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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-31 · 31 (31.7.1896) · page 30

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
31 (31.7.1896)
Date
1896-07-31
Page
– (sequence 30)
Language
German
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Seite 630 Dr. Vlochs' Wochenschrift. Nr. 31 deffen ihren Broterwerb entziehen können, wurden sozusagen > ohne Discussion durch die rumänischen Kammern votirt. Ja, die Kammern sind aus dem Wege der Verfolgung noch weiter gegangen; sie untersagten den jüdischen Ländern den Eintritt in die Schulen, einerseits dadurch, daß sie ihn den Kindern von „Fremden" erst dann gestatteten, wenn die Kinder der „Rumänen" dort alle untergebracht sind (und die dortigen Schulen reichen nicht einmal für die Hälfte der schulpflichtigen Jugend), anderseits indem sie eine Schultaxe den Kindern der „Fremden" auferlegten, während für die der „Rumänen" der Unterricht unentgeltlich ist. Die Juden sind in Folge dessen bestrebt, selbst Elementarschulen für ihre Kinder zu errichten. Das Unternehmen ist schwierig und übersteigt ihre Kräfte, und es ist Pflicht der Juden des Westens, sie darin zu unterstützen. Auch von den Juden in Marokko und Persien wird die Hilfe der „Allianz" angesprochen. Während die Juden in einzelnen muselmännischen Ländern, besonders in der Türkei, inmitten einer toleranten und selbst ihnen wohlwollenden Bevölkerung leben und auf den Schutz des Souveräns und den Gerechtigkeitssinn der Beamten rechnen können, gelingt es in Marokko und Persien schwer, sie gegen den Fanatismus der Massen zu schützen. Seit Jahren vergeht nahezu kein Aionat, in welchem nicht die Ermordung von jüdischen Kaufleuten zu verzeichnen wäre. Die Gleichgiltigkeit oder der böse Wille der Beamten läßt diese Morde unbestraft und wenn nicht durch die Mächte einer Anzahl von Inden officieller Schutz gewährt würde, so wären täglich die schwersten Ausschreitungen zu-befürchten von Seite der noch barbarischen Bevölkerung, die in jedem Mchtmuselmann einen Feind sieht. Die „Allianz" erbittet für die Juden dieser Gegenden niemals vergebens den Schutz der civilisirten Regierungen. Die Vertreter der europäischen Mächte und der Bereinigten Staaten bemühen sich, ihnen ein wenig Sicherheit zu verschaffen. Aber selbst in civilisirten Ländern bedroht eine neue Art von Kreuzzug unter dem Namen des Antisemitsmus überall die Neligionsfteiheit, sowie alle Principien, welche die Grundlage und den Schutz der modernen Gesellschaft bilden. Die Aufgabe der „Allianz" ist es, die Bestrebungen jeder Art zu unterützen, welche geeignet sind, die öffentliche Meinung über die wahren Ziele des Antisemitismus aufzuklären, welche die Verleumdung vernichten oder ein Vorurtheil bekämpfen. Diese Aufgabe ist noch groß, und die „Allianz" hat das Bewußtsein, daß sie durch deren Erfüllung gleichzeitig ebenso der Wahrheit und der ganzen Civilisation wie dem Judenthume einen Dienst erweist. Sie ließ sich aber durch sie nicht einen Augenblick von der Arbeit abwenden, welcher sie seit ihrer Gründung obliegt, nämlich für die geistige und sittliche Erhebung der Juden zu wirken. Die in Beziehung auf Schulen und Handwerk erzielten Ergebnisse sind von Jahr zu Jahr beträchtlicher. Wer in der ersten Hälfte des Jahrhunderts nach Marokko, die Türkei und Tunis reiste, war betroffen von der Lage des äußersten Elends der Juden dieser Länder, vielleicht aber noch mehr von ihrem geistigen Zustande, von dem Abgang jeder modernen Cultur; kaum daß die Kinder Hebräisch lesen und schreiben lernten. In Rußland und Rumänien waren die Juden vielleicht unglücklicher, aber der Eifer für die religiösen Studien brachte bei ihnen Männer der Wissenschaft hervor. In diesen entarteten Juden der muselmännischen Länder dagegen konnte man kaum die Nachkommen der Juden von Spanien und Babylonien erkennen, welche trotz aller Verfolgungen das Schauspiel einer so schönen Blüthe von Poesie, Literatur und Wissenschaft gaben. Einstimmig war der Ausspruch, daß nur durch Schulen sich diese Bevölkerung wieder erheben könne. Unter der niederdrückenden Einwirkung eines in die Enge des Ghettos eingesperrten Lebens hatten sich die physischen Kräfte vermindert; die Körper waren ebenso siech wie die Geister, und im Erwerbe waren sie auf die niedrigsten Beschäftigungen angewiesen. Die „Allianz" verwendete die ersten Gelder, über die sie verfügen konnte, für die Gründung einer Schule in Marokko und bei jeder Erhöhung der Hilfsmittel der Gesellschaft folgte eine neue Schulgründung. Die erste Knabenschule wurde errichtet in Tetuan 1862, die zweite in Tanger 1864-, eine weitere in