Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 34 (21.8.1896)
- Date
- 1896-08-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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2k. 34 Vr. Vloch's Wortzenschrift. Seite 673 „Die Behauptung, daß die Juden in Galizien 80 Procent Grundbesitz haben und die Hälfte der Großgrundbesitzer ansmachen, hat mich veranlaßt, ein Büchlein unseres verehrten Collegen Szczepanowski mir anzuschaffen, wo Sie aus Seite 116 eine Erklärung über die Verhältnisse zwischen Christen und Juden finden, welche besagt, daß die Inden in Galizien weniger Grundbesitz haben als aus die Zahl der Bevölkerung entfällt; von 80 Procent oder der Hälfte der Großgrundbesitzer ist keine Rede, denn sie haben, soweit ich in diesem Buche gelesen habe, nur 'Ai des Grundbesitzes, während sie wie ich glaube, lh der Bevölkerung repräsentiren. Da in derselben Debatte ein Rencontre zwischen den Abgeordneten Dr. Bloch und Dr. Lueger stattgesnnden hat, so ist die persönliche "Angelegenheit des letzteren Abgeordneten unzweifelhaft, wie denn auch die Abwesenheit desselben bei einer Debatte über seinen Lieblingsgegenstand, die israelitische Religionsgenossenschast, eine schwere Fahrlässigkeit gewesen wäre. Ueberdies aber hat der Abgeordnete Szczepanowsky, bekanntlich eine große Autorität in allen Angelegenheiten Polens, seinen Widerspruch gegen die Behauptung von dem überwiegenden Grundbesitze der Juden seither noch oft wiederholt. Sie kann Herrn Dr. Lueger nicht ent,-äugen sein. Wir fragen daher nochmals: W i e steht es m i i der W a h r h e i t s l i e b e de s V i c e b ü r g e r m e i st e r s v o n W i e n? (Um Flachdruck N'ird ersucht.) AuS dem antisemitischen Bürgerclub des Wiener Gemeinderathes weiß die „Ostdeutsche Rundschau" lustige Geschichten zu vermeiden. Die Herren von der Majorität des Wiener Gemeinderathes verstehen wahrlich mehr, als Butterbrod schmieren. Die verschiedenen „Wiener Fragen", deren baldigste Lösung sie ihren sehr geehrten Herren Wählern in Aussicht gestellt haben, machen ihnen kein Kopfzerbrechen mehr, sie sind offenbar schon „arrangirt", und die Vertreter des Wiener politisch-reifen Spießbürgerthums dürfen daran denken, endlich für die „Hetz" zu sorgen, die ja doch des Wiener Spießers oberstes und ernstestes Gebot ist. Darum ans, ihr Mitglieder des antisemitischen Bürgerclnbs, die ihr euch selbst und eure Zeitgenossen bei „Heurigen", zu denen ihr im „Jnckerzengel" hingesahren seid, mit Paschen, Dudeln, Jodeln, Pfeifen :c. unterhalret! Das Paschen Dudeln, Jodeln und Pfeifen soll jetzt in ein System gebracht werden, und die Mitglieder des Bürgerclubs sollen von nun ab nur. von Standes- und Clubgenossen unterhalten werden, damit nicht etwa der entsetzliche Fall eintrete, daß ein vierstöckiger Hausherr das Gedudel eines Mannes, der eine gewöhnliche Miethspartei ist, anhören und beklatschen muß. Nur heiter! Und deshalb ein Hoch dem Herrn Felix Hraba — der zweite Wahlkörper, der Wahlkörper der Wiener Intelligenz hat den Herrn in den Gemeinderath entsendet! — der, der „Ostdeutschen Rundschau" zufolge, an seine Collegen im Bürgerclub folgendes Schreiben ausfchickte: Sehr geehrter Herr Collega! Behufs Zusammenstellung eines Schrammel-Quartetts wird ein Harmonika- und ein G n i t a r r e s p i e l e r gesucht. Behufs Zusammenstellung eines Quartetts und eines Doppelquartetts werden ebenfalls noch einige Theilnehmer gesucht. Jedes Clubmitglied, welches irgendein Instrument beherrscht, dann irgendein künstlerisches Genie als : Taschenspieler, Cvupletsänger, Humoristen rc., werden gebeten, sich zu melden. - Die vorliegende Einladung hat den Zweck, bei den nächsten geselligen Zusammenkünften des Bürgerclubs des Gemeinderathes ein hübsches Programm — ans den Mitgliedern heraus — bieten zu können. Ferner wurde mir nah e gelegt, für ein sichtbares Clubabzeichen Sorge zu tragen. Ich erbitte mir auch diesbezüglich Ihre Vorschläge. Mit collegialem Gruße Felix Hraba, XIII 6 Auhofstraße Nr. 55. Welcher „echte" Wiener wird nun nicht von der Thütigkeit der Mitglieder des Bürgerclubs, in speeie des Hraba — wir bemerken nochmals: der zweite Wahlkörper hat den Humoristen erkoren!! — baß erbaut sein! Die Herren vom Bürgerclub paschen und dudeln, folglich haben sie nichts mehr zu thun; und den Wienern, die nicht Mitglieder des Wiener Biirgerclubs sind, geht's gut. Der Club wird sich als Taschenfeitelverein constituiren, es wird ein Leben wie in Nußdorf geben, lind nur der Erinnerung wegen wird — Gregorigam Jahrestage der