Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-08-07 · 32 (7.8.1896) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
32 (7.8.1896)
Date
1896-08-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021148--05878-3030134
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 644 Vr Vloch's Wochensttzrist Nr. 33 Volksschule zu berichten und auf den eigenthümlichen Vorgang seitens der Schulbehörde bei Besetzung dieses Postens hinzuweisen. Der Concurs für die in Rede stehende Oberlehrerstlle ist vor wenigen Tagen im Czernowitzer Amtsblatte erschienen und enthält derselbe thatsächlich die° Angabe der Confession, welcher der Oberlehrer angehören soll, nicht. Was die „Oesterreichische Wochenschrift" vorher gesagt, ist wirklich eingetreten. Weil die Schulbehörde die Oberlehrerstelle an der Sadagüraer Knaben- und Mädchenvolksschule mit einem christlichen Lehrer besetzen will, umging sie den bekannten § 48 des Reichsvolksschulgesetzes, weil die Majorität der schulbesuchenden Kinder der mosaischen Confession angehört und führte in der Concursausschreibung die Confession, der der Bewerber anzugehören hat, nicht an! Sollen sich die Juden von Sadagöra diesen Schlag ins Gesicht so ohneweiters gefallen lassen? Nein, das werden sie nicht thun! Der Bürgermeister von Sadogüra, Herr Ignaz P a r o l l a, Mitglied des Czernowitzer Executivcomitös der Baron-Hirsch-Stiftung, ein warmfühlender Jude, ist Vertreter der Judenschast im Bezirksschulrathe; er wird bei der Bezirksschulrathssitzung, in welcher die Besetzung der hiesigen Oberlehrerstelle vor sich gehen wird, zw isellos sein Veto gegen die ungesetzliche Concursausschreibung einlegen und die Behörde auf ihr ungesetzliches Vorgehen, sowie auf die Zurücksetzung der Juden aufmerksam machen. Es wird sich dann zeigen, was die Schulbehörde hiezu sagen wird. Die hiesige Judenschaft ist über den Vorgang der Schulbehörde so ungehalten, daß diese Ungehaltenheit offen zum Ausdruck kommt und dieselbe überall hier das Tagesgespräch bildet. Die jüdischen Lehrer müssen trotzdem auf die hiesige Oberlehrerstelle competiren, damit man dann sieht, wie die Behörde sich aus dieser Verlegenheit heraushelfen wird. Ueber den weiteren Verlauf dieser Besetzungsangelegenheit werden wir nicht unterlassen den Lesern der „Oesterreichischen Wochenschrift" zu berichten. Delatyn Im südlichen Winkel Ostgaliziens, am Fuße der Waldkarpathen, liegt das Gebirgsstädtchen Delatyn in einer unfruchtbaren Gegend, wo das Gewerbe fast gar nicht und der Handel nur im geringen Maßstabe betrieben wird. Die Einwohner dieses Städtchens sind entweder Kleingewerbetreibende oder Taglöhner, die ihr Leben kümmerlich fristen. Um die Noth und das Elend bis zur äußersten Grenze zu erweitern, brach am 7. Juni l. I. eine Feuersbrunst aus, der sünfunddreißig Häuser zum Opfer fielen. Infolge dieses Brandes sind einundzwanzig Familien obdach- und brodlos geworden. Die Häuser dieser Familien waren gegen Feuer nicht versichert, weil die Leute von ihrem geringen Verdienste nichts ersparen konnten, um ihre Häuser versichern zu können. Es ist wirklich herzzerreißend, zu sehen, wie die Eltern, verzweifelnd die Hände ringend, hilflos dastehen! Ja, wer nur Mensch ist, wer Vater ist, wer ein Herz in seiner Brust hat, der kann das nicht mitansehen! Der Noth gehorchend erlauben sich die Unterzeichneten an die Güte der löblichen Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift" zu appelliren und um Aufnahme dieses Artikels in ihrem geehrten Organe zu ersuchen. Spenden werden von Herrn K r o k o w s k i, k. k. Forstmeister, entgegengenommen. Die Eltern und die Kinder werden für das Glück, Wohlergehen und die Gesundheit der löblichen Redaction die heißesten Gebete zum Himmel senden. In der Hoffnung, daß die löbliche Redaction, die stets dort, wo Menschen leiden, als rettender Engel erscheint, auch den Gefertigten hilfreich beistehen wird, zeichnen wir mit aller Hochachtung und Ergebenheit Schulem K l i n g i n f e l d, Abraham Z i m m e r, Scheindel Lindhauer, Israel Meier Teig, Chaje Arzt, Aron M e i z l e r, Chaim P e t r a n k e r, Henze Schmerle r, Chaje P e t r a n k er, Chaim Hauerhan, Berl Fuchs, Ester Taubm a n n, Manuel Fuchs, David Platz, Chaje Leo Golde nb e r g, David S ch e i n e r, Mates D i k e r, Elias B a r t f e l d, Josel Jung, Meier Zimmer, Jichel H a tz e n s r a tz. Von Seite des Gemeindeamtes wird der Inhalt dieses Gesuches bestätigt. Delatyn, am 30. Juni 1896. Der k. k. Regierungscommiffär: