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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-24 · 30 (24.7.1896) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
30 (24.7.1896)
Date
1896-07-24
Page
– (sequence 18)
Language
German
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SrtrV äo Seite 598; Dr. Vlmtz's und getrotzt. Gott sei Dank, in meinem Hanse ist Niemand so. Ich konnte es keinen einzigen Tag mit Leuten aushalten, die eine so schlechte Natur haben. Ihre Natur hat sie auch in's Grab gebracht, obwohl, wenn Dein Vater seine Mutter nicht von Polen herübergebracht hätte, meine arme Base mir meine Fische heute Abends nachgetragen hätte, statt Deiner, die arme Ghittel! — Friede sei mit ihr! Komm, sag mir, was Dir sehlt, oder Deine todte Mutter wird bös auf Dich sein." Esther wandte den Kopf und murmelte: „Ich dachte, daß Sie mir die 37, Schilling leihen kinrnten." „Leihen?!", lachte Malta, „Kannst Du es mir denn je zurückzahlen?" „Ja", antwortete Esther ernsthast. „Ich Hobe eine Menge Geld in der Bank liegen." „Wa— was? In der Bank?", keuchte Malta. „Ja! Ich habe fünf Pfund in der Schule gewonnen und werde sie Ihnen damit zurückzahlen." „Dein Vater hat mir das ine erzählt," sagte Malka. „Er hat mir das verheimlicht, ja, er-ist der richtige Schnorrer." „Mein Vater hat Sie seit der Zeit nicht gesehen. Wenn Sie zu uns gekommen wären, als er Schiw'eh für Benjamin — Friede sei mit ihm — saß, so hätten Sie es erfahren." Malta wurde feuerroth. Moses hatte Salomon abgesandt, um „die Mischpochoh" von seinem Verlust zu benachrichtigen, aber kein Repräsentant der „Familie" erschien, trotzdem zu dieser Zeit die flüchtigsten Bekannten es für ihre Pflicht halten, mit hartgekochten Eiern, einem Pfund Zucker oder einer Unze Thee bewaffnet, die Trauernden zu besuchen, . die eine ganze Woche auf dem Boden sitzen müssen. Moses nahm es ergeben hin, aber seine Mutter behautete, daß ein solcher Schimpf vom Zachariasplatz nicht ausgegangen wäre, wenn er eine andere Frau geheiratet hätte. Dieses eine Mal stimmte Esther mit den Gefühlen chrer Großmutter überein, wenn auch, nicht mit ihrer Ausdrucks - weise. Mer daß das Kind es jetzt wagte, dem Haupte der Familie schlechtes Benehmen vorzuwerfen, war für Malka unerträglich, umso mehr, als sie sich nicht vertheidigen konnte. „Du steches Ding!" schrie sie. „Vergißt Dü, mit wem Du redest?!" „Nein", entgegnete Esther. „Sie sind Vaters Base, und darum hätten Sie zu chm kommen sollen! „Gott behüte, ich bin nicht Deines Vaters Base," schrie Malka. „Ich war die Base Deiner Mutter, und es wundert mich nicht, daß Ihr sie in's Grab gebracht habt. Ich bin mit Keinem von Euch verwandt, Gott sei Dank, und von heute an will ich nichts mehr von Euch wissen. Ihr undankbares Pack! Dein Vater soll Euch alle nur mit Zündhölzchen auf die Straße schicken. Ich thue nichts mehr für Euch!" „Undankbar?!", rief Esther hitzig. „Was haben Sie denn je für uns gethan? Als meine arme Mutter noch lebte, ließen Sie sie den Boden scheuern und die Fenster putzen, wie wenn sie eine Bäuerin wäre." „Unverschämtes Ding!", schrie Malka, vor Wuth beinahe erstickend. „Was ich für Euch gethan habe?! Ihr — Ihr — schamloser Balg! Dahin kommt es also mit dem Judenthum in England? Das sind die Manieren und die Religioir, die man Dich in der Schule lehrt! Was ich gethan habe? — Du unverschämtes Ding! — In diesem Augenblick hältst Du meinen Schilling in der Hand." „Da haben Sie chn wieder," sagte Esther und warf die Münze leidenschaftlich auf den Fußboden, wo sie während eines schrecklichen Stillschweigens lustig umherrollte. Endlich blickten die von Rauchwolken eingehüllten Kartenspieler auf. „Eh! Eh! Was ist Dir. Kleine?", sagte Michael freundlich. „Warum bist Du so schlimm? Ein hysterisches Schluchzen war die einzige Antwort. In der Bitterkeit dieses Augenblickes haßte Esther die ganze Welt. „Wein' doch nicht so, hör' auf!", sagte David Brandon gütig. Esther ergriff die Thürklinke, während ihr kleiner Körper konvulsivisch zuckte. „Was hat denn das Mädchen, Mutter?", stagte Michael. „Sie ist meschugge!", erwiderte Malka, „total verrückt!" Sie sah ganz blaß aus und sprach, als wollte sie sich vertheidigen. „Sieist ein solcher Schlemiehl, daß fle auf der Straße ihre Börse verlor. Ich traf sie, als sie heulte, ließ sie meinen Fisch nach Hause