Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 33 (14.8.1896)
- Date
- 1896-08-14
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 664 Nr. 33 Dr. Vloch's Wochrnschrist. Boir-Ubajaar. In Stadt und Wald, Original-Fabeln von I. Steinderg, Warschau, „Tuschia"-Berlag. Die Fabel ist zwar mcht fremd in der hebräischen Literatur Bibel, Talmud und Midrasch enthalten Perlen dieser Literaturgattnng. Auch ist das „Moschol" eine Specialität des jüdischen Geistes, als gesellschaftliches Talent galt, wer mit dem Moschol-Erzählen brilliren konnte, und selbst Rabbiner gelangten zur Popularität, wenn sie ihre Derascha auf ein Moschol aufbanten, wie z. B. der Dubuaer Magid. Und dennoch hat die neue hebräische Literatur diese Literaturgattung vernachlässigt, und was wlr davon in ihr vorfinden, sind zumeist Hebers,tzungen aus anderen Sprachen von den Fabeln Esops bis auf Goethe's Reineke Fuchs. Der Berfaffer des vorliegenden Fabelbuches ist aber durchaus original und seine Fabeln sind zum großen Theile dem jüdischen Gedankenkreise entnommen oder es zielt wenigstens die Pointe der Fabel auf eine jüdische Lebenserfahrung, wie z. B. gleich die erste des Buches „Die Haderwasier". Einige Tropfen Oels fielen in einen Krug Wassers, und es entstand darin ein förmlicher Aufruhr gegen diese Fremden. „Brüder", flehten die Oeltropfen, „warum zankt Ihr? Ist nicht Raum genug auch für uns da, oder gereichen wir Euch etwa zur Unehre, die wir doch aus einer lichteren Region stammen, als Ihr?" „Allerdings", antwortete das Wasser im Kruge, „wäret J)r uns zur Ehre, wenn Ihr Euch mit uns afsimiliren und wie wir sein würdet; allein Ihr bleibt immer obenauf im Kruge und erinnert uns stets durch Euren Glanz und die Wohlgerüche, die Ihr verbreitet, an unsere Schmach, daß wir nur Waffer sind und aus der Tiefe kommen. Weichet von uns, denn Ihr seid uns zu überlegen!" Ist das nicht die Argumentation des Antisemitismus. Wir widerstehen der Versuchung, mehrere solch actueller Fabeln dieses Buches hier wiederzug'ben, weil wir wünschen, daß das Buch selbst gelesen werde, das übrigens auch schon wegen seines vortrefflichen hebräischen Styls einen Reiz für die Freunde der heiligen Sprache bietet. Läen L jälaäiw, Kinderwonne, hebräisches Lesebuch für Kindernebst Uebeisetzung der Vocabeln in vier Sprachen, russisch, deutsch, französisch und englisch. 2 Bände, von I. Täwajew, Warschau, „Tuschia"-Verlag. Der Verfasser verfolgt den löblichen Zweck, der modernen jüdischen Jugend, die, wie er glaubt, nur deshalb die hebräische Sprache so vernachlässigt oder ganz und gar aus ihrem Lehrplane.gestrichen hat, weil das Unmethodftche in dem bisherigen Unterrichte dieses Gegenstandes ihn sehr erschwerte, oder sie anwiderte, das Erlernen dieser Sprache zu erleichtern, indem er den ersten Unterricht in derselben nicht auf die heilige Schrift basirt, wie man es bis jetzt solange das Judenthum besteht, befolgt hat, sondern kleine Erzählungen aus der Kinderwelt, Märchen, Fabeln in gebundener und ungebundener Rede als Unterlage nimmt und einem jeden dieser Lesestücke die Vocabeln desselben vorausstellt. Wir glauben jedoch, daß der geehrte Berfaffer in einem doppelten, einem psychologischen und pädagogischen, Jrrthum besängen ist. An der Verwahrlosung