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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-31 · 31 (31.7.1896) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
31 (31.7.1896)
Date
1896-07-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 610 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 31 wiesen, was ja vom naturalistischen Standpunkte bei den Jttden als der ausgeprägtesten Race ganz natürlich sei «Seite 24). Das Nationalgefnhl sei mit dem Gefühle für das Ganze der Menschheit vereinbar, auch dem Socialismus nicht nothwendig feindlich, der Chauvinismus dagegen führe zu feindlicher Stellungnahme gegen den Socialismus die zweite Klippe, welche die jüdischen Nationalen zu meiden haben, sei die „religiöse Romantik" der „modischen Frömmigkeit jüdischnationaler Doctoren", mit der man sich selbst etwas weiß machen kann, aber nicht dem Volke" iS. 25). Die Dritte endlich sei der Versuch, eine jüdische Partei zu schaffen. Was sollte den Inhalt desselben bilden? Etwa Kampf gegen die Judenfeinde? Das wäre ein Widerspruch gegen den Sinn des Zionismus, der ja diesen Kampf für aussichtslos erklärt. Die Abwehr perhorresciren und sie selbst aufpäpeln, wie reimt sich das zusammen? Also was sonst? Etwa Geltendmachung nationaler Ansprüche und Erhebung politischer Forderungen im Namen der Nation. Solche Politik wäre wieder ein Widerspruch gegen den Sinn des Zionismus, der ja die Unmöglichkeit nachweist, daß die Juden in irgend einem Land ihres Exils heimisch werden und sich hier im Bannkreise einer erdrückenden Mehrheit consolidiren. Bleibt eine jüdische Wirthschaftspartei, deren Unmöglichkeit wegen der Divergenz der ökonomischen Interessen innerhalb des-Jndenthums der Autor nach uweisen sucht. (S. 27.) Man hat sich bisher diese Unmöglichkeit verhehlen wollen, weil man an Stelle einer jüdisch-nationalen Partei nichts hätte setzen können als das „kleinweise Colonisiren in Palästina, dem die Pforte activen und passiven Widerstand entgegensetzt", und welches Acher „gar zu trostlos" findet. Da kam — man ahnt es — Dr. Herz! mit seinem Judenstaat. Die Motivirung des jüdischen Befreiungsgedankens sei vor Herzl besser geleistet worden, seine Ausmalung des jüdischen Zukunftsstaates sei unberechtigt, aber mit der Forderung, das jüdische Volk müsse souverän werden, und der Schilderung der zur Erlangung dieser Souveränetät nothwendigen Organisation sei das Buch für die Zionisten eine Offenbarung geworden. Heute gebe es keinen Zionismus und kein Nationaljudenthum mehr, sondern einfach eine jüdische Staats¬ und Souveränetätssache. Im Judenstaate werden die Proletarier zum Mindesten nicht noch Exilsleiden außer den Proletariatsschmerzen zu tragen haben und die führenden Individualitäten ohne den Vorwurf des Vordrängens für ihr Talent Spielraum gewinnen. Mer ist die ganze Sache auch ausführbar? „Die Frage läßt sich allerdings nicht mit absoluter Sicherheit bejahen. Doch die hohe Wahrscheinlichkeit des Gelingens ist durch das Vorhandensein günstiger Chancen und den Mangel natürlicher Hindernisse gegeben. Die Juden besitzen heutzutage Alles, was ein Staat erfordert, um bestehen und gut bestehen zu können, sie haben eine einheitliche Nationalität, sie verfügen über physische, wirthschaftliche und geistige Kräfte in Hülle und Fülle, sie besitzen nunmehr auch den politischen Sinn, der ihnen ehemals abging. Es fehlt ihnen nichts als der Boden. Die Gewinnung desselben, die Landnahme ist ein relativ leichtes, man möchte fast sagen, mechanisches Unternehmen, ob es nun mit wirklichen Waffen durchgeführt wird, oder wie in unserem Falle mit modernen Waffen, als da sind: Geist und Capital — beide nichts Anderes als gewaltige Ansammlungen Jahrhunderte langer leiblicher und seelischer Arbeit. Trotzdem ist die Landnahme keine Ueberschreitung der Competenz des menschlichen Willens. Denn, wenn man auf Grund gewissenhafter Prüfung gefunden hat, daß die Enttvicklung nothwendig zu einer solchen Landnahme hindrängt, so muß man diese wollen, und darf dann annehmen, mit seinen Willen den automatischen Willen der Geschichte ergründet zu haben. Ohne solche Annahmen gäbe es ja überhaupt keine menschlichen Bestrebungen." Zu Zeiten unserer Väter war es Sitte, am Sabbath durch den volksthümlichen Pilpul Gelehrte und Laien, Angesehene und Anspruchslose in Israel zum Mitdenken anzuregen. Was ehemals der Pilpul, das ist heute die Discussion über eine Zeitschrift, deren Inhalt wohl in jeder Gemeinde Israels an jedem Sabbathtage von Denen, die Geist und Herz nicht ruhen lassen mögen, besprochen wird. So möchten wir den Gedankengang der „jüdischen Modernen" als Thema für den Pilpul dieser Woche ansetzen. Wir bitten nicht um Einsendung von Entgegnungen; vielleicht gelingt es uns in der nächsten Nummer, die Bedenken zu errathen, die den denkgewohnten Lesern dieser