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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-08-21 · 34 (21.8.1896) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
34 (21.8.1896)
Date
1896-08-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Vloch's Wochrnfrtzrifl. Sette 67 L Gleichfalls aus einem ökonomisch sehr berechtigten, gruudgescheidten Motive! -— Er behauptet: „Alle diese Exporteure, welche dieses Verbrechen begehen und das Product unserer Arbeit hinausschicken, sind die schrecklichen Inden!" Ja wohl — da hat einmal unser guter Mann Recht. Die jüdischen Kleiderindustriellen sind thatsächlich die einzigen, welche österreichische Kleiderwaaren exportiren. Es ist einem Arier, weder früher noch derzeit, auch nur der Versuch eingefallen, sich mit diesem schwierigen, opfervollen und riskanten Exportgeschäfte zu befassen. Anstatt es den jüdischen Exporteuren als hohes Verdienst anznrechnen, daß sie die österreichische Handelsbilanz, die normal passiv und nur in den seltenen Jahren des Getreideexportes activ ist, durch Ausfuhr von Textilwaaren in der veredelten Form von Kleidern saniren, werden sie dafür geschmäht, verdächtigt und herabgesetzt. Der österreichische Export überhaupt leidet von je am meisten dadurch, daß wir wohl eine ziemlich entwickelte Industrie, tüchtige Erzeuger, aber viel zu wenig Kaufleute besitzen, deren Thütigkeit weiter als über die Cultivirung des inländischen Absatzes reicht. Die gleiche Wahrnehmung war auch in der „Schneiderei" zu machen. Sie trug alle technischen Bedingungen der Entwicklung in sich, aber infolange sie sich einzig in arischen Händen befand, vermochte sie sich nicht weiter als bis zum Handwerk zu entwickeln und besaß sie keine höhere Ambition, als den Gevatter in der nächsten Nachbarschaft mit einem Anzuge schlecht und recht zu versehen. Erst einigen, zumeist rumänischen Juden, ohne „deutsche Bildung", aber tm Besitze natürlicher Intelligenz, mit Betriebsamkeit und Wagemnth ausgerüstet, blieb es Vorbehalten, mit den ersten, wenn auch bescheidenen Anfängen des heimischen Kleiderexportes zu beginnen. Und was ist durch Rührigkeit und Thatkraft der jüdischen Kleiderexporteure aus diesen kleinen Anfängen u it der Zeit Großes geworden! Der Geldwerth des Kleiderexportes seit seinem Beginne im Jahre 1854 mich mit zumindest 250 Millionen Gulden beziffert werden, bei welcher ^Ziffer mehr als 150 Millionen Gulden auf Arbeitslöhne, Steuern u. s. w. und erst die restlichen 100 Millionen auf das reine Material entfallen. Sind wir nach dieser Probe mit der unverfälscht dentschnationalen ökonomischen Wissenschaft fertig? Leider nein! Denn was soll man erst zu dem Anwnrfe sagen, die , jüdischen Kleiderindustriellen Härten den Kleiderexport nur durch „Schwindel" erreicht. Da liegt allerdings der Unsinn ganz obenauf. Ein Export, auf Schwindel basirt, hat sehr kurze Beine, dies weiß Jeder, der von der Natur des Exportgeschüftes^nur eine blasse Idee besitzt. Das beste Kriterium für die Berechtigung und die Solidität des von den jüdischen Exporteuren gegründeten und fortlaufend cultivirten Kleiderexportes ist gewiß in der Thatsache zu finden, daß dieser nun schon nahezu ein halbes Jahrhundert besteht und, was bei der Beurtheilung noch viel schwerer in die Wagschale fällt, daß derselbe sich in ständig steigender Richtung bewegt, was einfach nicht möglich wäre, wenn der Confument nicht volle und beste Befriedigung fände. Wenn der heimische Kleiderexport nicht die anfänglich progressive Steigerung und Ausdehnung mehr besitzt, so ist dies ausschließlich auf das in dem letzten Jahrzehnt von mehreren als Hauptconsumenten zählenden Nachbarstaaten — Rußland, Deutschland, Rumänien, Serbien und den übrigen Balkanländern — eingeführte Prohibitivsystem zurückzuführen, einer engherzigen Handelspolitik, mit welcher aber Oesterreich den Anfang gemacht hat, auf Andrüngen derselben Clique, welche, kindisch genug, die Juden für den Rückgang des heimischen Exportes verantwortlich