Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 30 (24.7.1896)
- Date
- 1896-07-24
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 596 Nr. 30 Dr. Vlortz's Wochrufchrip. Die Ausfuchung eines passenden Platzes für ein Hospital war keine geringe Arbeit, aber where there is a will there is a way, und der hebräische Satz Jogati mozoszi, hat sich noch niemals besser bewahrheitet, als bei dieser Gelegenheit. An der 149. Street und Westchester Avenue, auf einer Anhöhe von über 100 Fuß über dem Meeresspiegel, stand ein Nonnenkloster; ein schloßartiges Gebäude mit prachtvoll lichten Räumen, umgeben von Gebüsch und Bäumen, inmitten eines Areals von über 40 Lots. Aber nicht nur ein Hauptgebäude stand da, sondern auch Nebengebäude, eingerichtet für Vieh- und Geflügelzucht; auch das Feld war nicht brach gelegen, sondern war eingetheilt in Meen, Blumen- und Gemüsegärten. Dieses Gebäude wurde für Dollars 85.000 angekaust und repräsentirt heute einen Werth von Dollars 200.000, also beinahe das Dreifache des Kaufpreises. Alles das zu beschreiben, was Herr Jonas Weil für dieses Hospital gethan, würde Seiten füllen, wir wollen hier nur so viel bemerken, daß er seinen Zweck erreicht hat, denn wenn auch die Verwaltung mit den Schwierigkeiten des Anfanges zu kämpfen hat, konnte er doch in seinem Berichte mit gerechtem Stolze ausrufen: We are here to stay. * * * Am Sonntag, den 31. Mai, wurde eine Generalversammlung der Mitglieder der Hospitalgesellschaft abgehalten. Präsident Jonas Weil eröffnete die Versammlung und verlas unter lebhaftem Verfalle den Jahresbericht. Hierauf verlas Dr. Waldo folgenden Bericht über die Behandlung der Patienten, welcher ebenfalls mit großem Beifalle ausgenommen wurde. Während des Jahres wurden 585 Applikanten ausgenommen, von denen 301 vollständig curirt, 171 theils curirt — wiederkehrenden Leiden, — 30 sind als unheilbar entlassen, 2 wurden nach dem Bellevue Hospital transferirt — geisteskrank — und 30 sind gestorben. Alsokaum 5 Percent, der kleinste Percentsatz als in irgend einem Hospitale des Staates. Von diesen waren 519 nichtzahlende und blos 66 zahlende Patienten. Die Einnahmen während des Jahres 1895—96 waren: Dollars 22,210.82, die Ausgaben Dollars 21,003.40. Herr Jonas Weil wird unter den Philantropen New-Iorks als einer der Ersten genannt. Wenn das Lebanon-Hospital ihm das ist, was Herrn Jacob Schiff das Montesiore Home, Herrn Rice di U. H. Charittes und was dem verstorbenen Jesse Seligmann das Waisenhaus war, nämlich sein Günstling, so dehnt er nichtsdestoweniger seine Wohlthaten nach verschiedenen Richtungen aus. Es gibt kein Institut in der Stadt, zu dessen Erhaltung er nicht beiträgt. Außerdem hat seine Geburtsstadt Emmendingen Deutschland, verschiedene Stiftungen von ihm erhalten; Resolutionen von der lüdischen Gemeinde und von der Stadtbehörde bezeugen seine Freigebigkeit. Außerdem ist er Mitbegründer eines Altenheims für arme Israeliten in Deutschland. Er ist Ehrenmitglied mehrerer hiesiger Congregationen. Aber wie schon erwähnt, ist die Wohlthätigkeit des Herrn Weil so bekannt, daß wir mit dem Wunsche schließen: Gott möge ihn und die Seinigen dem Judenthume, sowie der gesammten Menschheit noch lange erhalten. Tanger (Marokko), 12. Juni. Am Montag, den 8. d. M-, gelangten durch Boten allerlei sich vielfach widersprechende Gerüchte über einen in der Provinz Emsaö und insbesondere in der Burg des Kaid Ben Achmed ausgebrochenen Aufstand nach der Hafenstadt Casablanca. Der wahre Sachverhalt, den man erst jetzt erkennt, ist folgender: Am Samstag, den 6. d. M., Abends, trafen vor der Burg des Ben Achmed 50 berittene Soldaten unter Führung eines Bochara-Oberften und geleitet von zwei Umana, Beamten des Finanzwesens, aus Parrakesch als Abgesandte des Sultans Mulei Ab-del-Aziz ein. Der Oberst überreichte dem Khalifa, dem Stellvertreter des Kaids, Si-el- Urbi Ben Selerki, einen Brief des Sultans, der die Aufforderung enthielt, den zwei Umana, die während der letzten Aufstände von den Aufftändischen ausgeraubten unterirdischen Getreidemagazine zu zeigen, um den dem Gouverneur und dessen Familie zugefügten Schaden abzuschätzen. Das war jedoch nur eine Falle, um den Khalifa bei Aufnahme des Thatbestandes, ohne Aufsehen zu erregen, festnchmen zu können. Wie der Khalifa von der wahren Absicht des Sultänsgesandten Wind bekam, ist noch nicht aufgeklärt, jedenfalls ließ er in der Nacht seine Familie in Sicherheit bringen, und er selbst zeigte sich am folgenden Morgen