Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 31 (31.7.1896)
- Date
- 1896-07-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 31 Seite 611 Dr. VLoch's Wochenschrift. fructificirt er noch die Confiscation, über die er z. B. Stimmen citirt, wie die folgende: Ueber unsere letzte Beschlagnahme schreibt die „Berliner Deutsche Zeitung" : „Trotz der traurigen Lage des Partecliberalismus in Oesterreich wird sein Schützling, das Judenthum nicht bescheidener. In jüdischen Kreisen wagt man es, den Kampf gegen die „blonde Bestie" zu verkünden. Diese unerhörte Herausforderung wurde von der Wiener „Deutschen Zeitung" nachdrücklich zurückgewiesen unter Zusammenfassung der begründeten Vorwürfe, welche den Juden gemacht werden. Die betreffende Nummer der „Deutschen Zeitung" ist aber auf Antrag der Wiener Staatsanwaltschaft mit Beschlag belegt worden. Die österreichischen Behörden sind bemüht, die Juden' in einer Weise zu schützen, als ob sie in der That besondere Vorrechte hätten. Dadurch wird zwar der Antisemitismus nicht unterdrückt, wohl aber muß man danach annehmen, daß der. jüdische Einfluß in Oesterreich thatsächlich außerordentlich hoch hinaufreicht." Da Herr Dr. Wahner so unermüdlich auf der„blonden Bestie" herumreitet, rwingt er endlich auch andere Leute, sich mit ihr zu beschäftigen. Wir wollen nun in allem Ernste an Herrn Dr. Wähner einige Fragen richten: Glauben Sie wirklich, daß die Juden jemals die rohe Geschmacklosigkeit besessen hätten, die Deutschen als „blonde Bestie" zu bezeichnen? Glauben Sie, Herr Dr. Wähner, wirklich, die Juden hätten jemals den Kampf gegen die Deutschen als den Kampf gegen die „blonde Bestie" verkündet? Meinen Sie, Herr Dr. Wähner, nicht auch, daß man Anschuldigungen und Anklagen solcher Art nicht erheben dürfte, wenn man nicht in der Lage ist, für die Nichtigkeit derselben Beweise ju erbringen? Wir fordern Sie demnach auf. den Beweis dafür zu liefern, daß die Juden jemals die Deutschen als die „blonde Bestie" bezeichneten und den Kampf gegen sie verkünden. Hetzen, Höhnen, Beschuldigen ist eine leichte Sache. Das verstehen die Antisemiten aus dem ff. Darin haben sie Uebung, darin haben sie es zur Meisterschaft gebracht. Aber Beschuldigungen muß man beweisen, Herr Dr. Wähner! Also heraus mit den Beweisen! Keine Umschweife und keine Ausreden. Wir wollen Beweise. Bleiben Sie diese schuldig, so wird man wissen, was man von ihrer Kampfesweise zu halten hat. Und daß Sie die Beweise schuldig bleiben werden, Herr Dr. Wähner, das behaupten wir heute schon mit allem Nachdruck, mit aller Entschiedenheit. Denn niemals, hören Sie es, Herr Dr. Wähner, wurden die Deutschen von Juden „di e blonde Bestie" genannt. Graz. (Feichtiuger redivi vu s.) Die „OstdeutscheRundschau" schämt sich. Sie erhebt klägliche Schmerzensrnse, sie sensztund stöhnt über die antisemitische Verkommenheit, die es zuläßt, daß ein Mann wie Feichtiuger, dem man Alles, nur nicht geläuterte Anschauungen, sittliche Stärke, Reinheit der Hände und dergleichen mehr nachsagen kamt, antisemitische Versammlungen abhalten fauit, bei denen er bejubelt und gefeiert wird. Die „Ostdeutsche Rundschau" thut den armen Antisemiten in Graz schmählich Unrecht. Sie thut auch nicht klug daran, über derlei Dinge öffentlich zu jammern. Jede Partei sucht und findet die Führer, die sie braucht, die ihr entsprechen, die der Ausdruck, die Verkörperung ihrer Principien und Ideale sind. Es ist kein Zufall, sondern nur naturgemäße Consequenz, wenn der Antisemitismus zu seinen Führern Männer wie Verhovay, Hammerstein, Schneider, Ahlwardt, Feichtiuger rc. re. zählt. Der Antisemitismus braucht vorurtheilslose Männer, die keine Scrupel und keine Bedenken kennen. Er braucht rücksichtslose Männer, die keine Mittel zur Erreichung ihrer Ziele verschmähen. Er braucht Leute, die nichts zu verlieren haben und die erst durch diese Bewegung etwas werden wollen. Er braucht Leute, die bei keiner anderen Partei geduldet lvürden, mit einem Worte, der Antisemitismus und seine Führer müssen einander würdig sein. Der Antisemitisiuus ist der Inbegriff des Hasses und der Ungerechtigkeit, der Lüge und der Verleumdung. Wie sollen da seine Führer sein, die vor der Lüge zittern, das Unrecht hassen, die Verleumdung verachten? Die „Ostdeutsche Rundschau" möge sich daher beruhigen. Tie Grazer Antisemiten wissen, was sie an Feichtiuger haben, sie passen zu ihm, wie er zu ihnen, denn er gehört sozusagen zu den idealsten, reinsten Repräsentanten des Antisemitismus. Prag. (Die Resultate der dentschvolklichen Agitation für das Deutschthum.) Welche Folgen die „deutschnationale" antisemitische Bewegung für das Deutschthum in den gemischtsprachlichen Gegenden hat, zeigt nachstehender Bericht der „Dentschen Zeitung" vom 26. d. M.: „Wie die Juden in Böhmen immer mehr ins czechische Lager übergehen, davon gibt die am 19. d. M. in Prag abgehaltene dritte Hauptversammlung der czechischjüdischen „I e d u v t a" Zeugniß. Diese Versammlung, in welcher der jnngczechische Landtagsabgeordnete des Prager Judenviertels (Josesstadt» Jakob S ch a r s den Vorsitz führte, war von 130 Personen, darunter 32 Vertretern von Ortsgruppen, besuchr. Nach dem von Dr. Ignaz Arnstein vvrgetragenen Geschäftsberichte zählte die „Jednota" 1100 Mitglieder und 40 Ortsgruppen. An vielen Orten wurden Agitation?