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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-31 · 31 (31.7.1896) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
31 (31.7.1896)
Date
1896-07-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 602 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 31 Das geschah, das vollzieht sich auch jetzt vor dem Auge des , denkenden Beobachters, allein es ist sehr fraglich, ob dies auch fürderhin geschehen sollte — hierüber möge nicht die Sympathie für die Juden entscheiden, um welche wir übrigens auch nicht betteln, welche umso schwieriger einem Volke aufgezwungen werden kann, sondern der Vvrtheil des Volkes selbst. In erster Linie sind es die Ungarn, welche der antisemitischen Bewegung entgegentreten. Welchen Bortheil bringt ihnen dieses Verhalten? Wir glauben einen glänzenden, das beweist der großartige national-ökonomische Aufschwung, den dieses Volk in der letzten Zeit auszuweisen hat. Sie haben dadurch nicht nur Hunderttansende national fühlender Mitbürger erworben, die geschäftlich und gewerblich thätig sind, sondern sie haben damit auch ihre finanzielle und ökonomische Unabhängigkeit in einer Weise erzielt, die geradezu bewunderungswürdig erscheint. Die Ungarn sind im Allgemeinen Verbündete der Deutschen, in der Frage des Antisemitismus bewahren fie jedoch ihre volle Selbstständigkeit. Die principiellen Gegner der Inden berufen sich allerdings darauf, daß das Verdienst um dieses für beide Theile erfreuliche und vortheilhafte Verhältniß in erster Linie den Juden selbst zufalle, welche erkannt haben, daß es ihre heilige Pflicht fei, alle ihre Kräfte und Liebe dem Vaterlande 51t widmen, das ihnen volle bürgerliche und religiöse Freiheit biete. Diese Einwendung überrascht uns nicht und deshalb benrtheilen wir sie ganz kühl. Wir sind der Ansicht, daß die Inden in Ungarn sich von den Inden anderer Länder nicht in dem Maße unterscheiden, daß sie in Ungarn solche Ansprüche aus gerechte Behandlung hätten, die ihnen in anderen Ländern wegen ihrer schlechten Eigenschaften müßte vorenthalten bleiben. Ist der Jude in Ungarn wirklich ein besserer als in Böhmen, Polen oder Deutschland? Wer diese Frage bejahen lvollte, der müßte die eigene Individualität des Judenthums leugnen, könnte also gegen die Juden als solche nicht ankämpfen; wer aber diesen Umstand — mit Recht bestreitet, der muß zwingender Weise bekennen, daß der Unterschied im Verhalten gegen die Juden nicht seine Ursache in der Verschiedenheit der Inden selbst hat, sondern in der Verschiedenheit der Volker. Ueber die Pflichten der Juden zu unserem Volke wollen wir uns nicht aussprechen, die Leser dieser Abhandlung anerkennen und erfüllen sie ja in vollem Maße; 31t bedauern ist nur, daß ein Theil unserer Glaubensgenossen in Böhmen und Mähren zu dieser Einsicht noch nicht gelangt ist; es sollte jedoch auch erwogen werden, ob andererseits unsere Volksvertreter ihren Pflichten gegen die Juden nachgekommen sind, damit die historische Entwicklung der Judenftage in Böhmen einem beftiedigenden Ziele entgegen geführt werde, ob sie nicht die Unzufriedenheit, zu der einzelne Juden Veranlassung gegeben, zu sehr, um nicht zu sagen — ungerechter Weise — verallgemeinert haben. Wir wollen diese Frage unbeantwortet lassen, stellen sie blos und verlangen nur, es möge über dieselbe unvoreingenommen nachgedacht werden. Schwungvolle, warme Worte zur Vertheidignng der soviel verfolgten Inden haben wir äußerst selten vernommen, zumeist nur kühle Abwehr des Antisemitismus, dazu eine Abwehr, die in einen Vorwurf gegen die Juden ausklang - mit solcher Waffe wird man dem antisemitischen Fanatismus niemals die Spitze bieten. Man wendet uns ein, es mögen die Inden selbst ihre Vertheidignng in die Hand nehmen, und zwar solche, die „wenigstens" eine nationale Gesinnung bekunden, weil man angeblich von „Nichtjuden" nicht verlangen kann, daß sie sich der Inden annehmen. Darauf antworten nur einfach, daß keine unterdrückte Minorität durch ein Mitglied eben dieser Minorität mit Erfolg vertheidigt werden kann. Die Geschichte lehrt uns, daß es stets edeldenkende Mitglieder der Majorität waren, die sich zu diesem Besreiungswerke meldeten und dasselbe mit Erfolg auch dnrchgeführt haben. Des Bauernstandes hat sich die Intelligenz angenommen und die Unterthänigkeit und Robot aufgehoben, die Arbeiter haben Leute befreit, die nie einen Hammer in der