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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-08-07 · 32 (7.8.1896) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
32 (7.8.1896)
Date
1896-08-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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HH Seite 642 Dr Vloch's Wochenschrift Nr. 32 verschwindend geringer Anzahl leben, wird von den Deutschen der Antisemitismus zärtlich gehegt und gepflegt. Dort sind die Juden bei den Wahlen eben von keinem Werth. Der Antisemitismus auf dem Rade. Die Hartnäckigkeit, mit welcher die Leitung des Bundes Radfahrer Oesterreichs den curiosen Beschluß des Gaues IV „Kärnten" stillschweigend zu übergehen sucht, ist bereits von Folgen begleitet, welche das weitere Bestehen unmöglich machen. Fast sümmtliche größere liberale Clubs, wie Radfahrunion „Vorwärts", Cityclub, Radfahrclub „Training" re.?c., sowie eine sehr große Anzahl Einzelfahrer baben ihren Austritt aus dem Verbände angezeigt. Der ganze Gau „Mähren", welcher über tausend Mitglieder hat, beschloß am 24. Juli ebenfalls auszutreten, wenn der Gau IV seinen Beschluß nicht zurückziehe. Bei alledem äußert sich die Bundesleitung über diesen die Existenz des Bundes gefährdenden Beschluß in keiner Weise und beweist damit, daß sie mit den Intentionen des Gaues IV vollkommen einverstanden ist. Wien, 1. August 1896. Hochachtungsvoll R. S., ein Radfahrer. Wie Bürgermeister Skrobach eingeladen wurde. Der Festausschuß des fünften Deutschen Sängerbnndesfestes hat den Bürgermeister S t r o b a ch mittelst eines gedruckten Einladungsformulares zum Besuche eingeladen. Es scheint, daß man sich nicht überall dazu entschließen kann, der Mahnung des Dr. Lueger Folge zu leisten und Herrn S t r o b a ch die dem Bürgermeister von Wien „schuldige Ehrfurcht" zu zollen. Der Psychiater Professor Mendel wurde, wie aus Berlin telegraphisch berichtet wird, nach Petersburg zur C o n s u l t a t i o n bei einer sehr hochstehenden P e r s o n berufen. Da Mendel Jude ist, wurden die bestehenden Paßschwierigkeiten telegraphisch behoben. Zugleich wurden telegraphisch 6000 Rubel Honorar angewiesen. (Jncorrectheiten eines antisemitischen Armenrathes.) In einer Sitzung des Stadtrathcs beantragte Stadlrath Dr. Deutschmann die Abberufung des Armenrathes des Bezirkes Ottakring, Sylvester Schieber von seinem Amte, da sich derselbe Jncorrectheiten habe zu Schulden kommen lassen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Den Vorwurf der Jncorrectheit im Amte, begangen durch eine sehr merkwürdige Manipulation mit Speisemarken für Arme, hat übrigens vor einiger Zeit bereits der Herausgeber des christlich-socialen Blaites „Wiener Volksbote", Herr König, gegen Schieber erhoben. S ch i e d e r strengte gegen König im Herbst vorigen Jahres deshalb eine Ehrenbeleidigungsklage an, zog dieselbe aber im Laufe der Verhandlung bedingungslos zurück. Da König in seinen Angriffen gegen Schieber fortfuhr, kam es zu einem neuerlichen Processe, der mit der Verurtheilung K ö n i g's zu einem Monate Arrest endete. Der Verurtheilte meldete die Nichtigkeitsbeschwerde au. Im Laufe der letzten Verhandlung wurde conftatirt, daß sich der Magistrat mit der Sache bereits beschäftigt habe. Schieber behauptete, daß er selbst die magistratische Untersuchung verlangt habe, lieber die Art der Jncorrectheiten, die nunmehr zur Abberufung S ch i e d e r's geführt haben, weiß die officielle Rathhauscorrespondenz nichts zu berichten. Correspondenxen. Wien, Ende Juli 1896, In Nr. 30 vonl 24. Juli l. I. erschien in der Rubrik „Eorrespvndenzen" aus New-Iork (ohne Datum) eine ausführliche Mittheilung, worin der Präsident Jonas Weil als die L-eele des israelitischen Hospitales „Lebanon" geschildert und auch dessen sonstige Munificenz in lebhaften Farben skizzirt und der Jitdenschaft als erleuchtendes und nachahmenswürdiges Beispiel zum Muster angeführt wird. Ohne die großen Verdienste des Genannten auch nur im Geringsten schmälern zu wollen, erachte ich es als meine Pflicht, für einen meiner intimsten Freunde auf Grund authentischer Daten eine Lanze zu brechen und zu der erschienenen — schöngefärbten — Eorrespondenz eine wahrheitsgetreue E r g ä nzung in der weltverbreiteten „Oesterreichischen Wochenschrift" zu veröffentlichen. Die Idee und der Plan zur Errichtung eines Krankenhauses in New-Iork, in welchem nach mosaischen Speisegesetzen die Verpflegung aller Kranken — ohne Rücksicht auf Eonfession — zu erfolgen hätte, ging nicht vom derzeitigen Präsidenten Jonas Weil, einem mehrfachen Millionär in New-Iork, aus, sondern die Priorität gebührt unserem Landsmanne, dem aus Miskolcz in Ungarn gebürtigen, seit Jahren in Amerika lebenden Mikes Peabody (Max Passauer, Bruder des in Wien vortheilhaft bekannten Dr. Moriz Passauer, dessen Gemalin, Frau Antonie Passauer, von der nach ihrem Oheim jüngst geinachten Millivnen-Erbschaft für die Armen Wiens 70.000 Gulden gespendet hat. sWie schade, daß diese ansehnliche Summe nicht speciell für israelitische A r m e n p s l e g e gespendet wurde. Anmerkung des Setzers.)) Die in New-Ä)ork am 3. November 1893 (Heschwan 24. 