tragen und gab ihr einen Schilling und ein Pfeffermünzplätzchen, und jetz siehst Du, wie sie sich gegen mich benimmt. Siehst Du?!" Wochenschrift. „Das arme, kleine Ding," sagte David mitleidig. „Komm, her, Kind!" Esther richte sich nicht. „Komm her!", wiederholte er sanft. „Ich will Dir Deinen Verlust ersetzen. Da hast Du! Ich habe das gerade gewonnen und werde es daher nicht vermissen." Esther schluchzte noch lauter, aber sie rührte sich nicht David stand auf, leerte den Haufen Silbermünzen in seine Hand, ging zu Esther und steckte ihr das Geld in die Tasche. Michael erhob sich ebenfalls und fügte eine, halbe Krone hinzu, während die beiden anderen Männer ihrem Beispiel folgten. Dann öffnete Daniel die Thür, schob sie sanft hinaus und sagte: „So, jetzt lauf', Kleine, und nimm Dich vor Taschendieben mehr in Acht!" Die ganze Zeit hatte Malka mit der starren Würde einer schmutzigen Terracottastatue dagestanden. Ehe die Thür sich aber wieder hinter dem Kinde schließen konnte, stürzte sie vorwärts und packte es beim. Kragen ihres Kleides. „Das Geld her!", schrie sie. Esther, von dem zornigen schwarzen Gesicht halb hypnvtisirt, widersetzte sich nicht, während Malka mit der Geschicklichkeit eines Gerateurs ihre Tasche plünderte; dann, zählte sie das Geld. „1 TU Schilling", verkündigte sie mit schrecklicher Stimme. „Wie kannst du Dich unterstehen, so viel Geld von fremden, ganz fremden Leuten anzunehmen? Wollen meine Kinder mich vielleicht vor meinen eigenen Verwandten beschämen? Sie warf das Geld heftig in den Teller, nahm ein Goldstück aus der Tasche und steckte es dem Kinde in die Hand. „Da", schrie sie, „halt' das fest! Es ist ein Pfund. Und wenn ich Dich je dabei erwische, daß Du von Jemanden in diesem Hause Geld annimmst, außer von der leiblichen Base Deiner Mutter, so will ich nie mehr etwas von Dir wissen! Geh, jetzt, geh! Mehr kann ich Dir nicht geben. Das Warten nützt Dir also nichts. Gute Nacht und sage Deinem Vater, ich lasse ihm einen guten Jontef, wünschen, und ich hoffe, er wird keine Kinder mehr verlieren." Sie schob das Kind auf die Straße' hinaus und schlug die Thür hinter ihr zu. Esther ging halb betäubt an ihre Rieseneinkäufe. Malka bückte sich, ergriff die Kleiderbürste, welche unter : einem Tische lag/ und schritt schweigend quer > über den-Platz, Einen Augenblick herrschte ein beängstigendes Schweigen. Der Blitzstrahl war niedergefahren. Die Festfreude zweier Familien stand auf dem Spiel. Michael brummte ungeduldig vor sich hin und ging hinaus, seiner Frau nach. „Er ist ein Narr", sagte Ephraim. „Ich würde ihr ihre Capricen schon gehörig austreiben." Die Kartengesellschaft ging in Verwirrung auseinander. David Brandon empfahl sich und wanderte ziellos unter den Sternen umher; sein Herz fteute sich über eine gute That, die nur scheinbar mißlungen war. Seine Füße führten ihn vor Hanna's Hans. Alle Fenster waren erleuchtet; das Herz that ihm wehe bei dem Gedanken, daß sein schönes, strahlendes Mädchen sich hinter jener Thür befand, die er noch nie überschritten hatte. Er malte sich das liebevolle Licht in ihren Augen aus, denn sicherlich träumte auch sie von ihm, wie er von ihr. Er zog die Uhr: Dreiviertelneun, Eigentlich, was wäre dabei, wenn er hineinginge? Er entfernte sich zweimal, aber beim drittenmal klopfte er, aller Convenienz zum Trotz, an. die Hauspforte. Sein Herz klopfte fast ebenso laut. Vierundzwanzigstes Capitel. Das Gebot der Religion. Das kleine Dienstmädchen, das die Thür öffnete, sah bei David's Anblick erleichtert aus. Es hätte nämlich ebensogut die Rebbezin mit Haufen von Vorräthen und in vermehrter übler Laune sein können. Sie führte den Besucher in das Studierzimmer, und wenige Augenblicke darauf kam Hanna mit einer großen Schürze in's Zimmer gelaufen. „Wie kannst du nur heute Abend" — begann sie, aber die Worte erstarken auf ihren Lippen. „Wie erhitzt Dein Gesicht ist! sagte er, indem er die runde Wange zärtlich betupfte. „Ich sehe, meine Kleine fteut sich, daß ich wieder zurück bin." „Oh, nein! Das kommt vom Feuer. Ich backe Fische für Jontef", sagte sie mit einem glücklichen Lachen. „Es war übrigens nicht recht von Dir, mich so zu überraschen", schmollte sie dann. „Ich bin ganz schmutzig und zerrauft und nicht hergerichtet, Besuche zu empfangen".

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