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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-31 · 31 (31.7.1896) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
31 (31.7.1896)
Date
1896-07-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 606 Dr. Vloch's Wochenfchrist. Nr. 31 Die Auswahl der Grabstelle fiele iit solchem Falle der Ortsobrigkeit zu, welche dieselbe mit Leichtigkeit treffen kauu, da ihr gewöhnlich der Stand und die Familienzngehörigkeit des Verstorbenen bekannt sein werden nnd sie au der Hand dieser Daten und der ihr von den Allgehörigen des Verstorbenen ans dem Friedhose selbst eventuell zu ertheilenden Informationen, sehr leicht und rasch darüber orientirt sein wird, wo die Grabstelle anzuweisen sei. Mögen diese aus den Erfahrungen des Lebens geschöpften Anregungen bei den Herrn Ministerpräsidenteil uitb Cultusminister anläßlich der Prüfung der ihnen zur Approbirnng vorgelegten Statuten der Cultnsgemeinden, die nöthige Würdigung finden. Mögen auch die Cultnsverwaltungen selbst diese Anregungen berücksichtigen und denselben iil Nachhängen zll ihren Statuten Rechnung trageil, wir sind überzeugt, daß dieselben die wohlthätigsten Folgen zeitigen und ans diesem trostlosen Gebiete der jüdischen Gemeindeautollomie die allseits empfundenen Mißstäilde beseitigen und an die Stelle fortwährender Collisionen Ordnung bringen werden. Dr. B l u m e n f e st. Vom Jahrmarkt des Lebens. Der verjudete Geßmann. In der grauenhaftesten, vernichtendsten Weife muffen die Antisemiten am eigenen Leibe die Richtigkeit ihres Wortes erfahren: Alles ist verjudet! Denn wer Augen hat, zu sehen, und Ohren, zu hören, sieht und hört es: der Antisemitismus ist durch und durch verjudet! Kein Tag vergeht, der nicht eine neue entsetzliche haarsträubende Enthüllung in dieser Richtung brächte. Fort und fort mehren sich die Thatsachen, die jeden Zweifel verstummen machen, daß die bittere Klage der Antisemiten: Alles ist verjudet, wenigstens was den Antisemitismus betrifft, vollständig begründet ist. Wir würdigen den Unmuth und die Verzweiflung, welche ob dieser Enthüllungen das Herz der teutonischesten, von der Reinheit des eigenen Stammbaumes noch nothdürftig überzeugten Antisemitenführer zerfleischen! Wir begreifen es, daß sie» bis ins Innerste getroffen, rath- und hilflos Zuschauer des selbstmörderischen Kampfes gegen ihre intimsten Freunde sind. Wir verstehen es, wenn z. B. ein Pacher anläßlich des zerschmetternden Ereignisses Tachau sich nicht anders zu helfen weiß, als klagend und jammernd den Schauplatz zu verlassen. Das Alles würdigen, begreifen, verstehen wir und doch müssen wir trotz der menschlichen Theilnahme, die wir solchem herzbewegenden Leide gerne zollen, die Reihe der alten, schon bekannten, schrecklichen Enthüllungen heute um eine neue vermehren. Wir müssen das Ungeheuerliche, das Furchtbare verkünden. Alle sollen es hören, käst hätten wir, an ein Wort des Prinzen Liechtenstein uns erinnernd, ausgerufen: das. ganze antisemitische Europa soll es hören: Die Schwester Geßmann's ist die Gattin eines Juden! Bewegt, ergriffen, erschüttert, halten wir einen Augenblick inne... Ja wohl, auch Geßmann's Schwester hat sich der Aufgabe geweiht, zur Verjudung des Antisemitismus Alles zu thun, was in der Macht eines Weibes steht. Die Schwester Geßmann's, des kühnen antisemitischen Helden, dessen Mund bei jeglicher unpassender Gelegenheit von Schmähungen, Beschimpfungen und Verleumdungen der Juden überfloß, der immer wieder betonte, daß man das arme christliche Volk gegen den mächtigen, überwiegenden Einfluß des Judenthums schützen müsse, und der in diesem heiligen Kampfe vor keinem Mittel, und wäre es auch das unheiligste gewesen, zurückschreckte. . . Und nun muß auch ein Geßmann die lange, lange Reihe jener Antisemiten vermehren, die den Beweis für die These erbringen: Alles ist verjudet. Der Gatte seiner Schwester, der Vater seiner Neffen und Nichten ist ein Jude! Und welch ein Jude! O nicht ein gewöhnlicher, alltäglicher, wie man sie in Wien zu sehen pflegt, zum genügsamen Schmerze der Antisemiten vom Schlage Geßmann's. Es ist das ein noch ärgerer Jude, wir möchten sagen, es ist das für orthodoxe Antisemiten ein zur Potenz erhobener Jude! Es ist nämlich ein ungarischer Jude! Nur ein antisemitisches Gemüth kann die Tiefe dieses Doppelschlages ermessen. Ein Ungar und ein Jude! Als ob Eines allein nicht schon genug des Fürchterlichen enthielte. Aber das grausame Schicksal hat damit noch nicht seine ganze Tücke erschöpft. Geßmann's Schwager ist nicht nur ein ungarischer Jude, er ist sogar ein