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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-08-14 · 33 (14.8.1896) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 662 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 33 rig fülle Lehrstube. Mir war, als sähe ich den Geist des guten Lehrers, ich wankte nach Hause und mußte zu Bette gebracht werden. Ich genas von dieser Spukvorstellung, doch ich bewahre meinem ersten Lehrer ein dankbares Gedenken bis heute. Literatur Nachbiblische Geschichte für die israelitische Jage«-, von Dr. David Leimdörfer. 4. vermehrte und verbesserte Auflage. Hamburg 1866. 121 Seiten. Vorliegende nachbiblische Geschichte verdiente es, zum vierten Male aufgelegt zu werden, denn sie entspricht in jeder Beziehung den Ansprüchen, die man an ein Buch, das für die israelitische Jugend bestimmt ist und diese in das große Gebiet nachbiblischer Geschichte einführen soll, stellen muß. Wohl fehlt es heutzutage nicht an vorzüglichen Büchern, die für Denjenigen verfaßt sind, der die vielbändigen Geschichten Grätzen's nicht studieren oder auch nur lesen kann, denn die nachbiblische Geschichte wurde in letzter Zeit besonders von Braun und Bäck vortrefflich bearbeitet, was aber dem Leimdörfer'schen Buche besonders als Vorzug angerechnet werden darf, das ist, was man in rabbinischer Sprache mit rvcxn 211 71122.1 taj?ö bezeichnet; es sind nur 121 Seiten und man überzeuge sich davon, daß auch nicht ein bedeutendes geschichtliches Ereigniß, das Juden und Judenthum berührt oder betrifft, daß auch nicht ein hervorragender Glaubensgenosse, besten Leben und Schaffen, dessen wissenschaftliche Bedeutung für die Charakteristik des jüdischen Geistes- und Gemüthslebens bezeichnend ist, übergangen worden ist; das Buch ist Compendium und Lesebuch; man kann, um sich schnell zu orientiren, in ihm nachschlagen und es zugleich als belehrendes Lesebuch beniitzen. Das Buch eignet sich ganz besonders für den jüdischen Religionsunterricht, dem ja ohnehin nur eine knappe Zeit zugemessen ist, und bei gewissenhafter Eintheilung vermag man an der Hand dieses Buches die Kenntniß der ganzen nachbiblischen Geschichte den Schülern beizubringen. Wir stimmen dem Verfasser bei, wenn er auf Seite 116 sagt, „die Geschichte Israels ist unsere beste Lehrerin, sie weist uns die Wege der göttlichen Vorsehung und zeichnet uns die Ziele vor, die wir erstreben sollen". Während man iy früheren Zeiten bis tief in's neunzehnte Jahrhundert hinein im religiösen Unterrichte bei der biblischen Geschichte stehen blieb und aus der späteren Zeit nur die talmudisch-rabbinische Geistesentwicklung in dm Vordergrund stellte, war es der Gegenwart Vorbehalten, freilich gedrängt durch die Abnahme des religiösen Sinnes und Interesses im Leben und Hans, auch die nachbiblische Geschichte als ein vorzügliches Mittel für den religiösen Unterricht und zur Festigung des kindlichen Gemüthes im väterlichen Glauben zu verwenden. Die zühlreichm Literaturvereine, die heutzutage in vielen jüdischen Gemeinden gegründet wurden, bezwecken bei dem erwachsenen Geschlechte im Grunde genommen nichts Anderes. Wir möchten aber nicht ausschließlich dm Verfasser und sein Buch loben, sondern ihm auch den Beweis liefern, daß wir das Buch mit Aufmerksamkeit gelesen haben; wo Licht ist, da ist auch Schatten, aber der Verfasser möge sich beruhigen, es bleibt immer noch .-irtatä .121-2 .17121 Was wir im Allgemeinen nicht gut heißm können, das ist die Einfügung so vieler Anekdoten, die absolut mit Geschichte nichts zu thuu haben; was soll uns die Sage von der Mücke, die Titus' Gehirn zernagte; wozu Seite 59 die Sage vom Golem des Hofrabbi Löwe ben Bezalel, ebmso Seite 65, 66, 67, 78, 79 u. s. w. Diese Sagen und Anekdoten gehören anderswohin, aber nicht in eine streng wissenschaftliche' gesetzliche Abhandlung. Daß wir mit dieser Bemerkung im Rechte sind, dafür möchten wir nach dem Dichterworte, „was der Verstand des Verständigen nicht sieht, das findet in Einfalt ein kirchlich Gemüth" einen weit competenteren Recensentm anführm. Ich gab das Buch meinem fünfzehnjährigm Sohne H. zu lesen; der Verfasser kennt den Knaben, er soll dermal einst auch Lehrer und Führer in Israel werden; nach einigen Tagen auf einem Spaziergange war zufällig von dem Buche die Rede, und auf meine Frage, ob und wie ihm das Buch gefalle, antwortete er, „das Buch ist sehr unterhaltend und trotz der vielen Namen und Thatsachen immer noch fesselnd, aber was mir nicht gefällt, das sind die vielen Anekdoten, die darin Vorkommen, die gehören nicht hinein, weil sie meist Sagen und keine Geschichten sind". Hier kommt wieder einmal das im Talmud bei den wichtigsten Rechtsftagen entscheidende 7211 'Eb n-22 zur (Geltung. Nun noch einzelne Bemerkungen. Wir möchten sie nicht mit dem Verfasser R. Meir, Seite 