Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 33 (14.8.1896)
- Date
- 1896-08-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 33 Seite 651 Dr. Vloch's Wochenschrift Systeme seine Grundzüge gegeben. Daher jene eigenthümliche Verwandtschaft in der Wahl der äußeren Umstände und der Mittel, materielle Zwecke zu erreichen, wie sie sich in tausend Fällen darthun ließen, die in den Folgen für die Betroffenen congruent sind; denn ob beispielsweise der armen Näherin durch Erbschleicherei oder Ratenschwindel geschadet wird, macht für sie keinen praktischen Unterschied." O ehrwürdiger Pater E l l e n d o r f, Du dickbändiger S y!- vesterJordan dePradt, begeisterter Lobredner des Königsmordes, und Ihr Anderen Alle, Ihr Geschichtsschreiber Loyola's und seine Jünger, wenn Ihr das geahnt hättet! Die Juden haben den Jesuitenorden gegründet und ihm seine Organisation gegeben. Loyola war ein Semite worauf sein Vor' uame Ignaz schließen läßt und hieß ursprünglich Löwy Jaques L a i n e z, der zweite General des Ordens, der die große Judenverfolgung in Portugal ins Werk setzte, that dies im jüdischen Solde. Die Heidenmissionen in Goa und in Ceylon, in Cochinchina und in Paraguay hatten augenscheinlich den Zweck, daselbst den Ratenhandel mit Nähmaschinen einzuführen, und R a v a r l l a c hat Heinrich IV. ermordet, um einen Courssturz an der Pariser Börse herbeizuführen. Während der ganzen Dauer des 30jährigen Krieges schürten und hetzten die frommen Väter, um ihren Stammesgenossen die — Armeelieferungen zu verschaffen. Auf die jüdischen Jesuiten sollte sich aber das „Grczer Tagblatt" ein Patent nehmen. So eine werthvolle Erfindung wird leicht gestohlen. Am Ende liest man demnächst die ganze Geschichte im „Deutschen Volksblatt" und die „zaubergewaltige Erscheinung" beruft sich wieder einmal auf den Strafausschließungsgrund der Verjährung. Und der wäre hier schwerlich abzuweisen. Denn die Jesuiten waren von jeher Juden. Das ist historisch festgestellt. Dir Ernte der Schreiberknrchte. Der Hochsommer ist da. Wir schreiben Mitte August, Ernte" monat, wie es die bierfrohen Heilojünglinge lieber Horen. Die Frucht ist reif, und man geht daran, den reichen Segen unter Dach und Fach zu bringen. Jetzt ist auch die Zeit der antisemitischen Ernte gekommen- Vorüber sind die Tage träumerischer Erwartung, unbestimmten Sehnens' Die antisemitischen Wähler stehen allerorten mit offenen Händen. Sie haben ihre Gesponsinnen, die in den Frauenversammlungen an dem Sieg der „christlichen" Sache so wacker gearbeitet hatten, initgebracht, und diese spannen die buntfärbigen Schürzen auf. Alles harrt der reifen, saftigen Früchte, welche die Lueg«ers und Genossen von den vollbeladenen Bäumen schütteln sollen. Es wird auch geschüttelt. Jawohl, sehr fest sogar! Aber was hinunterfällt, ist ungenießbares, hartes, steinernes Zeug. Es stillt nicht den Hunger der begehrlichen Menge, aber es fällt ihnen auf die Köpfe. Und mancher Schädel, der früher trotzig war und allen Vernunftgründen unzugänglich, trägt nette Löcher davon, dauernde Erinnerungszeichen an die glorreiche Zeit, da die antisemitischen Machthaber im Wiener Rathhanse schalteten und walteten. Trügen nicht alle Wahrnehmungen, dann wird man auch au! das Grabmal der Wiener Antisemitenwirthschaft des Epitaph setzen: „Vollendet unter Bürgernreister S t r o b a ch." Das Heiterste entschieden ist die Ernte der „Schreiberknechte". So nannte vor einigen Jahren ein Gesinnungsgenosse unseres Bürgermeisters die Beamtenschaft. Der ganze organische Haß des verstockten Borortehausherrn und analphabetischen Spießerthumes gegen Jeden, der auch nur etwas gelernt hat, kam in diesem Kosewort zum Ausdruck. Aber die Beamten waren taub. Rudelweise zogen sie unter dem Zeichen der weißen Nelke zur Urne. Beamte und Lehrer waren es, die Hand in Hand mit den vertrunkenen Kleingewerbetreibenden, den Anzengruber'schen Schalanters, das Fundament der heutigen Aera legten. Jetzt wird die Theorie von den „Schreiberknechten" in die Strobach'sche Praxis übertragen. Jetzt zeigt man den Beamten, wer die Herren sind. Köstlich muß die Scene gewesen sein, als Herr Strobach die Beamten des Rathhauses, zum Mindesten die des wichtigsten Departements, zusammenrief und ihnen im commuualen Feldwebeltou die Leviten las. Da mag sich