Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 32 (7.8.1896)
- Date
- 1896-08-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021115-3021148--05874-3030130- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite?640 Dr. Vloch's Wochrnkchrist. Nr. 32 Vorschriften und ausdrückliche Gesetze, die Thierschonung gebieten, und Thierquälerei auf das Allerstrengste verbieten — Dembo behandelt einen Theil dieser Vorschriften in geistreichster Weise; — T a l m u d und Mid r asch, sowie das nachtalmudische Schriftthum der Halachah enthalten zahllose Vorschriften über Thierschutz, liebevolle, schonende Behandlung des Haus- und Nutzthieres und stellen die Milde dem Thiere gegenüber auf eine Stufe mit der von der heiligen Schrift des Alten Testamentes zum allererstenmale ausgesprochenen und anbefohlenen Nächstenliebe. In den heiligen Schriften, Propheten, Psalmen, Sprüchen wird der Mensch darauf hingewiesen, daß Gott der Beschützer aller Geschöpfe, aller Lebewesen sei, der Thiere und der Menschen: in keinem Schriftthum irgend eines Volkes oder Glaubens ist die Thatsache so deutlich nachweisbar als gerade im Judenthume, daß es r e i n e t h i s ch e Gründe waren, welche die Gesetzeslehrer und Glaubenspriester leiteten und beseelten. — Das Christenthum ist unstreitig darin in Fußtapfen des Alten Testamentes getreten, wie es sa überhaupt ohne dieses undenkbar und unbegreifbar ist. Merkwürdigerweise findet sich aber im Neuen Testamente nirgendwo eine Stelle, welcheausdrücklich denThierschutzbefiehlt. Hinweise auf Stellen des Alten Testaments solchen Inhaltes sind wohl in Lucas 14, 5; Matthäus 12, 11 — 6, 26 zu sehen. Das Mittelalter ist in der Idee des Thierschutzes nicht weit vorgeschritten; wie sollte es auch; eine Zeit, in der so viel unschuldiges Menschenblut die Erde färbt, ist für Milde irgendwelcher Art nicht reif; man hat die Juden damals ruhig schlachten lassen und hätte wohl auch nichts dagegen gehabt, wenn es rituell geschehen wäre. Die Gründung von Thierschutzvereinen ist eine Idee des 19. Jahrhunderts und auch ein Verdienst; das ist unbesteitbar. England ging voran: es folgten Deutschland, Frankreich, Oesterreich, Schweiz, Italien, Rußland, Amerika — jetzt zählt man ungefähr 581 Gesellschaften. Sehr interessant ist die Zusammenstellung der philosophischen Ansichten über Thierschutz (pag. 194—200), der Ansichten des Pythagoras, Empedokles, Demokrit, Aristoteles, Theophrast; dann auch Moderner: des Descartes, Spinoza, Kant, Hegel, Krause; Schopenhauers verkehrte und boshafte Aeußerungen über Juden und Judenthum werden scharf kritisirt und mit gutem Recht behauptet, daß er vom Schriftthume des Judenthums nichts gewußt habe. — In der Zusammenfassung (pag. 207—224) gibt Dembo einen ausgezeichneten Ueberblick seiner Arbeit und ergänzt die vorhergegangenen Capitel durch manch' kostbare Bemerkung; seine Resultate, die aus der zweiten Abtheilung des Werkes gewonnen werden, faßt er dann (pag 224) in 8 Thesen zusammen, von welchen einige in kurzen Schlagworten lauten: 1. Die Anschuldigung, daß die Juden Thierschutz nicht kennen, ist Unwissen hei t. 2. Verbot der Thier - quälerei ist bei den Juden rein ethischen Ursprunges, während bei den anderen Völkern eigennützige oder götzendienerische Motive Mitwirken. 3. D a s G e s a m m t j u d e nthumist die größte Thier schutzgesellschaft und auch die älteste, gegründet auf das Gesetz Moses, auf die Thora. Der dritte, allerdings kleinste Theil beschäftigt sich mit dem Nachweise des Schechitahgebotes aus der Thora und mit der Vertheidigung der Nützlichkeit der Bedikah. Der erste Beweis wird mit großem Geschick und gelehrter Quellenkenntniß geführt; manche höchst originelle Quellendeutung begegnet uns. Die Polemik gegen Wiener wird mit unstreitigem Erfolge geführt, und das ist nicht der letzte Vorzug dieses Abschnittes. Insbesondere muß hervorgehoben werden, daß Dembo, der erfahrene Arzt und mit den modernsten Ergebnissen wohlvertraute Physiologe und Anatom die Abhandlungen des Tractat's Chullin mit Akribie auffaßt (pag 240 