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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-08-07 · 32 (7.8.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
32 (7.8.1896)
Date
1896-08-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Blortz's Wochrnsttzrifl Seite 643 scheint also Ihrem Correspondenten daran gelegen gewesen zu sein, eine Einstimmigkeit in jener Versammlung zu constatiren, gegen welche ich, soweit sie meine Person betrifft, prvtestiren muß. Ergebenst I. Deuts ch. Hohenelbe, 31. Juli. Am 26. d. M. fand hier die cohftituireitbe Versammlung des „Deutschen Volksvereines" statt, zu welcher sich unsere „Deutschvolklichen" den be. . . rühmten antisemitischen Hetzredner Karl Hermann Wolf ans Wien verschrieben haben. Die Einladung zu dieser Versammlung war von einem exliberalen Stadtrathe und Schnupftüchel-Erzenger, einem derzeit privatisirenden, qniescirten Wurstfabrikanten, einem antisemitischen Bleicher und einem Advveaten unterschrieben, welche, als Lockvogel für die Gewerbetreibenden einen biederen Tapezierer in ihre Mitte aufnahmen, der seine größte Freude an den Tag gelegt haben soll, daß er nun seinen, sonst so klanglosen Namen auch einmal „gedruckt" sieht uitb liest. Der die Versammlung eröffnende provisorische Vorstand des Vereines, ein sonst höchst anständiger Advoeat, der, trotzdem sein bester Client ein höchst angesehener jüdischer Fabrikant ist, dennoch unter die Antisemiten gegangen ist, nachdem ihm die einträgliche Anwaltschaft der Sparcassa gesichert war — erklärte als Zweck des Vereines : Bekämpfung der Czechen, der Liberalen — und natürlich auch der Inden. Nachdem sich der Verein eonstitnirt hatte und die anwesenden Berichterstatter liberaler Zeitungen über Antrag des Vorsitzenden durch einen als Ordner fuugirenden ehemaligen Trompeter (derzeit durch seines Weibes Gnaden halber Hausbesitzer) glücklich an die Lust gesetzt waren, hielt der herbeicitirte Paraderedner K. H. Wolf seine Rede über Dasjenige: „Was den Deutschen in Oesterreich uoth thut". Daß diese Rede ein antisemitischer Radau war und daß dessen dentschvolklicher „Hepp-Hepp "-Schlachtruf namentlich bei den zahlreich anwesenden Heilogigerln nngetheilten Beifall fand, braucht nicht erwähnt zu werden und ist selbstverständlich. Interessant ist es aber, sich die Herren bei Licht zu betrachten, welche die deutschvvlkliche Bewegung in unserer früher so rührigen und friedliebenden Stadt fördern, und da wollen wir denn heute vor Allein den ersten vbgenannten Einberuser Herrn Wendelin Böhm, Chef der Firma Gebrüder Böhm, seines Zeichens Baumwollwaaren-Erzenger und „Hoflieferant" der polnisch-jüdischen Kauslente von Kolvmea, Stryj und Tarnopvl und derzeit Stadtrath in Hohenelbe unter die Lupe nehmen. Besagter Herr hat noch vor Kurzem, und zwar bei den letzten Landtagswahlen liberal gewählt und agitirt. Als K. H. Wolf vor der letzten Landtagswahl seine Cand idatenrede in Hohenelbe hielt, winde besagter Herr Wendelin Böhm — wir wissen nicht recht, durch wessen Fügung — zum Vorsitzenden gewählt, trotzdem er als Stadtrath für die Candidatur des liberalen Candidaten, Hofrath Hallwich, gestimmt und gewirkt hatte. Wie bekalmt, hielt damals Wolf unter dem Deckmantel einer Programmrede eine antisemitische Brand- und Hetzrede, in welcher er die Juden als eine gemeingefährliche Race, als Betrüger und Erpresser schilderte, dieselben die Luft verpestende Cholerabaccillen und die Cultur vernichtende Borkenkäfer nannte, die Galizien ausgesaugt haben und jetzt uns aussaugen wollen und die Anwesenden aufforderte, mit allen erdenklichen Mitteln, die Juden aus ihren socialen Stellungen zu verdrängen. Diese Rede gab nun der k. k. Staatsanwaltschaft in Jicin Anlaß, gegen Wolf die Anklage wegen des Vergehens nach § 302 Strafgesetz zu erheben, und es fand am 6. Mai d. I. vor dem Schwurgerichtshofe in Jicin gegen denselben die Hauptverhandlung statt. Trotzdem nun mehrere ganz unbedenkliche und unverfängliche Zeugen mit aller Bestimmtheit die Hetzereien und Schimpfereien Wolf's gegen die Juden bestätigt haben, ja der Angeklagte Wolf bei seiner Einvernahme mit seltenem Heroismus und ostentativ die beleidigenden und beschimpfenden Aeußerungen selbst e i n g e st a n d e n h a t, erklärte dennoch Herr Wendelin Böhm — von Wolf als E n t l a st u n g s z e u g e geführt — unter Eid: „Er habe als Vorsitzender nicht ein einziges Mal Anlaß gefunden, Wolf zu unterbrechen, die Rede habe auf ihn (Böhm) einen sehr günstigen Eindruck gemacht, es sei nichts Ungesetzliches, nichts Beleidigendes von Wolf gesagt worden, er hätte es für seine Pflicht gehalten, den Redner zu