magharistrter Jude. Ein sogenannter 50 Kreuzer-Magyar, der seinen einstigen echten unverfälschten Namen Rosenzweig gegen „diesen" geringen Betrag in einen wohlklingenden ungarischen Namen umtanschte. Und noch immer ist das Maß des Jammers nicht voll. Geßmann's Schwager ist noch überdies der Sohn eines tüchtigen Talmudgelehrten und — die Feder sträubt sich dagegen, das Unaussprechliche nie'oerzuschreiben, er steht in naben verwandtschaftlichen Beziehungen zu jüdischen Mitgliedern der Wiener Journalistik! ■ So steht jetzt auch Geßmann in verwandtschaftlichen Beziehungen zu — jüdischen Journalisten. Gibt es genug Ausrufungszeichen, um den Inhalt und den Umfang dieser Katastrophe für Geßmann zu kennzeichnen? Armer Geßmann! Ist es nun ein Wunder, wenn die Deutschnationalen trotz seines antisemitischen Bekenntnisses immer wieder den Verdacht äußern, er selbst sei ein Judenstämmling? Dem Schwager eines Juden kann man nämlich Alles zutrauen. —a— E. B. Jüdische Soldaten. Mit Bezug auf deu Artikel in der vorwöchentlichen Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" „Deutschmeister - Jubiläunt" dürfte Nachstehendes vom Interesse sein: In B r e z a n y, Galizien, befindet sich ein Obelisk zum Andenken der im Kriegsjahre 1866 gefallenen Militärs aus dem Stande des 55. Infanterie-Regimentes Freiherr von Meckel, welches daselbst den Werbbezirk besitzt. Von den 68 namhaft gemachten, aus dem Felde der Ehre gebliebenen Militärs dieses Regimentes sind 22 Juden. Sämmtliche den Heldentod Gefallenen sind auf dem Obelisk, nach dem Alphabet geordnet, verzeichnet. Die im Leben angefeindet werden, nach dem Tode werden sie geehrt. Da kann das Sprichwort: Umgekehrt ist auch gefahren, lvohl nicht angewendet tverden. Ein Augenzeuge berichtet uns von einer Scene, die sich in einer galizischen Garnisonsstadt zugetragen hat. H anptmann (neu zur Compagnie übersetzt): „Was sind Sie?" Feldwebel: „Melde gehorsamst, ich bin der Feldwebel N. N." H a u p t m a n n: „Das weiß ich, daß Sie Feldwebel find, ich frage, was Sie sind". F e l d w e b e l: „Melde gehorsamst, ich bin Feldwebel N. N." H a u p t m a n n : „Ich will wissen, was Sie sind, ob Jud' oder Christ." Feldwebel: „Melde gehorsamst, ich bin Feldwebel N. N., ich bin Jude, bitt' geborsamst,. dies hat aber ans meinen Dienst in der Compagnie keinen Bezug." Hauptmann: „Wenn Sie Jud' sind, so schau'n Sie, daß Sie von der Compagnie wegkommen." Feldwebel: „Melde gehorsamst, daß ich 22 Jahre bei der Compagnie als Feldwebel diene. Ich habe schon 16 Hauptleuten zur Zufriedenheit den Dienst geleistet und werde weiter bei der Compagnie bleiben, vielleicht länger als der Herr Hauptmann. Ich bekomme von Seiner Majestät den Sold, wie der Herr Hanptmann die Gage. So lange ich gesund bin, werde ich dem Allerhöchsten Kriegsherrn den Dienst versehen. Seiner Majestät ist jeder Soldat, ob Jud' oder Christ, gleich am Herzen gewachsen." Hauptmann: „Macht kehrt Euch" (mit verdutztem Gesicht). Feldwebel salntirt und tritt ab. PaulnS Mayer. Leipzig, 24. Juli. Der in Wien als Genosse des Pfarrers D.eckert vielgenannte Paulus M a y e r ist nach Verbüßung der ihm als Verfasser der Broschüre „Wölfe im Schafspelz" znerkannten Gefängnißstrafe von einem Jahre und 10 Monaten Dienstag ans der Strafanstalt Zwickau entlassen worden. Der Aufenthalt in Leipzig wurde ihm von der Regierung untersagt und Meyer als gefährlicher P a s q u i l a n t d a u e r n d des Königreiches Sachsen v e r w i e s e n. Aus Preußen wurde M e y e r schon vor seinem hiesigen Processe ausgewiesen. Der Geftmantt'Marsch. Ein Herr Namens Karl Josef F r o m m, dessen Componistentalent einstweilen nur in kunstsinnigen christlich-socialen Kreisen geschätzt nnd gewürdigt wird, hat nach dem Muster der Lueger- und Liechtenst e i n - M ä r s ch e einen — G e ß m a it n - M a r s ch componirt. Die „Ostdeutsche Rundschau" ärgert sich fürchterlich darüber und kritisirt insbesondere die Thatsache, daß die „Reichspost" den traurigen Muth besitze, den sonderbaren „Volksmann" G e ß m a n n zu „feiern". „Das Titelbild", fährt das Blatt fort, „zeigt das Brustbild des schlauen Neubauer Doctors, Gemeinderathes, Landesschulrathes, Reichsrathsabgeordneten, Bibliothekbeamten — und Landtagscandidaten. Das Komische an der Geschichte ist, daß der „Geßmann-Marsch" im Verlage der „Reichspost" erscheint. Dr. G e ß m a n n ist Eigenthümer der „Reichspost", er lenkt und dirigirt dieses Blatt — es erscheint also, genau genommen, der „G e ß m a n n - M a r s ch"! im Verlage des D r. G e ß m a n n!" — Selbstver-

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