Ritter von R o j e k. Das in obigem Bittgesuche noch zu gering geschilderte Elend der Abbrändler wird bestätigt. Delatyn, am 31. Juli 1896. K r o k o w s r i, k. k. Forstmeister und Vorsitzender des Rettungscomites. Der Inhalt des Bittgesuches wird bestätigt. D e l a t y n, am 31. Juli 1896. Ch. B a r d a ch, Schulleiter der Baron Hirsch-Stiftungsschule und Schriftführer des Rettungscomitös. Berlin, 14. Juli. Wir haben in der vorletzten Nummer über das widerliche antisemitische Treiben in dem Nordseebad Juist ausführlich berichtet. Ein gelegentlicher Mitarbeiter der „Vossischen Zeitung" sieht sich veranlaßt, die Schuld an diesen Zuständen den jüdischen Badegästen zuzuschreiben, indem er in einer Zuschrift an das genannte Blatt bemerkt: „Ich war im August vorigere Jahres irr Juist und habe in den ersten Wochen meines Aufenthaltes weder bei ben Insulanern noch bei den Cnrgästen eine antisemitische Gesinnung wahrgenommen. Die jüdischen Familien, die die Insel ausgesucht hatten, schienen sich dort durchaus wohl zu fühlen und haben auch ihrerseits keine Veranlassung zu einer Störung des guten Einvernehmens mit den übrigen Sommergästen gegeben. Dagegen war es wiederholt .vorgekommen, daß Israeliten, die von Norderney aus einen Ausflug nach Juist unternommen hatten, durch ihre abfällige Kritik des doch erst im Entstehen begriffenen Badeortes den Unwillen der Juister erregt hatten. Eines Tages traf wieder eure jüdische Gesellschaft aus Norderney ein und machte sich tut Hotel Jtzen wie gewöhnlich über die primitiven Einrichtungen des Seebades lustig. Der Kellner, dem eine ganze Reihe von Fragen nach dem Cnrhanse, der Capelle re. vorgelegt wurden, konnte natürlich auf diese Fragen nur immer die eine Antwort geben: „Das haben wir in Juist noch nicht", tvorauf jedesmal ein höhnisches Gelächter erfolgte. Kein Wunder, daß der Kellner schließlich, nach den Wohnungsverhältnissen befragt, einfach erwiderte : „Juden bekommen hier überhaupt keine Wohnung". Die Gäste aus Norderney, die offenbar gar nicht begreifen konnten, daß es noch Menschen gibt, die nicht eines glanzvollen Badelebeits, sondern lediglich der Gesundheit und Erholung wegen ins Bad gehen, uttd daß weniger wohlhabende Leute auch mit bescheideneren Einrichtmtgen zufrieden sind, hatten die derbe Antwort wohl verdiettt. Ihr protzenhaftes, geradeztt herausforderndes Benehmen hatte auf alle Anwesenden einen höchst unangenehmeit Eindruck gemacht, der Vorfall wurde im Orte lebhaft besprochen, uitd kttrze Zeit daraus, wenn ich nicht irre, noch ait demselben Tage, fand man die Giftbude, den Gebäckausgabeschuppen und noch einige andere Stellen mit der Inschrift : „Juden raus" versehen". Zu dieser Entschuldigung erhalten wir von einem Abonnenten unseres Blattes nachstehende Zuschrift: „Diese Notiz gibt eitlen schlagenden Beweis, in welcher Art antisemitische - Denkungsweise uttd judenseittdliche Stimmung verbreitet wird. Darum ist diese Geschichte vott der Entstehuttg des widerwärtigett atttisetnitischen Treibens in Juist sehr lehrreich, wenngleich es die alte bekannte Melodie ist. Die jüdischen Familien, welche ttt dein genannten Nordseebad wohnten, lebten in gutem Einvernehmen mit den übrigen Badegästen, da kommen einige Protzett aus Norderttey, die sich über die primitiven Eittrichtungen in Jttist lustig machett, uttd nun heißt es nicht ettva „Protzett raus!" — sondern wie immer „Juden raus!" obgleich ttnd trotzdem die jüdischen Badegäste imnter nur Anlaß zu einem guten Einvernehmen gegeben haben. Ist es demt überhaupt gewiß,_ daß jette Protzen aus Norderney „Israeliten" waren? — Und selbst wenn es der Fall war, was gibt den Juistern das Recht, wegen einiger Protzenhafter Vergnügungsreisender allen Juden durch antisemitische Obscönitäten den Aufenthalt zu verleiden? Im klebrigen wird das Nordfeebad Juist ttach den veröffentlichten Nachrichten jetzt „judenrein" bleiben, und wenn es den Juistern keinen Nachtheil bringen sollte, den Juden wird es gewiß nicht schaden!" London, Ende Juli. In langen Correspondenzen erörtern „öewisb Chronicle“ uttd „Jewish World“ eine Angelegenheit, welche hier in den jüdischett Kreisen das größte und nachhaltigste Interesse erregt. Das Oberhaupt der hiesigen spanisch-portugiesischjüdischen Gemeinde, der „Chacham" Dr. Moses Gaster ist auch der Director des „Judith Montefiore-College", einer Stiftung Montefiore's, an welcher jüdische Studenten, die sich der rabbi-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.