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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-31 · 31 (31.7.1896) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
31 (31.7.1896)
Date
1896-07-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 614 Dr. Bloch's Wochrnschrifi Nr. 31 Verblichene die Höhen des Lebens erreicht, daß es ihm wenigstens gegönnt war, einen Blick in das gelobte Land des Lebens zu thun, dessen Boden er allerdings nicht mehr betreten sollte. Hierauf wurde der Sarg in der Familiengruft zur letzten Ruhe gebettet. Oberhollabrunn. Am 23. d. M. starb hier nach langem, schweren Leiden der Kaufmann und Mitglied des f. k. Bezirksschulrathes, Gustav Skamperl, im noch nicht vollendeten 56. Lebensjahre. Die Trauer um den allgemein verehrten Mann ist eine tiefe und innige, wovon die überaus große Betheiligung beider Confessionen an seinem Leichenbegängnisse Kunde gab. Herr Rabbiner Dr. Schächter aus Horn hielt dem Berstorbenen einen tiefergreifenden Nachruf. Saaz. (Trau u u g.) Sonntag den 2. August findet hier die Trauung des Herrn Rabbiners Dr. Armand Kami it k a aus Prag mit Fräulein Löwi, Tochter des Herrn J.U.Dr. David Löwi, Advocaten und gewesenen Cultusvorstehers in Saaz (Böhmen), statt. i Karlsbad. (D e co r ati o n.) Dem Inhaber der mechanotherapeutifchen Anstalt hier, Herrn Dr. D. T y r n a u e r, wurde vom Könige von Serbien das Officierskreuz des Sava-Ordens und vom Fürsten von Bulgarien das Officierskreuz des bulgarischen Verdienstordens verliehen. Karlsbad. Die Eröffnung des Militär-Curhauses hier hat vorige Woche in besonders festlicher Weise stattgefnnden. An derselben nahmen unter Anderen Theil die Förderer dieser humanen Institution, die Herren Alfred S t r a s s e r, kaiserlicher Rath S ch o st a l, Sandor L ö t i, Wilhelm W e i ß h a u p t und Cultusvorsteher M ose r. Besonders hervorzuheben ist die Munificenz des Herrn Moser, welcher den ganzen Bedarf an kostbarem Glaswerk für die Einrichümg des Curhauses gratis lieferte. BaLu im Ab. Unser stilles Städtchen war gestern der Schauplatz einer großen, ergreifenden Trauerkundgebung. Die j Witwe unseres in Gott ruhenden Rabbiners Frau Sarah Reich wurde zu Grabe getragen. Die Verewigte lvar eine Frau von ' tiefinniger Frömmigkeit und beispielloser Herzensgüte. Von den j vier Söhnen ist der älteste der Oberrabbiner R. Koppel Reich , in Budapest, der Erbe des Namens und des Ruhmes des j großen Gaon R. Koppele Chariff. Der Schwiegersohn wirkt als > Oberrabbiner in N mesztü, der zweite Sohn ist Rabbiner in > Floridsdorf, der dritte Oberrabbiner in Baden und der jüngste! unser vielgeliebter Seelenhirt. Das Leichenbegängniß fand unter? großer Betheiligung statt. Der Eindruck des gestrigen Tages < wird uns stets unvergeßlich sein und das Andenken der theuren Hingeschiedenen wird ewig in unserem Herzen leben. Vrag. (B e r l o b u n g.) Herr Alfred P a s ch e l e s, k. k. j Lieutenant in der Reserve, Sohn des bekannten Buchhändlers j Herrn Samuel W. Pascheles, hat sich mitFrl. Olga Türk, Tochter des Realitätenbesitzers und Kaufmannes Herrn Marcus Türk in Prag, verlobt.! Pretzburg. 20. Juli. (Trauerfeier.) In den; Jnstitutslocalitäten des hiesigen Mädchenwaisenhaufes fand heute aus Anlaß der Jahreswende des Todestages der Stifterin des * Vereines Frl. Melanie Berger aus Wien eine seltene Tranerfeier statt, bei welcher Gelegenheit Vereinsvorftand Herr Hermann Steiner der verblichenen Stifterin einen warmen Nachruf hielt. , Protznitz. Die Trau u n g des Herrn Ludwig H u s s e r l, Gesellschafters der Großindustriellen-Firma Adolf ' H u s s e r l & Sohn mit Frl. Jeuni Schneider, Tochter des beliebten ärztlichen Veteranen Med. Dr. Leopold Schneider, j findet am 2. August d. I. im hiesigen Tempel statt. - Nicolsburg. Jüngst brachten diese Spalten einen er-; frculichen Bericht über die Zustände derCultusgemeinde Nicolsburg, in welcher Gottlob der alte gute Geist wach ist; es wurde aber vergessen, des jüdischen Geselligkeitsvereines „Hilaritas" Erwähnung zu thun, der nun 12 Jahre besteht. Die junge jüdische! Welt lebt in schöner Eintracht. Am 27. d. M. veranstaltete ' dieser Verein einen Ausflug. Mit Blumen bekränzte jüdische Radfahrer eröffneten den Zug. Der sociale Friede ist hier so; groß, daß einige hundertjüdische