Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-07-24 · 30 (24.7.1896) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
30 (24.7.1896)
Date
1896-07-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021146--05829-3030083
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 30 Dr. Vloch'« WochrnfchrM Seite 897 thur Ritter Kohen von Hohe ul and in Malta das Ritter- , kreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. Wien. (Berlobun g.) Fräulein Esther Klag er, Tochter des Obercantors Herrn Philipp Kläger, verlobte sich mit dem Univ. Med. Dr. Hermann Thal er. Wien. (Feiienhei m.) Freitag den 24. Juli entsendet der Verein 55 Knaben in Begleitung von zwei Lehrpersonen nach Schattmannsdorf im Preßburger Comitat zu einmonatlichem Landaufenthalt. Der überaus rührige Verein unterhält gegenwärtig folgende Coloniestationen: Rosfitz bei Brünn, Pettau in Mähren, Lomnitz in Mähren, Schaffa in Mähren und Schattmannsdorf in Ungarn. Wien. (D o p p e l fest.) Herr I. V o g l h u t, Inhaber der Bau-, Portal- und Kunsttischlerer mit Dampfbetrieb in Wien, V/I, Siebenbrunnengasse 18, begeht am 25. d. M. sein 50jähriges Geburtsfest und gleichzeitig auch das Fest des 25jährigen Geschäftsbestandes. Vom schlichten Tischlergehilfen hatte sich Herr V o g l h u t zum allgemein geachteten Industriellen emporgeschwungen, dessen heutige, mit Dampfbetrieb arbeitende Fabrik von dem Fleiße und der Tüchtigkeit des Jubilars Zeugniß gibt. Bei der jetzigen Strömung gegen das Judenthum ist es umso mehr zu schätzen, daß Herr Voglhut sich in der Geschäftswelt eine glänzende Position geschaffen hat. Wir wünschen ihm zu seinem Doppelfeste viel Glück und ferneres Gedeihen seines Unternehmens. Brody. (Die israelitische Knaben- und Mädchens chule i n Br o d y), an deren Spitze der durch seine pädagogische Tüchtigkeit ausgezeichnete Director Dr. Leopold H e r z e l steht, veröffentlicht soeben ihren Bericht pro 1895—1896. Aus demselben geht hervor, daß das Institut, welches dem Wohlwollen des Landesausschusses und der thätigen Hilfe des verstorbenen Philantropen Baron Hirsch so Vieles verdankt, in fortschreitender Entwicklung begriffen und bestrebt ist, seiner Aufgabe in vollstem Maße gerecht zu werden. E. B. Olmütz. (Todesfall.) In dem nahen Vororte Hatschein verschied am 17. d. M. Frau Fanny May, Großindustriellen-und Gutsbesitzerswitwe, im hohen Alter von 83 Jahren. Die Verblichene war eine durch Wohlthätigkeit und Menschenfreundlichkeit ausgezeichnete Dame. Das Leichenbegängniß fand am 20. o. M. unter großer Betheiligung in Wien statt. Abbazia, 19. Juli. (Internationales Wettschwimmen.) Heute fand hier das große Internationale Wettschwimmen im Meere statt, woran sich Schwimmer aus Wien, Budapest, Berlin, Hamburg, Trieft und Fiume betheiligten. Die Meisterschaft von Quarnero gewann Wolf aus Wien, beim Damenschwimmen siegte Frau K a d i s ch aus Llbbazia und beim Springen W a ch s m a n n aus Fiume. Lemberg, 17. Juli 1896. Tiefe Trauer bemächtigte sich unserer Gemeinde, als am 13. d. M. Früh .die Kunde aus Carlsbad von dem Hinscheiden eines vielgeliebten allgeehrten Mannes, des hiesigen Bankiers Leber (Firma Sokal u. Leber), sich verbreitete. Ausgestattet mit großer Herzensgüte, erwarb er sich durch sein gewinnendes Wesen das Vertrauen der Bevölkerung ohne Unterschied des Glaubens und Standes. Jedem idealen Streben zugewendet, mild und human in seinen Gesinnungen, bescheiden in seinem Wesen, war er in Humanität ein vielbewundertes Muster und Vorbild für Alle, die ihn kannten. Wo es sich um Gründung oder Erhaltung eines Wohlthätigkeits-Vereines handelte — er war Mitglied des Baron Hirsch'schen Wohlthätigkeits-Comites, Präsident des israelitischen Buchhalter- und Commis- Vereines, Cultusrath rc. — stellte der Verblichene mit freudiger Bereitwilligkeit seine moralische und physische Kraft sowie seine Einsicht zur Verfügung. Bei Andersgläubigen wie bei Glaubensgenossen erfteute er sich der höchsten Achtung, und wurden auch dem edlen Menschen in allen hiesigen polnischen und ruthenischen Blätter Nachrufe gewidmet. Die Leiche wurde von Carlsbad am 17. d. M. hieher transportirt und dessen heutiges Leichenbegängniß legte Zeugniß ab von der Verehrung, die