Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 31 (31.7.1896)
- Date
- 1896-07-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Nr. 31 -eile 612 Vr. Vlortz s Wochrnschrist. worden: Herr Ignaz Schifcha, Bank- und Wechselhausinhaber hier, zum Cnltusvorsteher, Herr Dr. Wilhelm Wolf, k. n. k. Regimentsarzt in der n. a. L W> prakt. Arzt, hier, zum Stellvertreter, Herr Dr. Carl Keßler, Magister der Zahnheilkunde, prakt. Arzt, hier, zum Beirathe. Herr Dr. Michael Spitzkopf, k. u. k. Rathssecretär, Herr Alois Grünwald, Fabriksbesitzer, Herr Adolf Sonnenfeld, Kaufmann, und Herr Jacob Wolf, Chef der Firma Wilhelm Wolf und Sohn, Weingroßhandlung, alle hier, als Ausschußmitglieder. Ferner wurden in den verstärkten Ausschuß gewählt: die Herren Wilhelm Wolf, Chef der Firma Wilhelm Wolf und Sohn, Weingroßhandlung, hier, Siegmund Frankel, Fabriksbesitzer in Ebreichsdvrf, Julius Engel, Dampfmühlenbesitzer in Felixdorf, Rudolf Mautner, Fabriksdirectvr in Weigelsdorf, Samuel Lederer, Fabriksdirectvr in Oberwaltersdorf, Julius Kloß, Kaufmann, hier, und Josef Weiß, Kaufmann und Hausbesitzer in Pottendorf. Als Ersatzmitglieder sind die Herren: Adolf Lachs, Ingenieur bei der k. k. priv. Südbahngesellfchaft und Oscar Heller, Haupt-Tabakverleger, hier, gewählt. Berlin, 22. Juli. Der Stadtverordnete und Charitedirector Geheimrath S P i n o l a, seiner politischen Parteistellung nach ein Freiconservativer, sprach gestern im Hörsaale des Chemiegebäudes der Ausstellung über die Berliner Einver leibungsfrage. Hiebei kam es zu einer lebhaften Demonstration. Spinola brandmarkte bei Vergleichung von Berlin und Wien den dortigen Antisemitismus und äußerte die Hoffnung, daß Berlin einem derartigen D e m ag o g e n t h n m niemals eine Stätte ge w ä h r e n w e r d e. Die zahlreiche Zuhörerschaft spendete lallten Beifall, der sich wiederholte, als in einer Ecke schüchterne Zwischenrufe laut wurden. Berlin, 22. Juli. Tie „Krenzzeitung" bespricht Stöcker's Aufruf wahrhaft begeistert, lobt seine Lossagung von Naumann, erklärt, die Stöckerffche Auffassung durchaus zu theilen und fordert Stöcker auf, die Haltung seines Blattes dahin zu beeinflussen, daß der letzte Rest des Zweifels an feiner Wendung nach Rechts schwinde. Auch die „Deutsche Tageszeitung" äußert sich freundlich über Stöcker. Augelischeinlich bereitet sich die W i e d e r a n u ä h e r u n g z wischenden Cvnserv a t i v e n und Stöcker vor. London. 10. Juli. Die Generalversammlung der Anglo I e w i s h A s s v c i a t i o n, welche am Sonntag abgehalten wurde, war dieses Mal aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums der Gesellschaft besonders zahlreich besucht. Der Präsident, Herr Claude G. Montefiore, erstattete den Jahresbericht und knüpfte an ein Wort Mocatta's an, daß es die Pflicht der Gesellschaft sei, gegen alle Verfolgnirgen, die gegen Glaubensgenossen in allen Theilen der Welt gerichtet feien, einzufchreiten. Das englische Auswärtige Amt, ganz gleich, ob die Tory Partei oder die Radicalen die Macht in Händen hätten, habe hierbei seine Mitwirkung nie versagt, und seine Gesandten und Consnln haben großes Interesse ftir die von der Gesellschaft begründeten Schulen auch im letzten Jahre bewiesen. 