5654) erschienene Zeitung „The Jewish Herald", Bol. I, Nr. 1, brachte anläßlich der Einweihung des israelitischen „Lebanon"- Hospitales in New-chork eine illustrirte Festnummer. Obenan stehen die photographischen Bildnisse des Jonas Weil als Präsident und des M. Peabody als Vice - Präsident of the Lebanon Hospital ass, of the City of New-York. Außer diesen finden wir viele Ansichten der — aus einem früheren Kloster — zum „Lebanon"-Spital adaptirten Räumlichkeiten, Gartenanlagen und dergleichen. Es fehlen in dieser sehr voluminösen Zeitnngsnmnmer auch nicht die geringsten, auf das „Lebanon" bezughabenden Daten. Alle größeren Wohlthäter sind in Wort und Bild dargestellt. Die eingegangenen Spenden — von den höchsten Beträgen, 10.000 Dollar, angefangen, bis zu den kleinsten, 5 und 2 Dollars — sind mit Namensverzeichniß ausgewiesen, lind o Wunder über Wunder! Darunter findet sich mancher Spendername zwei-, drei- und noch mehrmals mit immer größeren Beiträgen registrirt. Das kommt bei uns selten oder gar niemals vor! Weiters erfährt man; Mikes Peabody spendete selbst und hat ganz allein 50.000 Dollars collectirt; er hat die Glaubensgenossen für diesen erhabenen Plan zur Errichtung eines Hospitals — mit der Benennung „Lebanon", symbolisch ein weißer Rabe, Seltenheit — zur unentgeltlichen Ausnahme kranker Mensche n ohne Unterschied der Farbe und des Glaubensbekenntnisses — durch Wort und That begeistert. Peabody hat die Hauptbedingung gestellt und auch durchgeführt, daß in den Spitalsräumen die Kost streng nach den Gesetzen Moses bereitet und an die Kranken verabreicht werden solle. Er hat zu diesem Behufe Dr. G. Liebermann, einen Schwiegersohn des rühmlichst bekannten, orthodoxen Oberrabbiners Lasar Löw in S. a. Ujhely s. A. zum Superintendenten für „Lebanon"-Hospital berufen — und um dem Werke die Krone aufzusetzen, hat er bis zur erfolgten Vollendung alle Arbeiten überwacht und in seinem Feuereifer nicht eher geruht, bis er durch Gewinnung von einergroßen Zahl Mitglieder mit Jahresbeiträgen die Existenz dieser Humanitätsanstalt wenigstens auf ein Decennium hinaus sichergestellt hat. Mr. Mikes Peabody aus New-Pork weilt derzeit in der Metropole Ungarns, und man muß den Mann sehen, sprechen und genau kennen lernen, um die begeisterte Schilderung des New-Aorker „Jewish Herald" mitunterschreiben zu können, was von meiner Seite überzeugungsvoll geschieht. Josef Schwarz emerit. Schuldirector, derzeit Eommunal- und Religivnslehrer in Wien. Brünn, 29. Juli 1896. Geehrte Redactivn! In Ihrem geschätzten Blatte vom 26. d. wird in einer Eorrespondenz aus Brünn gesagt, daß ich in der von den jüdisch-nationalen Studenten'am 17. d. hier abgehaltenen Versammlung „mit Freuden das endlich aufkeimende Nationalgefühl der Juden begrüßt" hätte. Gestatten Sie mir zu constatiren, daß ich so ziemlich das gerade Gegentheil gesagt habe. Ich bemerkte im Eingänge meiner Ansprache, daß ich es mit Freuden begrüße, wenn die heutige jüdische Studentenschaft im Gegensätze zu derjenigen, unter welcher ich mich als Student bewegte, das jüdische Selbstgefühl pflegt. Ich freue mich, daß die heutigen jüdischen Studenten zu dem Bewußtsein gelangt sind, Niemanden eine Apologie dafür zu schulden, daß sie Juden seien. Hingegen kann ich mich mit den nationalen Tendenzen nicht befreunden, weil dieselben — wenn ich auch die phantastischen Staatengründungspläne für ausführbar hielte — dem wahren Geiste des Judenthumes zuwiderlaufen, welches bestimmt ist, „ein völkerverbindendes Band, ein Licht der Nationen" zu sein. Von dieser Anschauung konnte mich die Debatte auch nicht abbringen, obwohl einer der anwesenden Wiener Herren in echt antisemitischem Stile meine Ausführungen „eine jüdische Selbstüberhebung" nannte. Daß ich mißverstanden worden wäre, ist absolut ausgeschlossen, denn die Angriffe regneten auf mich hageldicht. Es

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