Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 33 (14.8.1896)
- Date
- 1896-08-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3021115-3021149--05892-3030149- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 33 Dr. Vlortz's Wochenkchrist. Seite 657 Die galizische Bank für Handel und Gewerbe, das bedeutendste Creditinstitut Galiziens hat hier eine Creditabtheilung errichtet. Bei der Versammlung der Mitglieder, die unter dem Vorsitze des Grafen Zamvjski stattfand, wurden von unseren Glaubensgenossen in den Ausschuß gewählt, und zwar zum Vice- Präsidenten desselben der Bice-Präsident der Cultusgemeinde, Handelskammerrath H. Hirsch Landau, die Herren I. Bober, Jakob Judkiewicz, Josef Falter, Handelskammerrath, Sch. Landau, W. Frankel, A. Rittermann und M. Frankel. Der Chefredacteur des hiesigen antisemitischen Organes, Josef Rogosz ist Donnerstag Nachts in Marienbad einem Herzschlag erlegen. Sadagora (Nochmals unsere öffentliche Volkss ch u l e.) In unserer letzten Correspondenz haben wir versprochen, die Leser der „O österreichischen Wochenschrift" über.den weiteren Verlaus der Besetzungsangelegenheit an der Sadagvraer Volksschule iit Kenntniß zu setzen, und so wollen lvir im Nachstehenden dies thnn. Wir sagten in jenem Berichte, daß die Sadagvraer Judenschaft sich den Schlag ins Gesicht, der ihnen durch die Concursausschreibung für die Oberlehrerste'le ohne Angabe der Consession, welcher die Bewerber anzugehören haben, versetzt wurde, nicht ruhig hiuuehmen werden, und dem ist thatsächlich so. Kaum war der besagte Concurs im Czernowitzer Amtsblatt erschienen und in Sadagora zur Kenntniß gelangt, so trat der Vorstand der israelitisch eit Cultusgemeinde zu einer Sitzung zusammen und wurde in derselben über Antrag des Herrn Mendel Morgenstern und nach warmer Unterstützung dieses Antrages durch den Gemeinde-Secretär. Herrn Schäfer, der einhellige Beschluß gefaßt, gegen diese ungesetzliche Coneursausschreibung Protest zu erheben und diese Protestkundgebung sowohl dem Bukvwinaer Landesschnlrathe als auch dem Ministerium für Cultus und Unterricht zu unterbreiten. Der Protest an den Landesschulrath ist bereits abgegangeu und jener au das Ministerium wird dieser Tage abgesaudt werden. Dieser Beschluß des Cultusrathes verdient jedenfalls alles Lob, denn die Juden dürfen sich nicht Ungesetzlichkeiten, die gegen sie begangen werden, gefallen lassen. Sie sollen und müssen gegen Vergewaltigungen immer protestiren und ihr gutes Recht suchen und vertreten. Wir müssen da dem Sadagvraer Cnltnsvorstande eilt Bravo! zurnsen. Diese Protestkundgebung hätte unseres Erachtens eine noch größere Wirkung, wenn eine Deputation seitens des Cultnsvorstaudes persönlich beim Laudespräsidenten Herrn Grasen Goes, als dem Vorsitzenden des Landesschulrathes, vorsprechen würde. Gras Goes, der als gerechter und vbjectiver Laudesches geschildert wird, wird da dem Rechte gewiß Gerechtigkeit werden lassen. Es muß nur wundern, daß im Landesschnlrathe unter seinem Vorsitze diese ungesetzliche Coneursausschreibung erfolgt ist. Nur eine Annahme ist hier möglich: Herr Landespräsident Graf Goös hat in die statistischen Daten der Sadagvraer Schule keine Einsicht genommen. Freilich wird er durch den Protest der israelitischen Cultusgemeinde in Sadagora aus dieselben aufmerksam gemacht und eines Anderen belehrt werden. Was Gras Goös veranlassen wird? Das — wird die Zeit lehren. Diaeovar, 7. August. Mittwoch den 29. v. M. fand hier unter lebhafter Betheiligung sämmtlicher Gemeindemitglieder die feierliche Installation unseres neuerwählten Rabbiners des Herrn Dr. Marens Ehrenpreis, von der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums, statt. Herr Dr. M. Ehre npreis entstammt einer sehr achtbaren und angesehenen Familie Lembergs (der Vater desselben ist Buchhändler daselbst und erfreut sich als Gelehrter als und Literat eines ruhmvollen Namens). Die Geschäfte der hiesigen israel. Kanfleute blieben an diesem Tage geschlossen, die Häuser der hier wohnhaften Israeliten prangten im herrlichsten Flaggenschmucke. Am Bahnhofe der nahegelegenen Station Vrpolje erschien eine Deputation der Cultusgemeinde unter Führung des Vicepräses Herrn Jacob Fuchs und eine solche der Chewra-Kadischa unter Führung ihres Präsidenten des Herrn Muo S o m m e r nebst einer großen Anzahl von Gemeindemitgliedern. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache unseres Gemeindenritgliedes des Herrn Moritz Gut tm ann, begaben sich die Erschienenen in einer imposanten Wagenreihe nach Diaeovar, wo vor dem Tempel Halt gemacht wurde. Ilm blumengeschmückten Eingänge unseres Gotteshauses begrüßte der Herr Präses Itdols K o h n mit einer längeren schwungvolleu Ansprache den Ankommenden. Nach einem einleitenden Choräle wurde vom Herrn Obercantor I. W e i ßm ann das Minchagebet vorgetragen, wonach Sr. Ehrwürden Herr Dr. Ehrenpreis unter gespannter Aufmerksamkeit der zahlreich erschienenen Herren und Damen, die trotz der hier herrschenden abnormalen Hitze in großen Schaaren herbeigeströmt waren, die Kanzel zu seiner Antrittsrede bestieg. Nachdem er in schwungvollen Worten seine Stimmung schilderte, entwickelte er in allgemeinen Umrissen das Programm seiner zweifachen Thätigkeit als Rabbiner und Prediger. In gedrängter aber übersichtlicher Skizze entwarf er ein Bild der Entwicklung der bisherigen Predigt, indem er zugleich aus die Mängel derselben hinwies. Die alte Predigt, sagte er unter Anderem, sei blos eine Erbanungsrede, sie habe sich vom wirklichen Leben und seinen treibenden Kräften immer mehr entfernt und sei deshalb in dem heutigen Gemeindeleben unbrauchbar. Die alte Predigt, sagte der Redner, sei in ihrer Form wie in ihren! Inhalte lebensfremd, einseitig und unweltlich. Der Missionsgedanke der sie ausschließlich bewegt, sei gänzlich überwunden. Die einzige Se iduug einer Menschengruppe, die sich ihrer selbst bewußt ist, kann nur die sein, sich selbst zu erhalten und ihre eigene Existenz so glücklich als möglich zu gestalten. In weiterer Ausführung fordert Redner eine Erlveiterung der Grenzen der Predigt, die aus das gestimmte Gebiet des jüdischen und öffentlichen Lebens zu erstrecken und sich den Formen der weltlichen Beredtsamkeit immer mehr zu nähern hätte, welche Anschauung er in dem Postulate der Verweltlichung des Rabbiueramtes zusammensaßte. Auf die weiteren Ausführungen dieser ebenso wichtigen als interessanten Anschauungen in Bezug aus die moderne Predigt, muß hier verzichtet werden, da selbe alissührlich demnächst im Drucke erscheinen werden. Mit einem Schlußgesange schloß die schöne Feier. Hieraus folgte die Einweihung des nenerbauten Rabbinatsgebäudes. Abends versammelte sich die Gemeinde im Sitzungssaale zu einem gemeinsamerk Festessen, welches in der animirtesten Weise verlies. Nach dem vierten Gange brachte unser verehrter Herr Bezirksvorstand Zvonimir zepic einen Toast aus Se. Majestät aus, welcher mit allgemeinem Jubel und Ziviorusen ausgenommen wurde. Es lvurden ferner Toaste aus Se. Excetlenz dem Banns, dem Obergespau, aus den ueuerwählten Rabbiner u. s. w. ausgebracht. Bei Musik und Gesang und heiteren Tischreden verblieb die Tischgesellschaft bis zum Morgengrauen beisammen. Es war eine wahrhaft erhebende und herrliche Feier, die unseren Gemeindemitgliedern noch recht lange iit Erinnerung bleiben wird. Budweis Am 23. Juli 1896 fand hier eine erhebende Feier statt. Die scheidenden jüdischen Abiturienten überreichten nämlich ihrem Rabbiner und Lehrer, dem Herrn Tr. Adam Wunder, anläßlich seines 50jährigen Priefterjubilüums einen prachtvollen silbernen Lvrbeerkranz. Abiturient Schwarz hielt eine die Verdienste des greisen Jubilars würdigende Rede, in welcher er die Thütigkeit desselben als Rabbiner, Lehrer und berathender Freund rühmend hervorhob und schließlich im Namen seiner Collegen versprach, stets den Intentionen ihres hochverehrten Rabbiners gemäß sich zu bethätigen. Ties gerührt dankte der Herr Rabbiner in nicht minder schlichten als herzlichen Worten und ermahnte die Studenten zum treuen Festhalten an ihrem Glauben und für die jüdischen Interessen sich immer und überall einzusetzen. Möge der wackere Mann uns noch lange Zeit erhalten bleiben! Berlin. Sein 50jähriges Dvetorjubiläum beging unlängst in stiller Zurückgezogenheit der Rabbiner und Rector des Rabbinerseminars Herr Dr. Israel Hildesheimer. Die Dissertation, mit welcher der Sechsundzwanzigjährige vor einem halbeil Jahrhundert den Toctorgrad sich erwarb, ist betitelt: De vetere TesUmento recte interpretando“ Die philosophische Facultät der Universität Halle hat aus Anlaß der fünfzigsten Wiederkehr dieses Tages das Diplom ihres ehemaligen Schülers erneuert und bezeugt in dem nenaus gefertigten Doctorbries, daß Dr. Hildesheimer durch ein halbes Jahrhundert die Pflege der wissenschaftlichen Arbeit nie unterbrochen und nicht nur selbst daraus herzerfreuende Früchte gewonnen, sondern seine ganze reiche Geistes- und Leistungskrast in den Dienst der edelsten Sache, des Jugendunterrichtes, gestellt habe. Die altehrwürdige Universität Halle hat ihrem früheren Schüler „ex amini sententia" durch den Decan ihrer philosophischen Facultät, Professor Kirchhofs, ihren Glückwunsch aussprechen lassen. Graudenz, 28. Juli. Aus der W e st p r e u ß i s ch e n Gewerbe-Ausstellung haben die goldene Medaille erhalten: Herzfeld & Bictorius, Granden;, für Gnßwaaren;