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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-31 · 31 (31.7.1896) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
31 (31.7.1896)
Date
1896-07-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 604 Dr. Bloch's Wochrnfchrifl Nr. 31 Wortlaute allein erkennen wir schon dieselbe Taktik, die gewisse „liberale" Brunner Vereine befolgen, welche zur Beschwichtigung ihrer zahlreichen jüdischen Mitglieder, auf deren Geld man doch nicht so leichthin verzichten kann, bei jedem von dem Vereine veranstalteten antisemitischen Scandal sofort mit der Erklärung Herausrücken, daß die betreffende antisemitische Kundgebung nur von einzelnen Mitgliedern, nicht aber vom Vereine „als solchem" ausgegangen sei. Zugegeben, daß der „Bund der Deutschen Nordmährens" „als solcher" sich vom Antisemitismus ferngehalten hat, so dürfen wir Juden uns niemals über die Thatsache hinwegtauschen lassen, daß der Bund ein ausgesprochen dentschnationaler ist und daß die weitaus überwiegende Mehrzahl seiner Mitglieder zu den eifrigsten Vertretern des Antisemitismus in Wort und That gehört. Wer hiefür Beweise verlangt, der sehe sich nur ein wenig in der dem Bunde nahestehenden deutschnationalen Presse, insbesondere in der mährischen, um und halte sich die Thatsache vor Augen, daß derselbe Hermann Braß in Hohenstadt, welcher an der Spitze des „Bundes der Deutschen Nordmährens" steht, der eifrigste Förderer der dentschnational-antisemitischen Presse ist, ja daß derselbe die eigentliche Seele des in Brünn erscheinenden „Deutschen Blattes" ist, eines Blattes, welches an Gemeinheit, Verlogenheit und Gehässigkeit von keinem anderen antisemitischen Organ übertroffen wird. Als Pröbchen für die Leistungen dieses Blattes erinnern wir nur daran, daß dasselbe vor mehreren Wochen den Inden die Schuld an der großen Zahl der unehelichen Geburten in Oesterreich zugeschrieben hat. Wir Juden dürfen überhaupt niemals vergessen, daß nnsere verbissensten Feinde, unsere wüthendsten Hasser die Deutschnationalen sind, und zwar gleichen die mährischen hierin aufs Haar denen Böhmens und Steiermarks, daß diesen Herren die Befriedigung des Judenhasses das höchste Ziel ist, dem gegenüber die Wahrung der eigenen nationalen Interessen als ganz nebensächlich in den Hintergrund tritt, und daß die deutschnationale Presse es ist, welche an Beschimpfungen und Verunglimpfungen der Juden das Großartigste leistet, was je in der antisemitischen Presse aller Nationen zusammengenommen geleistet worden ist. Wenn wir Juden uns dies vor Augen halten, werden wir durch ein plumpes Wahlmanöver uns nicht irre führen lassen; wir werden uns stets dessen bewußt bleiben, daß Unterstützung deutschnationaler Vereine oder Personen einen Schnitt ins eigene Fleisch bedeutet, und daß jeder Jude, der die Deutschnationalen irgendwie fördert, nicht nur den Fluch der Lächerlichkeit auf sich ladet, sondern ein Verbrechen an seinen Stammesgenossen begeht. Dürfen wir Juden uns somit über den wahren Werth von Kundgebungen, die von deutscher Seite ausgehen, seitens der „liberalen" Presse nicht irresühren lassen, umsoweniger dürfen wir kritiklos den Ausführungen eben dieser Presse Glauben schenken, wenn es sich um Meinungsäußerungen seitens der Czechen handelt. Datz die die Inden betreffende Resolution, welche auf dem letzten jungczechischen Parteitag in Brünn mit großer Majorität angenommen wurde, „von der liberalen Presse" in dem Sinne ausgebeutet werden wird, daß man den Antisemitismus der Czechen, deren „freisinnige" Partei sich offen zum Antisemitismus bekenne, als den weit gefährlicheren hinstellen werde, war ja vorauszusehen. Wenn wir uns aber diese Resolution — und eben diese ist die zweite Kundgebung, mit der wir uns beschäftigen wollen — näher ansehen und hiebei ganz frei von der uns Juden anerzogenen Empfindlichkeit lediglich objectiv und nach Gerechtigkeit urtheilen, so müssen wir erstens zugiben, daß der Wortlaut der Resolution für uns nichts Verletzendes enthält — jedenfalls weit weniger als die uns von unseren liberalen Freunden wiederholt erthellten Rathschläge, uns größerer Redlichkeit in Handel und Wandel zu befleißen — und zweitens dürfen wir nicht vergessen, daß die jungczechische Partei die Juden nur als nationale, das heißt mit den Deutschen z u s a m m e n g e h e n d e Gegner bekämpft. Denn es heißt ausdrücklich in der Resolution, daß die jungczechische Partei es für ihre Pflicht hält, das czechische Volk vor den nationalen und wirthschaftlichen Uebergriffen der Judenschaft zu schützen, „welche stets und überall an der Spitze unserer nationalen Bedränger marsch irt". Wer die Verhältnisse in Mähren kennt, wird zugeben müssen, daß die jungczechischen Vertrauensmänner so unrecht nicht haben, daß es in vielen