Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 33 (14.8.1896)
- Date
- 1896-08-14
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr Vloch's Wochenschrift Seite 633 d i e s e r L e h r e, n n d d i e s e Satzungen, u m s i e a n sz u n b e n u. s. w. Wollen die Juden einen neuen Staat gründen, so müssen sie zuerst Juden sein, nicht allein in Wort, sondern auch in religiöser That; nicht allein in Gesinnung, sondern auch in gewissenhafter Ausübung des Religionsgesetzes; mit so einer Art von Stammesbewußtsein, mit welchem heutzutage im jüdischen Lager viel Unftig getrieben wird, ist nicht viel anznfangen. Diese Rückkehr zum Gehorsam gegen das Gotteswort muß allen andern Bestrebungen vorangehen, und wir glauben nicht zu irren, wenn wir behaupten, Bücher, wie das vorliegende, sind wohl geeignet, die Leser ans die Bahn zu lenken, die zu der Sinaihöhe hinaufführt. Möge ihm seine Mission gelingen! Köln a. Rh., August 1896. Rabbiner Dr. Frau k. Methodik des jüdischen Religionsunterrichtes. Bon Dr. S. Maybaum, Rabbiner der jüdischen Gemeinde und Docent an der Lehranstalt für die Wiffenschaft des Judenthums zu Berlin. Breslau (Köbner) 1896 XU und 126 W. Der mit Recht berühmte Kanzelredner der Berliner Gemeinde, der die Früchte seiner langjährigen rednerischen Thätigkeit seinerzeit in einer „Homiletik" niedergelegt und seine eigenen Erfahrungen aus diese Weise, allen Berufsgenossen zum Vortheil, bekannt gegeben hat, bescheert uns nun eine Methodik des jüdischen Religionsunterrichtes, welche ebenfalls das Ergebniß der eifrigsten Studien, Versuche und der langgeübten Lehrtätigkeit ist. Man merkt es dem Buche an, daß der Verfasser seine Sache mit tiefem Ernste erfaßt und daß sie ihm heilig ist. Wohlthuend ist die Wärme und die sittliche Würde, welche des Verfassers Ausführungen athmen und die auf den mit der Materie vertrauten Leser ausströmt und übergeht. Mit offener Männlichkeit bekennt Maybaum seinen Standpunkt und niemand wird an der Ehrlichkeit seiner lleberzeugung zweifeln, wenn er auch, wie Referent in manchen Dingen, auf anderem Standpunkte steht. Einleitend gibt Maybaum einen Ueberblick über die vorhandenen Religionslehrbücher. Als Zweck des Religionsunterrichtes stellt er die Ausbildung „sittlicher Persönlichkeiten" hin; ausgezeichnet. (Vgl. Heinthel's Ethik, pag. 101—108, pag. 167.) Als Grundlage des Unterrichtes betrachtet er die biblische Geschichte; er gibt bcherzigenswerthe Winke über die Behandlung dieses Theiles des Religionsunterrichtes. Das Hebräische ist ein integrirender Bestandtheil des Lehrstoffes: Kenntniß der Tefilah und Verständniß der gottesdienstlichen Vorlesung sollen erreicht werden. Die Religionslehre muß mit Vorsicht behandelt werden. In diesem Capitel gibt Maybaum eine eingehende Darstellung über die Entwicklung der sogenannten Glaubensartikel. Die Hauptlehren stellt er (Seite 58) zusammen. Sehr richtig .ist die Ansicht des Verfassers, daß der Gesammtgefchichtsunterricht in allererster Linie Religionsunterricht sein müsse. Das ist ja ein Herzfehler, an welchem die Darstellung der biblischen und jüdischen Geschichte seitens vieler Religionslehrer leidet, daß die geschichtlichen Thatsachen und Daten nur vom Standpunkte der pragmatischen Geschichte, nicht aber der R el i g i o n tradirt werden. Der religiöse Kern, die geschichtlichre ligiose Aufgabe und Mission des Volkes I sr a e l, seine Heilsbotschaft, muß allenthalben betont und hervorgehoben werden. Der Lehrer muß in jedem Stücke der biblischen Geschichte das Thema erkennen und darstellen, und die religiösen Momente der jüdischen Geschichte zum Ausdrucke bringen. Die Anforderungen, welche Maybaum