oder gar dem völligen Auslassen des Hebräisch-Unterrichtes bei unserer modernen Jugend ist nicht die „alte" Methode, mit dem Chumesch als Unterlage, in der wir vierthalbtausend J.hre dem Gebote: „Ihr sollt Eure Kinder unterrichten"/ nachkamen, Schuld, sondern weil sich die „gebildeten" Ellern des Judenthums ihrer Kinder schämen, gerade wie es die Griechlinge in Palästina bei den Kamp'spielen selbst mit dem Bundeszeichen machten, und wenn ein Lehrer mit dem Nürnberger- Trichter ihren Kindern das Hebräische beibringen könnte, sie würden es ausfchlagen. Der pädagogische Juthum des De» fasse, s aber ist, daß Fabeln und Märchen, die zu so viel kindischen und unbeantwortlichen Fragen anregen und bei welcher die Pointe erst gesucht werden muß, näher der Fassungskraft des Kindes liegen, als z. B. die ersten drei Capitel des ersten Buches Mosis. Mit Fabeln und Märchen gewöhnt man die Jugend an Aberglauben oder Unglauben und Lügen. Die Ritualmord-Lüge ist vielleicht nur deshalb so unausrottbar beim Volke, weil wir von ihr als dem Blut„m ärch en" sprechen. Richtig ist die Methode, ehe man zu einem Lesestücke schreitet, die Vocabeln desselben kennen zu lehren; kann man aber nicht auch bei jedem biblischen Abschnitt dieselbe Methode anwenden? Es sollen mit diesen kritischen Bemerkungen nicht die Verdienste des Verfassers als ausgezeichneter Hebraist und verständiger Sammler aus klassischen Jugendschritten und selbst als Pädagoge geschmälert werden, nur meinen wir, daß sein in zwei Bänden vorliegendes Buch nicht für Anfänger in der hebräischen Sprache, wie er will, sondern für solche Schüler geeignet ist, die bereits die Bibel inne haben und mrn auch kennen lernen sollen, wie sich die Meisterstücke fremder Literatur im hebräischen Gewände ausnehmen. Für diesen Zweck ist sein Werk unstreitig ein vorzügliches Mittel und als solches der hebräischen Sprache freundlichen Ellern bestens zu empfehlen. Briefkasten. G. R. Währing. Ueber das Treiben des Pferdeeigenthümers L u k e s ch in Währing sind uns schon mehrfache Berichte zugegangen. Der Mann vermiethet seine Pferde fast ausschließlich an Juden, denen er seine Existenz zu danken hat; dabei verfolgt er jüdische Gewerbetreibende mit den schamlosesten und gemeinsten Dennnciationen und schimpft über die Jaden bei jeder Gelegenheit Es ist traurig, daß unsere Glaubensgenoffen einen solchen Menschen noch unterstützen. N. N. Anonyme Zuschriften können w'.r nicht berücksichtigen: M. D. in Skala, Galizien. Sagen Sie Ihrem „christlichen fre,sinnigen Gelehrten", daß er nichts gelernt und weder das Christenthum, noch das Judenthnm begriffen hat. Er behauptet, daß das Jlidenthum seinem Inhalte nach mehr eine Wiederspiegelung des Buddhismus ist. Genau dasselbe haben die Christenseinde in den ersten Jahrhunderten des Christmthums gegen dieses behauptet. Die Kirchenväter aber haben sich mit aller Geistesschärfe bemüht, den untrennbaren Zusammenhang zwischen Altem und Neuem Testament uachzuweisen, weil sie genau wußten, daß das Letztere den Boden verliert, wenn man es von Ersterem loslöst. Ihr „Gelehrter" spricht von dem „finsteren Judenthnm", dem „Principe der Rache: Aug' um Auge", Zahn um Zahn" iniö nennt das Christenthum die „Religion der Liebe". Allerdings, das Christenlhum