Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 34 (21.8.1896)
- Date
- 1896-08-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 34 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 667 erwidern, daß die in Rede stehenden Auszüge hauptsächlich aus Gutachten des gerichtlichen Sachverständigen Dr. Jacob Ecker in Münster, 1883 entnommen sind und daß Prof. Rohling 3000 Mark und der französische Aobe de Lamarqne 10.000 Franks Demjenigen bietet, welcher Rohling eine falsch übersetzte Talmndstelle Nachweisen kann. Nachdem bis heute noch Niemand diese Summen zu verdienen vermocht, laden wir die Herren Gottlieb und Propper ein, sich dieses ganz nette Sümmchen nebst den unvergänglichen Verdiensten zu erwerben und stellen die betreffenden Stellen bereitwilligst zur Verfügung. Dies als vorläufige Entgegnung. Wer ist Dr. Ecker? Zur Geschichte dieses Mannes und zur Kennzeichnung seiner Gelehrsamkeit tvollen wir nachstehende Taten in der Erinnerung auffrischen: In einemProcesse gegen den „WestphälischenMercur", welcher am 16. Jänner 1883 einen Auszug aus dem „Jndenspiegel" von Dr. Justus publicirte, hat die geklagte Partei Herrn Dr. Ecker als Sachverständigen vorgeschlagen und er wurde am 10. December 1883 auch einverrronrmen. Herr Dr. Ecker publicirte sein damaliges Gutachten unter dem Titel „Ter Judenspiegel im Lichte der Wahrheit". (Erste Auslage, März 1884.) Beim Wiener Landesgerichte erliegt nun ein Schreiben von dem katholischen Theologen Professor Bickell an das Gericht, in dem es heißt: „Hauptsächlich möchte ich betonen, daß ich mich zwar mehr, als christliche Orientalisten gewöhnlich zu thun pflegen, mit talmudischrabbinischen Studien beschäftigt habe, aber doch auf diesem Gebiete nur als Schüler und Anfänger, nicht als Autorität aufzutreten tnich getraue. Zwar macht sich heutzutage der Schwindel gelehrter Jndustrierittev gerade hier wegen der Schwierigkeit der Controle besonders breit (so hat kürzlich in Münster ein Privatdocent, leider Priester, welcher gar nichts vom Ta lmud verste h t, sich in einem ähnlichen Processe als Sachverständiger aufgedrängt und dann zur Bestätigung seines Gutachtens von einem bekehrten Inden ein von talmudisch-rabbinischer Gelehrsamkeit nberströmendes Buch schreiben lassen, welches er als sein eigenes Werk veröffentlicht hat, um daraufhin Professor zu werden); ich bin aber in diesen Dingen so altmodisch, mich nur da, wo ich vollständig zu Hause bin, als Autorität auszugeben". Der dies schrieb, ist katholischer Priester, ist einer der gefeiertsten Orientalisten, ja, anerkanntermaßen der hervorragendste katholische Kenner des talmudischeu Schriftthums! In seine Unbefangenheit war kein Zweifel zu setzen, denn in demselben Briefe betonte Professor Bickell seine zwanzigjährige Freundschaft mit Rohling! Endlich war es Nichtsein Schreiben privaten Charakters, sondern an eine amtliche Stelle, an eine Behörde gerichtet, noch dazu an eine Gerichtsinstanz! Die Glaubwürdigkeit Bickell's anznzweifeln, darf Ecker umsoweniger wagen, als er auf der Titelrückseite der ersten Auflage seines Buches schreibt in der Selbstanzeige einer anderen Schrift: „Herr Professor Dr. Gustav Bickell in Innsbruck ist ihm (Ecker) sicher sympathischer als die Juden und vor d e r Ges i n nu n g und der Gelehrsamkeit desselben zeigt er die größte H o ch a ch t u n g." Ani 18. August 1892 erschienen in der Berliner „Jüdischen Presse" Nr. 33 aus zwei Briefen Bickell's an einen Berliner Gelehrten (vom 1. und 25. März 1885) folgende Sätze mitgetheilt: „Daran, daß Ecker den Judeuspiegel unter seinem Namen neu herausgibt, ist nur die kolossale Waghalsigkeit bewunderungswürdig. Denn fremdes Eigenthum ist seine „Beleuchtung" ganz ebenso gut. Dieser Mensch versteht, wie ich genau weiß, auch nicht das Mindeste von talmudisch-rabbini scheu Dingen. Als Justus in Münster war» wollte er einmal bei diesem Talmud lesen lernen, gab aber den Versuch schon nach wenigen Minuten a's undurchführbar wieder auf, da er verzweifelte, jemals in die Geheimnisse der talmudischen Sprache und Dialektik eindringen zu können." . . . „Ecker versteht gar nichts von talmudischer Gelehrsamkeit und hat sich das Buch einfach machen lassen" In den „Acten und Gutachten" findet man ferner, daß Professor Bickell in Innsbruck in einer Unterredung mit dem Wiener Advocaten Dr. E l b o g e n im Beisein eines Herrn Ernst Schmidt zeigte, daß er auf seinem Exemplar des „Judenspiegel im Lichte der Wahrheit" den Namen des als Verfasser genannten Ecker ausgestrichen und an dessen Stelle Brimanns gesetzt habe, und dann hinzufiigte: „Denken Sie, wenn die Juden wüßten, daß Ecker und Rohling kein Wort vom Talmud verstehen!" Ferner eine vom 12. März 1893 datirte Zuschrift Robling's an B r i ni a n welche lautet: Prag, 12. März 1884. Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. August Briman, Kreuzstraße 4 in Münster, Westphalen. Oarissime! Ich habe die beiden letzten werthen Schreiben erhalten, war aber kürzlich recht leidend und kam daher nicht zum Schreiben. Da Sie schon am 15. nach D. machen, was sehr gut ist, so will ich dorthin ausführlich schreiben, sobald Sie angelangt sein werden und Ihre Adresse in meinen Händen sein wird. Enthalt Dr. E.'s „Beleuchtung des Speculnm" auch die Stelle aus halquthim? Es wäre das sehr gut, natürlich wenn er in sensu nostro spricht (was wohl der Fall sein wird). Sie haben wohl zu dieser „Beleuchtung" m i t g e w i r k t! Gut, recht gut. Näheres später rc. Herzlichen Gruß. A. Rg. „Sie haben wohl an dieser „Beleuchtung" mitgewirkt! Gut, recht gut." Wie vor dem Wiener Laudesgerichte festgestellt wurde, bezog Briman von dem „Bvnifacius-Verein" in Paderborn einen Jahresgehalt von 3000 Mark, von Rohling ein monatliches Honorar von 100 Gnloen - also es wurden ihm die Fälschungen Stück für Stück bezahlt. Interessant ist, daß Rohling in Nr. 38, Seite 3, der Wiener „Tribüne" vom 9. Februar 1883 erklärt„Tr. Justus selbst ist nicht mit mir identisch, aber seine Lache ist meine Sache", dann in demselberl Blatte Nr. 83 vvm 25. März 1883 : ,.P ros. Rohling st e h t für die Ehrlichkeit des Tr. I u st n s m i r seiner P e r s v n e i it", und endlich in dem Buche „Prof. Dr. R o h l i n g's, die Jndensrage und die öffentliche Meinung", das er unter dem Pseudonym Abb-- Clemens Victor im Jahre 1887 heransgab S. 10: „Briman . . ist ein überaus ehrenhafter charakterfester Mann, der sich ehrenhaften Wandels befleißigt, und eines j e d e n V e r t r a u e n s v v l l r o m m e n würdig!_ Ein Privatissimum mit Professor Fournier. Bon Herrn Professor Fournier geht in unterrichteten Kreisen die weitverbreitete Sage, er sei Abgeordneter geworden, weil ihn die Politiker für einen großen Gelehrten hielten und seine Professur wiederum verdanke er dem Umstande, daß er in Gelehrtenkreisen sür ein politisches Lumen gelte. Besagter Herr Professor leidet gegenwärtig an einem acuten Unwohlsein. Die in Abgeordnetenkreisen weit verbreitete Influenza der blassen Mandatsfurcht hat ihn ergriffen. Und wie es mit Kranken einmal geht: Sie laufen allen möglichen Quacksalbern und Kurpfuschern ins Haus, um sich Linderung ihres Uebcls zu verschaffen . . . So kam der Herr Professor in die antisemitische Apotheke und hoffte dort das wunderthätige Kräutlein zu finden, das ihm seine Wiederwahl garantirte. Herr Fournier versteht den Antisemitismus und würdigt ihn, er legte seinen Tetschener Wählern das offene Geständniß ab, daß es für ihn und seinesgleichen schwer fei, für die Staatsgrunogesetze einzntreten. Dieses Eintreten muß „erleichtert" werden. Und wie das geschehen solle, darüber ist sich der Herr Professor auch klar. Kenner der Fournier'schen Wissenschaft werden sich vielleicht daran erinnern, daß dieser Fi—Fa—Fortschrittsmann in seiner Geschichte Napoleons den Ansnahmsgesetzen gegen die Juden das Wort redet, und werden am Ende glauben, daß der Politiker Fournier mit dem Historiker gleichen Namens derselben Ansicht sei. Weit gefehlt es gibt ja auch jüdische Wähler, und die Rücksicht auf diese gebietet einen feinen Unterschied. Darum unterscheidet der Abgeordnete Fournier zwischen den wohlgesinnten und ehrenwerthen Juden einerseits und den „Steinen des Anstoßes" andererseits, welche sich durch rücksichtslosen Erwerbstrieb auszeichuen und die Grenzen geschäftsmäßiger Sittlichkeit überschreiten. Diese Steine wegzuräumen ist nach dem F o u r n i e r'schen Recepte Aufgabe der Wohlgesinnten. Ist das geschehen, so werden allerorts die Fourni er's „eintreten". Sie werden „eintreten" dis zur Bewußtlosigkeit, f ü r, nicht wie bisher a u s die Staatsgrundgefetze Wenn die. bösen Antisemiten jetzt Herrn Fournier nichj wählen, so sind sie wuklich einsichtslose, alberne Tröpfe. Und thun es die Juden nicht, dann sind sie eben „Steine des Anstoßes", wahrend sie gar leicht den Ehrentitel „wohlgesinnt" und „ehrenwerth" davontragen konnten.