im Hebräischen stellt, sind nicht hoch und werden sich je nach dem Schulmaterial bedeutend steigern lassen. Dasselbe gilt von den dem Buche beigegebenen Lehrplänen überhaupt, die gewiß mit größter Behutsamkeit und Sachkenntniß ausgearbeitet sind, die jedoch bei der großen Verschiedenheit der in einzelnen Gemeinden und Schulen gestellten Anforderungen große Veränderungen werden erfahren müsien. Was Maybaum vom Religionslehrer sagt, ist gewiß wahr und bei Beherzigung feiner Weisungen wäre der religiös; Verfall der Gemeinden nicht so weit vorgeschritten, als er es thatsächlich ist. „Der R e l i g i o n sunterrricht ist in er st er Reihe Gesinnungsunter i ch t"; das ist ein wahres Wort. Und deshalb müssen die Religionslehrer, das sind die Rabbiner Lat exoobeu, Gesinnung haben. Das, was er lehrt, muß der Lehrer den Schülern Vorleben. Der Religionsunterricht geht allem voran. Maybaum's Methodik sei allen, welchen die religiöse Erziehung der jüdischen Jugend anvertraut ist, auf das Wärmste empfohlen. Nikolsburg, August 1896. Dr. Feuchtwang. Dr. Ephraim Finkel: R. Obadja Sforno als Exeget. Breslau 1896. 110 *4-11 Seiten. Die wissenschaftliche Thätigkeit unter den Juden des. Mittelalters hatte vor Allem das richtige Verständniß der Bibel im Auge. Sprachforschung und lReligionsphilosophie dienen in gleicher Weise diesem Zwecke. Sie sind die zwei Hilfsmittel für die Erklärung der heiligen Schrift, und sie bezeichnen auch die beiden Hauptwege, welche die exegetische Literatur einschlug. Meist gehen diese Richtungen neben einander dem Ziele zu, so schon in den bahnbrechenden Arbeiten Saadja's. Die eine wie die andere schien zum Peschat, d. h. dem einfachen, wortgemäßen, aber von jeder Oberflächlichkeit fern bleibenden Sinn der Bibel hinzuführen, die philosophische Betrachtung nicht minder als die grammatische. Daß das Wissen mit dem Glauben übereiustimme, galt nämlich als sicherste Voraussetzung und nothwendiger Ausgangspunkt. Wenn jüdische Schriftsteller sich bemühen, dies noch durch Beweise zu erhärten und zu bekräftigen, so geschah es nur, um das Zeugniß der Offenbarung für die Richtigkeit ihrer metaphistischen Ideen aufzurusen, nicht etwa, wie es der Rationalismus des XVIII. Jahrhunderts that, um die Bibel vor dem Rrchterstuhl der Philosophie zü rechtfertigen. Es kam für dieselben deshalb darauf au, die wahre Philosophie zu finden, weil sie diejenige war, die durch das, recht erfaßte, Bibelwort gelehrt wurde. Mit ihrer Hilfe also allein im Stande, den Text auszulegen. Sie gab den Maßstab ab zur Beurtheilung, zwar nicht der heiligen Schrift, wohl aber der Exegese. Denn nur, wenn ein Satz unwiderleglich bewiesen war, konnte er auch in der Bibel stehen. Aufgabe der Exegese war es, ihn dort zu entdecken, um einerseits ihm die rechte Weihe zu geben, anderseits, und dies war das richtigere, den wahren Peschat;u finden. Eine Zeit, welcher jeder historische Sinn abging, empfand dies nicht als allegoristisch. Zum Verständniß der heiligen Schrift zu gelangen, war es das höchste und bedeutendste Ziel alles Philofophirens. Wollte ein jüdischer Philosoph des Mittelalters sein System darstellen, so konnte er dies daher auch in Form eines Bibelcommentars thun. Ein Aristoteles-Gläubiger Averroist hätte einen Commentar zum Aristoteles geschrieben. E ner der letzten Vertreter dieser Richtung ist der Lehrer Reuchlip's Obadja Sforno, dessen Exegese von Dr. Finkel zum ersten Mal klargelegt und charakterisirt wird. Wie so viele Arbeiten zur Geschichte der Schrifterklärung, verdankt auch die vorliegende Schrift der Anregung des verstorbenen Rosin ihre Entstehung. Der Autor hat ein umfassendes Material