Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 31 (31.7.1896)
- Date
- 1896-07-31
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 616 Dr. Blortzs Wochrusttzrift Nr. 31 ihm immer eine Freundin sein wirst, und daß Dein Baker ihn lieben wird, als ob er wirklich sein Sohn wäre." Er trat aus sie zu und berührte zärtlich ihre Schulter. Er fühlte, wie ein heftiges Zucken ihren Körper durchflog. „Ich kann nicht Vater!", schrie sie mit erstickter Stimme. „Ich kann nicht! Verlange das nicht von mir." David lehnte in eisigem Schweigen an dem mit Mauuscripten beladenen Tisch. Die ernsten, wie aus Granit gehauenen Gesichter der alten Rabbis schienen ihn von den Wänden stirnrunzelnd anzusehen, und er gab die, wie er sie deutete, bösen Blicke mit Zinsen zurück. Sein Herz war voll Bitterkeit, Zorn und Empörung. Red Schemuel beugte sich herab imb nahm den Kopf der Tochter zwischen seine zitternden Hände. Ihre Augen waren wieder geschlossen, ein stilles Schluchzen hob schmerzlich ihre Brust. „Liebst Du ihn dcnn gar so sehr, Hanna?", flüsterte der alte Mann. Ihr Schluchzen, das endlich laut wurde, gab die Antwort. „Aber Deine Religion liebst Du mehr, mein Kind?", murmelte er ängstlich. „Sie wird Dir Frieden bringen." Ihr Schluchzen beruhigte ihn nicht und plötzlich steckte es auch ihn an. „Gott, o Gott!", stöhnte er. „Welch schwere Sünde habe ich begangen, daß Du mein Kind so strafst?!" „Gott hat keine Schuld daran," brach David endlich los. „Schuld hat nur." „Danken Sie Gott für ihre Jugend, Gesundheit und Kraft," unterbrach ihn Reb Schemuel, ebenfalls auffahrend, „und lästern Sie Ihn nicht, weil Sie nicht alles haben können, was ihr Herz und ihre Augen begehren!" „Wasmein Herz begehrt?", entgegnete David. „Glauben Sie, daß ich nur an mein eigenes Leiden denke? Sehen Sie Ihre Tochter an, bedenken Sie, was Sie ihr anthun, und hüten Sie sich, ehe es zu spät wird." „Liegt es in meiner Hand, zu lassen oder zu verbieten," fragte der alte Mann. Es ist die Thora, bin ich für sie verantwortlich?" Eine plötzliche Eingebung hellte David's Gesicht auf. „Wer braucht denn je davon zu erfahren? Der Maggid ist tvdt, der alte Hyams ist nach Amerika gegangen, wie Hanna mir sagte. Tausend gegen eins läßt sich wetten, daß Lea's Leute ine von dem Gesetz im Leviticus gehört haben, und wenn auch, es wird ihnen nie einfallen, es mit uns in Verbindung zu bringen. Man muß ein Talmndist fein wie Sie, um Hanna flir eine gewöhnliche geschiedene Frau zu halten." (Fortsetzung folgt.) Literatur. Es war ein reicher Genuß, und darum will ich ihr: auch Anderen empfehlen. Die Schrift, die mir ihn bereitete, rührt von M. Silbe r st e i n. dem menschenfreundlichen Inspektor des jüdischen Waisenhauses in Breslau, her und bildet „einen Umriß von der Entstehung und Entwicklung der verschiedenen Religionen und von ihrer Verwandtschaft unter einander". Sie ist unter dem Titel: „Im Himmel und ans Erden", Parallelbilder aus dem religiösen Leben der verschiedenen Völker, in Breslau bei Wilhelm Koebner, 1806, 143 Seiten, erschienen. Preis 1 Mark 60 Pfennige. Das Motto aus Herder, womit der Verfasser diese seine Schrift als Bekenntniß seiner Seele ausgibt, und die Briefe der beiden gelehrten Rabbiner Breslaus erhöhen den Werth der Geistesarbeit, welche den unsterblichen Manen Joel's, „des tiefen Denkers und großen Menschenfreundes", geweiht ist. In schöner und faßlicher Form führt sie das Leben und die Lehren der großen Religio ns stifter Mose, Confucius, Zoroaster, Brahma, Buddha, Christus und Muhammed vor, deren wunderbare Geburt, Jugendjahre bis zum Antritte ihrer Weltmissionen und dann den sagenreichen Tod dieser Propheten sie mit besonderer Liebe bchandelt. Tiefe Ehrfurcht vor diesen größter: Denkern und Wohlthätern der Menschheit führte:: den Griffel des Verfassers, doch leuchtet seine besondere Verehrung für Zoroaster hervor, „weil der Stifter der Parsenlehre den Pantheismus abzufchaffen und gleich Mose den Glauben an einen Gott einzuführen strebte". Darun: fällt dessen Abneigung gegen die Lehre des Muhammed umsomehr auf, als ja dieser nach der Weisurrg seines Lehrers, des gelehrten Rabbiners Abdallah Jbn Sallarrr, den Monotheismus mit besonderer Prägnanz betonte. Die Verwandtschaft des Urchristenthums mit dem Buddhismus braucht nicht erst in dem apokryphen Evangelium von Jssa, das ist Jesrr, das Nikolaus Notvwitsch in einem tibetischen Kloster gefunden habe:: will, und wonach Jesus bis nach Indien gekommen sei:: soll, gesucht zu werden. Errvähnt ja der Verfasser selbst, wie seit der