Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 34 (21.8.1896)
- Date
- 1896-08-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 674 Dr. VLortz's Wochrn-chrtfd Jlfc. 34 ßeruug über das Kaiserhaus bei der Polizei angezeigt hat — so einem Menschen verleihen sie die goldene Salvatormedaille als Auszeichnung! (Pfui'.) Das geschieht Alles unter der jetzigen Majorität der Christlich-Socialen! Und einer solchen Gesellschaft soll ich mich a l s fr ei e r, un a b h ä ng i g er, deutscher Mann ans ch ließ en? Nie und nimm er! Diese Herren haben mir gesagt: Herr Dötz, wenn Sie sich unserem Verbände unter Lueger's Führung anschließen, dann brauchen Sie keinen Schritt zu machen, Ihre Wahl ist gemacht!" Ich antwortete: „Ich brauche Ihre Unterstützung nicht; ich will als ehrlicher Freund des Bauern- und Bürgerstandes, als deutscher Mann stehen und, wenn es sein muß, fallen." Feichtinger s Rehabilitirung Wie die „Ostdeutsche Rundschau" sich aus Graz schreiben läßt, bemüht man sich dort, Vorbereitungen zu Feichtinger's — Rehabilitiruug zu treffen. Mechaniker Schneider soll eigens vor Kurzem nach Graz gereift fein, um dem bedrängten Freunde die Wege zu ebnen und er soll den Segen Lueger's mit auf den Weg bekommen haben. In einer großen Volksversammlung dürfte feierlich das große Ereigniß stattfinden, wonach Feichtinger wieder als würdiger, großer Antisemilenführer declarirt wird. Wahrlich, der Mann verdient es. Feichtinger ist, wie Wenige, berufen, die Zierde einer Partei zu fein, die Schneider und Bergani zu ihren vornehmsten Fiihrern zählt. Daniel Sanders und der deutsche Sprachverein. Freunde des Humors werden nachstehende Notiz, die wir der „Ostdeutschen Rundschau" entnehmen, zu würdigen verstehen. Wie uns aus Oldenburg geschrieben wird, hat die Hauptversammlung des dort tagenden Allgemeinen deutschen Sprach Vereines auf Antrag des Vertreters Arnold (Reichenberg) der „Ostdeutschen Rundschau" für die Förderung der Vereinsbestrebungen ihre Anerkennung ausgesprochen In die Vereinsleitnng wurden alle bisherigen Vertreter wiedergewählt, mit alleiniger Ausnahme von Dr. Daniel Sanders, auf deu blos 24 Stimmen entfielen, und an dessen Stelle Eitzen (Hamburg) trat. Der Vorstand des Sprachvereines ist hiemit judenrein geworden. Also Dr. Daniel Sanders, der derzeit anerkannt die erste Autorität auf dem Gebiete der deutschen Sprachforschung ist, der als die höchste Instanz in allen Streitfragen auf diesem Gebiete augerufen wird — darf nicht in die Vereinsleitung des deutschen Sprachvereines gewählt werden! So manchen Narrenstreich. provocirt die Geißel des Satyrikers. Die Hauptversammlung des allgemeinen deutschen Sprachvereines darf sich aber das Verdienst vindiciren, einen beispiellos grandiosen Stoff für die Satyre geliefert zu haben. Zur Lueger-Fahrt nach München. In der Berliner „Kreuzzeitung", einem Blatte, das gewiß nicht in dem Verdachte steht, liberalen Anschauungen Raum zu geben oder Sympathien für die Liberalen zu hegen, ist ein interessanter Münchener Brief zu lesen. Der Brief spricht von der Agitationsreise Dc. Karl L u e g e r's nach der baierischen Hauptstadt. Es heißt in demselben : „Es bleibt verwunderlich, daß Dr. L u e g e-r sich, offen- I bar ohne tiefer dringende Kenutniß der baierischen Parteiverhältnisse, von den qualitativ wie quantitativ recht unbedeutenden baierischen Reformparteilern recte Antisemiten hat einfangen lassen. Dieses specifisch baierische Parteigebilde ist ohne Anhang und ohne jedes Ansehen im politischen Leben; es besitzt keine hervorragenden Führer, wohl aber ein verworrenes Programm, xa dem das Ahlward t'sche Bundschuhthum eine hauptsächliche Rolle spielt. Es ist gewiß bedauerlich, daß Dr. Lueger auf das Ersuchen dieser Leute nach Baiern gekommen ist, denn durch die Verbindung mit der baierischen Svnderspielart des Antisemitismus discreditirt er von vornherein bei der großen Masse des Volkes seine Sache. Das Centrum hat das auch verstanden und die Blätter dieser Partei geben deshalb auch unverhohlen ihrem Mißbehagen darüber Ausdruck, daß Dr. Lueger nicht im Aufträge und auf Wunsch der Centrumspartei in München sprach, sondern Leuten folgte, von denen er durch eine ganze Weltanschauung getrennt sei." Die Berliner „Kreuzzeitung" scheint Herrn Lueger nicht zu kennen, denn in Wahrheit gibt es keine Partei, „von welcher er durch eine ganze Weltanschauung getrennt" wäre. Er war abwechselnd bei allen Parteien und weiß sich gut zu accommodiren. Was die deutschnationalen Studenten wollen. Im Laufe des Monates September wird der neue Rector der Wiener Universität,- Professor Reinisch, sein Amt antreten. Unter den ersten Eingaben, welche an ihn gerichtet werden, dürsten sich zwei Promemoria der Wiener arisch-nationalen Studentenschaft in Angelegenheit des im October abzuhaltenden allgemeinen deutschen Studententages befinden. Wir sind in der Lage, bereits jetzt den