Constituirung des Taschenseitelvereines eine politische Rede reden. Lueger wird sich als Taschenspieler produciren, Geßmann wird Purzelbäume schlagen — mit Einem Worte: der Bevölkerung Wiens wird der Vortheil der eigenen Regie wenigstens in Bezug auf Amüsement des Wiener Hackerpascherclubs schlagend vor Augen geführt werden. O. du Million, du! Die Christlich-Soeialen gegen Dr. Evenhoch. Es wiederholt sich Alles. Wer erinnert sich nicht daran, wie einst die gefeierten Führer der Teurschliberalen mit kaum verhehltem Wohlwollen den Ausführungen eines Schöuerer's folgten, weil diese auch eine Spitze gegen den bösen, gehaßten T a a s s e enthielten? Tie Herrschaften haben diesen Beisattszoll später thener bezahlt. Aehnlich ergeht es jetzt dem Dr. E b e n h o ch. Er war immer eifrig an der Arbeit, den gistgeschwvllenen Reden des Tr. Lueger zu applaudiren, das hindert aber jetzt die Lueger- Presse nicht, mit vergifteten Pfeilen aus den ihr unbequemen Mann zu schießen. Ein anonym erschienenes Pamphlet, welches sich mir der Person des Dr. Ebenhoch beschäftigt, wird zum Anlaß genommen, um ihn aus das Erbarmungsloseste zu befehden. Tinge, die in dem Pamphlet mit schonungsvoller Milde nur angedeuter sind, werden z. B. in der „Deutschen Zeitung" recht unzweideutig heransgesagr und nicht nur das Leben des Politikers, sondern auch dessen Familienangelegenheiten werden vor der brutalen "Neugierde blosgelegt. Für den Ton, der gegen Dr. Evenhoch angeschlagen'wird, zeugt folgendes Pröbchen. Eine der zahmeren Stellen in der „Deutschen Zeitung" lautet: In geradezu vernichtender Form weist die Flugschrift die Jnconsequenz Ebenhochs-Mägerle im Parlamente an der Hand seiner widerspruchsvollen Abstimmungen nach, insbesondere in der Schulsrage, bei der Gewerbereform, Wahlresorm n. s. w. Dieser patentirte Volksvertreter hat die Fortdauer der indirecten Wahlen der Landgemeinden ans dem Gewissen. Er stimmte für Rothschild und gegen die Verstaatlichung der Nvrdbahn, lies beim 100 Millionengeschenk für die Polen hinaus, trat für die Staatssubvention an den „Lloyd" und die Donan-Dampsschiffsahrt ein und stimmte für das slovenische Gymnasium in Cilli. Tie Flugschrift kommt auch aus die z w e i d e rc t i g e Rolle, die Ebenhvch bei der Gründung der ..Reichspost", wie überhaupt gegen die Christlich-Socialen bei jeder Gelegenheit gespielt hat. Sie weist ferner nach, daß der angeblich streng katholische Mann, der stets von frommen Aussprüchen iibersließt, in Bregenz mit den Liberalen ging und auch später seine ch a m ä l e o n a r ti g e Natur be' jeder Gelegenheit bekundete. Dr. Ebenhoch erhält übrigens schon in der Aufschrift des "Artikels einen fürchterlichen Hieb tiber das ganze Gesicht — wie er als alter Corps-Student sich wohl ansdrücken würde. Der Artikel heißt „Alfred Mägerle, genannt Dr. Ebenhvch". Herr Tr. Ebenhvch hat den Beifall, mit dem er die Rede Lueger's begleitete, prächtig heimgezahlt bekommen. Deutschnationale und Christlich-Soeiale sind anläßlich der bevorstehenden Landtagswahlen ganz lustig aneinander gerathen. Der Streit um die Haut des noch nicht ganz erlegten liberalen Bären hat die lieben Brüder entzweit und sie sagen sich in ihren Blättern und in den Wählerversammlungen die bittersten Wahrheiten.. Wer die Herren bis heute nicht kannte, der sinder nun Gelegenheit, sie gründlich kennen zu lernen. "Am letzten Sonntag fand in einem Orte des Waldviertels eine Wählerversammlung statt, in welcher der deutschnationale Candidat Herr D ö tz seinen christlich-socialen Gegencandidaten Pfarrer Doller, Obmann der clericalen Waldviertler Bauernvereine, daran erinnert, daß in seiner früheren Seelsorgegemeinde Groß-Siegharts ein Protokoll erliege, ausgenommen mit einem j u u g e n M ä dch e n, und daß man zuerst selbst einen m v r a l i s ch e n L ebenswandel führen müsse, bevor man Anderen Moral predigt. Bon den Wiener Christlich-Socialen sagte Herr Dötz, er finde es unter seiner Würde, das mitznmachen, was solche Leute verlangen. Es werde die Zeit kommen, wo ihnen die Wähler fluchen werden, diesen mit der Clerisei verbündeten Christlich-Socialen. „Schauen Sie sich die Führer dieser Partei an", fuhr Herr Dötz in seiner Kritik fort. „Wie haben sie ihre Macht im Gemeinderathe ansgenützt? Sie schreien fort und fort über die Juden und stellen einen getauften polnischen Juden als Magistratsdirector an! Einenl ganz gewöhnlichen Tenuucianten, dem Pfister, der einen armen Familienvater aus Rache, weil er bei der Wahl ein Gegner war, wegen einer unüberlegten Aeu-