Hand hatten. Die Sclaverei der Neger (Schwarzen) wurde durch „Weiße" yerbcigeführt, die zur Befreiung derselben ihr eigenes Blut Hingaben — so müssen auch die Juden die Zeit überdauern, während welcher sich Niemand meldet, der mit feurigen Worten und edlen Thalen das Besreinngswerk der ungerechter Weise bedrückten Juden zum geistigen und materiellen Woyle unseres geliebten Vaterlandes vollsührt. _ Der Kropf des eisernen Mannes. „Meister Ludovico, woher, um des Himmels Willen, habt Ihr alle diese Schweinereien?" Mit dieser verfänglichen Frage wurde Ariost von dem damals unfehlbaren Papst überrascht, als er diesem zum Zeichen seiner Huldigung sein berühmtes Heldengedicht überreichte. Der damalige heilige Vater staunte nämlich über die Phantasie und die Erfindungsgabe des großen Dichters, und er fand keinen besseren Ausdruck, seine Verwunderung in Worte umzusetzen. Wollte der Wiener Gemeinderath ein Epos, das alle seine bisherigen Heldenthaten behandelt, an kompetenter Stelle überreichen, dann wäre eine ähnliche Manifestation gar sehr am Platze. Alle Achtung! In kurzer Zeit hat der Convent von des Goldenen Luchsen's Gnaden Erstaunliches geleistet. Hat sein französischer Vorgänger die Klöster gesperrt und dafür den Cultus der Vernunft eingesührt, so haben die Ottakringer Dantons und die Robespierres von Neulerchenfeld die Vernunft abgeschafft und den Cretinismus als allein seelig machende Gemeindereligion decretirt. Der Gemeinderath geht auf Ferien und es liegt die Versuchung nahe, eine Bilanz der Geschehnisse zu ziehen. Die Herren haben den Volksbildungsverein verstoßen. Das ist Selbstvertheidigung, pure Nothwehr. Sie haben der Rettungsgesellschaft Fehde angesagt, augenscheinlich, weil dieses Institut dem Transport der Blödsinnigen zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Dann haben sie ihrer Sympathie für die Militärmusik als würdige Vertreter der Pülcherinteressen dadurch Ausdruck gegeben, daß sie dem Deutschmeisterjubiläum zuliebe 25.000 fl. zum Fenster hinauswarfen. Auch der Stadtrath war nicht müssig. Er hat die Berichterstatter des „Wiener Tagblatt" von der Journalistentribüne des Rathhauses entfernt, dem Hofrath Dräsche und Adolph von Sonnenthal jene kommunale Auszeichnung verweigert, die Herrn P f u i - P f i st e r zugesprochen wurde. Die Thaten des Stadtrathes haben sogar den „dummen Kerl von Wien" aus seiner Lethargie aufgerüttelt und die Bermuthung tauchte auf, als seien die Stadträthe von der Alliance isra&ite bestochen. Sie sollen eine Art kommunales Zacherlpulver bilden, um das Nathhaus schneller von dem antisemitischen Ungeziefer zu reinigen. Es wird einer energischen Verwahrung bedürfen. Nein, die Juden sind unschuldig. Sie haben diesen Stadträthen keinen Verdummungstrank, kein Pulver der Trottelosis eingegeben. Das ist autvchthoner, unverfälschter, ureigener Cretinismus. Die Berichterstatter eines liberalen Blattes werden ausgeschlossen. Antisemitische Vogel Straußpolitik. Dumme, ungeschickte Langfinger, die da glauben, der Wachmann könne ihr Treiben nicht beobachten, wenn sie ihn aus dem eigenen Gesichtsfeld räumen. Hofrath Dräsche und Adolph Sonnenthal sind der kommunalen Auszeichnung unwürdig, sie unterliegen der Beurtheilung und Judikatur der communen Communalcommune. Die Schmierencomödianten der Vorortegasthäuser, die von Tisch zu Tisch gehen, um abzusammeln, sei es Stimmzettel, sei es Kupferkreuzer für den Wahlfond, sie erfrechen sich, den ersten deutschen Schauspieler auf seine Würdigkeit zu kritisiren. Und die schmutzigen Stadträthefinger tasten nach der wissenschaftlichen Größe eines Dräsche und streben in ohnmächtiger Wuth das zu beschmieren, was ihnen eine fremde, eine unerreichbare Welt ist. Dafür hat Herr Pfister die Salvatormedaille erhallen und er kann sich mit Recht erhaben fühlen über Dräsche und über S 0 n n e n t h a l. Wie sagte doch der Wiedehopf zur Nachtigall? „Was bist Du gegen mich? Kannst Du — stinken wie ich? Flvra Gast, die Rarenbewutzte. Flora Gaß, die Geliebte des Herrn Hammerstein, kommt in einem Stück vor, das gegenwärtig am Sommertheater in Basel gegeben wird. Ihr Name figurirt dick gedruckt auf dem Theaterzettel, der von Haus zu Haus getragen wird, um das Publicum zu ködern. Damit ist Flora Gaß nicht einverstanden. Sie ist eine Feindin der Reklame, die ihr nichts trägt, sie weigert sich, die goldenen Eier

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