Zeitschrift aussteigen dürften, wenn sie Acher's vorstehende Leitgedanken Satz für Satz prüfen und überdenken. Natürlich konnten wir nur das Wesentliche des Gedankenganges wied-rgeben, nicht aber die originellen Einzelausführungen, an denen keine Arbeit des talentvollen Verfassers Mangel zu Xeiben pflegt. Ideen können und sollen nur durch Ideen, nicht durch Totschweigen überwunden werden. Auch als Gegner können wir daher nur wünschen, daß der bescheidene Preis des Schriftchens (40 Kreuzer) seiner Verbreitung zu statten kommen möge. Unsere Schriftsteller sind unsere Soldaten, und wer selbst nicht int heiligen Kriege des Judenthumes zur Feder greifen kamt mrd will, sollte wenigstens den Arm stützen, der zum Streite für Israel erhoben ist. Ich' bin ein entschlossener Gegner des Zionismus aus vielen Gründen, die ich in meinem nächsten Artikel erörtern will, besonders aber auch aus dem Grunde, weil dieser Versuch einer neuen Sectenbildung eine neue Veranlassung zu Meinungsverschiedenheiten und Spaltungen in unserer schwergeprüften, der Einigkeit so dringend bedürftigen Geineinschaft bildet. Doch ein loyaler Gegner des Zionismus ist darum noch lange kein Feind der Zionisten. Unter keinem Vorwände aber darf es geschehen, daß die Schriftsteller dieser Richtung von ihren Gegnern auf eine Art von Inäex litirornm prohiiitorum gefetzt werden. Sie sollen gelesen werden — denn wo immer die Harfe Zions erklingt, soll jedes jüdische Herz irr Liebe und Treue erzittern, wenn auch der jüdische Verstand in unserer so bedrohten Lage sich nicht zum Schweigen bringen lassen darf. Es ist eine heilige Quelle, aus welcher auch der Zionisums fließt, es ist eine alte Liebe und Treue, die kein jüdisches Herz verleugnen wird. An den Bächen Babylons haben wir um unser verlorenes Volksthum geklagt und heute noch kämpfen wir in treuen Zusammenhalten mit allen Getreuen Zions jenen stolzen und erhabenen zweitausendjährigen Kampf um Gewissensfreiheit und Fortschritt, um die heiligsten Güter der Menschheit, desgleichen die Geschichte nicht kennt, den Kampf einer wiiizigeu Minorität gegen eine Welt von Feinden. Wer sich zu diesem Kampfe meldet, gleichviel unter welchem Feldzeichen, soll als Bruder und Freund gegrüßt sein. Wenn er heute irren sollte, so wird ihn nächstens sein jüdisches Herz vielleicht richtiger führen. Irre ich, so wird es niemanden mehr freiten als mich selbst, der ich ja nur, dem Zwange der Ueberzeugung gehorchend, mir den stolzen Traum des Zionismus nicht vergönnen kann. Verus. Correspondenzen. Wien, 25. Juli 1896. (D i e Boycottirung jüdischer Arbeiter.) Herr R e d a c t e u r! Für die städtische Armenlotterie in Wien haben bisher auch jüdische Goldarbeiter eilten kleinen Theil der zu Treffern bestintmten Goldgegeitstättde geliefert; das ist g e w e s e n — h euer wird von keinem I u d e n mehr eine Lieferung angeuo m men.' Das ist itttn nicht zn verwundern; ein antisemitischer Gemeind erath nimmt keilte Jttden in den Gemeiltdeverband attf und läßt keilten Juden zu einer Lieferttng zu; eine andere Frage ist aber die Haltung der Jttden gegenüber dett sogenannten Armenlosen und da scheint es mir hoch an der Zeit, daß die Juden endlich sich aufraffen und die A r in e n l o s e, von wem immer sie angeboten werden, e lt e r g i s ch z u r ü ck w eisen! Die Arn'tenlotterie soll — wie sagen doch die Antisemiten, jttdenrein? — ja, j u d e n r e i it soll sie sein und _ kein jüdisches Geld soll die „reinen" Hände dieser von Menschenliebe dttrchtränkten edlen Heldeit berühren! Es ist endlich denn doch hoch an der Zeit, daß die Juden auf die Zurückweisungen verständlich antworten! Hochachtungsvoll Einer, der den Juden die Organisation der Arbeiter wünscht. Wien. (Die blonde Bestie.jDerHerr Stadtralh und Herausgeber der „Deutschen Zeitung" Dr. W ä h n e r fühlt sich seit einiger Zeit ungemein wohl, man möchte fast sagen kannibalisch oder noch richtiger bestialisch wohl gelaunt. Wir wollen selbstverständlich dem Herrn Dr. Wähner mit dieser Bezeichnung seines Wohlbefindens nicht wehe thun, aber die Art, in welcher er sich den Kampf um die „blonde Bestie" zurechtgelegt, hat uns zu dieser Anspielung verlockt. Kein Morgen- und kein Abendblatt der „Deutschen Zeitung" erscheint, in welcher nicht die „blonde Bestie" spuken würde. Herr Dr. Wähner kann wie es scheint, ohne sie gar nicht mehr leben. Um was es sich da eigentlich handelt? Dr. Wähner hat eine pyramidale Erfindung gemacht: die Juden, behauptet er, haben den Kampf gegen die Deutschen proclamirt, die sie einfach: die „blonde Bestie" nennen! Auf diese Erfindung bildet sich Herr Dr. Wähner ungemein viel ein, er fructificirt sie in der ausgiebigsten Weise, er fructificirt sie bis zum Ueberdruß, er fruct'fiürt sie bis zur Confiscation. Und damit noch nicht genug,

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