ihn in unserer Zeit selten mehr erleben. Möge dieser Erfolg dem unermüdlichen Vorkämpfer ein Trost mehr für manche Anfeindungen und eine erneute Anspornung sein, im Kampfe für Wahrheit und Recht rrinnnermehr zu erlahmen! Gegen das Hausirverbot. Ans Prag berichtet mau uns: Der Erste Rechtsschutzverein der Hausirer im Königreiche Böhmen hielt in Prag eine außerordentliche Generalversammlung ab, um zu berathen, welche Schritte gegen das am 1. Jänner 1897 in Kraft tretende Hausirverbot zu unternehmen wären. Der Obmann des Vereins, Herr Rubi n, führte aus, es sei unmöglich, daß Hausirer, zumeist alte, kränkliche Leute und Familienväter, die in der Regel an die Gunst und Gnade eines engen Kreises ihrer Gönner gewiesen seien, nun einen anderen Erwerb suchen, und beantragte, der Stadtrath, die Handelskammer, die Statthalterei und eventuell der Reichsrath seien zu ersuchen, daß das Hausirverbot wenigstens dahin abgeändert werde, daß die bereits ertheilten Concessionen bis zum Ableben der Coneessionäre in Kraft bleiben. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen Dagegen apostrophirt ein Wiener antisemitisches Blatt den Wiener Gemeinderath in nachstehender Weise: 1. H a us i r h a nd e l. In Gemäßheit des § 10 des kaiserlichen Patentes vom 4. September 1852, R.-G.-Bl. Nr. 252, hat die Stadtgemeinde Wien das Recht, den Hausirhandel fiir das Gemeindegebiet der Stadt Wien zu untersagen. Also heraus mit dem Hausirverbot! Wir Alle haben in zahllosen Wählerversammlnngen den Hausirhandel als schädlich bezeichnet und den Gewerbetreibenden die Aushebung desselben versprochen, es muß dies daher eine der ersten und wichtigsten Handlungen des Gemeinderathes sein. Der Gemeinderath soll beschließen, daß vom 1. Jänner 1897 angesangen der Hausirhandel in Wien nicht mehr gestattet ist und daß von diesem Zeitpunkte an die von den politischen Behörden ertheilten Hausirbewilligungen für das Gebiet der Stadt Wien ihre Giltigkeit verloren haben Antisemitischerseits wird daraus nicht Rücksicht genommen, daß in Wien arische Hausirer in der überwiegenden Mehrzahl sind. Man opfert gerne hundert Arier, wenn davon nur e i n Jude betroffen wird. Offenes Schreiben an den Reichs rathsabgeordneten Herrn Professor D r. F o n r n i e r. In Ihrem am 5. d. M. vor der Wählerschaft Tetschen- B o d e n b a ch erstatteten Rechenschaftsberichte erklärten Sie: „Das Eintreten für das Grundgesetz des Staates würde uns wesentlich erleichtert werden, wenn die vielen wohlgesinnten und ehrenwerthen Angehörigen des Judenthums unter ihren Volksgenossen dahin wirken wollten, daß die Steine des Anstoßes beseitigt würden, die zumeist ans wirthschastlichem Gebiete liegen und die ein durch die Verhältnisse von Jahrhunderten großgezogener, rücksichtsloser Erwerbstrieb, der oft die Grenzen geschaslsmännischer Sittlichkeit überschreitet, immer auf's Neue anhänst.'' In diesen Aeußerungen liegen die Behauptungen, baß einerseits unter der jüdischen Bevölkerung ein rücksichtsloser Erwerbstrieb, der oft die Grenzen geschästsmännischer Sittlichkeit überschreitet, in größerem Maße vorherrsche, als unter der Bevölkerung anderer Consessionen, und daß andererseits die vielen wohlgesinnten und ehrenwertsten Angehörigen des Judenthums nicht nach besten Kräften dahin wirken wollen, die auf diesem angeblichen rücksichtslosen Erwerbstriebe ruhenden Steine des Anstoßes nicker ihren Volksgenossen