Bagdad 1865, und bestehen 59 organisirte und im vollen Gange befindliche Schulen, welche von 12.050 Knaben, ferner 22 Schulen, welche von 4000 Mädchen bejudjt sind. Die Munificenz des Baron Hirsch hat diese rasche Entwicklung ermöglicht und auch die Juden tragen zu den Lasten für die Schulen nach Möglichkeit bei. Die Generationen, welche die Schulen der „Allianz" besucht haben, sind durchdrungen von dem hohen Werthe der modernen Cultur, und das Beispiel, welches sie den Uebrigen bieten, ist die beste Propaganda. Wenn die Mittel es erlaubten, könnte die Zahl der Schulen eine doppelte sein, da zahlreiche Gemeinden rührende Bitten um Schulen stellen. Die „Allianz" kommt diesen Bitten wenigstens durch Unterstützung der Schulen, wo solche von den Gemeinden gegründet werden, entgegen. Um ihnen entsprechende Lehrkräfte zu bieten, wurde 1868 in Paris eine Lehranstalt errichtet, in der geeignete Personen aus den Gegenden, in denen sie später wirken sollen, als Schüler ausgenommen werden und welche von der französischen Negierung im Jahre 1880 die Anerkennung ihrer öffentlichen Nützlichkeit erlangte, wodurch sie die Fähigkeit erhielt, Schenkungen und Legate anzunehmen. Ihre officielle Bezeichnung lautet: »ecole normale israelite orientale.» Sie zählt 28 Schüler und 20Schülerinnen, welche sännntliche aus der Türkei, Bulgarien, Tunis und Marokko stammen. Auch die Belebung der rabbinischen Studien in diesen Ländern, wo sie ehemals blüthen und nunmehr gariz in Verfall geriethen, war erforderlich. Zu diesem Zwecke trugen die „Allianz" und die „Anglo Jewish-Association" bei zur Gründung und Erhaltung eines kleinen Rabbinerseminars in Adrianopel. Ueberdies erhält die „Allianz" im Pariser Rabbinerseminar zwei Zöglinge aus dem Orient, welche nach Beendigung der Studien in ihrer Heimat das Amt von Rabbinern übernehmen werden. Da die Juden des Orients ebensosehr unter dem physischen Elende als unter der Unwissenheit leiden, so hat die „Allianz" für dieselben die Erlernung von Handwerken als ebenso dringend erachtet wie den Besuch der Schulen. Der niedrige Stand der Industrie, die wenig zahlreichen Bedürfnisse, die eifersüchtig bewahrte Ausschließlichkeit der nichtjüdischen Meister, die geringe Neigung der Kinder für Handwerke, die ihre Väter nicht kannten, machen die Handwerkerfrage zu einer schwierigen. In manchen Gegenden übten die Juden Handwerke, aber es waren leichte, wenig lohnende. Man mußte nun den Kindern vor Allem den Geschmack an körperlicher Arbeit beibringen und sie mit der Sicherheit und Unabhängigkeit bekannt machen, welche die Kenntniß eines guten Handwerkes verleiht. Dank der Großmuth des Baron Hirsch konnte die „Allianz" Handwerkerschulen überall dort errichten, wo sie auch Schulen gegründet hatte und wenn sie auch nicht aller Schwierigkeiten Herr werden konnte, so hat sie doch wenigstens das Vorurtheil besiegt, welches die Kinder vom Handwerke ferne hielt. Gegenwärtig werden 600 Lehrjnngen unterrichtet, darunter Schmiede, Mechaniker, Schlosser, Maurer, Tischler. Die Organisation war verschieden nach den ökonomischen Bedingungen und den Anforderungen jeder Gegend. In den meisten Gegenden werden die Lehrjunge», welche soviel als möglich aus den die Schule verlassenden Knaben ausgewählt werden, bei Meistern in den Städten untergebracht und von dem Leiter der Allianz-Schule, zumeist mit Beihilfe eines Comites, überwacht. Ferner bestehen einzelne von der „Allianz" selbst errichtete Handwerkerschulen, so für Kunsttischlerei und Tischlerei in Constantinopel, für Schmiederei und Tischlerei in Tunis. Die von der „Allianz" in Jerusalem errichtete Arbeitsschule verdient insbesondere Beachtung vermöge der Dienste, die sie leistet und ihrer moralischen Einwirkung auf die Bevölkerung. Sie war in dieser Stadt nöthiger als in jeder anderen Stadt des Orients und sie war dort schwieriger als überall zur Geltung zu bringen. Denn, gewohnt von der Wohlthätigkeit ihrer auswärtigen Glaubensgenossen zu leben, hatten sich die Juden von Jerusalem vollständig von der Ausübung von Handwerken abgewendet. Die von der „Allianz" mit Hilfe einiger edelmüthiger Juden von London begründete Handwerkerschule, welche unter der hingebungsvollen Leitung des Herrn Nissim Behar steht, wurde von der jüdischen Bevölkerung nicht ohne Bedenken ausgenommen, aber die von ihr erzielten Resultate siegten über alle Borurtheile. Sie umfaßt eine Elementarschule nach dem Muster der übrigen Schulen der „Allianz," welche von 150 Zög- , lingen besucht wird, dann die eigentliche Handwerkerschule, in welcher die Zahl der Lehrlinge 120 beträgt. Die Meister wurden

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