Inhalt dieser beiden Eingaben mitzutheilen. Der Inhalt des einen Promemoria besonders, welches übergeben werden wird, „um den deutschen Charakter der Wiener Universität zu wahren", ist interessant. Es zeigt die merkwürdigen Anschauungen, welche die arisch-nationalen Studenten über Gleichberechtigung hegen und welche Zumuthungen sie diesbezüglich an die akademischen Behörden und andere maßgebende Factoren zu stellen wagen. Zu Beginn der Eingabe erklären die Herren, daß der Vorwurf antisemitischer Umtriebe und politischer Agitationen, welcher ihnen gemacht werde, vollständig unbegründet sei. Die arisch-nationale Studentenschaft wolle nichts als den deutschen Charakter der Universität Wien wahren und den Schutz der „angestammten" Studenten gegen die ausländischen und auswärtigen Studenten erwirken. Auf keiner Universität der Monarchie, weder in Budapest, noch in Lemberg, Prag, Innsbruck, Graz u. s. w. ist die einheimische Studentenschaft durch auswärtige Frequentanten so in den Hintergrund gedrängt, wie in Wien, ja an manchen dieser Universitäten gebe es einen kaum zu rechnenden Percentsatz zugereister Studenten. Nur in Wien sei eine „förmlich; Invasion fremder Studenten" zu verzeichnen, deren Einfluß sich auf allen Gebieten des Studentenlebens bemerkbar macht, so daß die Einheimischen völlig verschwinden. __ Eine Abhilfe dafür ist nach Ansicht der jungen Herren leicht zu schaffen. Es braucht nur jeder Abiturient verpflichtet zu werden, die Universität desjenigen Kronlandes zu besuchen, dem er angehört. Der Ungar hat die Budapester Universität zu besuchen, der Pole die Lemberger, der Böhme die Prager u. s. w., und es ist kein Unterschied, ob der Student jüdischer oder katholischer Confession sei. Schon daraus ergebe sich, daß der Wiener arisch-nationalen Studentenschaft bei dieser Action antisemitische Tendenzen ferilliegen, denn sie werde zum Beispiel — wie gütig — nichts dagegen einzuwenden haben, daß die jüdischen Studenten Niederöfterreichs die Wiener Universität besuchen. Sie gehören zur „Universitas litterarum Yindobonensis“, weil sie eben Niederösterreicher sind. Von diesen Gesichtspunkten aus sei die geplante Errichtung einer mährischen Universität nur zu wünschen, damit auch die mährischen Studenten ihre eigene Universität besuchen können. Ein gewisser Percentsatz außerordentlicher Hörer und solcher, welche das Absolutorium bereits erreicht haben von fremden Universitäten, der sei an der Wiener Universität zuzulassen-, speciell die letzteren Pflegen keinen Einfluß mehr auf die akademischen Verhältnisse zu nehmen und seien deshalb für die Gleichberechtigung nicht gefährlich. Dies ist der wesentliche Inhalt des ersten Promemoria. Das zweite beschäftigt sich speciell mit dem bevorstehenden Studenlentage und fordert auf Grund des § 7 der „akademischen Gesetze und Verordnungen" die Einräumung von Localitäten der Universität für die Berathungen des Tages. Der § 7 der „akademischen Gesetze und Verordnungen lautet: „Versammlungen der Studierenden an öffentlichen Orten außerhalb des üniversitätsgebäudes zu anderen als geselligen Zwecken sind nicht gestattet; wohl aber können Studierende in den Localitäten des für den Unterricht bestimmten Gebäudes und in nicht regelmäßig wiederkehrenden, sondern nach dem speciellen Bedürfnisse veranstalteten Versammlungen bestimmte, sie betreffende akademische Angelegenheiten berathen." Das Promemoria erklärt, daß die arisch-nationale Studentenschaft zu dieser Forderung gezwungen sei, denn alle Versammlungen, welche sie bisher abhalten wollte, selbstverständlich auf nicht akademischem Boden — wurden von der Polizei verboten, und dies dürfte auch in Zukunft so sein. Die Versammlungen werden jedem Studenten zugänglich sein und auch die Juden können hinkommen, wenn sie wollen. Die Forderung der deutschnationalen Studenten, die Wiener Universität fremden Studierenden zu verschließen, verdient wohl keine sachliche Widerlegung. Sie zeigt nur, daß die Verfasser dieser merkwürdigen Eingabe für die hohe Bedeutung und den internationalen Ruf der Wiener Universität nicht das geringste Verständniß besitzen. Welche Beeinträchtigung sie durch die Anwesenheit fremder Studirender in ihrem eigenen Studium erleiden, das wissen die Gesuchsteller wahrscheinlich selbst nicht m,zugeben. Für Deutschnationale 15 Essays von Hermann Grimm. Neue Folge. Berlin, Dümmler, 1875. — Aus Seite 392 schreibt der „deutsche" Herr Grimm: „Ju demselben Maße, als den Juden, Germanen und Romanen bestimmte Gaben verliehen und entzogen sind, ergänzen alle drei auch auf dem Gebiete der Kunst einander in so wunderbarer Weise, daß für die allgemeine europäische Entlvicklung auch hier keiner dieser 3 nationalen Factoren heute zu missen wäre". „Jüdischer „ Christen hast. Dem „Angermünder Kreisblatt" wird aus Stargar d geschrieben: Ein böses Mißgeschick ist einem als gar argen Antisemiten bekannten jungen