Männer, Frauen und Mädchen unbehellgt in ein benachbartes Dorf ziehen können, um dort bei; Musik und Tanz recht vergnügt zu sein. Der Gastwirth hatte sogar nichts dagegen, daß koschere Kost mitgenommen wurde. Abends zogen die jungen Leute iu schönem Zuge unter Pauken- und Trompetenklang mit Lampions ins friedliche , Städtchen ein. Der Bericht soll nur beweisen, daß es doch noch * unverseuchte Orte und gute Juden gibt. Retz. S y n a g o g e n e i n w e i h u n g.) Am 22. d. M. fand hier unter großer Betheiligung die Einweihung einer bescheidenen Synagoge in würdigster Weise statt. Die Festrede unseres allbelibten Rabbiners Dr. Schächter—Horn, eine junge, von Liebe für sein Amt durchglühte, das Wort der Rede beherrschende Persönlichkeit, machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Hohenelbe, 22. Juli 1896. Vor (uns liegt ein antisemitisches Circular für eine Versammlung zur Gründung eines antisemitischen Volksvereines. Als Redner fungirt K. H. Wolf von der „Ostdeutschen Rundschau". Unterzeichnet ist der Aufruf: W e n d e l i n Böhm, Fabrikant und Stadtrath; Franz Veith, Sattler; Friedrich Wonka, Private; J.U.Dr. Hubert Schrimpl, Advocat; A.Ehinger (Firma A. Eh in g er L May). Wir empfehen diese Mittheilung zur besonderen Aufmerksamkeit den zahlreichen jüdischen Kunden der genannten a n t i s e m itischen Fabrikanten. Lemberg. (D r u ck f e h l e r-B e r i ch t i g u n g.) In den Nekrolog der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift", betreffend den verstorbenen Philantropen hat sich ein unliebsamer Druckfehler eingeschlichen. Der Verstorbene, dessen Heimgang so tief betrauert wird, hieß Ignaz Lilien von der Firma Lilien & Sokal. Feuilleton. Rinder des Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) (Nachdruck verboter.) „Der Allmächtige segne Sie!", sagteer mit seinem hübschen, fremdartigen Accent. „Werden Sie meiner Hanna ein so guter Gatte, wie sie Ihnen eine gute Gattin fein wird!" „Vertrauen Sie mir, Neb Schenmel", erwiderte David, indem er ivarm seine Hand drückte. Der alte Mann klopfte ihm liebevoll auf die Schulter. „Oh, Sie werden ein guter Jude sein", sagteer. „MeineHanna wird Sie lehren. Gott segne sie." Reb Schemuel's Stimme klang etwas leiser. Er beugte sich herab und küßte seine Tochter auf die Stirne. „Sind ihre Eltern noch am Leben?" „Nein, sie starben, als ich ein Kind war", antwortete David und wurde ernst. „Das habe ich mir gedacht", sagte Reb Schenmel. „Glücklicherweise war das bei meiner Hanna nicht der Fall." Er lächelte über den Humor seiner Worte; Hanna ergriff seine Hand und drückte sie zärtlich. „O, Alles wird schon in Ordnung kommen," fuhr der Rabbi mit charakteristischem Optimismus fort. „Gott ist gütig, und Sie haben im Grunde ein gutes, jüdisches Herz, David, mein Sohn. Hanna, hol' den jvntefdigen Wein! Wir wollen ein Glas zum Masoltvw trinken. Hoffentlich kommt Deine Mutter bald zurück, unt mitzuhalten. Hanna lief in die Küche. Sie hatte sich noch nie in ihrem Leben so glücklich gefühlt. Sie weinte ein wenig und lachte ein wenig und trödelte ein wenig, um sich zil fassen und den beiden Männern Zeit zu geben, etwas näher mit einander bekannt zn werden. „Wie geht es dem verlassenen Gatten Ihrer Hanna?", fragte der Rabbi beinahe übermüthig. Denn Alles vereinigte sich, ihn so vergnügt wie einen Schuljungen zn machen. „Ich höre, er ist ein Freund von Ihnen." „Wir waren einmal Schulkameraden, das ist Alles", antwortete David lächelnd. „Sonderbarerweise habe ich jetzt gerade eine Stunde mit ihm verbracht. Es geht ihm sehr gut, und er denkt, wieder zu heiraten. „Natürlich seine erste Liebe?", fragte Reb Schenmel. „Ja, zn der kehrt man immer wieder zurück", antwortete David lachend. „Das ist recht, das ist recht", sagte der Rabbi, „ich bin froh, daß nichts Unangenehmes daraus entstand." „Unangenehmes? Wie wäre das denn möglich gewesen? Lea wußte ja, daß es nur ein Spaß war. Ende gut, Alles gut. Vielleicht können wir sogar am selben Tage getraut und noch einmal verwechselt werden. Hahaha!" „Sie wollen also schon bald heiraten?" „Ja, unter unseren Leuten dauern die Verlobungen zu lange und gehen deshalb oft zurück." „Dann haben Sie wohl die Mittel dazu —?" „O ja, ich kann Ihnen meine —"

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