zu beseitigen. Wenn offene Antisemiten die ten d enz löse st e n und v e r w e r s l i ch st e n V e r l e u m d n n g e n gegen unsere C o n s e s s i o n Vorbringen, so reagiren ivir aus dieselben nicht, denn jeder rechtlich denkende Mensch weiß, was hievon zu halten ist. . Wenn aber ein l i b e r a l e r A b g e o r d n e t e r wir wollen annehmen ans Un k e n n t n i ß der V e r h ä l tnisse — derartige g r u n d l o s e I n s i n u a t i v lt e it öffentlich vorträgt, so ist dies nicht nur im Interesse der Inden, sondern in noch weit höherem Grade im Interesse der gesammten liberalen Partei auf's Tiefste zu bebaue r n. Und als g r n n d l o s e I n s i n n a t i o n e n müssen wir Ihre Aeußerungen bezeichnen, gegen die wir ans's Entschiedenste p r o t e st i r e n, insolange Sie nicht Beweise dafür erbringen, daß der E r w e r b s t r i e b bei den Inden h ä u s i g e r d i e Grenzen ge s ch ä s t s mä n n i s ch er Sittlichkeit überschreite als bei den C h r i st e n und daß die wohlgesinnten und ehrenhaften Angehörigen des Judenthums weniger aus die Hebung des moralischen Zustandes ihrer Glaubensgenossen bedacht seien, als ihre christlichen Mitbürger in ihren Kreisen. Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß in allen Bevölkerungsschichten, sie mögen der einen oder der anderen Cvnsessivn angehören, Elemente bestehen, welche in ihren Berufszweigen sich nicht von den lautersten Motiven leiten lassen. Solche Elemente finden sich aber bei Deutschen und Czechen, bei Jliden und Christen ohne Unterschied und keiner unserer unparteiischen und vorurtheilssreien Mitbürger wird sich deshalb zur tendenziösen Behauptung herbeilassen, daß in der einen oder anderen Bevölkerungsclasse der unnioralische Erwerb eine Eigenthümlichkeit derselben bilde, ein verwerfliches S ch l a g lv o r t, mit dem die Antisemiten die weiten Volksschichten für ihre Agitation dienstbar machen und bekanntlich für ihre Parteizlvecke zu gewinnen und beherrschen suchen. Was aber Ihre Bemerkung aubelangt, daß die wvhlgesinnten und ehrenhaften Angehörigen des Judenthums ans die Hebung des moralischen Zustandes ihrer Glaubensgenossen bedacht sein sollen, so ist es abermals n u r U n k e n n t n i ß der Verhältnisse, wenn Sie, geehrter Herr Professor, diese Ansicht ausstellen. In letzterer Hinsicht ist es llns gerade unerklärlich, welche Einflußnahme nach Ihrer Ansicht noch möglich wäre. Wissenschaft und Praxis kennen zur Hebung der Moral der niederen Volksclaffen zwei Mittel: Linderung der materiellen Noth und Unterricht. Daß in diesen zwei Richtungen von jüdischer Seite weniger geleistet werde, als von christlicher, hat der v erbt s s e n st e Antisemit bisher nicht behauptet, und eine andere Einflußnahme der wohlgesinnten und ehrenhaften Juden auf ihre Glaubensgenossen ist in größereln Maßstabe nicht durchführbar. Ein wahrhaft liberaler Mann kann also die wohlgesinnten und ehrenhaften Angehörigen des Judenthums, welche durch WohlthÜtigkeit, Förderung des Unterrichtes, Unterstützung des Handwerkes und dergleichen mehr nach besten Kräften für ihre Glaubensgenoffen wirken, nicht für das Entstehen und Weiterverbreiten des Antisemittsmus verantwortlich machen und kann auch sein Verhalten g e g e n ü b e r dieser Schande unseres Jahrhunderts nicht davon abhängig machen, daß die wohlgesinnten und ehrenhaften Juden eine moralische Garantie über-