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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-08-21 · 34 (21.8.1896) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
34 (21.8.1896)
Date
1896-08-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 668 Dr. Vloch's Wochrnfchrist. Nr. 34 Nun, sind wir auch der Ansicht, daß rs — Ausn ahmsjub en gibt. Freilich besinnen wir auf Grund der Statistik diesen Begriff ganz entgegengesetzt wie der gelehrte Volksvertreter. Wir glauben, daß die Steine des Anstoßes die Ausnahmsjuden sind, bedauern, daß es solche gibt, aber wir müssen ganz entschieden die Columbusidee ablehnen, uns die Verantwortlichkeit, die moralische Garantiepflicht für etwa vorhandeile Schädlinge aufzubürden. Niemandem ist es eingefallen, sämmtliche Wiener Sollicitatoren anzuklagen, weil sie auf ihren ehemaligen Eollegen E i ch i.n g e r nicht dahin eingewirkt haben, den Advocaten R o t h z i e g e l leben zu lassen. Was würden die deutschen Historiker dazu sagen, schriebe man jedes Buch des Profeffor F o u r n i e r ihnen auf das Kerbholz. Das geht doch nicht an. Es heißt zuviel verlangt, wenn man gerade dem Juden die Rolle des Polizeimannes und des Gendarmen gegen Seinesgleichen zuschiebt. Das ist eine undankbare, eine gehässige Rolle, für die sich beispielsweise die jüdische Schwiegermama unseres Professors, Frau Zerline Würzburger, alias Gabillon schönstens bedankt hätte. Die berühmte Schauspielerin, wohl jene Angehörige des Judenthumes, mit welcher der Herr Fournier am meisten in Berührung kam, zeichnete sich auch durch ihren gesunden Erwerbstrieb, oder anders ausgedrückt, durch ihre gut bürgerliche Sparsamkeit und Wirthschastlichkeit aus. Und diese Thatsache werden wohl die Erben der trefflichen Frau nicht übelnehmen, und es wäre sicherlich ein himmelschreiendes Unrecht, die verblichene Künstlerin deshalb zu den „Steinen des Anstoßes" zu werfen. Man muß sich diesen Erwerbstrieb in der Nähe besehen, um ihn zu würdigen und nicht falsch aufzufassen. Das scheint Professor Fournier unterlassen zu haben, oder aber er leidet an zeitweiligen Gedächtnißstorungen der bedauerlichsten Art. Jedenfalls aber wäre es für die „wohlgesinnten" Juden F o u r n i e r'scher Marke überaus inteeffant und Lelchrsam, zu erfahren, wie sich düse Einflußnahme in die Praxis umsetzen sollte. Herr Professor F o u r n i er könnte sich wesentliche Verdienste erwerben, wenn er diesbezüglich aus dem reichen Schatze seiner Ideen Einiges zum Besten gäbe.- Sogar wenn diese Ideen nicht durchaus den Stempel der Originalität trügen; wir ließen uns gerne belehren. Man sagt zwar den jüdischen „Steinen des Anstoßes" Unbescheidenheit nach. Aber so unbescheiden sind sie Mvoto Originalitätsforderung noch lange nicht, wie gewisse-historische Kritiker. Die krummen Iudennasen- (Ein schlagender Beweis für die Racentheorie.) Herr A. Ploner ist ein unglücklicher, ein bedauernswerther Mann. Herr A. Ploner, Gasthofbesitzer in Neu-Toblach in Tirol. Dieser Wackere hat das Goethe'sche „Es irrt der Mensch, so lange er strebt", zu seinem Leidwesen gar oft am eigenen Leib und am jüdischen Leibe von Gästen und Hotelpaffagieren erfahren. Sein Streben ist durch und durch antisemitisch. Seine Jrrthümer . . . aber lassen wir ihm selbst das Wort, hören wir das Klagelied, welches der Jeremias von Neu-Toblach in den herzbewegendsten Tönen in der „Deutschen Zeitung" anstimmt. Er schreibt diesem Ehrenblatte Folgendes: Sehr geehrter Herr Redacteur! Ich bin ein getreuer Abonnent und eifriger Leser Ihres Blattes und ein warmer Anhänger der Ideen, welche die „Deutsche Zeitung" verficht. Wir sind hier in Tirol unser viele Hotelbesitzer, die deutschen antisemitischen Anschauungen huldigen und würden glücklich sein, blos christliche Gäste beherbergen zu können. Es gibt keinen größeren Schmerz für uns, als zu erfahren, daß Manche, die wir freundlich ausnah men, sich nachher als Juden entpuppen; aber wie sollmanesdenLeuten an sehen, daß sieJuden sind? Es kamen Fälle vor, daß Personen Quartier forderten, welche gebogene Nasen hatten und abgewiesen wurden, während es sich nachträglich heraus st eilte, daßJeneChri st en waren, hingegen erwiesen sich Andere mit recht christlichen Gesichtern als Juden. Ich braucheJhnennichterst zu