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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-08-14 · 33 (14.8.1896) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 656 Dr. Vloch's Wochen Mrrist Nr. 33 armen Manne der Auftrag ertheilt, künftighin das Rothschildspital aufzustlchen und nicht dorthin zu gehen, um inan ihn nicht braucht. Die k. k Rudolfstiftung wurde von Sr. Majestät anläßlich der Geburt eines Prinzen zum Wohle der leidenden Menschheit ohne Unterschied der Confession gestiftet. — Unsere Glaubensgenossen waren bestrebt, durch Ankauf einer großen Zahl von Rudolsslosen dieses Werk der Humanität zu fördern. Die antisemitische Seuche hat aber bewirkt, daß diejenigen, die als Helfer und Beschützer für die Aermsten der Armen gelten sollen, nun ihr Menschenthnm verleugnen. — Wie weit wird es noch kommen int schönen Wien?? Ein fithifiKier 9?rtfiivforfrftet\ Von der Manora- Sternwarte in Lusfinpiccolo, deren Director Leo Brenne r durch seine glücklichen Marsbeobachtnngen die Aufmerksamkeit aller Fachgenossen ans sich gelenkt hat, kommt nun abermals die Nachricht von einer interessanten Entdeckung. Nach längerer Beobachtung des Mereur und nach Vergleichung von zwanzig zu verschiedenen Zeiten ausgenommenen Zeichnungen machte Brenner die überraschende Entdeckung, daß Mercnr nicht, wie Schiaparelli behauptet, der Sonne stets dieselbe Seite zeigt, sondern schnell rotirt, wenn auch langsamer als Venus und Erde. Bf'»nn. Von Zeit zu Zeit sehe ich das hier erscheinende „Deutsche Blatt" gern, um es mit Befriedigung wieder aus der Hand zu legen bei der Wahrnehmung, daß es den Bemühungen Ihres Correspondenten gelungen ist, den Jnseratentheil des Blattes dauernd „judenrein" zu erhalten. Eine sehr unangenehme Ueberraschnng brachte die Nummer 61 vom 5. August. Es sei gestattet, den Inhalt dieser Nummer kurz anzudeuten. Aus der ersten Seite wird über „den verpestenden Einfluß des Judenthums" geklagt. Ein zweiter Artikel, Seite 2, schimpft über „den frechen Eindringling ..... der mit seiner Schlauheit und demüthigen Unterthäniqkeit das Vertrauen eines jeden Bauern sich zu erwuchern versteht". Aus der dritten Seite fühlt die „Verkehrte Welt" namenlosen Jammer angesichts des Ueberwucherns der Juden in Schulen, Industrien und gelehrten Ständen und die Seiten 4, 5, 6 und 7 würden, wenn dies noch nöthig wäre, weitere Beweise einer unverfälscht antisemitischen Gesinnung liefern. Das ist nun keineswegs überraschend, all das ist vielmehr das tägliche Brot der antisemitischen Preßbengel. Die Ueberraschnng wird uns auf der letzten Seite zutheil. Groß, breit und augenfällig erstreckt sich da die Annonce: „Kohlenlager und Comptoir der Gebrüder Gutmann". Unsere Brünner jüdischen Geschäftsleute, welche dem „Deutschen Blatt" schon seit Jahr und Tag ihre Kundschaft entzogen haben, wissen sehr wohl, daß der Tadel für das rügeuswerthe Einrücker: der Anzeige nur den Leiter der hiesigen Verkaufsstelle treffen kann, und sie zweifeln nicht, daß die Centrale in Wien in demselben Augenblick, wo ihr diese Ungebühr zur Kentnniß gebracht wird, dieselbe auch abstellen wird. Das Brünner Giftblättcheu hat weder geistige Bedeutung genug, noch einen großen Leserkreis, um sich als Mittel zur Verbreitung von Annoncen zu empfehlen. Ob und welche anderen antisemitischen Provinzblätter in dieser Beziehung den Vorzug verdienen, entzieht sich bei unserer Unbekanntschaft mit den jeweiligen örtlichen Verhältnissen gänzlich unserer Beurtheilung. Darum erlauben wir uns hiemit in Vorschlag zu bringen, daß die Redaction dieser Wochenschrift ein Verzeichniß der antisemitischen Zeitungen und Wochenschriften anlegen und von Zeit zu Zeit zum Abdruck bringen möge, damit die jüdischen Geschäftsinhaber, die daraus Werth legen, wenigstens erfahren können, welche Blätter sie bei ihren Geschäftsanzeigen auszuschließen haben werden. Budapest, 3. August. Die Gesetzgebung nabm behufs Entschädigung jener Seelsorger, die durch die Verstaatlichung des Matrikelwesens in ihrem Einkommen eine starke Einbuße erlitten, in den Etatsvoranschlag die Summe von 300.000 Kronen auf. Ter Cultusminister, der den Rabbinern eine viel höhere Summe als im Vorjahre widmete, fordert nun die israelitische Landeskanzlei und die orthodoxe Durchsührnngscommission aus, ihm eine Liste der in ihrem Einkommen geschädigten Rabbiner vorzulegen, um die Vertheilung der Entschädigungssumme vornehmen zu können. Die Daten, die vor einigen Monaten abverlangt wurden, werden anläßlich der Regelung der Congrua bei der Bestimmung des Gehaktsminimums der Rabbiner und der entsprechenden Ergänzung desselben verwerthet werden. — Der