manch' antisemitische Faust geballt haben. Die Hand hatte längst vergessen, wie dröhnend sie den Tiraden gegen die „judenliberale Herrschaft" Beifall geklatscht. Und die Zähne knirschten, und die Lippen wurden verbissen. Die Herren Magistratsbeamten haben ja bei diesem Anlaß, bei ihrer Maßregelung wieder einmal eine Rede ihres Herrn und Meisters vernommen. Aber nach diesem Speech wurden keine Rufe: „Hoch Lueger!" laut. Die Herren Beamten, die vor den Wahlen nicht oft genug als die Bannerträger der Intelligenz gefeiert wurden, erfahren eine Behandlung, wie sie kein Trödler in einer Winkelgasse dem letzten Lehrburschen zutheil werden läßt, auch kein jüdischer, gewiß nicht! Was sie gcsäet, haben sie geerntet: Die Ernte der „Schreiberkn e ch te." Antisemitismus in Galizien? Herr Redacteur Nu Ihre Unparteilichkeit wende ich mich mit dem Ersuchen mit Ausnahme nachstehenden Artikels: Es ist bedauerlich, muß aber doch gesagt werden, daß die Arktikel des Herrn Eibenschitz über den Antisemitismus in Galizien eher geeignet sind, diesen deutschen Absatzartikel nach Galizien hinein, als ans Galizien hinanszubringen. Dieser Gesahr muß mit Entschiedenheit entgegengetreten werden. Was ist unter Antisemitismus zu verstehen °? Eine gewisse Abneigung gegen Religion und Volkschnm der Inden bestand seit jeher - Egyvter, Babylonier, Assyrier, Phönizier. Griechen, Römer, 'Araber, die europäischen Völker des Mittelalters bis in die neueste Zeit haben uns nach- und nebeneinander ihre Abneigung gezeigt, deren Ursache in der Exelnsivität unserer Religions- und Lättengebränche zu suchen ist. Aber diese Abneigung war kein Antisemitismus, zumal dieselbe ja auch von -semitischen Völkern (Babyloniern, Assyriern, Phöniziern. 'Arabern) getheilt wurde. Der wahre „Antisemitismus" ist die Aechtung ftimmtlicher Inden ohne Rücksicht aus ihren Glauben und in dieser Ungeheuerlichkeit ein urdeutsches Product, wie ja auch die Acht (Unter und Oberacht, die V o ge lsr e i er kl aru n g> ein nrdeutsches Rechtsiustitut gewesen ist. Der Antisemitismus, in diesem Sinne, ist bei keiner anderen Nation zu finden, ja anderen Völkern und insbesondere den Polen, geradezu unverständlich; wer daher von Antisemitismus in Polen spricht, der überträgt deutsche Begriffe in fremde Lande. Hält man an der wahren Bedeutung des Antisemitismus fest, so erkennt man zugleich, daß und warum derselbe eine schmachvolle Rohheit und daß es geradezu eine Beleidigung ist denselben einer Nation zu imputiren, welche ihn nicht kennt und niemals begreifen wird. Diese Beleidigung lassen aber gerade jene Inden, welche jede momentane antisemitische Aufwallung, jedes seitens irgend einer nichtdeutschen Nation an den Inden versuchtes Unrecht gleich als Antisemitismus verschreien und nach dem Grundsätze, die beste Vertheidigung liege im Angriffe, über die Völker mit allen möglichen Schmähungen hersallen. Das leistet auch Herr Eibenschitz, daß er Aeußerungen von Männern wie Kozmian, Zoll und Andere, welche den Antisemitismus in Polen entschieden in Abrede stellen und perhorresciren, mit der Behauptung abfertigt, der Antisemitismus existire hierzulande und nehme immer größere Dimensionen an, daß er eine Broschüre des Grasen Tarnowki citirr, um dem polnischen 'Adel Ausbeutung des Landvolkes vorzuwersen, das sind Schmähungen, zu denen ihm jeder Jude, welcher sein polnisches Vaterland liebt, das Recht entschieden bestreiten muß. 'Auch das, was Herr Eibenschütz über die Kolka rolnicze schreibt, hat mit dem Antisemitismus gar nichts zu schaffen. Tie Kolka wollen den jüdischen Geschäften Cvncurrenz bieten, das ist wahr: aber ist denn jedes Concurrenzgeschäst eines Christen gleich eine antisemitische Mine? Mögen einzelne Gründer der Kolka noch so judenseindlich gesinnt sein, uns muß es genügen, daß die Kolka nicht unter antisemitischer Flagge segeln, sondern einzig und allein dem Geschäfte und insbesondere der an sich durchaus legalen Idee dienen wollen, im polnischen Volke den Handelsgeist zu wecken. Ich finde sogar, daß es für uns Juden eine gewisse moralische Erleichterung bilden muß, wenn es neben den jüdischen Schnapsbuden und Krämereien auch derlei christliche Geschäfte geben wird. Ein ausschließliches Anrecht an das Schankwesen und die damit verknüpfte Unmoral haben wir nicht mit uns nach Enrova gebrach