Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 32 (7.8.1896)
- Date
- 1896-08-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 32 Dr. Vloch's Wochenschrift. zu einem solchen öffentlichen Bekenntniß herbeitießen, das uns eine bedeutende politische und taktische Waffe in die Hand gibt". Gleiches Recht für Alle. Wir entnehmen der „D e u t s ch- O e st e r r e i ch i s ch e n Lehr erzeitun g" Nr. 15, vom 1. August 1896 Folgendes: „Dieser Tage wurden in Wien 246 Ünterlehrer- und Lehrerstellen — endlich! — definitiv besetzt. Eine schwere Geburt. Unter den Ernannten ist kein Jude und keine I n d i n. Da die Zahl der in Wien wohnenden Juden rund 120.000 oder den zwölften T h e i l der G e s a m m t b e v ö l k e r u n g beträgt, so hätten, bei gleichem Recht für Alle etwa 20 jüdische Namen berücksichtigt werden müssen. Nun keine —!! — es ist eine große Ungerechtigkeit. Wie scharf man es ans die Juden hatte, geht daraus hervor, daß bei eineni Bewerber, der einen etwas jüdisch klingenden Namen hatte, nachgeforscht wurde, ob er doch nicht etwa gar getauft sei oder einen getauften Bat er habe. Beim nächsten Concurs sollte eigentlich eine Leibesuntersuchuug aller männlichen Bewerber angeordnet werden, denn es könnte ein heimlicher Beschnittener unter ihnen sein. Aber bei den Bewerberinnen? Ja, da gibt es keine Sicherheit". Das berichtigte „Deutsche Bolksblatt". Wenn Bergani's Blatt einen Tag keine Abbitte leistet, dann kann man mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß es den nächsten Tag zumindest eine Berichtigung veröffentlichen wird. Bor einigen Tagen debutirte im genannten Blatt folgende Notiz: „Man schreibt uns: Ich fuhr in eineui Tramwaywaggon vom Praterstern durch die Augarteustraße gegeü die Burggasse. Der Waggon war ziemlich voll von Unartenlosen, darunter Einer der eifrigst das „Schöpserne" las. Als derselbe das Blatt dnrchgeschnüffelt hatte, übergab er selbes mit den Worten: „Na, da hom Se!" dem Conducteur. Der Conducteur nahm das Blatt, besah sich den Titel und gab es in aller Höflichkeit mit den Worten zurück: „Ich danke sehr, ich lese nur das „Deutsche Bolksblatt". Welche verdutzte Gesichter es nun gab, kann man sich leicht denken! Ich drückte dem Cvndncteur meinen Beifall aus, daß er so frei und offen feine Meinung kundgegeben. Der erboste Jude sagte daraus zu dem Condneteur: „Es ist schon gut. Sie haben Nummer 295, das Andere wird sich schon findeil". Der Conductenr wandte sich lachend zu mir mit den Worten: „Er soll sich nur die Nuinmer 295 gut merken; am 1. August habe ich bereits eine Stellung, in welcher ich mit keinem Juden in Berührung komme". Dabei sprach das Glück ans den Augen dieses Mannes". Niemand, der die vornehme Denkungsart des „Deutschen Bolksblatt" kennt, wird davon überrascht gewesen sein, daß das Blatt offen seine Sympathie für einen Menschen bekennt, der von Juden Trinkgelder einsteckt und sie dann in dem Augenblick beschimpft, wo er glaubt, sie nicht mehr eincassiren zu können. Derlei soll ja auch bei antisemitischen Zeitungsgründern Vorkommen. Wo ist übrigens die Gesinnungsroheit und Gemeinheit, die beim „Deutschen Bolksblatt" fürchten müßte, gebrandmarkt zu werden. Aber das „Deutsche Bolksblatt" hat sich in diesem Falle^selbst ins Fleisch geschnitten. Es mußte eine Berichtigung des Tramwayeondnctenrs Nr. 295 veröffentlichen, in tvelcher dieser erklärt, daß er die ihm zugemuthete Gemeinheit nicht begangen habe und daß er scholl deshalb die bübischen Aeußerungen nicht gemacht haben könne, lveil er selbst — Jude sei. Das „Deutsche Bolksblatt" steckt die moralische Ohrfeige ruhig ein. Es ist nicht die erste. Ein Jude als Reporter des „Deutschen Bolksblatt". lieber die Sonntags im Arcadenhofe des Rathhauses stattgefundene Arbeiterversammlung bringt das „Deutsche Bolksblatt" einen Bericht eines jüdischen Berichterstatters. Die „Arbeiter-Zeitung" macht sich hierüber in köstlicher Weise lustig, leider müffen wir es uns Raummangels halber versagen, die Persiflage wiederzngeben. Hergottspfänder. Wie bekannt, brachte jüngst die Wiener „Sonn- und Montagszeitung" die Mittheilung, daß in der Aera der christlichen, recte antisemitischen Wiener Gemeindeverwaltung einem armen Steuerträger wegen rückständiger Wassergebühren Heiligenbilder u. s. lv. gepfändet worden sind. Dr. Lueger war flugs dabei, dies als Bicebürgerlneister auf Grlllld des bequemen § 19 zu berichtigen. Nun bringt aber das genannte Blatt die Abschrift eines gerichtlichen Pfändnngsprotvkolles, wie nachstehend: „K. k. städt. del. Bezirksgericht