er allseitig genossen. In dem Trauerconduct bemerkte man die Spitzen der Behörden und alle Stellvertreter der Bank-Institute. Am israelitischen Friedhofe sprach der Landtagsabgeordnete Dr. B. Goldmann, welcher die unvergänglichen Verdienste des Verstorbenen um seine Familie, der er Vater und Beschützer war, feierte, der Güte seines Herzens gedachte und ihm für Alles, was er für den Buchhalter- und Commis-Verein, der treuen Gattin, der Familie, Anverwandten der Gemeinde gewesen, Dank sagte. Lemberg. Dem hiesigen Oberrabbiner Herrn Isaak Schmelkes wurden vom Herrn Baron Rothschild in Frankfurt am Main fl. 200 für die hiesige rituelle Kirche im Allgemeinerr Krankenhaus angewiesen, und möge dieses unseren inländischen jüdischen Baronen als Beispiel dienen, um diesem galizischen humanen Vereine, wo täglich 70 Kranke bespeist werden, unter die Arme zu greifen. Berlin. Bei der diesjährigen Bertheilung der Preise für wissenschaftliche Arbeiten an der landwirthschaftlichen Hochschule erhielt der Student der Landwirthschaft Samuel Roisenb l i t aus Akermann in Rußland einen Preis für eine Arbeit aus dem Gebiete des landwirthschaftlichen Betriebes. Eine seltene Auszeichnung wurde einer jüdischen Lehrerin zu Theil. Frau Mathilde Salomo n, Directrice am College Sevigne, wurde zum Mitgliede des Oberrathes fiir öffentlichen Unterricht ernannt. Feuilleton. Rinder de» Ghetto. (Roman von I. Zangwill.) (Nachdruck verboten.) „Sie sind wirklich wunderschön, Mutter," sagte Lea. Ihre Aermel waren halb aufgekrämpelt und zeigten die fein modellirten, weißen Arme, die einen seltsamen Gegensatz zu den groben Händen bildeten. „O Mutter, sie leben noch," rief Milly, indem sie ihrer Schwester über die Schulter guckte. Beide wußten aus bitterer Erfahrung, daß ihre Mutter sich für eine Kennerin von Fischen hielt. „Und wie viel, glaubt Ihr, habe ich dafür gegeben?", fuhr Malta triumphirend fort. „27, Pfund," sagte Milly. Malta schüttelte den Kopf. „2 Pfund 15 Schilling," meinte Lea mit einer Miene, als hätte sie jetzt den Nagel auf den Kopf gettoffen. Malta schüttelte noch immer den Kopf. „Michael, was glaubst Du, habe ich dafür gegeben?" „Diamanten," erwiderte Michael. „Sei kein solcher Narr!", rief Malta streng. „Schau einen Augenblick her!" „Ach was!", sagte Michael, indem er von seinen Karten aufblickte. „Laß mich Mutter! Ich habe zu spielen." „Michael!", donnerte Malka, „wirst Du Dir diese Fische anschauen?! Wie viel, glaubst Du, habe ich dafür gegeben? Sieh sie nur an, sie leben noch." „Herr — ha", sagte Michael, indem er seinen complicirten Korkzieher aus der Tasche nahm und ihn wieder zurücklegte: „3 Pfund." „3 Pfund!", lachte Malka, „ein Glück, daß ich Dich nicht einkaufen schickte." „Ja, er wär' ein netter Kunde!" rief Sam Levin mit lautem Lachen. Nachdem Malka die Aufmerksamkeit Aller erregt hatte, rief sie triumphirend: „17* Pfund!" Sie konnte sich nicht enthalten, die fünf Schilling abzuziehen. Alles gerieth ihn Erstaunen. „Tu, tu!" riefen sie im Chor. „Was für eine Mezieh!" „Sam," sagte Ephraim gleich darauf. „Du hast Aß ausgegeben." Milly und Lea gingen in die Küche zurück. Das war ein beinahe zu rascher Rückfall in das alltägliche Leben und ließ Malka argwöhnen, daß die Bewunderung nur eine oberflächliche war. Sie drehte sich mit einem Anflug von übler Laune um und sah Esther noch immer schüchtern hinter sich stehen. Sie erröthete, denn das Kind hatte sie bei einer Lüge ertappt. „Worauf wartest Du noch?!"; ftagte sie rauh. „Da hast Du ein Pfeffermünzplätzchen!" „Ich dachte, daß Sie mich vielleicht noch zu etwas brauchen könnten", sagte Esther, nahm aber das Pfeffermünzplätzchen für Jsi an. „Und ich — ich —". „Nun, so sprich! Ich werde Dich nicht beißen." Malka fuhr fort, im Jargon zu sprechen, obwohl das Kind in englischer Sprache antwortete. „Ich — ich — nichts", sagte Esther und wandte sich ab. „Dreh' Dich um!", schrie Malka, indem sie die Hand auf den gewaltsam abgewendeten Kopf des Kindes legte. „Sei nicht so trotzig! Deine Muter war gerade so. Sie wollte mir den Kopf abreißen, weim ich sagte, daß Dein Vater kein Mann für sie sei, und dann hat sie eine ganze Woche lang geschmollt und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.