zusammengetragen und dasselbe mit Umsicht und Besonnenheit verwerthet. Sforno tritt uns als Exegel entgegen, dem es weniger darum zu thun ist, die grammatische Form zu erläutern, als vielmehr den Sinn der biblischen Ausführungen in ihrem Zusammenhang zu erfassen. Die Gesammtheit der heiligen Bücher ist ihm ein einheitliches Ganzes, dessen einzelne Theile harmonisch mit einander verstanden sind. ES wird an zahlreichen Beispielen gezeigt, wie er der Aufeinanderfolge der Abschnitte ganz besondere Aufmerksamkeit zu wendet. Deshalb ist aber die sprachliche Seite der Exegese von ihm nicht vernachlässigt, wie dies ja auch bei einem Zeit- und Landsgenossen des Elija Levita und des Abraham de Balmes erwartet werden muß. Dr. Finkel hat eine große Reihe lexikalischer und grammatikalischer Bemerkungen Cforno's in recht übersichtlicher Weise zusammengest.'llt, die unter Anderem zeigen, wie erbisweilen selbst vor einer Aenderung des massoietischen Textes nicht zurückscheute. — Die Geschichte seines Lebens und seiner Schriften ist eingehend und ausführlich beschrieben, und auch hier ist Manches, bisher unbekannt, zum Theil aus handschriftlichen Quellen herbcigebracht. Dem Autor gebührt für seine fleißig»Arbeit Dank; hoffentlich läßt die in Aussicht gestellte Studie über die Philosophie Sforno's nicht lange auf sich warten. Besonders erwünscht wäre auch eine Vergleichung mit der damaligen christlichen Philosophie. Auf italienischem Boden, wo Juden mit der abendländischen Wissenschaft in Berührung traten, entstanden Werke, die zwar nicht so einflußreich und bedeutsam sind, wie die, welche wir den Beziehungen zu den Arabern verdanken, wohl aber in mancher Hinsicht, zumal in culturgeschichtlicher, interessanter. D r. L e o B ä ck. Lttch Erez-Jsrael, Literarischer Palästina-Almanach für das Jahr 5657 (1896^97) mit Holzschnitten, herausgegeben von A. M. L u n c z, Herausgeber des Jahrbuches „Jerusalem", II. Jahrgang. Verlag des Herausgebers in Jerusalem. So weit in der Welt ein jüdisches Herz schlägt, ist das Interesse für das heilige Land wach und werden Nachrichten über dessen materiell, und intellectuelle Zustände das Gemüth erheben, wie Grüße aus der Heimat. Der vorliegende Kalender ist ein liebenswürdiger Bote, der uns Bieles aus dieser Heimat erzählt, was unsere Neugierde spannt. Schon der praktische Theil desselben ist interessant. Er enthält außer dem Kalender für die verschiedenen Confessionen Palästinas mit den religiösen Bräuchen jedes Tages, sowohl ver sephardischen als der aschkenasischen Juden und den historischen Gedenktagen noch eine Geschichtstafel aller wichtigen Ereignisse des Landes seit der Besitznahme desselben von Josua, seine politische Geographie, eine Münztabelle, die Jahr- und Wochenmärkte, die Post- und Telegraphenordnung, Maße und Gewichte und Namen aller dort residirenden Consulen. Der literarische Theil umfaßt: eine topographische Beschreibung der Umgebung der heiligen Stadt mit allen Sagen und Legenden, die an jedem Fleckchen dieser Stätten haften; die literarischen Erzeugnisse deS heiligen Landes seitdem eine Presse daselbst besteht; Dichter und Helden der Araber Palästinas; Statistik der Ein- und Ausfuhr im Hafen von Jaffa im Jahre 1895; Biographie des jüngst verstorbenen Hirsch Kalifcher, des Schöpfers der Colonifationsidee; der Fortschritt in ven Städten und Colonien im letzten Jahre; und noch vieles andere Schöne und Wissenswürdige, das der Liebe zum Lande unserer Väter Befriedigung gewährt. Auf dieses Gefühl seiner Glaubensgenossen in der Diaspora rechnet auch der gelehrte Herausgeber dieses Kalenders, und man darf erwarten, daß er darin nicht getäuscht wird.