Leopoldstadt U. Wien. Ämtsdiener Martin L e d n i k berichtet über den Boll- Seite 641 zug der mit Bescheid vom 29. Mai 1896, Z. 20.762 bewilligten Creeution in Sachen der Stadtgemeinde Wien durch Dr. Oscar Schmidt, Hof- und Gerichtsadvocat in Wien, L Nibelungengasse 10 wider Frau Therese Z. wegen 85 fl. e. o. c. Miethzins. Protokoll ausgenommen taut Bescheid vom 29. Mai 1896, Z. 20.762. K. k. städt. del. Bezirksgericht Leopoldstadt ll. in Wien. Amtsdiener: Martin L e d n i k. Executin : Frau Therese Z. nicht anwesend. Exeeutionsführer: Die Stadtgemeinde Wien. Schätzmeister: Carl D. Es wurden (lt. a.) nachstehende Gegenstände im Geschärte in Execution gezogen: 1 Marienbild in schwarzem Rahmen fl. —19, 1 Ewiges Licht fl. 1.59. Sämmtliche angeführten Gegenstände befinden sich im Gemeinde-Lagerhaus, II. Am Tabor 5. Wien, am 5. Juni 1896. Martin Lednikm. p. Amtsdrener." Wer mag da wohl gemeint sein? In der jüngsten Nummer der Schönerer'schen „Unverfälschte Deutsche Worte" ist folgende mysteriöse "Notiz zu lesen: „Bon einem Menschrn beleidigt zu sein, der seinem Retter in der größten Roth' beschimpft, anvertraute Gelder veruntreut, seine Ehrenschuld nicht zahlt und doch Häuser kauft — das ist eine noch arößere Ehre, als von Judenblättern beschimpft zu werden. Wen mag wohl Herr Schörkerer mit diesen Anspielungen treffen wollen? Bergani. Jeichtinger und K. H. Wolf. Eine nette Ehrenbeteidigungsklage dürfte nächstens die Richter beschäftigen. Bergani fühlt sich beleidigt, weil Wolf geschrieben, Feichtinger sei der Grazer Bergani. Bergani hält sich offenbar für — u n v e rgleichlich und will nicht, daß seine „zaubergewaltige" Erscheinung zu Parallelen herangezogen werde. Armer Wolf! An: Ende aber passiert ihm doch noch, was er ahnungsvollen Gemüthes befürchtet, daß ihm nämlich auch Feichtinger wegen Ehreitbeleidigung klagt? Der „alte Austerlitz". Wenn man alle Sonderlinge als "Narren einsperren wollte, wären alle Irrenanstalten überfüllt. Freilich kann einem armen Manne der ein Sonderling ist, das Mißgeschick mit einem Narren verwechselt zu werden, viel leichter treffen als reichen Männern. Der „alte Austerlitz" der bei der Polizei um die Errichtung eines Beethoven- M u s e u m s ansrlchte, mußte dafür eine Nacht irr der psychiatrischen Klinik übernachten. Nun ist der „alte Austerlitz", der als Börsengalopin sich recht und schlecht fortbringt, gewiß kein Narr, sondern ein schwämerischer Sammler. Der alte Mann, der so anssieht, als wäre er dem berühmten französischen Illustrator Doree als Modell zu seinem Don Quichote gestanden, ist eine in Wien, besonders in Kreisen von Musikern und Schriftstellern, sehr bekannte Persönlichkeit. Er war in den Siebzigerjahren ein sehr reicher Börsenbesucher und seine Passionen beschränkten sich aus die Sammlung von musikalischen Raritäten. Wo eine Scharteke, eine alte Partitur zu haben war, stellte sich Austerlitz ein; er besaß bald eine Sammlung vvn Manuseripten der berühmtesten Tonkünstler von Bach bis Schubert, darunter so manch ein interessantes Originalwerk, aber auch Falsiffcate, die ihm um theneres Geld von Schwindlern angehängt worden waren. Der Mann büßte nach und nach sein Vermögen ein, aber vvn seinen „Schätzen" wollte er sich nicht trennen, obgleich ihm für ein und das andere als echt erkannte Werk erkleckliche Summen geboten worden sind. Daß er noch unbekannte Sonaten von Beethoven besitze, daß er beweisen könne, die berühmtesten Compositäre haben den Tonheros bestohlen, das hat Austerlitz inrmer behauptet in Wort und Schrift. In den letzten Jahren fristete er ein armseliges Dasein als Börsengalopin; er hungerte - ein eingebildeter Kaiser im Reiche der Töne. Dabei ist er ein harmloser, gutmüthiger Mensch, der nie in seinem Leben jemand Anderem geschadet hat als sich selbst. Wenn man die Juden braucht und wenn man fie nicht braucht. Der Bund der Deutschen Nvrdmährens veröffentlicht eine Erklärung, in welcher mit allem nur denkbaren Nachdrucke hervorgehoben wird, daß dem Bunde jeder Act confessioueller oder parteilicher Unduldsamkeit ferne liegt, daß er vielmehr alle deutschgesinnten Mitarbeiter freudigst begrüße, d a ß e s ihm ganz gleichgiltig sei u n d s e i n m ü s s e, welcher Eons e s s i v n s e i n e M i tg l i e d e r seien u. s. m. n. s. w. Das sind schöne Worte, gute Worte! Ihr Werth wird vielleicht aber ein wenig durch den skeptischen Gedanken getrübt, daß die Deutschen nur dort, wo man die Stimmen der Juden braucht, eine solche ideale Borurtheilslosigkeit bekunden. In Steiermark, wo die Juden in