sagt: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst", aber es erklärt zugleich, der Nächste sei nur der Christ; ja, im niederosterreichischen Landtage hat sogar Pater Schnabl erklärt, man sei nur verpflichtet, sich selbst zu lieben, weil man sich selbst der Nächste sei. Was sagt dagegen das Alte Testument? Es fordert: „Du sollst dm Fremdling lieben wie Dich selbst!" Das kann keine selbstsüchtige Auslegung entstellen, das heißt klar und deutlich, daß man alle Menschen ohn-, Unterschied des Glaubens und der Abstammung lieben soll. Hier haben ivir den tiefen Unterschied zwischen der egoistischen Weltanschauung des modernen Christenchums und der altruistischen des Jnventhums. Und nun das „Princip der Rache". Das römische Christenthum hat nie eine Beleidigung verziehen, siehe die Inquisition, die sicilianische Vesper, die Bariholomäus,mcht, die Verfolgung der Albigenser. Die arische Rache erschöpft sich nie damit, die Beleidigung innerhalb ihrer Gienzen zurückzuzahlen. Wenn der Arier eine Ohrfeige erhält, begnügt er sich nicht, sie einfach zurückzug'ben, sie muß doppelt und dreifach heimgezahlt werden, ja die Frömmsten, die Beste», die Adeligen erklären schon, sie müssen in Blut abgewcckchen werden. Das mosaische Gesetz: .,Aug' um Auge, Zahn um Zahn" bedeutet dagegen nur, daß die Rache über die Grenzen der Beleidigung nicht hinausgreifen dü'fe. Aber selbst dieses Gesetz hat der Talmud gemildeit. Den biblischen Satz: „Mein ist die Rache und die Vergeltung" werden Sie wohl kennen. — Sagen Sie das Alles ihrem „Gelehrten" und bedeuten Sie ihm nebenbei, daß er sich das Schulgeld znrückgeben lassen soll. L. R. Ohne den Paragraph 19 könnten die Antisemiten gar nicht exist.ren. Mit dessen Beihilfe kann man aber Alles, wenn auch nicht widerlegen, so doch leugnen. G. I. Diese Frage mißfiel dem Dr. Lueger schon aus dem Grunde, weil auch er bekannil-'ch mit Juden auf dem „Du-Fuße" stand. I. H. (Simmering). Mechaniker Schneider hätte es sich noch vor einigen Jahren nicht'träumen lassen, daß ihn Dr. Lueger der Ebre würdigen werde, ihn in seiner Gesellschaft zu dulden. H. 91. Haben Sie denn schon vergesien,wie der Fürst-Erzbischof von Olmüß in dem „christlichen" Deutschen Volksblatt die Zielscheibe unaufhörlichen Hohnes und Spottes war? Anton G. (HI B.) Die Broschüre, in welcher dem Mechaniker Schneider die unsäglichsten Schändlichkeiten nachgesagt werden, rührt aus der Feder Cornelius Vetter's. A—N. Keimen Sie denn noch nicht die imfame Methode dieses Hetzblattes? Wo es nur halbwegs möglich ist, versucht es die angeklagten oder verurtheilten antisemitischen Gauner zu Juden zu stempeln. i. Sie irren sich, die Zichlochter der Gattin Schneidens ist an einem Juden verheiratet. Arthur S. Auch Monsignore Scheicher, der wohl kein „Indenliberaler"' ist, hat „sich gegen das fortwährende Veranstalten von Jubelfesten gewendet^'.? Daß Vergant sich wieder ein Haus gekauft hat, haben wir gebört, ob er jetzt seinen kranken Redactionsdiener unterstützt, wissen wir nicht. Carlo E. Pisetzky. Rom. Für Ihre freundliche Empfehlung besten Dank. udj>i>ruckmi * kstüff /e> \nn.®erchenfe)der$frasse 4®. *•«32 EMN Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef 8. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 4Y.