ff.) und beweist, daß die Tannaiten und Amoräer durch praktische Erfahrung zu respectfordernden Resultaten auf diesen Gebieten gelangt sind. — Dembo zeigt, daß die strengen Bedikahgesetze den Gesundheitszustand der Juden stets beschützt haben; daß beispielsweise Physiker perzentualiter unter Juden sehr wenige sind; er zeigt ferner, daß in den Gesetzen über Reinheit und Unreinheit rc. tiefe naturwissenschaftliche Wahrheiten vorgeahnt und angedeutet sind; daß ein luftdicht verschlossenes Gefäß (zamid passil) für miasmatische Lufteinflüsse unzugänglich ist, weiß schon Moses. Der Fortschritt des aufgeklärten 19. Jahrhunderts ist so groß nicht, als der Leie glaubt: die größten Wahrheiten und Entdeckungen liegen, wenn auch tief verborgen, schon keimend im Schooße grauer Vergangenheit. Und der Mehrgewinn an Ethik, fügen wir hinzu, den dieses Jahrhundert aufzuweisen hat, ist im Verhältniß zu den Kraftanstrengungen, welche die Menschheit seit Jahrtausenden macht, keineswegs ein entsprechender. Höher als die Ethik des Moses steht keine andere. Aus der kurzen In Haltsangabe ist klar, daß das Dembo'sche Werk von allgemeinem, h oh en Int er ess e ist. Es w är e s ehr zu wünschen, daß dasselbe sobald als möglich ins Deutsche übertragen werde, damit das wichtige Doc umenten materiale, sowie des Verfassers treffliche Ausführungen dem großen gelehrten und ungelehrten Pu bl ic u m zugänglich gemacht werde — Ich schließe mit Dembo's Motto: „Alles Böse, welches man dem Volke der Hebräer nachzusagen gewöhnt ist, alle Bemühungen witziger Köpfe erst zu verkleinern, werden uns nicht hindern, gerecht gegen dasselbe zu sein." (Schiller). Vom Jahrmarkt des Lebens. Eine czechische Stimme über den Antisemitismus der Deutschen und der Czechen in Mähren. Eines der bedeutendsten czechischen Blätter Brünns, die . Lloravska Orlice“ widmet ihren Leitartikel in der Nummer vom 26. d. M. der Beleuchtung der zwei, in der jüngsten Zeit von deutschliberaler Seite in Mähren gemachten Eingeständnisse, denen zufolge die künstliche Uebermacht, der Deutschen im Lande, lediglich der Einflußnahme der maßgebenden Wiener Kreise einerseits und der thatkräftigen Unterstützung der Inden anderseits zu danken sei. Nach der Ausführung, daß im Falle des Abfalles der Inden von den Deutschen, zwei Drittheile der Mandate in den Landtag und Reichsrath den Czechen zufallen müßten und daß die Handelskammern und alle großen öffentlichen Institute den Deutschen entrissen würden und daß der Antisemitismus der Deutschen für dieselben nothwendigerweise verhängnißvoll werden müsse, fährt das Blatt wörtlich folgendermaßen fort: „Wir Czechen in Mähren sind nieder Racennoch Confessions-Antisemiten, wir sind Gegner der Inden bei uns nur insoweit, als sie unser Volk politisch und wirthschaftlich schädigen, aber unsere Abwehr gegen sie, und die Durchführung des Wahlspruches „Jeder zum Seinen" (Svujksveom) wird umsomehr wachsen und erstarken, je länger die Inden die künstliche Oberherrschaft der Deutschen bei uns erhalten werden. Daß sie künstlich, falsch und ungerecht ist, bekannten nun die Deutschen Dr. Promber und Dr. Eben. Das Bekenntniß Eben's in Betreff der Juden ist nicht um Haaresbreite für die Deutschen Mährens schmeichelhafter als das Prombers über die Einflußnahme der Wiener Kreise. In Mähren bilden die Czechen nach der letzten Zählung 70°6 Percent, die Deutschen sammt den Juden 29'4 Percent der Einwohner. Czechen sind laut dieser Berechnung 1,590.513, Deutsche 664.168 in welche Zahl schon 45.324 Juden, die in Mähren wohnen, mitinbegriffen sind. Und diese 45.324 entscheiden nach Dr. Eben die politische Gestaltung des ganzen Landes und ohne diese würden die übrigen Deutschen mit der Zahl 618.844 nur eine unbedeutende Minorität bilden. Dieses Bekenntniß degradirt bedeutend unsere aufgeblaseneil Deutschen und muß gerade so wie jenes Prombers für die Zukunft gut verzeichnet bleiben. Die Deutschen haben hiemit ihre beiden schwachen Seiten enthüllt, und es niuß wahrlich im deutschen Lager über die Maßen zerfahren aussehen, wenn sie sich