Expedition Alexanders des Großen an den Ganges die Geistesschätze dieses Wunderlandes dem Westen enthüllt wurden. Trägt doch Josephus, Bellum 1!I, 8, Lehren eines indischen Weisen vor, die als Gemeingut der hellenistisch Geschulten, insbesondere der Effäer, dieser Vorläufer des Christenthnms, bei derren Josephus in die Schule ging, wohl gelten können. Die Ansicht, daß die Kosmogonie ur:d die Offenbarungslehre des Mosaismns ihren Ursprung in der Priesterschule zu Sais hätte, hat zwar Schiller mit seinem Aufsatze über die Sendnng Moses' populär zu wacher: gewußt. Doch ist Isidor von Sicilien, seine Autorität, längst rncht mehr als verläßlich befirr:der: worden. Die Unsterblichkeitslehre des Pentateuchs will der Verfasser nur in der Gottesebenbildlichkeit der Menschenschöpfung wiederfinden. Lessing hat dagegen in der Sprachwendurrg „ich lege mich zu der: Vätern" bereits Spürer: dieses Glaubens entdeckt. Der Führung des Amsterdamer Rabbiners drrrch die Schauerkammern des Chibimt ha Keber (mit t und rncht mit <1 zu transcribiren) sollte der Autor sich uicht so vertrauensselig hingegeben haben Bei aller Bewrmderurrg für den edler: Manasse b. Israel kann dieser rncht soviel Autorität innerhalb der jüdischen Welta::schaun::g auf dieser:: Gebiete beanspruchen, als der Dichter der Aene'ide dem göttlicher: Dante gegerriiber, die er drrrch das Pergatorium führte. Die gelehrte Notiz über die Genealogie Alborak's, des frommen Reitthieres des Propheten von Mekka, dessen Abstarnrnung bis auf die Eselin Bileaur's zurückgeführt wird, wird ir: Fachkreisen gewiß mit Erkenntlichkeit vermerkt werden. Pilse n, 20. Juli 1806. Dr. Adolf Posnanski. Briefkasten. L. B. Sie fragen: „Feichtinger hält Versammlungen ab, Berg an i auch. Wo bleibt da der Unterschied?" Da müssen Sie einen Anderen fragen. H. B- Lasten Sie's nur gut sein, Dr. Lueger wird es auch erkennen, daß die Geister, die er heraufbeschworen, stärker sind als er selbst. Dr. B. G. Dieser schrullenhafte Gelehrte, der von den Antisemiten immer wieder für ihre Partei reclamirt wird, hat sich längst von ihnen abgemeldet. A—n. Bismarck hat den Antisemitismus eine Zeitlang für seine Zwecke benützt, aber Sie dürfen ihn darum nicht die Albernheit zumuthen, daß er damals auch Antisemit gewesen sei. Dr. S. K. Dem Pastor Stöcker wurde nur ein Meineid aus Fahrlässigkeit nachgewiesen. Das ist in den Augen von echten Antisemiten eine Kleinigkeit, über die man nicht weiter spricht. H. B. In der That gibt es so manche Aehnlichkeit zwischen dem katholischen Priester Rohling und dem protestantischen Hetzer Stöcker. L. G. Der arme, von Pacher so gekränkte Mann hat sich stets durch seine clericalen Neigungen hervorgethan. i. Mechaniker Schneider kennt weder Hitznoch Hetzferien. Ems. Wenn Ihr antisemitischer Table - d’höte - Nachbar noch einmal behauptet, einzelne Juden seien ganz anständig, die Mehrheit aber unsauber, dann halten sie ihm die Frage entgegen: Ist der Ausspruch G o e 1 h e's richtig : „Die Deutschen sind im Einzelnen achtbar, im Ganzen miserabel." Ebenso falsch wie dieses allgemeine Wort Go'the's ist auch das ihres Curgastes. Dr. H. G. Das Curioseste ist, daß ein Dr. Anton W esse l s k y in seiner eben erschienenen Schrift „Oesterreicherthum. Eine arische Denkschrift," die „D e u t s ch t h ü m e l e i" „j ü d i s ch" nennt. Dr. G. in Wien. Vor einigen Jahren schon ließ sich eine gewichtige Stimme über eine rein „arische" Ausbeutung des galizischen Landvolkes vernehmen. Es war kein Geringerer als Graf Stanislaw Tarnowsky, Herrenhausmitglied, Universitätsprofestor und Präsident der Lemberger Akademie der Wissenschaften, der in einer seinerzeit großes Aufsehen erregenden Broschüre: „Poreya" die g a l i z i s ch e n S ch l a ch t z i z e n offen beschuldigte, daß sie durch einen eigenartigen Wucher die armen bäuerlichen A beiter rücksichtslos ausbeulen. Der einzige lindernde Umstand, der zu Gunsten dieser Gutsbesitzer sprach, bestand darin, daß sie keine — Juden waren! Fleißiger Leser, Döbling. Den „immerwährenden Kalender aller Nationen" erhalten Sie durch die Buchhandlung Ch. D. Lippe, Wien, II., Praterstraße 13. EG Wottig. Dr. Th. H er z l wohnt Wnu I., Fichtegasse 11, derzeit Reichenau bei Peierbach, Thalhof. M. Abelcs, Jaromek. Sie haben Recht, eine solche Art Beschneidung, wie sie der Doctor aus Königgrätz vornimmt, ist ganz und gar nnjüdisch. Jsak Hirsch, Kolomea. Ungeeignet. Herausgeber u. verantw. Redakteur: Dr. Josef E. Bloch. - Druck v. L. Beck & Sohn Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 46.