7300 Zöglinge, von denen 5000 Freischüler sind, genießen jetzt die Wohlthaten dieser Schulen. Im Zusammengehen mit der Alliance ismeiite fördert die Gesellschaft in Palästina namentlich das Mädchenschulwesen, die Evelina von Rothschild'sche Mädchenschule in Jerusalem hat ein neues Heim erhalten, das 100.000 Mark kostet. Die Hälfte dieser Summe hat die Familie Rothschild hergegeben. Die technische Schule in Jerusalem, die bereits viele tüchtige Handwerker ausgebildet hat, erhält eine Subvention von 4000 Mark. Herr Montefiore beklagte gegenüber den großen Ausgaben, welche das Hilfswerk der Gesellschaft erfordere, daß die Mehrzahl der Inden in London nicht thatkräftiger beisteuere, da einige Wenige die Hauptlasten tragen. Der Oberrabbiner Herr Dr. Adler schloß sich diesen Ausführungen an, er habe volles Vertrauen zu der tiefen Hingebung des neuen Präsidenten für die Ideale des Judenthums. Er begrüße die neueren Nachrichten aus Rußland als einen Lichtstrahl der Hoffnung. Die Gefahr des Antisemitismus in den civilisirten Ländern sei nicht zu unterschätzen, dringend aber müsse davor gewarnt werden, das Judenthum in politische Parteigruppirungen hineinzuziehen. Diese jetzt auf dem Continent herrschende Bewegung, die sich in den literarischen Bestrebungen für einen „Jndenstaat" zeige, werde nur Verwirrung Hervorrufen. Das Werk der Anglo Jewish Association, das auf eine allgemeine, religiöse, moralische und technische Erziehung der zurückgebliebenen Inden des Ostens berechnet sei, weise den richtigen Weg. Die Generalversammlung wählte daraus in den Vorstand der Gesellschaft für die nächsten zwei Jahre: Die Herren Elkan Adler, E. A. Collins, F. Davis' H. A. Franklin, Oberst Goldsmid, F. B. Halford, C. H. Henrignes, H. S. Henriques, Ch. S. Henry, Joseph Jacobs, L. A. Lawrence, Professor Marks, A. I. Myers, Joseph E. Nathan, Capitän M. Nathan, L. E. Pyke, W. G. Raphael. Ch. Samuel, D. E- Samuel, D. F. Schloß, I. Seligman, Rabbiner S. Singer, Selim Solomon, A. E. Sydney und Lucian Wolf. London. (Die g r ö ß t e S ch u l e der Welt.) Die größte Schule der Welt befindet sich im Herzen Londons. 3500 jüdische Kinder erhalten dort ihren Unterricht, und ein Pair des Reiches — L o r d R o t h s ch i l d — ist ihr Begründer. Ohne ihn könnte die Schule nicht bestehen, denn die Kinder sind so arm wie Kirchenmäuse. Im April, um die Zeit des Paffahfestes, erhält jeder Schüler einen vollständigen Anzug, jede Schülerin desgleichen. Im October, weint die Schuhe, die die Kinder im Frühjahre bekommen haben, schon abgetragen sind, erneuert Lord Rothschild dieselben. Unter den ftir Prinzessin Maud und ihren zukünftigen Gemal bereits eingelangten Hochzeitsgefchenken befindet sich auch: Eine Diamantenaigrette vom verstorbenen Baron Hirsch, ein silbernes Kaffee- und Theeservice von Lord Rothschild, ein Oelgemälde von dem Mitgliede der königlichen Akademie, Mr. Saul. Zu dem am Montag im Buckingham-Palaste stattgehabten Feste Ihrer