in Begleitung eines zu Fuße folgenden Sclaven und dreier gleich chm wohlbewaffneten und berittenen Freunde am großen Burgthor. Auf die Frage der Sultanssoldaten, » wohin sein Weg gehe, erklärte er, wie verabredet sei, nach dem Mirs, den unterirdischen Getreidegruben. Den Soldaten mußten wohl die gute Bewaffung des Khalifa und seiner Begleiter nicht gefallen haben, und sie schlugen, in der Befürchtung, daß ihnen der Vogel entkommen könne, Alarm. Aber der Khalifa brach sich Bahn, schoß seinen zögernden Sclaven und drei der Verfolger nieder und entkam zu einem nicht weit enfternt wohnenden befreundeten Stamme, dessen Schutz er sich anvertraute und den er zur Rache auftief. Nun wurde die Burg im Verein mit allen übrigen umliegenden Stämmen, die mit Windeseile herangesprengt kamen — denn kein Volk ist hurtiger als die Araber, wenn es an's Rauben geht — gestürmt, vollständig ausgeplündert und alles, was nicht besonders niet- und nagelfest war, niedergerissen. Etwa 300 Läden und Kaufmairnslager, außer den Häusern von Mohemmedanern und Juden, sind geleert und ein Raub der Flammen geworden, wobei nicht allein die Bewohner der Burg und des Judenviertels theils aller Kleider beraubt, umkamen, sondern sich die Räuber untereinander aus Habgier und Neid todtschlugen. Schreckliche Scenen ereigneten sich, und alle jüngeren Jüdinnen, Frauen und Mädchen, wurden von den Rebellen als gute Preise zum späteren Auslösen mitgeschleppt. Das um die Burg gelegene große Hüttendorf von Beduinen wurde ein Raub der Flammen und zahlreiches Vieh, Kameele, Ochsen, Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde wurden geraubt, die Sultanssoldaten wurden zum Theile niedergemacht; wer am Leben blieb, suchte, der Kleidung beraubt, sein Heil in der Flucht. Die beiden Umana langten mehr todt als lebend in einer entfernten Burg an. Die ganze Bevölkerung von Casablanca und Umgegend ist empört über die Hinterlist der Regierung, die dieses Morden veranlaßt hat, und selbst die Beamten schütteln mißbilligend ihre Häupter. Ferner wird bekannt, daß der Gouverneur ben Achmed, der sich im Gefolge des Sultans in Marrakesch befand, ins Gefängniß geworfen wurde. Ben Achmed ist ein gerechter Beamter — ein weißer Rabe hierzulande — und hat sich länger als zwei Jahre als der Tapfersten einer, belagert von Tausenden von Arabern, die der reichen Burg Emsab habhaft werden wollten, mit seiner Anhängerschaft wie keiner seinesgleichen gehalten. Er hatte sich dadurch in Casablanca große Beliebtheit und 'Achtung erworben. Wie nun soeben zur allgemeinen Trauer bekannt wird, hat Ben Achmed sich im Gefängnisse durch Dolchstiche entleibt. Die Hetze gegen ihn geht von dem Großvezier Bo Achmed aus, der ihn als Freimd und Anhänger seines Vorgängers vernichten wollte. Emsab/ist etwa 15 Reitstunden von Casablanca in östlicher Richtung^ gelegen, es ist eine der Hauptproductionsprovinzen für Ausfuhrartikel nach Europa und ebenso Absatzgebiet europäischer Handelserzeugnisse. Seine Lage ist günstig, der Boden sehr ftuchtbar und wasserreich. In Folge dessen hat ein großer Theil der hebräischen und mohammedanischen Kaufmannschaft von Casablanca Zweiggeschäfte in der etwa 3000 Einwohner zählenden Burg errichtet und betreibt daselbst ein ergiebiges Geschäft. Der Werth der von Casablanca dort lagernden Güter, das heißt europäischer Waaren, wird auf rund Pfund Sterling 500.000 geschätzt, woran europäische Kaufleute und deren Protegirte mit etwa 150.000 Duros betheiligt sein dürften. Wien, 12. Juli. Dr. Herzl war in Constantinopel in der Lage, seinen Plan den maßgebendsten Persönlichkeiten vorzutragen. Das Resultat war ein verhältnißmäßig günstiges, die türkischen Staatswürdenträger stehen nunmehr der Staatsidee nicht unsympathisch gegenüber. Als vielversprechendes Zeichen darf es gelten, daß Dr. Herzl vom Sultan durch Verleihung des Medjidje-Ordens II. Classe ausgezeichnet wurde, sowie daß ihm auf speciellen Befehl des Sultans dessen Paläste und Schätze gezeigt wurden, was stets als Zeichen besonderer Gunst betrachtet wird. Wien. (Fremde Orden.) Seine Majestät der Kaiser hat gestattet, daß der Feldwebel Josef Spitzer, die Rechnungs- Unterofficiere I. Classe Carl Weinberger und Nathan S ch o r, der Zugsführer Moses Pfeffer und der Corporal Mordche Birnbaum die Medaille des großherzoglich Luxemburg'schen Ordens der Eichenkrone annehmen und tragen dürfen. Wien. (Ordensdecoration.) Seine Majestät der Kaiser hat dem österreichisch-ungarischen Honorarconsul Ar-