Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 31 (31.7.1896)
- Date
- 1896-07-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 31 Seite 603 Dr. Vloch's Wochenschrift. ausznbrüten, die der Director des Baseler Sommertheaters eucheimst. Drum hat hat sie gegen diese Ausbeutung ihres Namens und ihrer Person entsprechendes Veto eingelegt, sie hat sich dageg-n verwahrt, daß der Theaterzettel ihren Namen enthalte, wofern ihr nicht die betreffende Erlaubniß per Heller und Pfennig bar bezahlt wird. Das ist bezeichnend, das ist charakteristisch! So schnell vergißt ein Weib, daß sie vor Tausenden ihrer Geschlechtsgenossinnen auf das hohe Podium Hammerstein'scher Größe gehoben wurde. Ihrem Gedächtniß ist es entschwunden, daß sie es war, die namens der deutschen Frauen und Jungfrauen, dem freiherrlichen Dulder, der jetzt für Deutschlands Ehre und falsche Wechsel im Zuchthaus sitzt, ein gesticktes Kissen überreichen durfte. Auch ist sie dessen nicht eingedenk, daß an ihrem Busen der Regenerator Germanien? neue Kraft schöpfte zu neuen Eingriffen in die morschen Casseu des Papierfabrikanten der „Kreuzzeitnng". Alles vergessen und verschollen, versungen und verthan! Ja, das ist Racenmoral. Das ist jene Undankbarkeit und Unbeständigkeit, die jene Leute auszeichnete, welche .... Nun, welche . . . Soweit haben wir den Gedankengang der „O st d e u t s ch e n R u n d s ch au" verfolgt. Wir haben uns mit Vergnügen auf den Racenstandpunkt gestellt, den das genannte Blatt in einer Notiz vertritt, welche das geschilderte Vorgehen der Flora Gaß beurtheilt. Ja, die „Ostdeutsche Rundschau" hat Recht. Das „Non ölet“, die Ueberzeugung, daß mit Geld Alles bezahlt, für Geld Alles verkauft, durch Geld Alles ver- und gepflastert werden kann, ist ein Racendogma, das weltgeschichtlich erwiesen werden kann. Von den germanischen Söldnern der römischen Cäsaren an hinüber über die deutschen Schweizer des Mittelalters bis zu den deutschen Fürsten, die zu den Füßen des ersten Napoleon krochen und winselten. Das waren Alles brave Deutsche, Germanen. Arier. Unverfälscht bis zum Exceß! Und die „Ostdeutsche Rundschau" hat Recht, wenn sie die Ueberzeugung ausspricht, daß die Flora Gaß die Nacenzugehörigkeit nicht verleugnen konnte, daß sie sich als treue Enkelin ihren Ahnen, t als würdiger Sprößling ihrer Vorfahren erwies. Bei so viel überzeugungstreuer Consequenz mag nur in aller Kürze auf die kleine Geschichtssälschung der „Ostdeutschen Rundschau" kleisternden Heiloderwische hingewiesen werden. Sie heuchelt von „jüdischen Ehrbegriffen" und begeht die bewußte Lüge und Fälschung, die Flora Gaß mit Ernst Schneider'scher Stampiglie zur Jüdin nmzuschwindeln. Nein, das geht doch nicht an! Nein, die arische und germanische Abstammung der Hammerstein- Flora wurde in diesen Blättern zur Genüge nachgewieseu. Nein, Flora Gaß hat der jüdischen Race keine Schande, aber ihrer angestammten Rare alle entsprechende und hergebrachte .Ehre" gemacht. _ Die „Vrrjudung" der Sorialdemokratie. So lautet der jüngste Anwurf gegen das Judenthum, mit dem die antisemitische Presse gegenwärtig anläßlich des Strikes in Neunkirchen ihre Spalten stillt, weil der Führer der dortigen Arbeiter, D r. B e r st l, ein geborner Jude sein soll. Gegen den Unsinn dieses Anwurfes wendet sich selbst ein erzantisemitisches Blatt, wie es die „Politischen Fragmente" sind, in seiner letzten Nummer, denn es sieht klugerweise die Conseqnenzen dieser fortwährenden Verjudungs-Riecherei, bei der am Ende das ganze Christenthum als verjudet verworfen werden muß, nachdem doch Jesus selbst ans dem Judenthum hervorgegangen und die Apostel Juden waren. Jedenfalls für Dr. Berstl lehnen wir alle Verantwortlichkeit ab, er kümmert sich nicht um uns, wir haben keinen Einfluß auf ihn. Das genannte Blatt bemerkt ganz richtig, wenn es auch wie Bileam nur mit dem Fluche im Herzen lobt, „daß ein wirklicher Jude, das heißt ein Jude, der an dem Glauben seiner Väter festhält, ein Socialdemokrat sein kann, ist ausgeschlossen . . . Die jüdischen Führer in der Socialdemokratie haben entweder ihre Religion gewechselt, das heißt, find Christen geworden, oder aber sich für confessionslos erklärt." Und in der That, ein wirklicher Jude kann kein Socialdemokrat sein, ist es auch nie gewesen und wird es auch nicht sein °, aber nicht aus den Gründen, die das antisemitische Blatt, um den Inden, bei der