Majestät hatten Einladungen erhalten: Lord mtb Lady Rothschild sammt Sohn und Tochter, Lord und Lady Pirbright, Lord Wandsworth, Baron Ferdinand Rothschild, Oberrabiner Dr. Adler, Sir Samuel ilnd Lady Moutagu sammt Töchtern, Lady Jessel, Sir Saul und Lady Samuel. Sir George und Lady Lewis, Sir Francis Montefiore, Sir Joseph Sebag Montefiore, Sir Albert Safsoous, Hauptmann Albert Goldsmid L. Bischoffsheim und Gemalin, Mrs. Montefiore, Mr. L. und Gemalin, Hauptmann Lucas, Mr. Handel, Phillips sammt Gemalin und Tochter, Mr. B. L. Cohen, Mr. H. H. Marks, Mr. H. Raphael und Gemalin, Mr. Alfred de Rothschild, Mr. Leopold de Rothschild und Gemalin, Mr. H. S. Samuel und Gemalin, Mrs. Arthur und Edward A. Sassoon sammt Gemalinnen, Mr. Reuben Sassoon sammt Gemalin und Töchtern, Mr. James Stern und Gemalin, Mr. Charles vait Raalte und Gemalin. Der Prinz von Wales beehrte Lord Ferdinand Rothschild mit seinem Besuche in Wadderdon Manvr. Seine königliche Hoheit blieb von Samstag bis Montag. Hauptmann Albert Goldsmid ist zum Genräladjutanten für die Herbstmanöver ernannt worden. Lord und Lady Rothschild haben eine Einladung zu der königlichen Hochzeit, welche Montag int Bnckingham-Palaste stattfindet, erhalten. Da die Capelle verhältnißmäßig klein ist, in welcher die Ceremome stattfinden wird, so sind nur beschränkte Einladungen ergangen. (Das Zeitalter der Frau.) In der St. Jvhn's Wood Synagoge in Kilbnrn fand neulich die Barmizwah eines Knaben statt, der mirabiie dictu von einem Fräulein, und das in ganz ausgezeichneter Weise, unterrichtet worden war. - (Dr. Herzl's Gm p fang im East Ead von London.) Am Sonntag Abend wurde Dr. Theodor Herzl im Jewish-Working-Moa-Clnb begeistert empfangen. Längst vor der bestimmten Stunde war der Saal zum Erdrücken voll und Tausende mußten abziehen, ohne Einlaß gesiinden zu haben. Dr. Herzl wurde von Dr. M. Gaster, dem Rabbiner der Spanischen Gemeinde, der Versammlung vorgestellt. Nach seiner Rede, die Dr. Herzl in deutscher Sprache hielt, wollte der Jubel kein Ende nehmen. Italien. Der König von Italien hat die Ernennung des Signor Luigi Luzzatti zum Finanzminister in dem neugebildeten Rudini'fchen Cabinet bestätigt. Luzzatti ist 54 Jahre alt, er wurde in Venedig als Sohn eines Kaufmannes geboren. Er stndirte in Venedig und an der Universität zu Padua und zeigte immer besondere Vorliebe für Nationalöconomie. Er schrieb eine Anzahl von Essays, die eine solche meisterhafte Beherrschung feines Faches verrietheu, daß er daraufhin zum Professor an seiner Alma mater ernannt wurde. Noch nicht 30 Jahre alt, wurde er Generalsecretär int Handels- und Ackerbauministerium. Vor 20' Jahren schickte ihn die Stadt Padua als ihren Vertreter in die Depnttrtenkammer. Im Jahre 1891 hatte Luzzatti dasselbe Portefeuille inne. König Humbert hat eine sehr hohe Meinung von dem neuen Finanzminister; er zeichnete ihn gelegentlich bei einem Hofballe aus, indem er sich länger als eine halbe Stunde mit ihm unterhielt. Argentinien. W. Sabbah, der Director der Schule in der Clara-Colonie, hat die ausgezeichnete.Idee gehabt, praktischen