zu machen sucht. Dies hat auch der Exportverein „Orient" erst jüngst in einer Polemik gegen den Katheder-Socialisten P h i l i p ov i ch, der eine ganz unsinnige, von der Wiener Schneiderzunft einem Engländer ertheilten Information wiedergegeben, nachgewiesen. Aber wenn also nicht durch Schwindel — auf welche Weise denn haben die jüdischen Kleiderindustriellen diese Erfolge für unsere heimische Erzeugung, für den ganzen Staat errungen? Das wollen wir der „Rundschau" und ihren Lesern gerne verrathen. Vielleicht lernen Letztere was hievon. Das haben diese Juden durch das Aufgebot höchster kaufmännischer Intelligenz und Solidität, verbunden mit vollkommenster technischer Befähigung, erzielt. Vor Allem haben sie, um all' den Fährlichkeiten des orientalischen Verkehres und Creditwesens auszuweichen, ihre Magazine für den letzten Consumenten in den Handelscentren des Orientes eingerichtet. Sie sind zumeist — wenn auch größeren Styls — Detaillanten. Zweitens gingen sie, als sie im Oriente nur einigernlaßen festen Fuß gefaßt hatten, sofort daran, sich nicht, wie die älteren französischen Concurrenten auf die Befriedigung des Bedarfes der dortigen europäischen Colonien zu beschränken, sondern gebrauchten die Tactik, ihr Fabrikat nach dem Bedürfnisse und dem Geschmacke der eingeborenen Bevölkerung sowohl in Bezug auf gangbare Stoffe, als auch Form der Kleidungsstücke, zu accommodiren, und hiedurch fortschreitend ein Anwachsen des Consums, eine Europä.isirung der Bevölkerung zu schaffen. Nur hiedurch konnte der Export an in Oesterreich erzeugten Kleiderwaaren die verhültnißmäßig ganz exorbitant hohe Summe von acht Millionen Gulden jährlich erreichen, zu Nutz und Frommen einer großen Zahl von Industriezweigen und des Vaterlandes überhaupt. Doch genug von dieser Nationalökonomie der „Unverfälschten" — genug für uns und unsere Leser, und viel zuviel für den Schreiber des Artikels in der „Rundschau". Die volkswirthschaftliche Disciplin hat eben zum Unterschiede von ihren Schwesterwissenschaften ein wenig beneidenswerthes Schicksal. Ueber Medicin oder Strategie wagt Niemand zu schreiben, den nicht sein Fachwissen und Beruf ein Recht dazu gibt. Ueber ökonomische Dinge zu schreiben, hält sich heutzutage Jeder berufen, der nicht gerade zu den Analphabeten gehört. Hat er doch, wenn er sich Hosen und Stiefel gekauft, in den volkswirthschaftlichen Verkehr mit eingegriffen! In der Zeit Goethe's und Schillert wollte Jeder Gedichte machen. Wie wehrte sich Goethe gegen diesen Andrang Unberufener zum Parnaß: Jung und All, Groß und Klein, Gräßliches Gelichter! Keiner will ein Schuster sein, Jedermann ein Dichter. Vom Jahrmarkt des Leben». Herr Geßmann „berichtigt". Wir leben in der Berichtigungs-Aera. Der Parapraph 19 des Preßgesetzes, mit dessen Hilfe man bekanntlich Alles, selbst das Blaue vom Himmel ableugnen kann, ist noch nie so viel in Anspruch genommen worden, als seit der Zeit, da die Antisemiten die communale Herrschaft angetreten haben. Die neuen Herren von Wien können offenbar ohne den famosen Paragraph 19 nicht leben. Ihm danken sie es, wenn sie auf die härtesten Befchuldigungen wenigstens eine Scheinantwort geben und ihren leichtgläubigen Anhängern noch immer Sand in die Angen streuen können. Ja, mit dem Paragraph 19 läßt's sich leben und regieren, das haben die drei Bürgermeister, deren sich jetzt Wien in Ermanglung eines einzigen, rechten, erfreut, wohl erkannt und sie würden vielleicht eher für eine Verminderung ihrer Gehälter, als fiir eine Streichung des rettenden, erlösenden Paragraphen zu gewinnen sein. Wo wäre das neue Regime, ohne die rettende Krücke des Paragraph 19? Es wäre längst zusammengebrochen. Wie hätte Dr. Lueger ohne Paragraph 19 das Kunststück vollbringen können, Dinge, die unter seinem Regime geschahen, auf Conto des Dr. von F r i e b e i s zu stellen? Wie hätte S t r o b a ch ohne Hilfe des Paragraph 19 Reden, die er gehalten, aus der

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