Wahrheit über sie, doch ein« am Zeuge zu flicken, angibt, weil nämlich „das Judenthum die Gleichheit und Brüderlichkeit perhorrescirt, und feine Religion dem Juden verbietet, einer Partei anzngehören, welche die Gleichheit und Brüderlichkeit zur Voraussetzung hat". Wein, der gläubige Jude kann kein Socialdemokrat sein, gerade, weil er die Gleichheit und Brüderlichkeit der Menschen heilig hält und er muß dies doch, weil seine Bibel die Schöpfung des Menschengeschlechtes mit einem Elternpaare erzählt; weil das ganze Prophetenthum von der Einheitsidee des Menschengeschlechtes getragen wird und weil das Jndenthnm niemals eine Elasse Menschen gehabt hat, die sich ans einem anderen Teige als die übrigen Menschen geknetet dünkte, wie das feudale Mittelalter bei all seiner Christ lichkeit. Wer aber an die Einheit des Menschengeschlechtes glaubt und ihrer Verwirklichung entgegensieht, muß die Stativ nalitäten und Religionen achten, denn ewig werden neue Rationalitäten entstehen, es braucht nur eine Wiitioimütiit die Mittlerrolle unter ihnen zn haben und die Erkenntniß und Anbetung eines einzigen, einigen, nnkörperlichen Gottes, ohne Gegensatz und Mitgott, ohne Bild und Leibliche Darstellung, als das einzige Dogma, muß neben sich jede Sonderheit in der Form des' Cultus dulden, weil die Form ewig wandelbar ist. Aus seinem Glauben an die Entwicklung zur Menschheits idee und der daraus resultirenden Achtung für die verschiedenen F o r m e n in der Gesellschaft entstand der jüdische, der wahre Conservatismus, welcher Gesetz und Freiheit, Autorität und Gleichheit verbindet. "Nachdem jedoch die Socialdemokratie fanatisch den Nativnalitäreuunterschied verschwinden machen will und die Religion überhaupt von der Tagesordnung streicht, kann der wahre Jude kein Socialdemokrat sein, ebensowenig, wie er mit einer Partei gehen kann, die bei Bemessung der Rechte im Staate nach Nationalität und Glauben fragt. Tie Socialdemokratie macht Gleichheit und Brüderlichkeit zur Utopie, die nationalen Chauvinisten und Elericalen verleugnen diese Principien. Der Jude ist also nur demokratisch, aber niemals socialdemokratisch. Die von der Geschichte zur Ironie gemachte Behauptung der „Politischen Fragmente", daß da« Ehristenthum die persönliche und wirthschastliche Gleichheit aller Menschen bedeute, das jedem Christen seine Religion vorschreibt und ihn verpflichtet, der socialdemvkratischen Partei beizntreten - überlassen wir den socialdemvkratischen Blättern zu quittiren. Zur Luge in Mähren S l m ü tz, im Juli 1 iSiXi. Die bevorstehenden mährischen Landtagswahlen diirsten weit mehr als sonst das öffentliche Interesse in Anspruch nehmen. In allen betheiligten Kreisen wird denselben mit großer Spannung entgegengesehen und das Ergebniß derselben ist gewiß von einer weit über Mährens Grenzen hinausreichendeu Tragweite. "Aber auch wir Juden sind diesmal weit mehr als gewöhnlich an den Wahlen interessirt und Jeder, der die Verhältnisse Mährens kennt, wird znstimmen, wenn wir sagen, daß die Situation für die mährischen Juden gegenwärtig eine kritische ist und daß deren wichtigste Lebensinteressen ans dem Spiele stehen. Leider wird die überwiegende Mehrzahl der Inden in ihrem politischen Verhalten von den Rathschlägen und Einflüsterungen jener Tagesblätter geleitet, welche gewöhnlich als „Judenblätter" bezeichnet werden, die aber keineswegs den Interessen der Jndenschast dienen, sondern denen der liberalen Partei. Umso wichtiger ist es unter solchen Umständen, daß die wirklich jüdische Presse ausklärend wirke, daß vor allen Dingen der Wahn zerstört werde, daß die Interessen der jüdischen Bevölkerung identisch seien, mit denen der liberalen Partei, endlich daß in den breiten Schichten der Jndenschast die Ueberzeugung sich Bahn breche, daß die sogenannten „Judenblätter" die Vvrtheile der liberalen Partei nur gar zu oft zum größten Schaden der Juden zu wahren suchen. Es sei uns für heute gestattet, zwei anläßlich der Vorbereitungen zum Wahlkampfe direct an die Adresse der mährischen Juden gerichtete Kundgebungen näher zn beleuchten. Vorerst die „feierliche", von der ganzen liberalen Presse mit Wohlgefallen und Beifall abgedruckte Erklärung des „B n n des d e r T e u tscheu W ord m ä h r e n s", daß dem Bunde „a l s solche m a n t i s e m i t i s ch e Be st r e b n n gen f e r ne l i e g e n. Wohlgemerkt, dem Bunde „a l s solche m" °, in diesem