Schriftsteller Dr. Adolf K o h u t wurde in Anerkennung seiner Verdienste als Präsident des.Ungarnvereins in Berlin durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet. Die gesammte Presse begrüßte Kohut bei dieser Gelegenheit in äußerst sympathischer Weise. — In Neupest wurde Dr. Ludwig Benetianer feierlichst in sein Amt eingeführt. Karlsbad, 7. August 1896. Löbliche Redaction! Heute war ich Augenzeuge, wie ein dicker geistlicher Herr einen Wachmann herbeirief und auf einen kleinen kranken Judenknaben hinwies — : „Schaffen Sie den da fort, er steht im Wege, übrigens sollte die Badeverwaltung alle diese mit Kaftan und hängenden Locken auf einem anderem Wege verhalten, daß sie einem nicht fortwährend unter die Augen fommeu. Der Wachmann antwortete: „Wir sind hier in einem Weltcurorte und da kann Jeder gehen, wo und wie es ihm beliebt. Ueber Ihre Toilette, Hochwürden, hat sich auch noch Niemand aufgehalten". — Eine Dame, die dies auch anhörte, ging auf den Wachmann zu und drückte ihm eine Belohnung in die Hand. Albert Mandl, Curgast. Aus Brüp wird unterm 6. d. M. geschrieben: Bor dem Schwurgerichte fand heute die Verhandlung in dem EhrenbeleidigungsprocessedesKomotanerKaufmannes Sigmund Kohn gegenden Schriftleiter der Saazer antisemitischen „National-Zeitung" Edmund P u m m e r statt. Der Letztere hatte in seinem Blatte Kohn beschuldigt, daß er sich mehreremale „ausgeglichen" habe, worauf dieser Punnner wegen Ehrenbeleidigung belangte. — Die Geschwornen verneinten die Schuldfrage wegen Ehrenbeleidigung mit acht gegen vier Stimmen, worauf Pummer vom Gerichtshöfe freigesprochen wurde. Lnbien bei Lembera, 3. August 1896. Vom hiesigen Curorte, wo viele Gicht- und Rheumatismusleideude die hiesigen vorzüglicher: Schwefelbäder und nach Aussagen vieler Gäste mit viel besserem Erfolge, als die antisemitischen Bäder in Baden — genießen, können wir nicht umhin, der edlen Menschengesinnung des Eigenthümers Sr. Wohlgeboren Landtagsabgeordneten Herrn Baron Adolf Bunicki, dessen Zuvorkommenheit gegen alle Curgäste ohne Unterschied der Confession nicht zu erwähnen. Die herrliche Lage mit Fichtenwaldungen, Schweizerhäuschen mit schattiger Lindenalle, welche die Annehmlichkeit besitzen, fast coustant die gleiche milde Temperatur anfznweisen, das alles sind zweifellos Vorzüge, die einen Aufenthalt den Vorzug vor vielen anderen Svmmerorten — sei es antisemitisches Bad Roznau, Zakopane — geben. Es darf auch, iu der jetzigen antisemitischen Strömung' nicht unerwähnt bleiben, daß hier eine jüdische Capelle unter Leitung des jüdischen Cavellmeisters Herrn Geiger concertirt, und daß die humane Behandlung des Leiters des hiesigen Curvrtes, Directors Herrn Bratkowski sowohl, als des Badearztes Herrn Dr. Pawel Radecki Anerkennung verdient. I. H. Krakan, 4. August. Die Schilderung Ihres werthen Blattes über den Verlaus der hiesigen Gemeinderathswahlen hat ein wahrheitsgetreues Bild der Niederlage der hiesigen Antisemiten und des Sieges der friedliebenden Bürgerschaft geliefert, doch bedarf dasselbe einer Ergänzung zur Vervollständigung, da erst dadurch der erfochtene Sieg in seinem wahren Glanze erscheint. Seit Wochen wurde in der hiesiger: Bevölkerung gehetzt und gewühlt, antisemitische Schlagworte wurden unter dieselbe geworfen, die Juden als Feinde der christlichen Bevölkerung dargestellt, mit der offenbaren Absicht, den Juden die wenigen Mandate, die sie im Gemeinderathe haben, zu entreißen. Es galt nun, einig und geschlossen vorzngeheu und rächt nur die innegehabten Mandate zu erhalten, aber auch neue, die den Juden gebühren, zu erringen. Die Führerrolle in diesem Kampfe übernahmen der Präsident und der Vice-Präsident der israelitischen Cultnsgemeinde. Die jüdischen Wähler wußten, daß ihr Interesse gut gewahrt ist, und daß sie mit Ruhe urrd Zuversicht dieselben dieserr Herren anvertrauen können. Es zeigte sich bei dieser Wahl die so oft erwiesene Thatsache, was man durch Einigkeit erringen kann und wie dringend es ist, daß die Juden in den schweren Tagen der jetzigen Bedrängniß einig sind und mit Muth und Tact kämpfen. Der Lohn für diese Arbeit war ein geradezu unerwarteter, denn cs ist gelungen, nicht nur die Zahl der jüdischen Mandate zu vergrößern, es ist auch gelungen, einigen Antisemiten das Mandat zu entreißen; zu diesen gehört auch der Abgeordnete Pater Chotkowski, der nun seine antisemitischen Ansichten nur noch im Reichsrathe wird entwickeln können..Doch wie lange noch? Mögen die Juden das Krakauer Beispiel beherzigen und stets in allen öffentlichen Angelegenheiten einig und geschlossen Vorgehen.

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