gemischtsprachigen Gegenden leider Inden sind, welche in Deutschthümelei noch die Dentschnationalen zu übertreffen suchen und daß es leider vielfach Juden sind, welche sich am eiftigsten an den Germanisirungsarbeiten betheiligen. Abgesehen davon, daß die Pflicht der Bescheidenheit jedem Juden eine gelvisse Zurückhaltung auferlegt, müßten die Gebote der nationalen und socialen Gerechtigkeit, welche eine tausendjährige Leidensgeschichte uns Juden als unverwischbaren, stets lebendigen geistigen Besitz eingeprägt haben sollte, es uns verwehren, in einem Kampfes den eine mehr als 70 Percent betragende Majorität gegen die Unterdrückung durch eine kaum 30 Percent zählende Minorität führt, uns aus die Seite der Unterdriicker zu stellen. Die kaum glaubliche, nur durch allerlei Kunststückchen, insbesondere durch die berüchtigte Schmerling'sche Wahlgeometrie ermöglichte Thatsache, daß eine so überwiegende Majorität durch eine so schwache Minorität milndtodt gemacht wird, erklärt die ungeheure Erbitterung, mit der die Czechen nach einer Aenderung des Machtverhältnisses ringen, erklärt aber auch deren Haß gegen die Juden, deren Eingreifen zu Gunsten der Deutschen der Sieg den letzteren czechischerseits zngeschrieben wird. Daß den Juden die Dienste, lvelche sie den Deutschen geleistet haben und immer noch leisten, so schlecht gelohnt werden und daß die Juden aller schlimmen Erfahrungen ungeachtet sortsahren, die Deutschen, zu unterstützen, vermag ihnen selbstredend weder Achtung noch Sympathie seitens der Czechen zu erwerben. Ist der Judenhaß der Czechen also ein aus ganz anderen Motiven entsprungener als der deutsche Antisemitismus, so dürfen wir Juden uns keineswegs verhehlen, daß der eine ebenso wie der andere im Wachsen begriffen ist. Unter solchen Umständen spitzen sich die Verhältnisse für die Juden in Mähren immer mehr zu und es ist Pflicht für Alle, deren Herz für das Wohl ihrer Stammesgenossen warm schlägt, der Gefahr bei Zeiten ins Auge zu schauen und auf Abhilfe zu sinnen, ehe es zu spät wird. Was ist zu thun? Von dentschnationaler Seite haben wir, nachdem die Wahlen vorüber sein werden, die alten häßlichen Anfeindungen zu erwarten wie bisher, von den „Deutschliberalen", welche ja in Mähren mit den Deutschnationalen anläßlich der Wahlen pactiren, das heißt, um ihre Mandate zu behalten, die „liberalen Principien" znrückstellen, haben wir im allerbesten Falle, wie bisher leere Phrasen zu gewärtigen. Es bleibt uns also nur übrig, einen Theil der Ursachen des Judenhasses der Czechen, soweit dies an uns liegt, zu entfernen, das heißt, mit der Tradition, daß der Jude in Mähren eo ipso mit den Deutschen gehen müsse, muß endgiltig gebrochen werden. Vor Allem müssen wir uns hüten, in gemischtsprachigen Bezirken zu Gunsten der deutschen Minoritäten den Ausschlag zu geben oder gar an Germanisirungsversnchen theilzunehmen. Unsere Stimmen bei den bevorstehenden Wahlen dürfen wir nur wirklich freisinnigen, gerecht denkenden Männern geben, unbekümmert darum, ob sie der deutschen oder czechischen Nationalität angehören; sind wir über die Gesinnung des Candidaten nicht durchaus im Klaren, dann enthalten wir uris lieber der Abstimmung. Das ist in kurzen Ziigen der uns vorgeschriebene Weg; er ist auch der einzige, der vom Standpunkte der Moral zulässig ist, darum der beste. Eilen wir, ihn zu betreten, ehe schwere Gefahren herausbeschworen werden. Sie zu bannen, ist vielleicht jetzt noch Zeit. Lassen wir die nächsten. Wahlen vorübergehen, ohne die bisherige Tactik zu ändern, werden verhängnißvolle Folgen kaum ausbleiben. — d— Ueber die Statuten der gatiffschen Cultusgemrmdrn. I a r o s l a u, den 24. Juli 1896. Bei vierhundert Cultnsgemeinden der Inden Galiziens und der Bukowina gehen daran, auf Grund des Gesetzes vom 30. März 1890 sich neu zu constituiren und haben ihre ausgearbeiteten Statuten der Regierung zur Bestätigung vorgelegt. Diese Statuten sind, unwesentliche Abweichungen ausgenommen, so ziemlich nach demselben Leisten geschlagen und wenn auch gegen manche derselben Proteste und Erinnerungen seitens der überstimmten Minoritäten (vielleicht auch Majoritäten!) eingelanfen sind, so betreffen dieselben meines Wissens nur nebensächliche, zumeist liturgische Formalitäten. Ob daher diese „Proteste" irgend welche Berücksichtigung finden oder aber vom gewöhnlichen Schicksal aller Proteste getroffen, also in den Papierkorb wandern werden, ist so ziemlich gleichgiltig, da beim Mangel jeglicher hierarchischer Autorität und Disciplinargewalt, der der ganzen jüdischen Cultusgemeinde- Bersassung anhaftet, jeder Jude ohne Rücksicht ans den Inhalt des Statutes seiner besonderen Geschmacksrichtung bei rituellen und lithurgischen Handlungen unbehindert wird ftöhnen können.

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