- und Mani sestativns-Versammlnngen veranstaltet, bei denen besonders der Abgeordnete Jakob Schars über die Ausgabe der „Jednota" vor trug. Mit besonderer Genngthnnng wurde des neu gegründeten czechisch-jüdischen Vereines in B u d w e i s. sowie des „Cercles des jüdischen Nachwuchses in P r a g" gedacht. Im lausenden Schuljahre wurden die dentschen c v n s e s s i o n e l l e n S ch u l e n i n P r e l a u t s ch, S ch l a n und in M i r ow i tz a u f g e l ö st. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird dies auch in s)i i 11t b n r g geschehen. An zahlreichen anderen Orten wird in derselben Richtung gearbeitet. Die „Jednota" strebte durch Unterstützung czechischer Rabbinatscandidaten und czechischer Bücher für den Religionsunterricht die Beseitigung der in diesen Richtungen bestehenden Mängel (nämlich des deutschen Religionsunterrichtes) an. Durch Vermittlung der Abgeordneten Dr. Herold und Jakob Schars wurde an der Regelung des israelitischen Religionsunterrichtes an den czechischen Schulen gearbeitet. Die Statthalterei hat die neuen Musterstatuten für die jüdischen E u l t n s gemeinde n nur in deutschem Texte an die Gemeinden versendet. Die „Jednota" besorgte den Druck des czechischen Textes und versandte denselben an alle czechischen Eultnsgemeinden, an die Ortsgruppen und an bie Vertrauensmänner und betrieb sowohl durch Circulare als auch mit Hilfe der czechischen Journalistik, welche hiezu bereitwilligst ihre Unterstützung gewährte, die Einführung czechischer Statuten mit c z e ch i s ch er Ge s ch ä s t s s p r a ch e. Laut der bisherigen Berichte haben bisher 43 Eultusgemeinden ausschließlich czechische, 29 ntraauistische und 13 deutsche Statuten eingereicht. In gleicher Weise wurde die U m w andl u n g de r d e u t s ch e u M a t r i k e n in c z e ch i s ch e angestrebt und es wllrde in 41 Gemeinden die Einführung ausschließlich czechischer, in 9 Gemeinden iltraquistischer Matriken erzielt. Zum Schlüsse wurden von mehreren Rednern über die von den Antisemiten betriebenen „ungerechten Generalisirungen und Hetzen" Klagen vvrgebracht und der Centralausschnß beauftragt, diese Erscheinungen zu beobachten und bei jeder passeudeu Gelegenheit in angemessener Weise einzuschreiten." Groß Kauizsa, 27. Juli 18'. 6. Das „Deutsche Volksblatt" bringt in seiner Nummer vour 21. Juli unter dem Titel: „Etwas über die ungarischen Inden," einen Zeitnngsbericht aus Budapest, der von Unwahrheiten strotzr. Mich interessirt nur derjenige Tbeil des Berichtes, in welchem von dem jüdischen Lehrercongresse die Rede ist. Ter Bericht knüpft an einem Artikel des „P. H." an, in welchem ein ungarischer Gelehrter Alexius Jacob seine Ansichten über die bei der Generalversammlung des ungarischen israelitischen Landeslehrervereines am 3. Juli d. I. verhandelten Thesen des Lehrers Bernhard Schön aus Raab in Bezug ans die Ausgaben der jüdischen Schule nach der Receptivn, entwickelt. Nach dem Berichte des „Deutschen Volksblatt" liegt dem besagten Artikel sol gender Thatbestand zu Grunde: „Anläßlich des kürzlich hier abgehaltenen jüdischen Lehrercongresses beantragte der Lehrer Moritz Hvssmann, der Eongreß möge erklären, daß die Juden keine eigene Geschichte haben, sondern daß die Geschichte der Magyaren auch jene der nngarländischen Inden ist. Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt." Diesem unverständlichen Gallimathias gegenüber bemerke ich Folgendes: Tie zweite These des Lehrers Schön aus Raab stellt die Forderung aus, daß in der Volksschule die ungarische Geschichte mit der jüdischen Geschichte in Verbindung zu lehren sei. Dagegen sprach ich; denn ich halte dies für unausführbar. Jüdische Geschichte ist eine Disciplin des Religionsunterrichtes, und ich kenne keine besonderen Berührungspunkte zwischen der ungarischen und jüdischen Geschichte. Mein Antrag wurde auch nicht ohneweiters abgelehnt, denn die ganze Versammlung stimmte bei. Was der Berichterstatter des „D. V." noch weiter flunkert, darüber mag ich kein Wort verlieren. Die jüdische Schule in Ungarn stand immer im Dienste der Freiheit, des Patriotismus, der noch von keiner Seite in Zweifel gezogen wurde; und so wird es auch bleiben. Professor M v r i tz Hofs m a n n. Wiener-Neustadt. Bei der ans Grund der neuen Statuten stattgesundenen Wahl der Vertretung der israelitischen Cultusgemeinde Wiener-Neustadt sind folgende Herren gewählt