unterbrechen, wenn er Beleidigendes gesprochen hätte. Redner sei sein (Böhm's) politischer Gegner und trotzdem hatte er zu einer Unterbrechung keinen Anlaß gehabt. Daß Wolf infolge der ähnlichen Aussagen mehrerer weiterer Entlastungszeugen freigesprvchen wurde, ist bekannt. Am folgenden Tage wurde er von feinen Anhängern im Triumph von Jicin nachHohenelbe zu einer internenSiegesfeier insStammlocal der Antisemiten gebracht und derErste,der ihn daselbst erwartete, und iir einer Ansprache feierte, war — unser liberaler S t a d t r a t h Herr W e n d e l i n B ö h m, der seither die liberale Flinte ins Korn geworfen hat und mit den ^Antisemiten durch Tick und Dünn geht, ganz unbekümmert darum, daß er ja einzig und allein von jüdischer Kundschaft lebt, von den polnischen Juden sein Vermögen erworben hat und, von diesen verlassen, bald seine Bude am Brünner Markte wohl sperren müßte. Für heute empfehlen wir den polnischen Juden von Kolonien, Stryj, Tarnopol und Umgebung ihren „Hoflieferanten", Herrn Wendelin Böhm, alleinigen Inhaber der Firma Brüder Böhm in Hohenelbe auf's Beste und werden nächstens die anderen Herren „Hep-Hep"-Ritter gebührend auf's Korn nehmen. Gablonz, 1. Ängust. Gestern fand unter dem Vorsitze des Bürgermeisters und Landtagsabgeordneten B u s ch f e l d eine Sitzung des deutschfortschrittlichen Wahlcomites statt, in welcher die Stellung des Gablonzer Wahlbezirkes zu den bevorstehenden Reichsrathswahlen beratheu wurde. Die Versammlung beschloß eine Erklärung, in deren Einleitung es heißt: „Angesichts der in letzter Zeit in ganz Teutschösterreich zunehmenden politischen Verwirrung und Entzweiung, welch letztere, wie die jüngsten Vorfälle in B r ü x zeigen, bis zur Verwilderung d e u t s ch e r S i t t e au^ artete; angesichts des auch in Gablonz und Umgebung geflissentlich genährten Elasten-^ und Racenhasses, völlig durchdrungen von der Ueberzeugung, daß aus allen den für die Deutschen Oesterreichs betrübenden Erscheinungen der Zeit im bevorstehenden Wahlkampfe nur die Gegner der deutschen und freiheitlichen Sache den N u tz e n z i e h e n werde n, während uns Deutschen selbst eine schwere Niederlage droht, sehen die unterfertigten deutschen Wähler des Bezirkes Gablonz sich zu folgender Erklärung veranlaßt". In den ersten Punkten dieser Erklärung wird die Stellung der Socialdemvkratie, sowie eine Reihe wirthschaftlicher Fragen besprochen, sodann heißt es: „Die bestehende Verfassung Oesterreichs muß sowohl das starke Bollwerk gegen alle den Reichsgedanken und das Reich selbst schädigenden Gelüste des Föderalismus, als auch gegen alle j e n e B e st r eb u n g e u sein, welche auf die Beseitigung d e r Tv l e r a n z und der G l e i ch b e r e ch t i g n n g der S t a a t s b ü r g e r, der frei e n Schule u n d anderer freiheitlichen E r r u n g e nsch a f t en der N e u z e i t gerichtet sind. Die Rücksicht auf die namentlich durch die Rücksichtslosigkeit der slovenischen Parteien so bedrängte Lage des deutschen Volkes in Oesterreich muß es allen Deutschen zur Pflicht machen, jede zersetzende und abstoßende kleinliche F r a c t i o n s p o l i t t f z u meide n und durch Sammlung aller brauchbaren Kräfte, durch Organisation und Manneszucht der Regierung wie den Gegnern als ein einziger, fester, geschloffener und entschlossener Bolkskörper in Land und Reich zu erscheinen. Als z u m deutschen Volke gehörend betrachten wir Jeden, der sich durch Sprache u n d G e s i nn u n g dazu bekennt und der bestrebt ist, für deutsche Cultur und Gesittung, sowie für die Wahrung des nationalen Besitzstandes der Deutschen Oesterreichs einzutreten. Nie und nimmer darf die Frage nach A b st a m m u n g und nach Race den f ü r s V a t e r l a n d ohnehin unheilvollen N a t i o n a l i t ä t e n k a m p f noch verschärfen und e r w e i t e r n. Es ist Pflicht aller wahrhaft national und fortschrittlich gesinnten deutschen Männer, ans der politischen Gleichgiltigkeit herauszutreten und bei jeder sich bietenden Gelegenheit, im Großen wie im Kleinen ihre Stimme gegen die Verhetzung der deutschen Bevölkerung zu erheben, es nicht zu dulden, daß der zehrende Unfriede sowohl im Bürgerthum selbst, als auch zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aus Unverstand oder aus kurzsichtiger Parteispeculation weitere Nahrung erhält." Sadagora. (U n s e r e öffentliche Knaben- und Mädchenschule.) Schon wiederholt hat die „Oesterreichische Wochenschrift" Gelegenheit genommen, um über die jetzt vorsichgehende Besetzung der Oberlehrerstelle an der hiesigen öffentlichen •* 5 t 4: •I i! I E9

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