36, als Muster der Duldsamkeit gegen Andersdenkende hinstellen; es ist dein Verfasser jene Talmudstelle in Berachoth wohl bekannt, wo er gegen böse Nachbarn den Fluch und die Strafe Gottes herabflehte und erst durch seine duldsamere Gattin Beruria sich belehren lassen mußte, daß Gott die Sünden schwinden lassen möge; R. Meir's Duldsamkeit gegen den abtrünnigen Lehrer Elischa ben Anja war inehr Pietät und Dankbarkeit als Toleranz. Im Capitel 5 „Die Makkabäer" hätte der Verfasser mehr die „Helenisten" hervorheben und betonen sollen, statt erst Seite 13 ihren Namen zuerst zu nennen. Seite 23 „Aus dein Talmud" überschrieben, wo der Verfasser einige schöne Morallehren zusammengestellt, begreifen wir nicht, warum ein Theil der ersten Mischna nur Berachath und Pessachim erwähnt wird, soll man daraus einen Begriff von Halacha gewinnen? Seite 76 zählte Verfasser die von Maimonides aufgestellten dreizehn Glaubensartikel auf und übersetzt deir zwölften, „es wird ein Messias, erstehen, wenn auch diese Zeit lange auf sich warten läßt"; es wäre erwünschter gewesen, wenn wörtlich übersetzt worden wäre, nämlich, „wenrr auch e r, das heißt der Messias lange auf sich warten läßt, oder soll der persönliche Messias, den auch der liberale Jude, ohne seiner „Vernunft" - Gewalt anzuthun, erwarten darf, sich tu eine etwas unklare messianische Zeit verflüchtigen? Seite 111 ist die Behauptung des Verfassers unrichtig, Cremieux wäre der Stifter der Alliance israeiite Universelle und hätte sie bis an feilt Lebensende geleitet Cremieux zählte nicht einmal zu dem ersten Comite, das die Alliance ins Leben rief. L. I. Königswarter war der erste Präsident des provisorischen Comites in 1860—1861 und wirklicher Präsident in 1862—1863. Cremieux war Präsident 1863—1867 und von 1869—1880; freilich war sein Einfluß und seine Lebensstellung von außerordentlichem Werth für die Entwicklung der Alliance. Seite 113 vermissen wir ungern unter den Lehrern des jüd. theol. Seminars in Breslau den berühmten elastischen Philologen Professor Jacob Ber n a y s; schon aus Localpatriotismus hätte der Verfasser den Sohn des Ham burger Chacham Bernays nicht vergessen dürfen. Ganz besonders auffallend ist es, daß S.110 „die israelitischen Vereine", die seit einigen Jahren in zahlreichen Gemeinden gegründeten „Vereine für jüdische Geschichte und Literatur", nicht erwähnt werden, sind diese es doch gerade, die hohes Interesse für jüdisches Geistesleben und jüdische Wissenschaft allenthalben angewendet haben und einem wirklich empfundenen hohen Bedürfniß entsprechen. In Cap. 13, S. 116 spricht sich der Verfasser über unsere Aufgabe in Gegenwart und Zukunft aus und meint, Israel sollte nicht als weltliche Volksmacht dastehen, sondern als Religionsvolk, nur allesammt den Namen des Einig-Einzigen zu heiligen und seine Thora zu beobachten. Der Verfasser spricht sich auffallender Weise nicht über die sociale Aufgabe aus, die durch eine Antheilnahme all allen Berufsarten, auch an den schweren körperlichen, die lange vernachlässigt wurden, gelöst werden soll. Die jüdischen Handwerkervereine durften nicht übergangen werden, denn diese tragen Vieles dazu bei, die Scheidewände, die frühere traurige Zeiten aufgeführt, niederzulegen. Freilich wollen wir hier nicht unerwähnt lassen, daß ein großer Theil unserer Gaubensgenossen den ganzen Schwerpunkt der Wiedergeburt, der Kräftigung des Judenthums und die würdige Stellung der Juden in der Gegenwart in das social-politische nationale Gebiet verlegt, das Religionsleben hingegen in den Hintergrund drängt. An diesem Jrrthnm krankt die ganze innere Bewegung im Judenthum; unsere Heilkünstler schlagen allerlei Mittel vor, um das Judenthum zu erhalten und zu Ehren zu bringen, nur nicht dasjenige, was sich seit Jahrtausenden bewährt, nämlich ein nach den Satzungen der jüdischen Religion in Familie und Haus geordnetes Leben; auch die in den letzten Jahren auftauchenden jüdischen Nationalbestrebungen, die sich sogar zur Gründung eines jüd. selbstständigen Staatswesens zugespitzt haben, gehen dieser Forderung aus dem Wege und sind von vornherein verfehlt, wenn nicht die strenge, gewissenhafte Beobachtung der jüdischen Religion mit der Nationalität Hand in Hand geht; haben unsere zukünftigen palästinensischen jüdischen Diplomaten vergessen, daß die Verfassung des neuen jüdischen Staates nur die alte Thora sein kann? haben sie vergessen, was im 5. Buche Moses Cap. 17 10 ff steht: „Und es soll geschehen, sobald er (der jüd. König) auf dem Throne seines Königreiches sitzt, so soll er sich die Wiederholung dieser Lehre in ein Buch schreiben. . . Und sie soll bei ihm sein, daß er darin lese alle Tage seines Lebens, auf daß er lerne den Ewigen seinen Gott zn fürchten, zu beobachten all' die Worte

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