versichern, wie unangenehm solche Verwechslungen sind. Ich erlaube mir daher, Sie, sehr geehrter Herr Redacteur, zu bitten, diese meine Beschwerde in ihr vielgelesenes Blatt einrücken zu wollen, damit meine lange propagirte Idee endlich zum Durchbruche gelange und in den Reisebüchern ersichtlich gemacht werde, wo sich antisemitische Hotels befinden, um den Juden die Gelegenheit offen zu lassen, nur dorthin zu gehen, wo sie gerne ausgenommen werden. Auf diese Weise werden die Antisemiten die Gasthöfe der letzten Kategorie meiden und wir christlichen Herbergsväter werden von dieser Plage verschont bleiben. Indem ich hoffe, daß Sie meinem Wunsche Rechnung tragen, kann ich Sie versichern, daß Sie den Dank vieler Hotelbesitzer in Tirol erringen werden. Hochachtungsvoll ergebenst A. Ploner, Gasthofbesitzer in Neu-Toblach in Tirol". Armer, armer Ploner! Wer wird die ganze tragische Größe Deines Schmerzes nicht würdigen. Du hast ganz Recht in Deiner reizenden Aufrichtigkeit, in Deiner süßen Naivetät, die eine Hohenfels vor Neid gelb und grün machen könnte. Ja, wie soll man es den Leuten ansehen, daß Sie Juden sind? Da liegen sämmtliche antisemitische Hunde begraben. Das ist der Punkt, von dem aus der Hebel bewegt werden muß. Hier gibt es eine Racentheorie, die über alle Zweifel erhaben ist, nach der es eigentlich ein Kinderspiel ist, den s ch w a r z l o ck i g e n, krummnasigen, säbelbeinigen Juden von dem blondgemähnten, stämmigen, geradnasigen Arier zu scheiden. Aber da offenbart sich eben die ganze jüdische Niedertracht, die semitische Heimtücke, orientalischer Lug und Trug! Diese Juden gehen in ihrer Gesinnungslosigkeit, in ihren umstürzlerischen Gelüsten so weit, sich um die Racentheorie nicht zu scheeren, sie treiben die jüdische Frechheit auf die Spitze gerader Nasen und höchst proportionirter Beine. Dann kommt es zu „unangenehmen Verwechslungen". Herr G e ß m a n n, der mit den Beinen mauschelt, wird bei der Hotelthüre hinausgeschmiffen, Ernst Schneid er wird für einen jüdischen Lumpen gehalten, und dafür blonde Hünengestalten eingelassen, die nachträglich Herrn Ploner durch die Frage nach jüdischer Küche in unangenehme Verlegenheit bringen. Woran soll man sich in aller Welt halten, wenn nicht an krumme Nasen? Auf welches Evangelium soll man schwören, wenn die allein seligmachende Racentheorie sich trügerisch erweist. Aber Scherz bei Seite. Kinder und Narren sprechen die Wahrheit. Dieser Brief des Herrn A. Ploner verdient, unter die Ooeuweuts bumains eingereiht zu werden. Er führt eine viel deutlichere und eindringlichere Sprache, als die dickbändigen Werke Virchow's und der übrigen großen Anthropologen, die den undankbareu Versuch unternahmen, in unsere dickschädligen Racenheilos etwas Grütze und gesunde Vernunft hineinzuprügeln. Bei diesem kleinen Gastwirth in Neu-Toblach sollten die Enkel Schmul Leeb Kohn's in die Schule gehen, sie können daselbst Manches erfahren, für sie wird der Aufenthalt in dem Gasthause des Herrn Ploner weit ersprießlicher und zweckdienlicher sein, als für die Juden, deren gutes Geld schließlich ebensowenig Racencharakter an sich hat, als ihre geraden Nasen und Beine. „Deutsche Treue und Dankbarkeit." Dem „Pester Lloyd" schreibt man aus Prag vom 13. August: „Man hätte meinen sollen, daß in Böhmen die Spannkraft der nationalen Frage hinreichen werde, das Eindringen der störenden antisemitischen Bewegung abzuwehren. Die Wirklichkeit hat aber diese optimistischen Voraussetzungen zunichte gemacht. Die Wiener Schule hat nirgends so gelehrige Schüler gesunden, wie in Böhmen, oder besser gesagt unter den Deutschen in diesem Kronlande. Mit dem Erwachen des constitutioneüen Lebens in Oesterreich, ja, wie so plastisch Moriz Hartmann in seinen Memoiren erzählt, schon im Jahre 1848 waren die Juden dir eifrigsten Stützen, die eifrigsten Parteigänger der Deutschen in Böhmen und die rastlosen Pionniere des Deutschihums in den böhmischen Landgemeinden Böhmens und Mährens. Die dominirende Stellung, welche die Deutschen insbesondere in letzterem Kronlande einnahmen, haben sie in erster Linie der bis zur Selbstverleugnung, ja häufig bis zur Selbsterniedrigung reichenden Bundesgenossenschoft der Juden zu danken. In Böhmen

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